Jean-Louis Trintignant am 20. Mai 2012 anlässlich der "65. Internationalen Filmfestspiele" in Cannes; Quelle:  Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0. Jean-Louis Trintignant wurde am 11. Dezember 1930 als jüngster Sohn eines begüterten Industriellen im südfranzösischen Piolenc1) geboren und wuchs in Pont-Saint-Esprit auf. "Sein Vater Raoul Trintignant war der Bürgermeister der Stadt und hatte während des Zweiten Weltkriegs auf der Seite der Résistance1) gestanden. Er wurde in Marseille inhaftiert und kehrte erst nach dem Krieg zu seiner Familie zurück. Trintignants Mutter Claire (Geburtsname: Tourtin) war im März 1943 kurzfristig von der Gestapo inhaftiert worden. Enttäuscht über die Geburt eines zweiten Sohnes hatte sie Jean-Louis Trintignant bis zum siebten Lebensjahr wie ein Mädchen erzogen. Früh begeisterte sich Trintignant für die Poesie, unter anderem für die Werke von Jacques Prévert. Seine Schulzeit verbrachte er in Avignon, wo er das dortige Gymnasium besuchte." notiert Wikipedia. Nach dem Abbruch eines Jurastudiums in Aix-en-Provence1) ging er mit 21 Jahren nach Paris und nahm unter anderem Unterricht bei dem Theater- und Filmschauspieler Charles Dullin1) (1885 – 1949) sowie der Schauspielerin Tania Balachova (1902 – 1973). Ab 1951 trat Trintignant dann an Pariser Bühnen auf, meist als jugendlicher Held in klassischen und modernen Stücken.
1956 gab er sein Leinwanddebüt in Christian-Jaques Seefahrerdrama "Si tous les gars du monde"1) ("TKX antwortet nicht"), im gleichen Jahr folgte die Rolle des Yves, einem aus einem Erziehungsheim geflohenen Heranwachsenden in Ralph Habibs "La Loi des rues" (Das Gesetz der Straße) sowie die des schmächtigen, verschüchterten Michel Tardieu in Roger Vadims Streifen "Et Dieu… créa la femme"1) (Und immer lockt das Weib) mit Brigitte Bardot als Partnerin. Die sich anschließende Liebesaffäre mit der Bardot war ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse und wurde in den einschlägigen Gazetten intensiv behandelt.
  
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Jean-Louis Trintignant am 20. Mai 2012
anlässlich der "65. Internationalen Filmfestspiele von Cannes"1)
Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0; Quelle:  Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Nach seinem Militärdienst, den er zwischen 1956 und 1959 vielleicht nicht zuletzt wegen des Presserummels, den diese Liaison erzeugt hatte, in Algerien ableistete, agierte der Schauspieler in einer Reihe von Filmen. Der internationale Erfolg stellte sich jedoch erst 1966 als Partner von Anouk Aimée in Claude Lelouchs preisgekröntem Klassiker "Un homme et une femme"1) (Ein Mann und eine Frau) ein. Trintignant spielte den gehemmten Witwer Jean-Louis Duroc, der sich nur schwer aus seinem emotionalem Versteck befreien kann. Bei den "Internationalen Filmfestspielen von Cannes" gewann die Produktion die "Goldene Palme"1), wurde mit einem "Oscar"1) für den "Besten fremdsprachigen Film" und das "Beste Originaldrehbuch" ausgezeichnet. Danach übernahm der Schauspieler zahlreiche Rollen als Charakterdarsteller in Italien und Frankreich, bevorzugt in gesellschaftskritischen Filmen und Polit-Thrillern, in denen er wortkarg, mit ironischem Understatement und sparsamen Gesten agierte. Er beherrschte das schauspielerische Repertoire des "film noir" und wurde unter anderem 1968 bei der "Berlinale" für seine Doppelrolle in "L'homme qui ment" (Der Lügner) mit dem "Silbernen Bären" ausgezeichnet. 1969 erhielt er in Cannes den "Darstellerpreis"1) für die Gestaltung des unbequemen und kühlen Untersuchungsrichters in Costa Gavras' Diktatur-Thriller "Z"1). Ein großer internationaler Erfolg wurde auch der 1969 gedrehte Film "Ma nuit chez Maud"1) (Meine Nacht bei Maud), in dem er einen Ingenieur zwischen zwei Frauen mimte. 1970 verkörperte er beeindruckend und irritierend zugleich die Hauptrolle des homosexuellen Faschisten Marcello, der bei seinen Taten einem zynisch-ästhetischen Moralsystem folgt, in Bernardo Bertoluccis "Il conformista"1) (Der große Irrtum). Zu seinen bekanntesten Filmen zählt auch die von Michel Deville inszenierte Gesellschaftssatire "Le mouton enragé"1) (1973, Das wilde Schaf) mit der Hauptrolle des Pariser Bankangestellten Nicolas Mallet, an der Seite von Jean-Pierre Cassel1), Romy Schneider und Jane Birkin.
Ab 1960 war Trintignant zudem mehrfach in Filmen seiner zweiten Frau Nadine, die er 1960 nach kurzer Ehe mit Stéphane Audran geheiratet hatte, zu sehen. Auch in ihren Filmen übernahm er häufig den Part von Zynikern und obsessiven Verbrechern, deren Handeln mit unkommentierter Selbstverständlichkeit vorgeführt wird. Besonders beeindruckend war er 1980 als humpelnder Machiavellist Horace Vannister und Kommentator einer Aufsteigerin alias Romy Schneider in Francis Girods "La banquière"1) (Die Bankiersfrau).
 
In den 1980er Jahren experimentierte Trintignant mit unterschiedlichen schauspielerischen Stilmitteln, um das Image des Thrillerspezialisten abzulegen, und trat in differenzierten, eher grüblerischen Rollen auf. So zeigte er sich unter anderem in Filmen von Ettore Scola1) (1982, "La nuit de Varennes"), François Truffaut1) (1983, "Auf Liebe und Tod"1)), André Téchiné1) (1985, "Rendez-Vous"1)) und Nicole Garcia1) (1986, "15 août"). In Claude Lelouchs gekonnt inszenierten Fortsetzung seines 1966 gedrehten preisgekrönten Films "Un homme et une femme"1) mit dem Titel "Un homme et une femme, 20 ans déjà"2) (1986, Ein Mann und eine Frau – 20 Jahre später) präsentierte sich Trintignant einmal mehr überzeugend an der Seite von Anouk Aimée.
1972 gab er sein Regiedebüt mit der Komödie "Une journée bien remplie", 1978 folgte (eher erfolglos) nach eigenem Drehbuch die Satire um das Streben nach Reichtum mit dem Titel "Le maître-nageur"
(Der Schwimmmeister) mit Guy Marchand1) in der Titelrolle und sich selbst in einer Nebenrolle → Filmlexikon.
Seit Ende der 1980er Jahre hatte sich der passionierte Rennfahrer weitgehend zugunsten der Theaterarbeit aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und war eher selten auf der Leinwand präsent. Trintignant, der nach eigenen Aussagen das aktuelle Kino als zu oberflächlich empfindet, übernahm nur noch wenige anspruchsvolle Rollen. So spielte er unter anderem 1994 einen pensionierten Richters und verbitterten Menschenfeind in Krzysztof Kieslowskis Meisterwerk "Trois couleurs: Rouge"1) (Drei Farben: Rot), (vorerst) letztmalig übernahm er einen Part in Samuel Benchetrits Komödie "Janis et John" (2003) sowie in Enki Bilals Science-Fiction-Film "Immortel (ad vitam)"1) (2004, Immortal – New York 2095: Die Rückkehr der Götter). Im Verlaufe seiner Karriere mimte der bedeutende Charakterdarsteller in über 100 Filmen Gangster und Kommissare, Feiglinge und Draufgänger, Zyniker und leise Helden und prägte in der Nachkriegszeit neben Jean-Paul Belmondo das französische Kino nachhaltig durch seine Rollen.
Anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers am 11. Dezember 2010 schrieb "DIE WELT" unter anderem: "Um Jean-Louis Trintignant ist es nur scheinbar still geworden. Denn der französische Schauspieler, der am Samstag 80 Jahre alt wird, ist in seiner Heimat regelmäßig auf der Theaterbühne zu sehen. Mehrmals hatte er angekündigt, keine Filme mehr drehen zu wollen – nach einer kleinen Rolle in "Immortal" im Jahr 2004 machte er ernst. Den Kinobesuchern wird der auf melancholisch-intellektuelle Figuren spezialisierte Darsteller stets in Erinnerung bleiben als Film-Ehemann von Brigitte Bardot in "Und immer lockt das Weib".
 
Anfang der 2010er Jahre gelang es Regisseur Michael Haneke1) den französischen Altstar wieder vor die Kamera zu locken, mit eine berührend Rolle in einem ebenso ergreifenden Film: Das kammerspielartige und mit emotionaler Wucht gedrehte Sterbe-Drama "Liebe"1) (Amour) handelt von einem pensionierten Pariser Musikprofessoren-Ehepaar, Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva1), dessen Liebe noch im hohen Alter auf die Probe gestellt wird, nachdem Anne einen Schlaganfall erlitten hat und halbseitig gelähmt ist. "Zusammen zeigen diese beiden grandiosen Darsteller ohne Kitsch und Prätention, wie die große Liebe endet, wenn das Lebensende erreicht ist – unfairerweise bei dem einen Partner zuerst." notiert unter anderem "DER SPIEGEL".
Wie Haneke in einem Interview sagte, haben ihn eigene Erlebnisse in seiner Familie zu dem Drehbuch inspiriert. Vorgestellt wurde Hanekes Film, der zu Recht wieder als Meisterwerk gelten kann, im Rahmen des Wettbewerbs der "65. Internationalen Filmfestspiele von Cannes", mit der "Goldenen Palme"1) gewann der österreichische Regisseur den begehrten Hauptpreis des Festivals, über 80 weitere internationale Auszeichnungen sollten folgen. Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva erhielten je einen "César"1) sowie einen "Europäischen Filmpreis"1) als "Bester Hauptdarsteller" bzw. "Beste Hauptdarstellerin"; bundesweiter Kinostart in Deutschland war der 20. September 2012. Fünf Jahre später kam mit "Happy End"1) ein weiterer Film von Haneke mit Jean-Louis Trintignant in die Kinos, die Premiere erfolgte am 22. Mai 2017 erneut in Cannes, allgemeiner Kinostart in Deutschland war der 12. Oktober 2017. Der Film zeigt chronologisch über einige Monate hinweg die Geschicke der großbürgerlichen französischen Familie Laurent, wobei eine Anzahl verschiedener Handlungsstränge miteinander verwoben sind. Der über 85-jährige Trintignant brilliert einmal mehr als das an beginnender Demenz leidende greise Familienoberhaupt Georges Laurent, der nicht mehr leben will dessen Tochter Anne wird von Isabelle Huppert1) dargestellt, Sohn Thomas von Mathieu Kassovitz1) → www.zeit.de. Die schauspielerische Leistung des Franzosen wurde erneut mit einer Nominierung für den "Europäischen Filmpreis"1) als "Bester Darsteller" belohnt, Trintignant unterlag jedoch Claes Bang1) ("The Square"1)) → Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia.
Jean-Louis Trintignant 2007; Urheber: Alain Elorza; Lizenz: CC BY 2.0; Quelle: Wikimedia Commons Trintignants Ehe mit seiner Kollegin Stéphane Audran1) (1932 – 2018) war bereits nach kurzer Zeit gescheitert, aus seiner zweiten, 1960 geschlossenen Ehe mit dem Scriptgirl Nadine Marquand bzw. späteren Regisseurin und Drehbuchautorin Nadine Trintignant1), von der er sich 1978 offiziell trennte, stamm(t)en zwei Töchter sowie Sohn Vincent. Tochter Pauline verstarb bereits 19070 im Alter von neun Monaten durch plötzlichen Kindstod1), die 1962 geborene Tochter Marie Trintignant1) ergriff ebenfalls den Schauspielerberuf. Sie kam am 1. August 2003 unter tragischen Umständen ums Leben, sie war im litauischen Vilnius von ihrem alkoholisierten Freund, dem Sänger Bertrand Cantat1), im Streit erschlagen worden. Noch kurz vor ihrem Tod hatte Marie Trintignant für den Film "Janis et John" zusammen mit ihrem Vater vor der Kamera gestanden.
Der französische Filmemacher Serge Korber1) realisierte unter aktiver Mitarbeit des Schauspielers das Portrait "Jean-Louis Trintignant – Warum ich lebe" (2012, Jean-Louis Trintignant. Pourquoi je vis), das "zu einer Autobiografie und einer Art filmischem Testament" wurde, wie programm.ard.de ausführt.
 

Jean-Louis Trintignant 2007
Urheber: Alain Elorza; Lizenz: CC BY 2.0
Quelle: Wikimedia Commons

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de 
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) prisma.de Stand Oktober 2018
   
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia,
prisma.de (deutscher Titel))
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