Jean-Louis Trintignant am 20. Mai 2012 anlässlich der "65. Internationalen Filmfestspiele" in Cannes; Quelle:  Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0. Jean-Louis Trintignant wurde am 11. Dezember 1930 als Sohn eines begüterten Industriellen im südfranzösischen Piolenc geboren. Nach dem Abbruch eines Jurastudiums in Aix-en-Provence ging er mit 21 Jahren nach Paris und nahm Unterricht bei dem Theater- und Filmschauspieler Charles Dullin (1885 – 1949) sowie der Schauspielerin Tania Balachova (1902 – 1973). Ab 1951 trat Trintignant dann an Pariser Bühnen auf, meist als jugendlicher Held in klassischen und modernen Stücken. 1955 gab er sein Leinwanddebüt in Christian-Jaques Seefahrerdrama "Si tous les gars du monde"1) ("TKX antwortet nicht"), im gleichen Jahr folgte die Rolle des Yves, einem aus einem Erziehungsheim geflohenen Heranwachsenden in Ralph Habibs "La Loi des rues" (Das Gesetz der Straße) sowie die des schmächtigen, verschüchterten Michel Tardieu in Roger Vadims "Et Dieu… créa la femme"1) (Und immer lockt das Weib2)) mit Brigitte Bardot2) als Partnerin. Die sich anschließende Liebesaffäre mit der Bardot war ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse und wurde in den einschlägigen Gazetten intensiv behandelt.
Nach seinem Militärdienst, den er zwischen 1956 und 1959 vielleicht nicht zuletzt wegen des Presserummels, den diese Liaison erzeugt hatte, in Algerien ableistete, agierte der Schauspieler in einer Reihe von Filmen. Der internationale Erfolg kam jedoch erst 1966 als Partner Anouk Aimées in Claude Lelouchs preisgekröntem Film "Un homme et une femme"1) (Ein Mann und eine Frau). Trintignant spielte den gehemmten Witwer Jean-Louis Duroc, der sich nur schwer aus seinem emotionalem Versteck befreien kann. Beim Filmfestival in Cannes gewann der Filmklassiker den "Großen Preis", wurde mit zwei Oscars für den "Besten fremdsprachigen Film" und das "Beste Originaldrehbuch" ausgezeichnet. 
 
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Jean-Louis Trintignant am 20. Mai 2012
anlässlich der "65. Internationalen Filmfestspiele" in Cannes
Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0 
Quelle:  Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Danach übernahm der Schauspieler zahlreiche Rollen als Charakterdarsteller in Italien und Frankreich, bevorzugt in gesellschaftskritischen Filmen und Polit-Thrillern, in denen er wortkarg, mit ironischem Understatement und sparsamen Gesten agierte. Er beherrschte das schauspielerische Repertoire des "film noir" und wurde unter anderem 1968 in Berlin für seine Doppelrolle in "L'homme qui ment" (Der Lügner) ausgezeichnet; 1969 erhielt er in Cannes einen Preis für seinen unbequemen und kühlen Untersuchungsrichter in Costa Gavras' Diktatur-Thriller "Z"1). Ein großer internationaler Erfolg wurde auch der 1969 gedrehte Film "Ma nuit chez Maud"1) (Meine Nacht bei Maud), in dem er einen Ingenieur zwischen zwei Frauen spielte.1970 verkörperte er beeindruckend und irritierend zugleich die Hauptrolle des homosexuellen Faschisten Marcello, der bei seinen Taten einem zynisch-ästhetischen Moralsystem folgt, in Bernardo Bertoluccis "Il conformista"1) (Der große Irrtum). Zu seinen bekanntesten Filmen zählt auch die von Michel Deville inszenierte Gesellschaftssatire "Le mouton enragé"1) (1973, Das wilde Schaf) mit der Hauptrolle des Pariser Bankangestellten Nicolas Mallet, an der Seite von Jean-Pierre Cassel, Romy Schneider und Jane Birkin.
 
Ab 1960 war Trintignant zudem mehrfach in Filmen seiner zweiten Frau Nadine, die er 1960 nach kurzer Ehe mit Stéphane Audran geheiratet hatte, zu sehen. Auch in ihren Filmen übernahm er häufig den Part von Zynikern und obsessiven Verbrechern, deren Handeln mit unkommentierter Selbstverständlichkeit vorgeführt wird. Besonders beeindruckend war er 1980 als humpelnder Machiavellist Horace Vannister und Kommentator einer Aufsteigerin alias Romy Schneider in Francis Girods "La banquière"1) (Die Bankiersfrau).
In den 1980er Jahren experimentierte Trintignant mit unterschiedlichen schauspielerischen Stilmitteln, um das Image des Thrillerspezialisten abzulegen, und trat in differenzierten, eher grüblerischen Rollen auf; so zeigte er sich unter anderem in Filmen von Ettore Scola, François Truffaut, André Téchiné und Nicole Garcia. In Lelouchs gekonnt inszenierten Fortsetzung seines 1966 gedrehten preisgekrönten Films "Un homme et une femme"1) mit dem Titel "Un homme et une femme, 20 ans déjà"1) (1986, Ein Mann und eine Frau – 20 Jahre später) agierte Trintignant einmal mehr überzeugend an der Seite von Anouk Aimée.
1972 gab er sein Regiedebüt mit "Une journée bien remplie", 1978 folgte "Le Maître-nageur"
(Der Schwimmmeister, → Filmlexikon).

Seit Ende der 1980er Jahre hatte sich der passionierte Rennfahrer weitgehend zugunsten der Theaterarbeit aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und war eher selten auf der Leinwand präsent. Trintignant, der nach eigenen Aussagen das aktuelle Kino als zu oberflächlich empfindet, übernahm nur noch wenige anspruchsvolle Rollen. So spielte er unter anderem 1994 einen introvertierten Zyniker in Krzysztof Kieslowskis Meisterwerk "Trois couleurs: Rouge"1) (Drei Farben: Rot), (vorerst) zuletzt übernahm er einen Part in Samuel Benchetrits Komödie "Janis et John" (2003) sowie in Enki Bilals Science-Fiction-Film "Immortel (ad vitam)"1) (2004, Immortal – New York 2095: Die Rückkehr der Götter). Im Verlaufe seiner Karriere mimte der bedeutende Charakterdarsteller in über 100 Filmen Gangster und Kommissare, Feiglinge und Draufgänger, Zyniker und leise Helden und prägte in der Nachkriegszeit neben Jean-Paul Belmondo das französische Kino nachhaltig durch seine Rollen.
Anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers am 11. Dezember 2010 schrieb "DIE WELT" unter anderem: "Um Jean-Louis Trintignant ist es nur scheinbar still geworden. Denn der französische Schauspieler, der am Samstag 80 Jahre alt wird, ist in seiner Heimat regelmäßig auf der Theaterbühne zu sehen. Mehrmals hatte er angekündigt, keine Filme mehr drehen zu wollen – nach einer kleinen Rolle in "Immortal" im Jahr 2004 machte er ernst. Den Kinobesuchern wird der auf melancholisch-intellektuelle Figuren spezialisierte Darsteller stets in Erinnerung bleiben als Film-Ehemann von Brigitte Bardot in "Und immer lockt das Weib".
 
Doch jüngst gelang es Regisseur Michael Haneke den französischen Altstar wieder vor die Kamera zu locken, mit eine berührend Rolle in einem ebenso ergreifenden Film: Das kammerspielartige und mit emotionaler Wucht gedrehte Sterbe-Drama "Liebe"1) (Amour) handelt von einem pensionierten Pariser Musikprofessoren-Ehepaar, Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva1), dessen Liebe noch im hohen Alter auf die Probe gestellt wird, nachdem Anne einen Schlaganfall erlitten hat und halbseitig gelähmt ist. "Zusammen zeigen diese beiden grandiosen Darsteller ohne Kitsch und Prätention, wie die große Liebe endet, wenn das Lebensende erreicht ist – unfairerweise bei dem einen Partner zuerst." notiert unter anderem "DER SPIEGEL".
Wie Haneke in einem Interview sagte, haben ihn eigene Erlebnisse in seiner Familie zu dem Drehbuch inspiriert. "Vorgestellt wurde Hannekes Film, der zu Recht wieder als Meisterwerk gelten kann, im Rahmen des Wettbewerbs der "65. Internationalen Filmfestspiele" von Cannes, mit der "Goldenen Palme" gewann der österreichische Regisseur den begehrten Hauptpreis des Festivals; bundesweiter Kinostart in Deutschland ist der 20. September 2012, →  Kritiken zum Film bei www.film-zeit.de.
 
Trintignants Ehe mit seiner Kollegin Stéphane Audran1) war bereits nach kurzer Zeit gescheitert, aus seiner zweiten, 1960 geschlossenen Ehe mit dem Scriptgirl Nadine Marquand bzw. späteren Regisseurin und Drehbuchautorin Nadine Trintignant1), von der er sich 1978 offiziell trennte, stammen zwei Töchter sowie Sohn Vincent. Tochter Pauline verstarb 1970 im Alter von nur neun Jahren, die 1962 geborene Tochter Marie Trintignant1) ergriff ebenfalls den Schauspielerberuf. Sie kam am 1. August 2003 unter tragischen Umständen ums Leben, sie war im litauischen Vilnius von ihrem alkoholisierten Freund, dem Sänger Bertrand Cantat1), im Streit erschlagen worden. Noch kurz vor ihrem Tod hatte Marie Trintignant für den Film "Janis et John" zusammen mit ihrem Vater vor der Kamera gestanden.  

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP Stand Juni 2015
 
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia,
in Klammern: prisma.de)
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