Rock Hudson
Rock Hudson wurde am 17. November 1925 als Roy Harold Scherer Jr. in Winnetka (Illinois) geboren. Das einzige Kind eines Automechanikers und einer Telefonistin stammte aus einer zerrütteten Ehe, seine Eltern ließen sich scheiden als er acht Jahre alt war. Der zweite Mann seiner Mutter adoptierte den Jungen und gab ihm den Namen Roy Fitzgerald. Er besuchte die "New Trier High School" in Winnetka, weil er jedoch keinen High School-Abschluss besaß, blieb ihm das College versperrt. Fitzgerald ging zur US-Marine und diente ab 1944 während des 2. Weltkriegs als Flugzeugmechaniker bei der "US-Navy". Nach Kriegsende schlug er sich als Staubsaugervertreter, Trucker und Postbote durch. Freunde überredeten ihn, Fotos an Hollywoodagenten zu schicken, doch sein Debüt war verheerend, Roy Fitzgerald besaß anscheinend keinerlei schauspielerisches Talent und benötigte 38 Aufnahmen, bis er seinen ersten Satz in seinem ersten Film "Jagdflieger", 1948 gedreht von Raoul Walsh, hinbekam.
Aber die "Universal Studios" ließen sich vom Aussehen des 1,93-Meter-Mannes überzeugen, gaben ihm einen Langzeitvertrag und den Künstlernamen "Rock Hudson" sowie einen Crash-Kurs in Schauspielunterricht. Der Regisseur erklärte damals: "Selbst wenn er nichts kann, gibt er immer noch eine gute Dekoration ab." Die Produktionsgesellschaft garantierte ihm 125 Dollar in der Woche und eine harte Ausbildung: Rock lernte sprechen, singen, tanzen, reiten, fechten, schießen – und wartete weiter auf seine große Chance. Doch es sollte noch drei Jahre dauern, in denen er rund 15 Filme drehte, bis ein Name ganz oben auf der Besetzungsliste stand. In dieser Zeit trat er vorwiegend in Abenteuerfilmen und Western in Erscheinung, beispielsweise 1950 unter der Regie von Anthony Mann in dem Western "Winchester '73"1), 1951 in dem Thriller "Sieg über das Dunkel"1) (Bright Victory) oder 1952 in "Meuterei am Schlangenfluss"1) (Bend of the River). Es folgten Auftritte in weiteren Western, als Lieutnant Lance Caldwell in Budd Boettichers "Seminola"2) (1953) und als Bürgerkriegs-Heimkehrer Ben Warren in Raoul Walshs "Mit der Waffe in der Hand"2) (1953, Gun Fury), in Raoul Walshs "Gesetzlose Brut" (1953, The Lawless Breed) zeigte sich Hudson im gleichen Jahr mit der Hauptrolle eines sympathischen Outlaws.
 
Der große Erfolg kam jedoch erst Anfang/Mitte der 1950er Jahre. Mit seinem blendenden Aussehen und seinem jungenhaften Charme, verbunden mit einer Ausstrahlung von Solidität, avancierte Hudson zu einem "der" Stars des Hollywoodkinos und zum Liebling des weiblichen Publikums. Regisseur Douglas Sirk brachte ihn Anfang der 1950er Jahre weiter. Er erkannte trotz einiger Hau-Ruck-Rollen wie in dem Abenteuer "Das goldene Schwert"1) (1954), The Golden Blade), dass Hudson im Grunde genommen ein überaus freundlicher und sympathischer Typ war, geschaffen für eine Reihe von Frauenfilmen, in denen Hudson den Gatten, Liebhaber und Sunny Boy mimte. Seine besten Rollen hatte er in den meisterlichen Melodramen von Douglas Sirk: "Die wunderbare Macht"1) (1954, Magnificent Obsession), "Was der Himmel erlaubt"1) (1955, All That Heaven Allows) mit Jane Wyman und "In den Wind geschrieben"1) (1956, Written on the Wind), einem 1956 gedrehten Film über eine texanische Öldynastie mit Lauren Bacall, Robert Stack und Dorothy Malone. 1957 feierte Hudson als Lieutenant Frederic Henry in King Vidors Hemingway-Adaption "In einem anderen Land"1) (A Farewell to Arms) Erfolge sowie im gleichen Jahr als trunksüchtiger Sensationsreporter Burke Devlin in dem Fliegerdrama "Duell in den Wolken" (The Tarnished Angels). Eine Glanzleistung hatte er 1956 als texanischer Großgrundbesitzer Jordan "Bick" Benedict in dem von George Stevens nach dem gleichnamigen Buch von Edna Ferber in Szene gesetzten Drama "Giganten"1) (Giant2)) gezeigt, ebenfalls ein Film über eine texanische Familie, die durch die Förderung von Erdöl zu Reichtum kam. Hier agierte er zusammen mit Stars wie Elizabeth Taylor und James Dean; für seine Darstellung wurde Hudson, ebenso wie James Dean, für den "Oscar" nominiert, George Stevens erhielt die begehrte Trophäe für die "Beste Regie".
 
Um Gerüchte über seine Homosexualität zu dementieren, heiratete Hudson 1955 unter Druck seiner Filmgesellschaft die Studio-Sekretärin Phyllis Cates; die Ehe wurde jedoch bereits 1958 wieder geschieden.
1959 wechselte er dann ins Komödienfach und machte "Bettgeflüster"1) (Pillow Talk2)) mit Doris Day zu einem Überraschungserfolg; in diesem Film sang er auch den Titelsong.
Darüber hinaus war dieser Streifen der Auftakt zu einer Reihe simpel gestrickter, dennoch herrlicher Komödien mit seiner Partnerin Doris Day, in denen Hudson als charmanter Playboy den Kampf der Geschlechter aufnahm, wie in den heiter-unbeschwerten Geschichten "Ein Pyjama für zwei"1) (1961, Lover Come Back2)) und "Schick mir keine Blumen"1) (1964, Send Me No Flowers). "Happy End im September" (1961, Come September) und "Fremde Bettgesellen"1) (1965, Strange Bedfellows) mit Gina Lollobrigida gerieten ebenso zu Kassenschlagern wie "Ein Appartement für drei" (1965, A Very Special Favor) mit Leslie Caron und Charles Boyer. Seinen vielleicht größten Lacherfolg erntete Hudson in "Ein Goldfisch an der Leine"1) (1964, Men's Favorite Sport2)) als Autor eines Angelbuches, der noch nie beim Fischen war. Tatsächlich funktionierte das Erfolgsrezept bis Mitte der 1960er Jahre, aber auch mit Filmen anderen Genres war er erfolgreich. Der Star drehte Streifen wie die Kriegsfilme "Der Kommodore"1) (1963, A Gathering of Eagles) und "Tobruk"2) (1967) oder die Krimikomödie "New-York-Expreß"2) (1966, Blindfold) mit Claudia Cardinale.

Ab den späten 1960er Jahren wurde es zunehmend stiller um den Weltstar, auch wenn er mit dem Western neben John Wayne in "Die Unbesiegten"2) (1969, The Undefeated) alle Register seines Könnens ziehen konnte. Hudson wollte dem Klischee des attraktiven Liebhabers entfliehen, drehte mit prominenten Regisseuren wie mit John Frankenheimer den Thriller "Der Mann, der zweimal lebte" (1966, Seconds) und mit John Sturges das Abenteuer "Eisstation Zebra"1) (1968, Ice Station Zebra). Blake Edwards besetzte ihn als Partner von Julie Andrews in "Darling Lili" (1970), neben dem Zugpferd Dean Martin tauchte er in der Westernkomödie "Die Geier warten schon"2) (1973, Showdown) auf, doch seine ganz große Zeit war vorbei. Danach sorgte Hudson ab 1971 mit der TV-Serie "McMillan & Wife" als Polizeikommissar Stewart 'Mac' McMillan noch einmal sechs Jahre lang für hohe Einschaltquoten. Zu einer seiner letzten beachtenswerten Kinorollen zählt die Figur des Jason Rudd in der Agatha-Christie-Verfilmung "Mord im Spiegel"1) (1980, The Mirror Crack'd). 
1981 begannen die Dreharbeiten zu einer Fernsehserie namens "The Develin Connection"; die Produktion wurde jedoch für ein Jahr unterbrochen, da sich Rock Hudson von einem schweren Herzinfarkt und einer fünffachen Bypass-Operation erholen musste.
Das Fernsehen holte ihn als Gaststar in weitere TV-Serien, dem "Denver-Clan"1) (Dynasty) verlieh er 1984/85 eine ganze Staffel lang als Daniel Reece Hollywood-Glanz.

1985 war die Öffentlichkeit geschockt, als bekannt wurde, dass Hudson, der ab einem gewissen Zeitpunkt aus seiner Homosexualität keinen Hehl mehr gemacht hatte, an AIDS erkrankt war. Dass sich Rock Hudson schon immer ausschließlich zu Männern hingezogen fühlte, war in Insiderkreisen bereits längst kein Geheimnis mehr, jedoch passte dieses Bild so ganz und gar nicht in die Glitzer- und Glamourwelt Hollywoods hinein. Es galt also, die sexuelle Neigung von Rock Hudson um jeden Preis vor der breiten Masse geheim zu halten. Ein öffentliches Bekenntnis hätte in dieser konservativen Zeit das sofortige Ende seiner Karriere bedeutet.
Der zeitlebens sein Image als Frauenheld pflegende Rock Hudson gestand seine Neigung und seine Krankheit dann jedoch kurz vor seinem Tod widerwillig ein und wurde das erste prominente Opfer in der US-Filmwelt, das mit dieser Immunschwäche geoutet wurde. Seine Prominenz und Popularität sorgten jedoch dafür, dass zum ersten Mal Information und Aufklärung über die tödliche Krankheit weite Kreise erreichten, dass sich die öffentlichen Mittel für Aidshilfe und -forschung vervielfachten.
 
Rock Hudson starb am 2. Oktober 1985 in Beverly Hills (Los Angeles) an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung und Leberkrebs; sein Leichnam wurde verbrannt und die Asche über dem Meer verstreut.
Bis zuletzt hatte er gemeinsam mit der Journalistin Sara Davidson an seinen Memoiren gearbeitet, in denen er sein Leben, geprägt vom Glanz des Ruhms, aber auch vom Elend des Sich-verstecken-Müssens, erzählen wollte. Ihm blieb nicht genug Zeit, sie zu beenden. Posthum wurde 1986 seine Autobiographie veröffentlicht unter dem Titel "Rock Hudson: His Story"; das Honorar kommt der AIDS-Forschung zugute.
Von Andrew Davies und André Schäfer entstand das filmische Portrait "Rock Hudson – Schöner fremder Mann" (2010), welches den Schauspieler als einen Star beleuchtet, "der einen geheimen Balanceakt zwischen privatem und öffentlichem Leben vollführte, zwischen der heterosexuellen Welt einer sehr männlich aussehenden Leinwandikone und der dunklen Seite verbotener Sexualität eines versteckt lebenden Homosexuellen." (Quelle: programm.ard.de)


Textbausteine des Kurzportraits von Dirk Jasper FilmstarLexikon
Siehe auch www.prisma.de, Wikipedia sowie
die Artikel zum AIDS-Tod von Rock Hudson bei www.spiegel.de und www.faz.net

Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de

Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
Die Beschreibung einiger Filme findet man auch innerhalb dieser HP
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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