Jean-Paul Belmondo wurde am 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine, Hauts-de-Seine (Frankreich), als Sohn des berühmten Bildhauers Paul Belmondo (1898 – 1982) und der Tänzerin Madeleine Belmondo geboren; sein Vater war eine Zeit lang Präsident der Pariser Akademie der Schönen Künste. Sohn Jean-Paul hatte mit den "schönen Künsten" zunächst jedoch nichts im Sinn und versuchte ab 1949 Karriere als Boxer zu machen. Dann jedoch gab er diese Pläne nach 30 Kämpfen als Amateurboxer auf und besuchte eine Schauspielschule, gab sein Theaterdebüt und zog anschließend drei Jahre lang mit Wanderbühnen durch die Provinz. Im zweiten Anlauf besuchte er dann das Konservatorium in Paris und erhielt dort eine Ausbildung in Dramaturgie bei Pierre Dux, der Auftritte bei verschiedenen Pariser Bühnen folgten.
1956 bekam er seine erste Filmrolle in dem Kurzfilm "Molière", in weiteren, eher unbedeutenden Produktionen spielte er hauptsächlich komische Rollen, bis er von Jean-Luc Godard in einem Café entdeckt und 1960 als Gangster für "Außer Atem"1) (A bout de souffle2)) engagiert wurde. Belmondo spielte einen Gangster auf der Flucht vor der Polizei. Das Mädchen alias Jean Seberg, das er liebt, verpfeift ihn. Enttäuscht geht der junge Mann trotzdem seinen Weg – bis in den gewollten Tod. Nicht die an sich banale Geschichte, sondern die moderne collagenhafte Machart des Films der "Neuen Welle" zeichneten den inzwischen zum Kultfilm avancierten Krimi aus. 

Foto: Jean-Paul Belmondo anlässlich der
"Internationalen Filmfestspiele" in Cannes 1988
Urheber: Georges Biard;  Lizenz: CC-BY-SA 3.0
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons;
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Jean-Paul Belmondo bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 1988; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert.
Belmondo wurde mit seiner unterkühlt-lässigen Darstellung eines desillusionierten Typen, einer Weiterführung und vorsichtigen Parodie des Typus Bogart/Brando, über Nacht international berühmt und der Film wurde auch finanziell ein Riesenerfolg. Bei Godart erhielt er übrigens 1965 noch einmal eine Titelrolle in "Pierrot le fou"2) (11 Uhr nachts). In den 1960er Jahren verkörperte Belmondo Abenteurer, Gangster, Spitzel und komische Helden, ebenso gut wie Verlierer, Priester und tragische Liebhaber. Die Filme waren eher durchschnittlich, aber mit prominenter Besetzung. Belmondo war sich für keine Rolle zu schade. Er probierte alles aus und drehte rastlos, ohne Unterbrechung. "Bebel" wie er in Frankreich zärtlich genannt wird, spielte in zahllosen erfolgreichen Filmen, darunter 1960 in "Der Panther wird gehetzt"1) (Classe tous rissques2)), 1961 in "Das Haus in der Via Roma" (La viaccia) und "Cartouche, der Bandit"1) (Cartouche) oder ein Jahr später in dem Gangsterstreifen "Der Teufel mit der weißen Weste"1) (Le doulos). Philippe de Brocas "Abenteuer in Rio" (L'Homme de Rio) wurde 1964 zu einem Wendepunkt. Belmondo spielte einen Luftwaffensoldaten, der Zeuge wird, wie seine Verlobte nach Rio entführt wird. Die Verfolgungsabenteuer des Helden zeigten nun einen James Bond-Typen, weltmännisch und unerschütterlich.
Bis weit in die 1980er Jahre drehte Belmondo Film auf Film und fast alle waren so erfolgreich wie 1969 "Das Geheimnis der falschen Braut"1) (La sirène du Mississippi2)) mit Catherine Deneuve oder "Borsalino"2) (1970) mit Alain Delon.
Rasant und mit dem ihm eigenen Siegerlächeln stürmte Belmondo durch Produktionen wie den Kostümfilm "Musketier mit Hieb und Stich"1) (1972, Les Maries De L'An Deux), José Giovannis Gangsterdrama "Der Mann aus Marseille"1) (1972, La scoumoune2)) oder de Brocas Agentenpersiflage "Der Teufelskerl"1) (1973, Le Magnifique). 
Belmondo wechselte stets wohldosiert zwischen den Genres der Komödie und des harten Kriminalfilms, schlüpfte in viele verschiedene Masken, war "Der Draufgänger" (1972, L' Heritier), "Der Halunke"1) (1972, Docteur Popaul), "Der Unverbesserliche" (1975, L'Incorrigible), "Der Greifer"1) (1975, L'Alpagueur2)), "Ein irrer Typ"1) (1977, L'Animal2), mit Raquel Welch), "Der Puppenspieler"1) (1979, Le guignolo2)) oder ein Top-Agent in dem Spionagefilm "Der Profi"1) (1981, Le professionnel2)).
 

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung der
(nicht mehr existierenden) "e-m-s new media AG"2)

Der Greifer
Angst über der Stadt Mit Henri Verneuil realisierte er den rasanten Action-Krimi "Angst über der Stadt"1) (1974, Peur sur la ville2)) und den Krimi "Der Körper meines Feindes"1) (1976, Le corps de mon ennemi), mit Alexandre Arcady die ganz auf Belmondo zugeschnittene Krimikomödie "Der Boss"1) (1981, Hold up2)). Ein Grund für den Erfolg seiner actionreichen Filme war Belmondos Vorliebe für gefährliche und spektakuläre Szenen, die er ohne Stuntman selbst spielte wie auch 1982 in der Actionkomödie "Das As der Asse"1) (L'as des as2)) – besonders den Frauen gefiel sein Draufgänger-Image.
 
1987 nahm Belmondo wieder seine Theaterarbeit auf und wurde unter anderem in der Rolle des "Cyrano von Bergerac" gefeiert. Der ein Jahr zuvor gedrehte Streifen "Der Profi 2"2) (Le Solitaire) war allerdings ein großer Flop und zeigte, dass auch der Belmondo-Typus nach fünfzehn Jahren Abnutzungserscheinungen aufwies. 1992 sah man Belmondo dann wieder in dem Kriminalfilm "Das unheimliche Haus"1) (L'inconnu dans la maison), den Regisseur Georges Lautner nach dem gleichnamigen Bestseller von Simenon gedreht hatte.
1994 wirkte Belmondo in Agnès Vardas Komödie "101 Nacht – Die Träume des Monsieur Cinéma"1) (Le cent et une nuit) mit, 1995 in Claude Lelouchs Victor-Hugo-Literaturverfilmung "Les Misérables" sowie 1999 neben Alain Delon in Patrice Lecontes Komödie "Alle meine Väter"1) (Une chance sur deux) und ein Jahr später in Philippe de Brocas Abenteuerkomödie "Amazone" – seine vorerst letzte Arbeit für das Kino.
  
  
 DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung der
(nicht mehr existierenden) "e-m-s new media AG"2)
Nachdem Belmondo Mitte 2001 mit einem Schlaganfall in ein Pariser Krankenhaus eingeliefert worden war, trat der Star beruflich kürzer. Im Januar 2008 ging durch die Presse, Belmondo stehe seit Jahren wieder vor der Kamera. In der Neufassung von "Umberto D."2), Anfang der 1950er Jahre gedreht von Vittorio de Sica, hatte er eine Rolle übernommen. In dem Film mit dem Titel  "Ein Mann und sein Hund"2) (Un homme et son chien) von Regisseur Francis Huster spielt er die Hauptrolle eines Rentners, der verlassen von allen, ums Überleben kämpft. Nach der Uraufführung am 13. November 2008 beim "Festival du film de Sarlat"*) hatte der Film 2009 seine Kinopremiere in Frankreich und wurde im August 2010 im Nachtprogramm der ARD gezeigt. Mitproduziert hat den Film die deutsche Degeto. In deutsche Kinos kam der Film nicht. In Frankreich war er ein Flop, fiel bei Kritik und Publikum mehr oder weniger durch. Innerhalb von zwei Wochen sahen ihn (nur) 165.200 Zuschauer.**)3) Cinema.de notiert: Gezeichnet von seinem 2001 erlittenen Schlaganfall, gelingt Belmondo ein anrührendes Außenseiterporträt. Dennoch erreicht der träge Film nie das Niveau der italienischen Vorlage "Umberto D. (1952)".
Der charismatische Schauspieler avancierte zu einem Markenzeichen des französischen Films und gilt vielen Kritikern als würdiger Nachfolger von Jean Gabin4) (1904 – 1976). 1963 schrieb er seine Memoiren unter dem Titel "Trente ans et 25 films" (Thirty Years and 25 Films). 
Seine Preise können sich sehen lassen, unter anderem erhielt er 1989 den "César"
2 als "Bester Hauptdarsteller" in Claude Lelouchs Drama "Der Löwe"2), rund zehn Jahre später überreichte man ihm 1998 in Deutschland die "Goldene Kamera"2) für sein Lebenswerk. Wegen seines Engagements für das Filmgeschäft und für die französischen Schauspielergewerkschaft wurde der Exportartikel "Belmondo" 2006 zum Träger des "Ordre national du Mérite et des Art et des Lettres"2) ernannt, im darauffolgenden Jahr zum Ritter der "Ehrenlegion"2) gekürt. 2011 erhielt er mit der "Goldenen Palme"2) eine neuerliche Würdigung seines Lebenswerks, 2012 wurde ihm der belgische "Leopoldsorden" ("Ritter") ans Revers geheftet. Erwähnt werden sollte sicherlich, dass Belmondo 1995 von dem "Empire magazine" zu einem der 100 attraktivsten Filmschauspieler der Filmgeschichte gewählt wurde.
 

Foto: Jean-Paul Belmondo anlässlich der
"Internationalen Filmfestspiele" in Cannes 2001
Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0
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Jean-Paul Belmondo bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2001;  Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert.
Jean-Paul Belmondo 2013; Urheber: Georges Biard; Lizenz: CC-BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons Nach der Scheidung 1966 von seiner ersten Frau Renée Constant, genannt Elodie, die er 1959 geheiratet hatte lebte er mit Ursula Andress4) und Laura Antonelli zusammen. 1989 lernte er die brasilianische, mehr als 30 Jahre jüngere Schönheit Nathalie "Natty" Tardivel kennen und lieben, Ende Dezember 2002 heiratete Belmondo seine langjährige Gefährtin in Paris. Trauzeuge war der Fernsehproduzent Michel Drucker, die Regisseure Claude Lelouch und Robert Hossein, der Schriftsteller Bernard-Henri Lévy und die Schauspieler Jean Rochefort und Jean-Claude Brialy gehörten zu den ausgewählten Gästen. Die gemeinsame Tochter Stella kam im Jahr 2003 zur Welt. Im September 2008 ging durch die Presse, dass Belmondo und "Natty" bereits seit Monaten geschieden seien und sich nach 19 gemeinsamen Jahren im gegenseitigen Einvernehmen offiziell getrennt hätten; im Im September 2008 bestätigte Belmondo diese Information den Medien gegenüber. Seine Beziehung zu der mehr als 40 Jahre jüngeren Barbara Gandolfi soll er Presseberichten zufolge nach vier gemeinsamen Jahren im Herbst 2012 beendet haben.
Aus seiner Ehe mit Renée Constant stammen drei Kinder: die Töchter Patricia, Florence und Sohn Paul; seine älteste Tochter Patricia starb 1994 bei einem Brand. Keines seiner Kinder wollte Schauspieler werden, aber seinen Sohn kann man in einer Nebenrolle in der Serie "Itineraire d'un enfant gate" sehen.
 
 
Foto: Jean-Paul Belmondo 2013
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Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de;
siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.whoswho.de
Link: 1)  prisma.de, 2) Wikipedia, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP Stand Mai 2015
Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 28.03.2011, mit den Fußnoten:
*) Daten zur Uraufführung (französisch)
**) Le Point über den finanziellen Misserfolg von "Ein Mann und sein Hund", publiziert am 2. Februar 2009, abgerufen am 9. August 2010 

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