Albert Finney
Albert Finney wurde am 9. Mai 1936 in Salford bei Manchester (Großbritannien) als Sohn eines Buchmachers geboren. Zunächst besuchte er die "Salford Grammar School" und da er bereits als Junge durch ungewöhnliche Begabung bei Schulaufführungen aufgefallen war, bewarb er sich auf Anraten seines Schuldirektors bei er Londoner "Royal Academy of Dramatic Art". Er wurde angenommen und nach dem Abschluss des Studiums gab er 1956 beim "Birmingham Repertory Theatre" sein Bühnendebüt in einer Inszenierung des Stücks "Julius Caesar". Auf Einladung von Charles Laughton spielte er in "The Party", gab 1958 sein Debüt in London und war 1959 für ein Jahr Mitglied der "Royal Shakespeare Company" in Stratford upon Avon; hier spielte er erfolgreich in Shakespeares "Sommernachtstraum", in "Othello" und im "König Lear". Kurz darauf agierte er erstmals auf der Leinwand in einer kleinen Rolle als Sohn von Laurence Olivier im Prolog zu John Osbornes "Entertainer" (Der Komödiant) unter der Regie von Tony Richardson.  

In den folgenden Jahren spezialisierte Finney sich beim Film auf die Darstellung kraftvoller Unterklasse-Charaktere, wie etwa 1963 bei der eindrucksvollen Interpretation der Titelrolle in Richardsons "Tom Jones"1) (Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen), einer Adaption von Henry Fieldings frivolem Sittenroman; für seinen Part erhielt Finney eine erste Oscar-Nominierung. Als unzufriedener Arbeiterheld war er 1960 der Protagonist in dem Karel Reisz- Film "Saturday Night and Sunday Morning" (Samstagnacht bis Sonntagmorgen) gewesen, einem der neuen realistischen Filme, mit denen das britische Kino in den 1960er Jahren einen Aufschwung erlebte.
Mehr dem Theater verhaftet war der zur Gruppe der "Angry Young Men" gehörende Finney bei seinen Filmrollen sehr wählerisch und machte sich im Verlaufe seiner Karriere auf der Leinwand rar. 1963 war er wieder bei Karel Reisz in der Hauptrolle des Psychothrillers "Night Must Fall" (Griff aus dem Dunkel) zu sehen; mit Audrey Hepburn spielte er 1966 unter der Regie von Stanley Donen in "Two for the Road"1)
(Zwei auf gleichem Weg), einer zauberhaften Komödie über ein  Paar in der Beziehungskrise, im gleichen Jahr versuchte sich Finney das erste und einzige Mal als Regisseur mit dem Film "Charlie Bubbles" (Ein erfolgreicher Blindgänger), in dem er auch die Titelrolle übernahm und übrigens Liza Minnelli das erste Mal auf der Leinwand zu sehen war. Es war auch der erste Film seiner neuen Produktionsfirma "Memorial Enterprises Productions", die er 1965 gemeinsam mit dem Schauspielerkollegen Michael Medwin2) gegründet hatte. In "Gumshoe", Stephen Frears erster Spielfilmregie, verkörperte Finney 1971 den Liverpooler Bingohallen-Ausrufer Eddie Ginley, der sich für einen hartgesottenen Detektiv à la Bogart hält; 1970/72 und 1990 spielte er sowohl in der Lang- wie in der Kurzfassung von Jacques Rivettes "Out 1" (Out 1 – Noli Me Tangere).

Zwischen 1972 und 1975 war Finney fest am " Royal Court Theatre" engagiert und nahm nur noch wenige Rollenangebote beim Film an. Eine Ausnahme war 1974 seine wunderbar steife Verkörperung des Hercule Poirot in Sidney Lumets "Murder on the Orient Express"1) (Mord im Orientexpress) nach dem Roman von Agatha Christie; eine zweite Oscar-Nominierung war der Lohn für seine exzellente Darstellung. Bis Ende des Jahrzehnts zeigte er sich beispielsweise in Ridley Scotts Joseph Conrad-Adaption "The Duellists"1) (1977, Die Duellisten), beeindruckende aber vor allem auf der Bühne als exzellenter Shakespeare-Darsteller und wurde für seine Leistungen mit Lob überschüttet.
In den 80er Jahren spielte er Hauptrollen in Michael Wadleighs subtilem Horrorfilm "Wolfen"1)
(1981), im gleichen Jahr erlebte man ihn in Michael Crichtons "Looker"1) (Kein Mord von der Stange). Neben Tom Courtenay war er 1983 als Garderobier einer Shakespeare-Truppe in Peter Yates "The Dresser" (Ein ungleiches Paar) zu sehen und vor allem brillierte er ein Jahr später als versoffener britischer Ex-Konsul in John Hustons "Under the Volcano (Unter dem Vulkan). Für beide Rollen vergab die Jury wiederum Oscar-Nominierungen an den Schauspieler.
1990 war Finney der sentimentale irische Gangsterboss Leo in Joel und Ethan Coens hinreißendem Genrefilm "Miller's Crossing"1). Danach sah man ihn 1992 in Gillies MacKinnons "The Playboys"1) (Die Playboys) als Polizisten, der von einer jungen unverheirateten Mutter besessen ist, oder im gleichen Jahr als Abbrucharbeiter im Rentenalter aus den Südstaaten in Bruce Beresfords "Rich in Love" (Auf der Suche nach dem Glück). In der Charakterstudie "The Browning Version"1) (1994, Schrei in die Vergangenheit) zeichnete er als Lehrer Crocker-Harris "ein zutiefst bewegendes Porträt langsamer seelischer Zerstörung", von Mike Figgis "mit sorgfältiger, unsensationeller Genauigkeit inszeniert und von Albert Finney eindringlich dargestellt.", wie das "Lexikon des internationalen Films" notiert.
1997 war er in Agnieska Hollands Drama "Washington Square"1) zu sehen, 1999 als Ernest Hemingway in "Hemingway, the Hunter of Death" sowie im gleichen Jahr als Kilgore Trout an der Seite von Bruce Willis und Nick Nolte in Alan Rudolphs "Breakfast of Champions"1) (Breakfast of Champions – Frühstück für Helden), einer Leinwand-Version des Kurt-Vonnegut-Romans aus dem Jahre 1973. Nach "Simpatico"1) (1999) drehte Finney gleich zwei Filme mit Steven Soderbergh, mimte einen kleineren Part an der Seite von Hauptdarsteller Michael Douglas in dem Drogen-Thriller "Traffic"1) (2000, Traffic – Macht des Kartells" (2000) sowie an der Seite von Julia Roberts die Rolle des Anwalts Ed Masry in dem gefeierten Drama "Erin Brockovich"1) (2000, Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte); für diese Rolle wurde Finney 2001 als "Bester Nebendarsteller" zum fünften Mal für einen Oscar nominiert. Eine weitere Ehrung, den "Golden Globe"1) erhielt er für seine eindrückliche Verkörperung des Winston Churchill1) in dem TV-Spielfilm "The Gathering Storm"1) (2002).
 
Zu Finney Arbeiten vor der Kinokamera zählen in den letzten Jahren Produktionen wie die Komödie "Delivering Milo"1)  (2001, Milo – Die Erde muss warten), das Fantasy-Drama "Big Fish"1) (2003,
Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht), Steven Soderberghs "Ocean's Twelve"1) (2004) und Ridley Scotts "A Good Year"1) (2006, Ein gutes Jahr), wo Finney neben Russell Crowe als Onkel Henry auftauchte. In dem Biopic "Amazing Grace"1)  (2006), der realen Geschichte des jungen, christlichen William Wilberforce1) (1759 – 1833), der Ende des 18. Jahrhunderts in das Unterhaus des britischen Parlaments gewählt wurde und sich mit Erfolg vehement für die Abschaffung des Sklavenhandels im britischen Königreich einsetzte, verlieh Finney dem früheren Sklavenhändler und "Amazing Grace"1)-Dichter John Newton1) (1725 – 1807) Kontur. Der Schauspieler gehörte zur Besetzung des Action-Films "The Bourne Ultimatum"1) (2007, Das Bourne Ultimatum) und des Thrillers "Before the Devil Knows You’re Dead"1) (2007, Tödliche Entscheidung – Before the Devil Knows You’re Dead). Nach längerer, krankheitsbedingter Pause stand er dann für den vierten Teil der "Bourne"-Serie, "The Bourne Legacy"1) (2012, Das Bourne Vermächtnis), als Dr. Albert Hirsch vor der Kamera, mimte in dem "James Bond"-Streifen "Skyfall"1) (2012) den Wildhüter Kincade an der Seite von Bond-Darsteller Daniel Craig.

Der mit vielen Preisen ausgezeichnete (→ Übersicht der Auszeichnungen) und international renommierte Schauspieler Albert Finney arbeitet nun seit mehr als fünfzig Jahren erfolgreich als Charakterdarsteller auf der Bühne und ist auf der Leinwand in vielen bemerkenswerten und unterschiedlichen Rollen zu sehen gewesen; hinzu kommen zahllose Arbeiten bei vielen erinnerungswürdigen Produktionen für das Fernsehen.
Albert Finney, der in West Sussex lebt, war von 1957 bis 1961 mit Schauspielerkollegin Jane Wenham2) verheiratet; aus dieser Ehe stammt Sohn Simon, der als Techniker in der Filmindustrie arbeitet. 1970 hatte Finney seine französische Kollegin Anouk Aimée3) geheiratet; nach acht Jahren Ehe ließ sich das Paar 1978 scheiden. 2006 gab Albert Finney seiner langjährigen Lebensgefährtin Penelope Delmage das Ja-Wort.
Seit seiner Krebserkrankung, die im Frühsommer 2011 öffentlich wurde, hat sich der Schauspieler vorerst vom Filmgeschäft zurückgezogen → www.telegraph.co.uk.

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
siehe auch Wikipedia mit einer Übersicht der Auszeichnungen
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Wikipedia (englisch), 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP Stand Juni 2015
   
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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