Vittorio De Sica Ende März 1962; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 913-6783); Urheber/Fotograf: Harry Pot / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL Vittorio De Sica wurde am 7. Juli 1901 in der östlich von Rom gelegenen GemeindeSora als Sohn des Bankbeamten Umberto De Sica geboren und wuchs in Neapel auf. Schon als 16-Jähriger stand er 1918 in Eduardo Bencivengas Stummfilm "Il processo Clémenceau" (Die Affäre Clémenceau) vor der Kamera. Zunächst machte er auf Wunsch seines Vaters jedoch eine Ausbildung zum Buchhalter, schloss sich dann 1924 der Theatergruppe von Tatiana Pavlova an und gründete Anfang der 1930er Jahre seine eigene Schauspieltruppe; zusammen mit seiner ersten Frau Giuditta Rissone1) (1895 – 1977) realisierte er zahlreiche erfolgreiche Vorstellungen. Seine dort entstandene, populäre Figur des frechen, unbekümmerten jungen Mannes, der besonders auf Frauen wirkte, machte bald den Film auf ihn aufmerksam und er konnte diesen Typus auch auf der Leinwand entfalten. Nach unzähligen Nebenrollen gelang ihm 1932 der Durchbruch mit der Titelrolle in Mario Camerinis Komödie "Gli uomini, che mascalzoni!" (Die Männer taugen nichts) und der junge Schauspieler wurde bald zum populären jugendlichen Liebhaber im italienischen Film der 1930er Jahre.
 
Vittorio De Sica Ende März 1962
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief;
Bestandsnummer: 913-6783)
Urheber/Fotograf: Harry Pot / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL
De Dica arbeitete mit mit fast allen bekannten italienischen Regisseuren zusammen, verdankte seine besten Rollen jedoch Mario Camerini1) (1895 – 1981), wie beispielsweise die Hauptrollen in "Darò un millione" (1934) und "Il signor Max" (1937). 1940 zeichnete De Sica für Giuseppe Amatos heitere Geschichte "Rose scarlatte" neben seiner Hauptrolle erstmals Co-Regisseur verantwortlich, mit den folgenden Werken wie "Maddalena zero in condotta" (1940) und "Teresa Venerdì" (1941, Verliebte Unschuld) bewies er schon früh sein Talent als Regisseur.
Während des 2. Weltkrieges begann De Sica nun schwerpunktmäßig mit seiner Arbeit hinter der Kamera und seine ersten vier Filme waren routinierte Streifen in der Tradition jener Zeit. Bereits sein fünfter Film "I bambini ci guardano" (1944) wies in eine andere Richtung und war ein reifes, empfindsames Werk über das Aufeinanderprallen der Torheit der Erwachsenen und dem unschuldigen kindlichen Geist.
1943 begann die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Cesare Zavattini1) (1902 – 1989), die sich bis in die 1960er Jahre erstreckte. Ihr verdankte der italienische Film Meisterwerke des Neorealismus1) wie "Sciuscià"1) (1946, Schuhputzer), der Geschichte zweier streunender Jugendlicher im Rom der frühen Nachkriegszeit, und zwei Jahre später den Klassiker "Ladri di biciclette"1) (1948, Fahrraddiebe), einer zu Herzen gehenden Studie über die ärmlichen Verhältnisse im Italien der Nachkriegszeit; hierfür erhielt De Sica seinen ersten Oscars als "Bester Auslandsfilm" und wurde international bekannt.
Da De Sicas finanziellen Mittel für seine frühen Filmproduktionen recht bescheiden waren, drehte er seine Geschichten an realen Schauplätzen und besetzte sie mit Laienschauspielern. Er nutzte dokumentarische Effekte und ließ den Zuschauer das Verhältnis zwischen Arbeitern und Ärmsten der Armen in einem oftmals feindlichen sozialen und politischem Umfeld erleben. Die Erzählungen waren mutig und eindringlich und zeigten nicht nur die Wahrheit über die armseligen italienischen Verhältnisse jener Zeit, sondern repräsentierten ebenso einen radikalen Bruch mit den bisherigen Konventionen des Films.
Gemeinsam mit Roberto Rossellini1) (1906 – 1977) und Luchino Visconti1) (1906 – 1976) prägte De Sica den Stil des Neorealismus, trug maßgeblich zur Erneuerung des italienischen Films bei und schuf Klassiker, die nicht mehr aus der internationalen Filmgeschichte wegzudenken sind. Es folgten so erfolgreiche, vielbeachtete Produktionen wie "Miracolo a Milano"1) (1951, Das Wunder von Mailand), in seiner allegorischen Handlung einem Balanceakt gleich zwischen Optimismus und tiefer Verzweiflung über die traurige Lage der Ärmsten in der Industriegesellschaft. Ein Jahr später drehte er mit "
Umberto D."1) seinen letzten neorealistischen Film, ein trauriges, beunruhigendes Epos über die Problematik des Alterns und die damit verbundene Einsamkeit; beide Filme zählen wohl zu den besten Leistungen De Sicas.

In den 1960er Jahren wandte sich der Schauspieler und Regisseur dann kommerzielleren und leichteren Filmproduktionen zu, in denen meist Sophia Loren2) die weibliche Hauptrolle spielte, darunter "Ieri, oggi, domani"1) (1963, Gestern, heute und morgen), einem Episodenfilm, der De Sica wiederum einen Oscar einbrachte. Große Publikumserfolge erzielte er auch mit den starbesetzten Komödien "Matrimonio all'italiana"3) (1964, Hochzeit auf italienisch) oder dem Episodenfilm "Woman Times Seven3) (1966, Siebenmal lockt das Weib) um Shirley MacLaine, zu dem Zavattini wiederum das Drehbuch abgeliefert hatte.
Parallel zu der umfangreichen Regiearbeit arbeitete De Sica auch weiterhin als Schauspieler. Neben unbedeutenden Rollen, die er annahm, um seine ehrgeizigen Filmprojekte zu finanzieren, stellte er auch immer wieder sein Können in anspruchsvollen Leinwandwerken unter Beweis, so als ländlicher Polizist in Luigi Comencinis Komödie "Pane, amore e gelosia" (1953, Liebe, Brot und Phantasie), als verarmte Graf und Glücksspieler an der Seite von Marlene Dietrich in Samuel A. Taylors "Monte Carl"1) (1956, Monte Carlo Story) oder in Roberto Rossellinis Drama "Il generale Della Rovere"3) (1959, Der falsche General). In den 1950er Jahren glänzte De Sica oft als Bonvivant und verführerischer Charmeur auf der Leinwand und mimte dabei meist in komisch überzogener Form unwiderstehlich den "Gockel".
De Sica war zudem viel im Ausland tätig und spielte beispielsweise 1957 unter der Regie von Charles Vidor in dessen Hemingway-Adaption "A Farewell to Arms"1) (In einem anderen Land) den Frauenheld Dr. Rinaldi, zeigte sich in Abel Gances Historienepos "Austerlitz"3) (1960, Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone) als Papst Pius VII. oder in "
Le meraviglie di Aladino"1) (1962,Aladins Abenteuer) als Flaschengeist Dschinn.
Für sein Regie-Alterswerk, der Romanverfilmung "Il giardano dei Finzi Contini"1) (1970, Der Garten des Finzi Contini), einer eindrucksvollen Studie über Antisemitismus im faschistischen Italien, erhielt De Sica 1970 erneut zahlreiche Auszeichnungen, darunter einen "Oscar" als "Bester fremdsprachiger Film", anlässlich der Berliner Filmfestspielen den "Goldenen Bären" sowie den bedeutenden italienischen Filmpreis "David de Donatello"
1) als "Bester italienischer Film des Jahres". Die Pariser Erstaufführung seines 1973 begonnenen letzten Werks "Il viaggio"3) (Die Reise nach Palermo) nach einer Novelle von Pirandello, für den Sophia Loren einen Darstellerpreis erhielt, erlebte er im Herbst 1974 bereits schwer erkrankt.

Im Verlaufe seiner über ein halbes Jahrhundert währenden Karriere wirkte De Sica als Schauspieler in über 150 Kinofilmen, stand für rund 35 Filme hinter der Kamera, die mit zahllosen internationalen Auszeichnungen und Preisen belohnt wurden. Der erfolgreichen Regiearbeit De Sicas verdankten vor allem Sophia Loren2) und Marcello Mastroianni2) (1924 – 1996) ihren internationalen Ruhm – er hatte sie entdeckt und maßgeblich gefördert.

1968 ließ sich De Sica von seiner ersten Frau Giuditta Rissone1) (1895 – 1977), die er 1933 geheiratet hatte, scheiden, um die spanische Schauspielerin María Mercader1) (1918 – 2011) zu heiraten, mit der er bereits seit 1942 zusammengelebt hatte. Eine Scheidung war für ihn im katholischen Italien unmöglich gewesen und erst nachdem De Sica die französische Staatsbürgerschaft erlangt hatte, konnte die Trennung von Giuditta Rissone auch offiziell vollzogen werden. Aus der Verbindung mit Maria Mercador-Forcada stamm(t)en die Söhne Manuel De Sica1) (1949 – 2014), der ein erfolgreicher Komponist wurde, und Christian De Sica1) (geb. 1951), der als Schauspieler und Regisseur in die Fußstapfen seines Vaters trat.
Der großartige Regisseur und Filmschauspieler Vittorio De Sica starb am 13. November 1974 im Alter von 72 Jahren in Paris an Lungenkrebs. Seine letzte Ruhe fand er auf dem "Cimitero del Verano"1) in Rom, wo unter anderem auch die legendären Regisseure Luchino Visconti und Sergio Leone1) sowie die Schauspieler Vittorio Gassman
2)  und Marcello Mastroianni  beigesetzt wurden.  
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de
Link: 1) Wikipedia, 2)  Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) prisma.de
Kinofilme als Schauspieler
(Auszug; R = auch Regie)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, prisma.de)
Stummfilme
  • 1917: Il processo Clémenceau
  • 1926: La bellezza del mondo
  • 1928: La compagnia dei matti
Tonfilme
  • 1932: Due cuori felici
  • 1932: Gli uomini, che mascalzoni! (Die Männer taugen nichts)
  • 1932: La vecchia signora
  • 1933: Das Lied der Sonne
  • 1933: Passa l'amore
  • 1934: La canzone del sole
  • 1934: Tempo massimo
  • 1936: Darò un milione
  • 1936: Lohengrin
  • 1936: L'uomo che sorride
  • 1937: Il signor Max
  • 1937: Ma non è una cosa seria (Der Mann, der nicht nein sagen kann)
  • 1938: Le due madri
  • 1938: Hanno rapito un uomo (Ein Mann wird entführt)
  • 1938: Napoli che non muore
  • 1939: Ai vostri ordini signora
  • 1939: I grandi magazzini (Alarm im Warenhaus)
  • 1939: Castelli in aria (Ins blaue Leben)
  • 1939: Pazza di gioia
  • 1940: La peccatrice
  • 1940: Manon Lescaut
  • 1940: Maddalena, zero in condotta (Maddalena, ein Mädchen mit Pfiff; R)
  • 1941: Teresa Venerdì (Verliebte Unschuld; R)
  • 1941: Un garibaldino al convento (R)
  • 1942: L'avventuriera del piano di sopra
  • 1946: Lo sconosciuto di San Marino
  • 1947: Cuore
  • 1947: Il mondo vuole così (Wer Geld hat, hat mehr vom Leben)
  • 1947: Sperduti nel buio
  • 1948: Natale al campo 119
  • 1950: Domani è troppo tardi (Morgen ist es zu spät)
  • 1951: Cameriera bella presenza offresi…
  • 1952: Altri tempi (Andere Zeiten)
  • 1952: Buongiorno, elefante! (Guten Tag, Herr Elefant)
  • 1953: Madamede … (Madame …)
  • 1953: Pane, amore e fantasia (Liebe Brot und Phantasie)
  • 1953: Villa Borghese (Römischer Reigen; R)
  • 1954: Cento anni d'amore
  • 1954: L'allegro squadrone (Husarenstreiche)
  • 1954: Gran varietà
  • 1954: L'oro di Napoli (Das Gold von Neapel; R)
  • 1954: Il matrimonio
  • 1954: Pane, amore e gelosia (Liebe Brot und Eifersucht)
  • 1954: Vergine moderna
  • 1955: Racconti romani (Vier Herzen in Rom)
  • 1955: La bella mugnaia (Eine Frau für schwache Stunden)
  • 1955: Pane, amore e … (Liebe, Brot und tausend Küsse)
  • 1955: Peccato che sia una canaglia (Schade, dass Du eine Kanaille bist!)
  • 1956: I colpevoli (Maurizio)
  • 1956: I giorni più belli
  • 1956: I nostri anni più belli
  • 1956: Il bigamo (Bigamie ist kein Vergnügen)
  • 1956: La fortuna di essere donna (Wie herrlich, eine Frau zu sein)
  • 1957: Monte Carlo (Die Monte Carlo Story)
  • 1956: Mio figlio Nerone (Neros tolle Nächte)
  • 1956: Tempo di villeggiatura (Das fröhliche Urlaubshotel)
Noch: Tonfilme
  • 1957: I colpevoli (Die Schuldigen)
  • 1957: A Farewell to Arms (In einem anderen Land)
  • 1957: Il medico e lo stregone (Arzt und Hexenmeister)
  • 1957: Amore e chiacchiere (Liebe und Geschwätz)
  • 1957: La donna che venne dal mare (Die Spionin von Gibraltar)
  • 1957: Casino de Paris
  • 1957: Padri e figli (Väter und Söhne)
  • 1957: Vacanze a Ischia (Ferien auf der Sonneninsel)
  • 1957: Totò, Vittorio e la dottoressa (Mein Allerwertester)
  • 1958: Anna di Brooklyn (Anna von Brooklyn; R)
  • 1958: Ballerina e buon Dio
  • 1958: La ragazza di piazza San Pietro
  • 1958: Pezzo, capopezzo e capitano (Kanonen-Serenade)
  • 1958: Policarpo, ufficiale di scrittura (Tollpatsch macht Karriere)
  • 1958: Una mujer para Marcelo (Sei helle, bleib Junggeselle)
  • 1959: Il generale Della Rovere (Der falsche General)
  • 1959: Il moralista
  • 1959: Nel blu dipinto di blu (Volare)
  • 1959: Il nemico di mia moglie (Mein schöner Ehemann)
  • 1959: Uomini e nobiluomini
  • 1960: Austerlitz (Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone)
  • 1960: Gastone
  • 1960: Ferdinando I. re di Napoli
  • 1960: Il vigile (Wie schön, ein Polizist zu sein)
  • 1960: Fontana di Trevi
  • 1960: It Started in Naples (Es begann in Neapel; R)
  • 1960: Le pillole di Ercole
  • 1960: Un amore a Roma (Liebesnächte in Rom)
  • 1960: The Angel Wore Red
  • 1961: Gli attendenti (Unser Bursche, der Herr Professor)
  • 1960: The Millionairess (Die Millionärin)
  • 1961: Gli incensurati
  • 1961: I due marescialli
  • 1961: L'onorata società
  • 1961: Il giudizio universale
    Das jüngste Gericht findet nicht statt; auch Regie)
  • 1961: Vive Henri IV… vive l'amour!  (Das Bett des Königs)
  • 1961: La Fayette
  • 1961: Le meraviglie di Aladino (Aladins Abenteuer)
  • 1962: Eva
  • 1965: Io, io, io… e gli altri
  • 1965: The Amorous Adventures of Moll Flanders
    (Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders)
  • 1967: Caroline chérie (Caroline Chérie: Schön wie die Sünde)
  • 1967: Gli Altri, gli altri e noi
  • 1967: Un italiano in America 
  • 1968: Shoes of the Fisherman (In den Schuhen des Fischers)
  • 1968: The Biggest Bundle of Them All (Die Platinbande)
  • 1969: If It's Tuesday, This Must Be Belgium (So reisen und so lieben wir)
  • 1969: Una su 13 (Zwölf plus eins)
  • 1971: Cose di Cosa Nostra
  • 1971: L'odeur des fauves
  • 1971: Ettore lo fusto (Das Pferd kam ohne Socken)
  • 1971: Siamo tutti in libertà provvisoria
  • 1971: Io non vedo, tu non parli, lui non sente
  • 1971: Trastevere
  • 1972: Snow Job
  • 1973: Storia de fratelli e de cortelli
  • 1973: Il delitto Matteotti (Die Ermordung Matteottis)
  • 1974: Andy Warhol's Dracula
  • 1974: Viaggia, ragazza, viaggia, hai la musica nelle vene
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