Joseph Cheshire Cotten wurde am 15. Mai 1905 als Sohn eines Postbeamten in Petersburg (Virginia) geboren. Bevor er zum Film kam, arbeitete er nach der Schule als Vertreter sowie als Journalist fär verschiedene Magazine und Zeitschriften: Dann ging er an die Washingtoner "Hickman School of Expression", wo er Schauspiel studierte. Gelegentlich schrieb er Theaterkritiken für den "Miami Herald" und versuchte gleichzeitig als Schauspieler Fuß zu fassen. Er wurde zunächst "Mädchen für alles" in einer New Yorker Theatertruppe und spielte bald darauf am Broadway, wo er 1930 sein Debüt gab. 1936 stieß er zu Orson Welles' Theaterprojekt und gründet mit diesem und John Houseman das berühmte Mercury-Theater, feierte unter anderem Erfolge in der Welles-Inszenierung von William Shakespeares "Julius Cäsar".

Foto: Joseph Cotten 1973 mit Ehefrau Patricia Medina
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Joseph Cotten 1973 mit Ehefrau Patricia Medina; Quelle: commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia;  Urheber: Allan Warren (www.allanwarren.com); Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.
International bekannt wurde er in Filmen von Orson Welles, so in der Hauptrolle des Reporters Jed Leland in Welles' Regiedebüt "Citizan Kane"1) (1941, → Wikipedia); als Vorbild diente die Biografie des des US-amerikanischen Verlegers William Randolph Hearst2), Welles spielte den amerikanischen Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane, eindrucksvoll thematisiert wird der Aufstieg und Fall eines Mannes, der seine Ideale verrät und am Ende seines Lebens einsam und verbittert ist, Cotten verkörpert den Wochenschau-Reporter Thompson, der über die Hintergründe seines Todes berichten soll. Einen weiteren Erfolg konnte er als Eugène Morgan erneut unter der Regie von Orson Welles in dem Gesellschaftsdrama "Der Glanz des Hauses Amberson"1) (1941, The Magnificent Ambersons2)) verbuchen.
1942 erhielt Cotten einen Sieben-Jahresvertrag von David O. Selznick und überzeugte unter anderem in dem Hitchcock-Film "Im Schatten des Zweifels"2) (1943, Shadow of a Doubt), wo er als Witwenmörder "Onkel Charlie" brillierte und Hitchcock ihn in eine Rolle des Abgründigen und des Schreckens brachte. In George Cukors Psychothriller "Das Haus der Lady Alquist"1) (1943, Gaslight2)) mimte er den Scotland Yard-Agenten Brian Cameron, durch dessen Hilfe der teuflische Plan Gregory Antons (Charles Boyer) enthüllt wird, seine Ehefrau alias Ingrid Bergmann in den Wahnsinn zu treiben. Als "braver" Soldat Jesse McCanles bzw. kultivierter Sohn eines Großgrundbesitzers brachte er in King Vidors "Duell in der Sonne"2) (1946, Duel in the Sun) erneut eine reife Leistung auf die Leinwand. Sehenswert ist auch die Komödie "Die Farmerstochter"2) (1947, The Farmer's Daughter) mit Loretta Young als Partnerin, einer der größten kommerziellen Erfolge in Cottens Laufbahn war das Melodrama "Love Letters"2) (1945, Liebesbriefe) unter der Regie von Dieterle, das 1945 in den Verleih kam und ihn als Soldaten präsentierte, der einer jungen Frau, gespielt von Jennifer Jones, unter falschem Namen romantische Briefe schreibt. Eine plötzliche Amnesie bei Jones verhindert, dass beide rasch und unkompliziert zueinander finden, sondern noch etliche Verwicklungen zu überstehen haben.3)
 
Einprägsam war auch 1949 seine Darstellung des Holly Martins in dem Welles'-Klassiker "Der dritte Mann"1) (The Third Man). Der Schriftsteller Holly Martins im Wien der Nachkriegszeit, der seinen verschollen Freund Harry Lime sucht (Orson Welles) ist die tragische Gestalt in diesem Klassiker von Carol Reed. Holly wird zurückgehen nach Amerika und er ist derjenige, der die ganzen Horror-Erlebnisse vertuschen wird, der mit der Zigarette nach der Beerdigung den Weg entlanggeht, geprügelt und doch edel – alles in sich verschließend.
Nach William Dieterle "Fantasyfilm "Jenny"2) (1948) sah man Cotten in King Vidors Melodram "Der Stachel des Bösen"1) 
(1949, Beyond the Forest2))  als beliebten Landarzt Dr. Lewis Moline und Ehemann, dem Bette Davis übel mitspielt. Eine erneute Zusammenarbeit mit Bette Davis ergab sich Jahre später in Robert Aldrichs Psychothriller "Wiegenlied für eine Leiche"1) (Hush … Hush, Sweet Charlotte), hier mimte er 1964 den ehemaligen Liebhaber der alternden Charlotte Hollis, der vor Jahren bestialisch ermordet wurde und Bette Davis in den Wahnsinn treibt.
Trotz seines unbeweglichen Gesichts erwies Cotten sich in den 1940er und 1950er Jahren als äußerst populär, er war als Liebhaber und aufrechter Held ebenso gefragt wie als Bösewicht. Erneut als Partner von Ingrid Bergman erlebte man ihn in Alfred Hitchcocks historischem Melodram "Sklavin des Herzens"2) (1949, Under Capricorn), mit Joan Fontaine zeigte er sich in dem Liebesdrama "Liebesrausch auf Capri"2) (1950, September Affair), in dem Thriller "Niagara"1) (1952, Niagara2)) mimte er den Ehemann der attraktiven Rose Loomis alias Marilyn Monroe, der von seiner Frau gedemütigt und in ein Mordkomplott verwickelt wird.
 
Obwohl Cotten mit renommierten Regisseuren wie Orson Welles, Alfred Hitchcock, William Dieterle, King Vidor und Robert Aldrich gearbeitet hatte, geriet er ab Mitte der 1950er eher etwas in Vergessenheit. Er ging ans Theater zurück und hatte zur Spielzeit 1953/54 einen großen Broadway-Erfolg in der romantischen Komödie "Sabrinas Fair" von Samuel A. Taylor an der Seite von Margaret Sullavan (1909 – 1960), ein Stück, das wenig später von Billy Wilder mit der bezaubernden Audrey Hepburn und William Holden unter dem Titel "Sabrina" (1954) in die Kino kam. Gleichzeitig unterschrieb Cotten einen Vertrag bei der "Centfox" für eine Reihe von Fernseharbeiten, hatte zahlreiche Auftritte in TV-Serien, die er teilweise auch selbst produzierte; 1956 und 1957 moderierte er seine eigene "Joseph Cotten-Show". Daneben akzeptierte er auch Rollen in B-und C-Filmen, die er überwiegend in Italien und den USA drehte. Zur Filmografie zählen beispielsweise die Streifen "Goldfalle"2) (1965, The Money Trap), "Das Schreckens-Cabinett des DR. PHIBES"2) (1971, The Abominable Dr. Phibes), "Lady Frankenstein"2) (1971, La Figlia di Frankenstein), "Das Ultimatum"2) (1977, Twilight's Last Gleaming) oder "Verschollen im Bermuda-Dreieck"2)  (1977, Airport '77); seine letzte Hauptrolle spielte Cotten in dem eher zu vernachlässigendem Horrorfilm "Der Leichenwagen"2) (1980, The Hearse).
 
Cotten glich einem englischen Gentleman, der zurückhaltend mit altmodischem Gespür für Recht und Anstand seinen Weg ging. Er war einer der ganz großen, aber einer, der sich immer ganz klein machte. Obwohl Cotten nicht zur ersten Garde der noch heute bekannten legendären Hollywood-Stars gehörte und auch auf keine Oscar-Nominierung zurückblicken konnte, waren seine Figur immer wichtig als Gegenpart des Helden. Trotz einer Vielzahl von Schurken-Rollen, bleibt ihm der Ruf des Romantikers, des sensiblen und enttäuschten Mensche, der auch aus den Zeiten herrührt, da er mit William Dieterle eine ganze Serie von Filmen drehte –bezeichnend für die sozialromantischen Dramen des US-Nachkriegskinos. Und noch einmal trat er aus dem Schatten der eher reißerischen Produktionen, als er 1980 in Michael Ciminos Western "Das Tor zum Himmel"2) (Heavens Gate) eine kleine, dennoch prägnante Nebenfigur verkörperte – den Reverend Sutton; danach zog er sich vom Filmgeschäft zurück.
1986 erschienen seine Memoiren unter dem Titel "Vanity will get you somewhere".

1981 musste Cotten erstmals eine Krebs-Operation an den Stimmbändern überstehen, 1990, mit 84 Jahren, wurde ihm in einer zweiten Operation der Kehlkopf entfernt. Nur wenige Jahre später starb Joseph Cotten am 6. Februar 1994 in Westwood (Virginia) im Alter von 88 Jahren an Lungenkrebs.Die letzte Ruhe fand er auf dem "Blandford Cemetery" in Petersburg (Virginia) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Von 1931 war er bis zu deren Leukämie-Tod im Jahre 1960 mit Lenore Knipp verheiratet; seine zweite Frau wurde im selben Jahr die Schauspielerin Patricia Medina2), die bis zu Cottons Tod an seiner Seite war; Patricia Medina starb am 28. April 2012 im Alter von 92 Jahren in Los Angeles (Kalifornien).

 
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia
Link: 1) prisma.de, 2) Wikipedia
Quelle: 3) Wikipedia
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Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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