Ralph Richardson (Sir Ralph David Richardson) wurde am 19. Dezember 1902 als Sohn eines Lehrers im britischen Cheltenham (Gloucester) geboren. Nach dem Besuch des "Xaverian College" in Brighton sowie einer Kunstschule in Bristol, arbeitete er zunächst als Bürohilfskraft bei einer Versicherung. Ab 1921 trat er bei Amateurtheatern auf, bald darauf war er auf professionellen Bühnen zu sehen. 1925 erlebte man ihn mit der "Greek Stage Society" am Londoner "Scala Theater" in dem Drama "Ödipus auf Kolonos" des antiken griechischen Dichters Sophokles, 1926 wurde Richardson Mitglied des "Birmingham Repertory Theatre" und ab 1930 gehörte er zum Ensemble des Londoner "Old Vic Theatre"1), welches er nach dem 2. Weltkrieg auch zeitweise leitete. Richardson machte sich vor allem durch seine herausragenden Shakespeare-Interpretationen bald einen Namen als brillanter Charaktermime.

Foto: (uncopyrighted trailer) aus dem Film "Long Day's Journey Into Night" (1962)
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Ralph Richardson: Gemeinfreies Foto (uncopyrighted trailer) aus dem Film "Long Day's Journey Into Night" (1962); Urheber: Embassy Pictures International; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons.
1935 folgt der erste Auftritt in New York. Nach seiner Rückkehr gründet Richardson mit Laurence Olivier eine Produktionsgemeinschaft und verwirklicht mit ihm "Bees on the Boat Deck" von J. B. Priestley – natürlich stehen beide gemeinsam auf der Bühne. Anschließend spielt Richardson im Westend die Titelrolle in dem Bühnenerfolg "The Amazing Doctor Clitterhouse". Für die Saison 1937/38 geht er wieder ans "Old Vic". Nach dem Krieg hilft er Olivier dem ehrwürdigen alten Theater seinen alten Glanz zu verleihen. Sir Ralph Richardson ist Legende unter den großen britischen Bühnenkünstlern und doch waren sein "Shylock", sein "Macbeth" keine Erfolge und seine Lieblingsfigur, der große dicke "Falstaff" – auch über den gibt es außer Schwärmereien kritische Stimmen.2)

Einem breiteren Publikum bekannt wurde der Mime durch den Film, 1933 gab er sein Leinwanddebüt mit einer kleineren Rolle als Vikar Nigel Hartley in dem Boris-Karloff- Horrorfilm "The Ghoul" und erhielt dann ein Jahr später einen Vertrag von dem Produzenten Alexander Korda1) (1893 – 1956), für den er bis 1956 tätig war.
In den 1930er Jahren entwickelte sich der Schauspieler zu einem der interessantesten Charakterdarsteller Großbritanniens und zeigte sich oft in exzentrischen Rollen. So spielte er beispielsweise den autoritären "Boss" in dem antifaschistischen Sience-Fiction-Film "Things to Come"1) (1936, Was kommen wird), nach einem Roman von H. G. Wells oder präsentierte sich als der mit Alkoholproblemen kämpfende Dr. Philip Denny in King Vidors berühmten Cronin-Verfilmung "The Citadel"1) (1938, Die Zitadelle). Glänzende Kritiken erhielt Richardson für seine Figur des Colonel Winstanley in Lothar Mendes' H. G. Wells-Adaption "The Man Who Could Work Miracles"1) (1936, Der Mann, der die Welt verändern wollte). Unter der Regie von Zoltan Korda1), dem jüngeren Bruder von Alexander Korda, spielte er in dem Historienabenteuer "The Four Feathers"1) (1939, Vier Federn) den Captain Durrance, tauchte als der beim militärischen Geheimdienst arbeitende Major Hammond auf, der in dem witzigen Agenten-Thriller "Q Planes"1) (1939, Testflug QE 97) das mysteriöse Verschwinden britischer Testflugzeuge zu klären hat.

Unmittelbar nach Ausbruch des 2. Weltkrieges beteiligte der Schauspieler sich an dem von Korda produzierten patriotischen Propagandafilm "The Lion Has Wings", von Michael Powell, Brian Desmond Hurst und Adrian Brunel gemeinsam inszeniert. Zwischen 1939 und 1944 musste Richardsons seine Schauspielerkarriere wegen des Dienstes in der Armee unterbrechen, wurde nur noch gelegentlich für die Filmarbeit freigestellt.
Nach dem Krieg konzentrierte sich der Charaktermime überwiegend auf seine Theaterarbeit, übernahm jedoch einige interessante Nebenrollen wie etwa 1948 die des Dieners Baines in Carol Reeds kriminalistischem Melodram "The Fallen Idol"3) (Kleines Herz in Not) oder die Rolle des Vaters Alexei Karenin in Julien Duviviers Tolstoi-Adaption "Anna Karenina"1) mit Vivien Leigh in der Titelrolle. 1949 erhielt er eine Oscar-Nominierung für die Figur des vermögenden Arztes Dr. Austin Sloper in William Wylers "The Heiress"1) (Die Erbin) nach dem Roman "Washington Square"1) von Henry James mit Olivia de Havilland in der Hauptrolle. 
1952 gab Richardson sein Debüt als Regisseur mit dem Film "Home at Seven" (An einem Montag wie jeder andere), in dem er auch die Rolle des David Preston übernahm. Weitere beeindruckende Leistungen waren 1952 die Verkörperung des Flugzeugfabrikanten John Richfield in David Leans "The Sound Barrier" (Der unbekannte Feind) sowie 1955 der Duke of Buckingham in Laurence Oliviers Shakespeare-Adaption "Richard III."1). Otto Preminger besetzte ihn als General Sutherland in seiner Leon Uris-Verfilmung "Exodus"1) (1960), Rudolph Maté als griechischen Feldherr Themistokles in dem Historienstreifen "The 300 Spartans"1) (1960, Der Löwe von Sparta). 1962 glänzte Richardson als geiziger Vater James Tyrone in Sidney Lumets Eugene O'Neill-Verfilmung "Long Day's Journey Into Night"1) (Eines langen Tages Reise in die Nacht), wurde im gleichen Jahr für seine Leistung bei den Filmfestspielen von Cannes als "Bester Schauspieler" ausgezeichnet .
Seit Anfang der 1960er Jahre zog sich der Schauspieler mehr und mehr aus dem Filmgeschäft zurück und spielte nur noch wenige, aber immer überzeugende Nebenrollen wie 1965 den Alexander Gromeko in David Leans Kinoklassiker "Doctor Zhivago1) (Doktor Schiwago) oder ein Jahr später den britischen Premierminister William Gladstone1) in dem Monumentalfilm "Khartoum"1) (1966, Khartoum – Aufstand am Nil). Ab den 1970ern übernahm er vermehrt Aufgaben für das Fernsehen wie beispielsweise als sympathischer, ewig am Rande des finanziellen Ruins dahin lebende Wilkins Micawber in der von Delbert Mann in Szene gesetzten TV-Verfilmung des berühmten Dickens-Romans "David Copperfield"1) (1970), an der Seite nicht minder berühmter Kollegen wie Richard Attenborough (Mr. Tungay) und Laurence Olivier (Mr. Creakle).
Bis zu seinem Tod stand Richardson aber auch noch für einige Kinoproduktionen vor der Kamera, beispielsweise als Zauberer Ullrich in dem Fantasy-Abenteuer "Dragonslayer"1)  (1981, Der Drachentöter) oder als "Oberstes Wesen" in "Time Bandits"1) (1981), ebenfalls ein erfolgreiches Fantasy-Abenteuer von Regisseur Terry Gilliam. Als ebenso scharfsinniger wie schrulliger Star-Anwalt Sir Wilfred Robarts punktete Richardson in Alan Gibsons Gerichtsdramas "Witness for the Prosecution"3) (1982, Zeugin der Anklage), einem Remake des gleichnamigen Films1) von Billy Wilder aus dem Jahre 1957, in dem damals Charles Laughton den Londoner Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts nicht weniger brillant verkörpert hatte. Für seine letzte Arbeit, das Abenteuer "Greystoke: The Legend of Tarzan"1) (Greystroke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen; mit Christopher Lambert als Tarzan), das 1984 nach seinem Tod in die Kinos kam und in dem er als Lord Greystoke in Erscheinung trat, erhielt Richardson posthum eine weitere Oscar-Nominierung.
  
Der große Schauspieler, der zur Generation so großer britischer Charaktermimen wie Sir Michael Redgrave4) (1908 – 1985), Sir Laurence Olivier4) (1907 – 1989) und Sir John Gielgud4) (1904 – 2000) gehörte, starb am 10. Oktober 1983 im Alter von 80 Jahren in London an Herzversagen. Die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen "Highgate Cemetery", wo später auch seine zweite Ehefrau Meriel sowie der gemeinsame Sohn David beigesetzt wurden → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
In erster Ehe war Ralph Richardson, der 1947 zum Ritter geschlagen worden war und seitdem den Titel "Sir" führte, seit August 1924 mit Muriel Hewitt verheiratet, mit der er bis zu deren Tod am 5. Oktober 1942 glücklich zusammenlebte. 1944 ehelichte er Schauspielerkollegin Meriel Smiley Forbes (1913 – 2000); die Verbindung, aus welcher Sohn Charles David (1945 – 1998) stammte, hielt bis zum Tod des Ausnahmeschauspielers.

Mit einer abgebrochenen Geste, mit einem hingemurmelten Satz, mit dem Blick aus einem halbzusammengekniffenen Auge kann er Heiterkeit, Entsetzen, Faszination auslösen. Er ist kein genialer Schauspieler, keiner ohne Makel, doch er ist einmalig, unnachahmlich, ein Wunder an Präzision? – Nein – an Gestaltungslust und -vermögen. Das Wunderbare an dem großen Schauspieler Ralph Richardson ist: Er hat – obwohl ganz der Tradition verhaftet – den Anschluß an die Moderne immer wieder gefunden. Richardson ist der große Shakespeare-Interpret, aber eben auch in David Storeys "Home", in Harold Pinters "No Man's Land" und in Joe Osbornes "West of Suez" zu Hause. Er ist ein Künstler von unendlicher Virtuosität, einer, der auch ohne einen gelernten Text auf die Bühne gehen kann, der aus dem Stegreif vortragen kann – ohne dass man dessen gewahr wird.2)   

Siehe auch Wikipedia, www.prisma.de
Link: 1) Wikipedia, 3)  prisma.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
2) Quelle: www.prisma.de
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Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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