Robert Hossein wurde am 30. Dezember 1927 als Robert Hosseinoff in der französischen Hauptstadt Paris geboren. Der Sohn des verstorbenen russisch-iranischen Komponisten Aminollah (André) Hossein1) (1905 – 1983) nahm Unterricht bei der russisch-stämmigen Schauspielerin Tania Balachova (1902 – 1973) sowie bei dem renommierten Theaterschauspieler Jean Marchat (1902 – 1966) und trat danach an Pariser Bühnen unter anderem in Stücken von Jean Genet1) und Jean-Paul Sartre1) auf. Versuche als Bühnenautor waren wenig erfolgreich. Seine Inszenierungen dagegen mit Schauspielen von Shakespeare (1972, "Romeo und Julia"1)), Maxim Gorki (1972, "Nachtasyl"1)), Federico García Lorca (1974, "Bernarda Albas Haus"1)), Victor Hugo (1974, "Hernani"1)), Edmond Rostand (1990, "Cyrano de Bergerac"1)) oder Sartre (2000, "Geschlossene Gesellschaft"1)) fanden bis in jüngere Zeit größere Beachtung. Erfolgreich brachte Hossein auch Romanadaptionen auf die Bühne, unter anderem "Schuld und Sühne"1) (1971) von Dostojewski und "Von Mäusen und Menschen"1) (1965) von John Steinbeck. Am 17. September 1980 erhielt er positive Kritiken für die Uraufführung des Musicals "Les Misérables"1) im Pariser "Palais des Sports", nach dem Roman "Die Elenden"1) von Victor Hugo. Diese Ur-Version war speziell auf das französische Publikum zugeschnitten, da die Romanvorlage in Frankreich zur Allgemeinbildung gehört, verzichteten Komponist Claude-Michel Schönberg1) und Autor Alain Boublil1) auf wesentliche Teile der Handlung. Am "Théâtre du Grand Guignol" im Pariser Vergnügungsviertel Pigalle1) setzte Hossein etliche Boulevard-Stücke in Szene, vornehmlich von Frédéric Dard1) → Übersicht der Inszenierungen in dem französischsprachigen Artikel von Wikipedia.

Robert Hossein in den 1980er Jahren bei den "Internationalen Filmfestspielen von Cannes"
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Robert Hossein in den 80er Jahren bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert.
Seit Mitte der 1950er Jahre arbeitete der Schauspieler regelmäßiger für den Film, war häufig in Gangsterrollen zu sehen, wurde als zwielichtiger und ambivalenten Typus besetzt. Auch die von ihm seit 1955 inszenierten Filme wie "Les salauds vont en enfer" (Die Lumpen fahren zur Hölle) waren zumeist düstere Thriller-Varianten in der Tradition des "film noir." 1962 war Hossein Partner von der Brigitte Bardot in Roger Vadims Melodram "Le repos du guerrier" (Das Ruhekissen), der ihn auch in seiner Literaturadaption "Le vice et la vertu"1) (1963, Laster und Tugend) besetzte. Große Popularität brachten ihm dann vor allem Rollen in Historienfilmen ein. Hier mimte Hossein abenteuerlustige Liebhaber wie in der seichten "Angélique"-Reihe1) oder – etwas klischeehaft – dubiose Gestalten wie 1967 den Offizier Serge Sukhotin in "J'ai tué Raspoutine" (Ich tötete Rasputin), von Hossein gedreht nach den Erinnerungen des Fürsten Jussupow1), Drahtzieher bei der Ermordung des Wanderpredigers und Zaren-Vertrauten Grigori Rasputin1).
Besonders seine Rolle des mysteriösen Jeoffrey, Comte de Peyrac und Liebhaber von Angélique alias Michèle Mercier1) brachte Hossein in den frühen 1960er Jahren einen internationale Bekanntheitsgrad ein. Die romantischen Angélique-Filme basierten auf den populären Romanen der französischen Schriftstellerin Anne Golon1) und wurden weltweite Straßenfeger. Der erste Streifen "Angélique, marquise des anges"1) (Angélique) nach dem ersten Roman der mehrbändigen Serie gelangte 1964 in die Kinos. Bis 1968 folgten "Merveilleuse Angélique"1) (1965, Angélique, 2. Teil), "Angélique et le roy"1) (1966, Angélique und der König), "Indomptable Angélique"1) (1967, Unbezähmbare Angélique) und "Angélique et le sultan"1) (1968, Angélique und der Sultan). Dazwischen lagen Produktionen wie beispielsweise der starbesetzte Thriller "Spione unter sich1) (1965) oder der Italo-Western "Une corde, un colt…"1) (1968, Friedhof ohne Kreuze), wo er auch als Regisseur seine Handschrift hinterließ.
In den 1970er und 1980er Jahren zeigte sich Hossein beispielsweise in dem Zölibats- und Résistance-Drama "Prêtres interdits"1) (1973, Der Abbé und die Liebe), spielte die Hauptrolle des Pianisten Simon Meyer in dem von Claude Lelouch inszenierten 184-minütigen Kasenschlager "Les uns et les autres"1) (1981, Ein jeglicher wird seinen Lohn empfangen…) oder war an der Seite von Jean Paul Belmondo bzw. dessen Gegenspieler in dem Action-Streifen "Le professionnel"1) (1981, Der Profi) als krankhaft ehrgeiziger Kommissar Rosen zu erleben. In den nachfolgenden Jahrzehnten trat Hossein nur noch sporadisch vor die Kamera, gehörte unter anderem zur Besetzung der Komödie "Vénus beauté (institut)"1) (1997, Schöne Venus) oder trat in dem Belmondo-Film "Un homme et son chien"1) (2008, Ein Mann und sein Hund) mit einer kleinen Nebenrolle in Erscheinung.
Als Regisseur arbeitete Hossein öfter mit seinem Vater zusammen, der als Komponist die Soundtracks zu seinen Filmen beisteuerte, wie beispielsweise bei dem Revolutionsepos "Le goût de la violence"1) (1961, Haut für Haut), in dem Mario Adorf an der Seite von Hossein als Haudegen Chamaco eine weitere Hauptrolle spielte. Mit seiner
konventionell gedrehten, aufwendigen Victor-Hugo-Verfilmung "Les misérables" (1982, Die Legion der Verdammten) fand er internationale Anerkennung und erwies sich als kompetenter Regisseur abseits seiner üblichen Klischees → Übersicht Filmografie.
Robert Hossein am 10. April 2013; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0 Hossein, der in über 100 Filmen mitspielte, ist heute zu einem bedeutenden kulturellen Botschafter des französischen Theaters geworden; zwischen 2000 und 20008 leitete er als Direktor das "Théâtre Marigny", übernahm aber immer mal Aufgaben für Film und Fernsehen.
1978 veröffentlichte Hossein seine Erinnerungen unter dem Titel "La sentinelle aveugle" und 2002 brachte er sein Buch "Entre lumière et ténèbres" auf den Markt, das von seinem Glauben an die Menschheit und der Begegnung mit Gott handelt.
 
Hossein war drei Mal verheiratet, seine erste Ende 1955 geschlossene Ehe mit Filmpartnerin Marina Vlady endete vor dem Scheidungsrichter; aus dieser Verbindung stammen die Söhne Igor and Pierre. Von seiner zweiten Frau, der heutigen Psychoanalytikerin und Autorin Caroline Eliacheff1), mit der er Sohn Nicolas hat, ließ er sich 1964 ebenfalls scheiden. Die damals 15-Jährige Caroline konnte er am 7. Juni 1962 nur mit Sondererlaubnis des Staatspräsidenten de Gaulles heiraten. Mit Michèle Watrin1), Filmpartnerin in "Der Abbé und die Liebe" (1973), hatte er eine Affäre; am 2. August 1974 kam die junge Schauspielerin bei einem Unfall auf der Autoroute A71) in der Nähe von Valence1) im Beisein Hosseins mit nur 25 Jahren ums Leben. Heute lebt der inzwischen über 90-jährige Schauspieler, Regisseur und Autor mit seiner dritten Frau, der Schauspielerin Candice Patou zusammen, die er am 28. Juni 1976 ehelichte; aus der Verbindung stammt Sohn Julien.
   
Foto: Robert Hossein am 10. April 2013
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0
In den 1970er Jahren trat Hossein zum Katholizismus über, was sich auch in seinem künstlerischen Schaffen wiederspiegelte. So inszenierte er 1991 im Pariser "Palais des Sports" das Theaterspektakel bzw. die Alain Decaux1)-Adaption "Jésus était son nom" (etwa: "Jesus war sein Name"). Mit "N'ayez pas peur!" (etwa: "Habt keine Angst") brachte er 2007 ebenfalls im "Palais des Sports" ein nicht minder spektakuläres Stück über das Leben des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II.1) zur Aufführung, erneu inszeniert nach Alain Decaux ("L'Avorton de Dieu. Une vie de saint Paul") mit Marc Cassot (1923 – 2016) als Johannes Paul II.. 2007 veröffentlichte Hossein zudem gemeinsam mit Delphine de Malherbe das Buch "N'ayez pas peur… de croire".
Siehe auch Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia Stand September 2018
   
Filme als Darsteller (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia)
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