Michèle Morgan wurde am 29. Februar 1920 als Simone Renée Roussel im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren. Schon mit 15 Jahren fasste das junge Mädchen den Entschluss, Schauspielerin zu werden, verließ ihr Elternhaus und nahm Unterricht bei dem Schauspieler René Simon (1898 – 1971) an dessen 1925 gegründeten "Cours d'art dramatique René-Simon". 1935 gab sie ihr Filmdebüt – noch als Simone Morgan – in "Une fille à papa" (Eine Tochter für den Papa), im gleichen Jahr folgten kleine Rollen in "La vie parisienne" (Pariser Leben) und "Mademoiselle Mozart". 1937 gab ihr Marc Allégret neben Jean Gabin und Pierre Brasseur die Hauptrolle der Natalie Roguin in "Gribouille" (Der fünfte Geschworene) und ihre Leistung machte die Morgan über Nacht zum Publikumsliebling sowie zur bevorzugten Partnerin Jean Gabins. Schnell wurde ihr Gesicht international bekannt, unter anderem mit zwei Meisterwerke des französischen Realismus: 1938 war sie als Nelly in Marcel Carnès Literaturadaption "Quai des brumes"1) (Hafen im Nebel) und 1941 als Cathérine in Jean Grémillions Drama "Remorques"1) (Schleppkähne) zu sehen. In den Filmen jener Zeit spielte sie zumeist die aufrichtig Liebende, die das Schicksal aus romantischen Träumen reißt.
Während des 2. Weltkrieges ging die Schauspielerin 1940 für kurze Zeit nach Hollywood, kehrte aber nach einigen Jahren wieder nach Frankreich zurück, da die US-Filme qualitativ ihren Ansprüchen nicht genügten. 
 

Foto: Michèle Morgan mit Ehemann Gérard Oury1) (1919 – 2006) im Jahre 2001
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons;
Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0
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Michèle Morgan mit Ehemann Gérard Oury (1919 – 2006) im Jahre 2001; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Sie war unter anderem 1942 unter der Regie von Regisseur Robert Stevenson neben Thomas Mitchell und Paul Henreid in "Joan of Paris" zu sehen; 1943 agierte sie in Tim Whelans "Higher and Higher" als Partnerin von Frank Sinatra und 1944 war sie als Paula an der Seite von Humphrey Bogart in Michael Curtiz' "Passage to Marseille"2) (Fahrkarte nach Marseille); im selben Jahr wurde Michèle Morgan amerikanische Staatsbürgerin.
1946 kehrte die Schauspielerin in ihre Heimat zurück. Gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Henri Vidal spielte sie dort in einer Reihe von seichten Komödien, überzeugte aber auch als Charakterdarstellerin in melancholischen Rollen. 1946 wurde sie beim Filmfestival Cannes für ihre einfühlsame Verkörperung eines blinden Mädchens in Jean Delannoys "La symphonie pastorale" (Und es ward Licht) als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Als Liebende agierte die Morgan auch oft in Filmen mit historischem Sujet neben Jean Gabin, Gérard Philipe oder Henri Vidal; So 1948 mit der Titelrolle der "Fabiola" in Alessandro Blasettis gleichnamigen Film oder 1956 in Jean Delannoy in "Marie Antoinette". Sehenswert ist auch der von Carol Reed nach einer Kurzgeschichte von Graham Greene in Szene gesetzte Krimi "Kleines Herz in Not"2) (1948, The Fallen Idol).
In den 1950er und 1960er Jahren spielte die Morgan oftmals Opferrollen, musste sich dem Alkohol ergeben oder auf Rache sinnen. Eine junge Witwe mimte sie in Yves Allégrets Melodram "Aufenthalt vor Vera Cruz"2) (1953, Les orgueilleux), als Frau, die in ein mörderisches Intrigenspiel gerät, verkörperte sie 1957 in "Retour de manivelle" (Luzifers Tochter) eindrucksvoll die Hélène Fréminger.
Bis in die frühen 1960er Jahre spielte die Morgan in zahlreichen Filmen, zu denen auch viele unbedeutende Rollen gehörten. Lediglich Claude Chabrol gab ihr 1962 mit der Rolle der Célestine Buisson in "Landru"1) (Der Frauenmörder von Paris) einen interessanten Part. Danach schränkte die Schauspielerin ihre Arbeit beim Film ein, war ab Mitte der 1960er Jahre nur noch selten auf der Leinwand präsent und verlagerte den Schwerpunkt vom Film auf das Theater. 1966 trat sie als Gräfin de Clairefons in Mark Robsons Kriegsfilm "Lost Command"1) (Sie fürchten weder Tod noch Teufel) auf, 1975 als Madame Richard in Claude Lelouchs "Le chat et la souris" (Eine Katze jagt die Maus) und 1990 in einer kleinen Rolle als Frau im Zug in Giuseppe Tornatores "Stanno tutti bene"2) (Allen geht's gut) neben Marcello Mastroianni. Danach wirkte sie bis Ende der 1990er Jahre nur noch vereinzelt in einigen TV-Produktionen mit. Einen letzten Auftritt vor der Kinokamera hatte sie in Warren Beattys Komödie "Bulworth"1) (1998).
Michèle Morgan 1995 anlässlich der Verleihung des "César"; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0 Im Verlaufe ihrer Schauspielerkarriere erhielt Michèle Morgan zahlreiche Ehrungen; so wurde sie zwischen 1949 und 1955 alljährlich als französischer Publikumsliebling ausgezeichnet und erhielt später sogar den Titel "Botschafterin des französischen Films"; 1969 ernannte man sie zum "Ritter der Ehrenlegion"1). 1992 erhielt Michèle Morgan bei der "César"-Verleihung1) den "Ehrenpreis für ihr Lebenswerk".
Schon seit den 1960er Jahren machte sich die Schauspielerin auch als Malerin einen Namen und 1966 wurden ihre Bilder erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. 1965 hatte sie ihre Erinnerungen "Mes yeux ont vu" (Meine Augen haben gesehen) veröffentlicht, die sie 1977 mit "Avec ces yeux-là" fortsetzte. In den letzten Jahren widmete sich Michèle Morgan fast ausschließlich ihrer Leidenschaft der Malerei und trat kaum noch vor die Kamera.
 
Michèle Morgan starb am 20. Dezember 2016 im Alter von 96 Jahren in Meudon nahe Paris. Die Trauerfeier fand am 23. Dezember 2016 in der "Église Saint-Pierre" in Neuilly-sur-Seine statt, die Beisetzung erfolgte laut Medienberichten in einem Familiengrab auf dem Pariser "Cimetière Montparnasse"1);  hier fand auch ihr letzter Ehemann Gérard Oury1) (1919 – 2006) seine letzte Ruhe → Foto der Grabstelle bei knerger.de.

 
Foto: Michèle Morgan 1995 anlässlich der Verleihung des "César"1)
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0
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Von 1942 bis 1949 war Michèle Morgan mit dem US-amerikanischen Schauspieler und Bandleader William Marshall3) (1917 – 1994) verheiratet; der gemeinsame Sohn Mike Marshall1) (1944 – 2005) wurde ebenfalls Schauspieler. Nach der Scheidung im Jahre 1948 ehelichte sie 1950 ihrem populären Kollegen Henri Vidal4), der am 10. Dezember 1959 unerwartet mit nur 40 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb. Ehemann Nummer 3 wurde 1960 der französische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Gérard Oury, mit dem sie bis zu dessen Tod am 19. Juli 2006 verheiratet war.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2)  www.prisma.de, 3) Wikipedia (englisch), 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
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Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, prisma.de)
  • 1935: Une fille à papa
  • 1935: Mademoiselle Mozart
  • 1935: La vie parisienne (Pariser Leben)
  • 1936: Gigolette
  • 1936: Le mioche (Vater sein – dagegen sehr)
  • 1936: Mes tantes et moi
  • 1937: Gribouille  (Der fünfte Geschworene) → Filmlexikon
  • 1938: Orage
  • 1938: Quai des brumes (Hafen im Nebel)
  • 1939: Le récif de corail
  • 1940: L'entraîneuse
  • 1940: Les musiciens du ciel (Himmelsmusikanten)
  • 1940: La loi du nord (Das Gesetz des Nordens) → Filmlexikon
  • 1941: My Life with Caroline
  • 1941: Remorques (Schleppkähne)
  • 1942: Joan of Paris
  • 1943: Two Tickets to London
  • 1943: Untel père et fils (Familie Froment)
  • 1944: Passage to Marseille (Fahrkarte nach Marseille)
  • 1944: Higher and Higher
  • 1946: La symphonie pastorale (Und es ward Licht) → Filmlexikon
  • 1946: The Chase
  • 1948: The Fallen Idol (Kleines Herz in Not)
  • 1948: Aux yeux du souvenir (Treffpunkt Rio) → Filmlexikon
  • 1949: Fabiola → Filmlexikon
  • 1950: La belle que voilà (Die Karriere der Doris Hart) → Filmlexikon
  • 1950: Le château de verre (Rendezvous in Paris) → Filmlexikon
  • 1950: Maria Chapdelaine (Das träumende Herz) → Filmlexikon
  • 1951: L'Étrange Madame X (Liebe auf Abwegen/Sündige Liebe) → Filmlexikon
  • 1952: La minute de vérité (Geständnis einer Nacht) → Filmlexikon
  • 1952: Les sept péchés capitaux (Die sieben Todsünden) → Filmlexikon
  • 1953: Destinées (Liebe, Frauen und Soldaten) → Filmlexikon
  • 1953: Les orgueilleux (Aufenthalt vor Vera Cruz / Die Hochmütigen)
  • 1954: Obsession (Menschen am Trapez) → Filmlexikon
  • 1955: Les grandes manœuvres (Das große Manöver)
  • 1955: Marguerite de la nuit (Die Blume der Nacht) → Filmlexikon
  • 1955: Marie-Antoinette reine de France (Der Liebesroman einer Königin) → Filmlexikon
  • 1955: Napoléon
  • 1955: Oasis (Oase) → Filmlexikon
  • 1955: Si Paris nous était conté (
  • 1957: Retour de manivelle (Luzifers Tochter) → Filmlexikon
  • 1958: The Vintage (Unter glühender Sonne) → Filmlexikon
  • 1958: Maxime (Die Affären von Madame M.) → Filmlexikon
  • 1958: Racconti d'estate (Sommererzählungen)
  • 1958: Le miroir à deux faces (Der Tag und die Nacht) → Filmlexikon
  • 1959: Pourquoi viens-tu si tard? (Frauen im Fegefeuer) → Filmlexikon
  • 1959: Menschen im Hotel
  • 1959: Vacanze d'inverno
  • 1960: Fortunat → Filmlexikon
  • 1961: Le crime ne paie pas (Verbrechen aus Liebe) → Filmlexikon
  • 1961: Le puits aux trois vérités (Die drei Wahrheiten) → Filmlexikon
  • 1961: Les lions sont lâchés (Vor Salonlöwen wird gewarnt) → Filmlexikon
  • 1961: Rencontres (Dr. Malbus verschwand um vier) → Filmlexikon
  • 1962: Landru (Der Frauenmörder von Paris)
  • 1962: Un coeur gros comme ça (Mit meinen Augen)
  • 1963: Il fornaretto di Venezia (In Ketten zum Schafott) → Filmlexikon
  • 1963: Constance aux enfers (Der Mord, der zweimal geschah) → Filmlexikon
  • 1963: Méfiez-vous, mesdames! (Vorsicht, meine Damen!) → Filmlexikon
  • 1964: Les pas perdus
  • 1964: Les yeux cernés (Das grausame Auge) → Filmlexikon
  • 1965: Dis-moi qui tuer
  • 1966: Lost Command (Sie fürchteten weder Tod noch Teufel)
  • 1968: Benjamin (Benjamin – Aus dem Tagebuch einer männlichen Jungfrau)
  • 1975: Le chat et la souris (Eine Katze jagt die Maus)
  • 1978: Robert et Robert (Ein Mann sucht eine Frau)
  • 1986: Un homme et une femme: vingt ans déjà (Ein Mann und eine Frau – 20 Jahre später) dieterwunderlich.de
  • 1990: Stanno tutti bene (Allen gehts gut)
  • 1998: Bulworth (Bulworth)
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