Albert Finney wurde am 9. Mai 1936 in Salford1) bei Manchester (Großbritannien) als Sohn eines Buchmachers geboren. Zunächst besuchte er die "Salford Grammar School" und da er bereits als Junge durch ungewöhnliche Begabung bei Schulaufführungen aufgefallen war, bewarb er sich auf Anraten seines Schuldirektors bei er Londoner "Royal Academy of Dramatic Art"1). Er wurde angenommen und erregte erstmals 1956 in der Studenten-Produktion des Stücks "The Face of Love" von Ian Dallas1) mit der Figur des Troilus Aufmerksamkeit, einer modernen Variante des Dramas Shakespeare-Dramas "Troilus and Cressida"1). Nach Abschluss des Studien ging er zur Spielzeit 1956/57 zunächst an das "Birmingham Repertory Theatre", machte hier sofort mit der Doppelrolle des Mitverschworenen Decius bzw. des Soldaten Strato in Shakespeares "Julius Caesar"1) von sich reden. Mit der Titelrolle in Shakespeares "Heinrich V."1) festigte er dann endgültig seinen Ruf als exzellenter Charakterdarsteller. Er gab unter anderem den Francis Archer in "The Beaux' Stratagem" von George Farquhar1) oder den Malcolm in "The Lizard on the Rock" von John Hall. Zwei Jahre später zog Finney ihn 1958 zurück nach London und er wurde Mitglied der "Royal Shakespeare Company"1). Auf Einladung von Charles Laughton sah man Finney in London erstmals in dessen Inszenierung des Schauspiels "The Party" der britischen Schriftstellerin und Schauspielerin Jane Arden (1927 – 1982). Im Folgejahr feierte er in Stratford-upon-Avon einen riesigen Erfolg mit der Titelrolle in der Shakespeare-Tragödie "Coriolanus"1), als er für den erkrankten Laurence Olivier einsprang. Zwischen 1972 und 1975 war Finney fest am Londoner "Royal Court Theatre"1) engagiert, brillierte hier beispielsweise 1975 mit der Titelrolle in Peter Halls1) Inszenierung von Shakespeares "Hamlet"1) – unter anderem gab Angela Lansbury1) Hamlets Mutter, Königin Gertrude. Am "Royal National Theatre"1) machte er im Juni 1978 mit der Titelrolle in "Macbeth"1) Furore, einmal mehr inszenierte Peter Hall ein Shakespeare-Drama mit Albert Finney. Bereits 1959 hatten beide am "Royal Shakespeare Theatre"1) in Stratford-upon-Avon zusammengearbeitet, Finney gestaltete in der Inszenierung von "Ein Sommernachtstraum"1) den Lysander; die Aufführung von "A Midsummer Night's Dream" wurde auch im Fernsehen übertragen  → IMDb.
 
Sein Leinwanddebüt gab Finney 1960 unter der Regie von Tony Richardson1) mit einer kleinen Rolle als Sohn des von Laurence Olivier dargestellten Protagonisten Archie Rice im Prolog der John Osborne-Verfilmung "The Entertainer"1) (Der Komödiant).
In den folgenden Jahren spezialisierte Finney sich beim Film auf die Darstellung kraftvoller Unterklasse-Charaktere, wie etwa 1963 mit der eindrucksvollen Interpretation der Titelrolle in Richardsons Komödie "Tom Jones"1) (Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen), einer Adaption des frivolem Sittenromans "The History of Tom Jones, a Foundling"1) von Henry Fielding1). Für seine schauspielerische Leistung wurde Finney mit einer ersten "Oscar"-Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" belohnt, unterlag jedoch Sidney Poitier in "Lilien auf dem Felde"1). Als unzufriedener Arbeiterheld war er 1960 der Protagonist in dem von Karel Reisz1) in Szene gesetzten sozialkritischen Drama "Saturday Night and Sunday Morning"1) (Samstagnacht bis Sonntagmorgen) gewesen, einem der neuen realistischen Filme, mit denen das britische Kino in den 1960er Jahren einen Aufschwung erlebte. 
Mehr dem Theater verhaftet war der zur Gruppe der "Angry Young Men" gehörende Finney bei seinen Filmrollen sehr wählerisch und machte sich im Verlaufe seiner Karriere auf der Leinwand mitunter rar. 1963 spielte er erneut für Karel Reisz eine Hauptrolle in dem Psychothrillers "Night Must Fall"2) (Griff aus dem Dunkel) zu sehen, mit Audrey Hepburn zeigte er sich 1967 unter der Regie von Stanley Donen1) in dem vielbeachteten Streifen "Two for the Road"1)
(Zwei auf gleichem Weg), einer zauberhaften Komödie über ein  Paar in der Beziehungskrise, im gleichen Jahr versuchte sich Finney das erste Mal als Regisseur mit der Gesllschaftskomödie "Charlie Bubbles" (Ein erfolgreicher Blindgänger), in dem er auch die Titelrolle übernahm und übrigens Liza Minnelli das erste Mal mit einer größeren Rolle auf der Leinwand erschien. Es war auch der erste Film seiner neuen Produktionsfirma "Memorial Enterprises Productions", die er 1965 gemeinsam mit Schauspielerkollegen Michael Medwin1) gegründet hatte. In "Gumshoe"2) (Auf leisen Sohlen), Stephen Frears1) erster Regie bei einem Langfilm, verkörperte Finney 1971 den Liverpooler Bingohallen-Ausrufer Eddie Ginley, der sich für einen hartgesottenen Detektiv à la Bogart hält.
Wahrend seines Engagements am Londoner "Royal Court Theatre" nahm Finney nur noch wenige Rollenangebote beim Film an. Eine Ausnahme bildete 1974 seine wunderbar steife Verkörperung des Meisterdetektivs Hercule Poirot1) in Sidney Lumets Krimi "Murder on the Orient Express"1) (Mord im Orientexpress), gedreht nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie1). Eine zweite "Oscar"-Nominierung als "Bester männlicher Hauptdarsteller" war der Lohn für seine exzellente Darstellung, aber auch diesmal musste er einem Kollegen den Vortritt lassen, Art Carney1) erhielt die begehrte Trophäe für die Rolle des Harry Coombes in der Komödie "Harry und Tonto"1).
 
Bis Ende des Jahrzehnts zeigte sich Finney beispielsweise in Ridley Scotts Joseph Conrad-Adaption "The Duellists"1) (1977, Die Duellisten), beeindruckte aber vor allem auf der Bühne als exzellenter Shakespeare-Darsteller und wurde für seine Interpretationen mit Lob überschüttet.
In den 1980er Jahren spielte er die Hauptrolle in Michael Wadleighs subtilem Horrorfilm "Wolfen"1) (1981), im gleichen Jahr erlebte man ihn in Michael Crichtons Thriller "Looker"1) (Kein Mord von der Stange) an der Seite von James Coburn. Neben Tom Courtenay1) war der Brite als erfolgreicher Schauspieler einer Shakespeare-Truppe in Peter Yates Drama "The Dresser"1) (1983, Ein ungleiches Paar) zu sehen, der von seinem Garderobier (Courtenay) umsorgt wird. "Eine durch brillante Darstellerleistungen beeindruckende Charakterstudie und eine witzig-ironische Auseinandersetzung mit den Problemen menschlichen Zusammenlebens, die anregt, über vergessene Tugenden wie Treue, Liebe und Demut nachzudenken." notiert das Filmlexikon → www.zweitausendeins.de. Ein Jahr später glänzte Finney als versoffener britischer Ex-Konsul in John Hustons Literaturverfilmung "Under the Volcano"1) (1985, Unter dem Vulkan). Für beide Rollen nominierte die Jury der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" Finney einmal mehr als "Besten Hauptdarsteller" für einen "Oscar", aber auch diesmal sollte es nicht klappen: 1984 gewann Robert Duvall den "Oscar" für die Rolle des Alkoholikers und ehemaligen Countrystars Mac Sledge in "Comeback der Liebe"1), 1985 F. Murray Abraham1) für die Verkörperung des Antonio Salieri1) in "Amadeus"1).
 
1990 präsentierte sich Finney als sentimentaler irischer Gangsterboss Leo in dem hinreißendem Genrefilm "Miller's Crossing"1), danach sah man ihn 1992 in der Geschichte "The Playboys"1) (Die Playboys) als Constable Brendan Hegarty, der von einer jungen unverheirateten Mutter (Robin Wright1)) besessen ist, oder im folgenden Jahr als Südstaaten-Abbrucharbeiter im Rentenalter bzw. Vater in dem Drama "Rich in Love" (1993, Auf der Suche nach dem Glück). In der Charakterstudie "The Browning Version"1) (1994, Schrei in die Vergangenheit), gedreht nach dem Theaterstück von Terence Rattigan1), zeichnete er als Dozent Crocker-Harris "ein zutiefst bewegendes Porträt langsamer seelischer Zerstörung", von Mike Figgis1) "mit sorgfältiger, unsensationeller Genauigkeit inszeniert und von Albert Finney eindringlich dargestellt.", wie das "Filmlexikon" ausführt → www.zweitausendeins.de.
1997 war Finney in Agnieska Hollands Drama "Washington Square"1) zu sehen, 1999 als Kilgore Trout an der Seite von Bruce Willis1) und Nick Nolte1) in der amüsanten Geschichte "Breakfast of Champions"1) (Breakfast of Champions – Frühstück für Helden), einer Leinwand-Version des Romans von Kurt Vonnegut1) aus dem Jahre 1973. Nach dem Drama "Simpatico"1) (1999) drehte Finney gleich zwei Filme mit Steven Soderbergh1), mimte einen kleineren Part an der Seite von Hauptdarsteller Michael Douglas in dem Drogen-Thriller "Traffic"1) (2000, Traffic – Macht des Kartells" (2000) sowie an der Seite von Julia Roberts1) die Rolle des Anwalts Ed Masry1) in dem Blockbuster "Erin Brockovich"1) (2000, Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte) über die Umweltaktivistin Erin Brockovich1). Für diese Rolle wurde Finney 2001 als "Bester Nebendarsteller" zum fünften Mal für einen "Oscar" nominiert, konnte aber erneut den Sieg nicht erringen – Benicio del Toro1) gewann die Auszeichnung für den Part des Javier Rodríguez in "Traffic". Doch für seine eindrückliche Verkörperung des Winston Churchill1) in dem TV-Film "The Gathering Storm"1) (2002) erhielt Finney im folgenden Jahr gleich drei Preise als "Bester Hauptdarsteller", einen "Golden Globe"1), einen "BAFTA TV Award"1) und einen "Emmy Award"1). Bereits rund zwanzig Jahre zuvor hatte Finney einer anderen Person der Zeitgeschichte Kontur verliehen und in der TV-Filmbiografie über Papst Johannes Paul II.1) mit dem deutschen Titel "Johannes Paul II. – Sein Weg nach Rom"1) (1984) den Karol Wojtyla verkörpert, der am 16. Oktober 1978 zum Papst der römisch-katholischen Kirche gewählt wurde.
 
Zu Finney Arbeiten vor der Kinokamera zählen in den vergangenen Jahren Produktionen wie die Komödie "Delivering Milo"1)  (2001, Milo – Die Erde muss warten), das Fantasy-Drama "Big Fish"1) (2003,
Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht), Steven Soderberghs "Ocean's Twelve"1) (2004) und Ridley Scotts "A Good Year"1) (2006, Ein gutes Jahr), wo Finney neben Russell Crowe1) als Onkel Henry auftauchte. In dem Biopic "Amazing Grace"1)  (2006), der realen Geschichte des jungen, christlichen William Wilberforce1) (1759 – 1833), der Ende des 18. Jahrhunderts in das Unterhaus des britischen Parlaments gewählt wurde und sich mit Erfolg vehement für die Abschaffung des Sklavenhandels im britischen Königreich einsetzte, überzeugte Finney als der frühere Sklavenhändler und "Amazing Grace"1)-Dichter John Newton1) (1725 – 1807). Der Schauspieler gehörte zur Besetzung des Action-Films "The Bourne Ultimatum"1) (2007, Das Bourne Ultimatum) und des Thrillers "Before the Devil Knows You’re Dead"1) (2007, Tödliche Entscheidung – Before the Devil Knows You’re Dead). Nach längerer, krankheitsbedingter Pause stand er dann für den vierten Teil der "Bourne"-Serie, "The Bourne Legacy"1) (2012, Das Bourne Vermächtnis), erneut als Dr. Albert Hirsch vor der Kamera. Zuletzt mimte in dem "James Bond"-Streifen "Skyfall"1) (2012) mit Daniel Craig1) als "007" den Wildhüter Kincade, der Bond nach dem Tod der Eltern aufgezogen hatte. 

Der mit vielen Preisen ausgezeichnete (→ Übersicht der Auszeichnungen) und international renommierte Schauspieler Albert Finney arbeitet(e) nun seit mehr als sechzig Jahren erfolgreich als Charakterdarsteller auf der Bühne und war auf der Leinwand in vielen bemerkenswerten und unterschiedlichen Rollen zu sehen; hinzu kommen zahllose Arbeiten bei vielen erinnerungswürdigen Produktionen für das Fernsehen. Seit seiner Krebserkrankung, die er im Frühsommer 2011 öffentlich machte, hat sich der Schauspieler vom Filmgeschäft zurückgezogen → www.telegraph.co.uk.
Albert Finney, der in West Sussex1) lebt, war von 1957 bis 1961 mit Schauspielerkollegin Jane Wenham3) verheiratet; aus dieser Ehe stammt der im September 1958 geborene Sohn Simon, der als Techniker in der Filmindustrie arbeitet. 1970 ehelichte Finney seine französische Kollegin Anouk Aimée, nach acht Jahren ließ sich das Paar 1978 scheiden. Anschließend war er bis in die frühen 1980er Jahre mit der Schauspielerin Diana Quick1) liiert. 2006 gab der damals 70-jährige Albert Finney seiner langjährigen Lebensgefährtin Penelope Delmage auch offiziell das Ja-Wort.

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia (deutsch), 2) prisma.de, 3) Wikipedia (englisch) Stand September 2018
   
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, prisma.de (deutscher Titel))
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