Jack Lemmon im August 1988 anlässlich der Verleihung der "Emmy Awards"; Quelle: Wikimedia Commons; Originalfoto bei www.flickr.com; Urheber: Alan Light; Lizenz: CC BY 2.0 Jack Lemmon wurde am 8. Februar 1925 als John Uhler Lemmon III und Sohn eines Fabrikanten in einem Krankenhaus-Fahrstuhl in Newton, einem Vorort von Boston (Massachusetts), zur Welt gebracht. Sein Name ließ ihn oft zum Gespött seiner Mitschüler werden, wenn sie ihn "Jack U Lemmon", übersetzt "Jack, Du Zitrone", riefen, aber mit seinem Vater, Chef einer Doughnut-Firma, hatte der junge Lemmon ansonsten keinen allzu schweren Start ins Leben.
"Der Damm ist gebrochen" lautete der erste Satz, den Jack Lemmon auf einer Theaterbühne gesagt haben soll. Damals war er vier Jahre alt und wirkte gemeinsam mit seinem Vater in dem Stück "Gold in Them Thar Hills" für eine Wohltätigkeitsveranstaltung mit. Obwohl der frühe Auftritt weder auf Jack Lemmon noch auf das Publikum einen nachhaltigen Eindruck gemacht hatte, entschied sich Lemmon später für die Schauspielerei. Sicherheitshalber machte er zunächst seinem High School-Abschluss (1943) an der "Phillips Academy" in Andover (Massachusetts), musste dann während des 2. Weltkrieges bei der US Navy seinen Dienst tun. Nach Kriegsende absolvierte er ein Studium der Naturwissenschaften an der Harvard Universität in Cambridge (Massachusetts), wo er als Vorsitzender der berühmten Studentenverbindung "Hasty Pudding Club" fungierte; er promovierte in Harvard, ging dann gegen den Willen seines Vaters nach New York, um Schauspieler zu werden. Zunächst ging es mit der Schauspielerei jedoch nicht so recht voran, als begeisterter autodidaktischer Pianist tingelte Lemmon erst einmal durch Bars, versuchte sich dann als Darsteller in der Werbung und mit kleineren Parts am Theater und wurde zunehmend erfolgreicher.

Jack Lemmon im August 1988 anlässlich der Verleihung der "Emmy Awards"
Quelle: Wikimedia Commons; Originalfoto bei www.flickr.com
Urheber: Alan Light; Lizenz: CC BY 2.0

Seinen Einstand im Showbusiness gab er als Showmaster auf der Bühne der "Old Knick Music Hall", er übernahm Rollen in den "Soap Operas" des Rundfunks und im neuen Medium Fernsehen. Insgesamt trat er in etwa 500 Sendungen auf, die damals vorwiegend live ausgestrahlt wurden, etliche Shows hatte er selbst produziert. Während der Sommermonate übernahm er Rollen beim Tourneetheater. Seine erste Filmrolle als Partner von Judy Holliday in George Cukors Komödie "Die Unglaubliche Geschichte der Gladys Glover" (It Should Happen to You) machte Lemmon 1953 über Nacht international bekannt. Zwei Jahre später konnte Jack Lemmon bereits mit seiner vierten Kinorolle als Leutnant-zur-See Frank Thurlowe Pulver in John Fords "Keine Zeit für Heldentum"1) (Mister Roberts2)) schon den Oscar als "Bester Nebendarsteller" entgegennehmen.
 
Mit James Stewart und Kim Novak drehte er die romantische Komödie "Meine Braut ist übersinnlich"2) (1958, Bell, Book and Candle), doch erst der Regisseur Billy Wilder entdeckte Lemmons komödiantisches Potential und realisierte mit ihm, Tony Curtis und Marilyn Monroe die wohl berühmteste und erfolgreichste Filmkomödie aller Zeiten "Manche mögen's heiß"1) (1959, Some Like it Hot2)). Lemmons Rolle als Musiker Jerry, der gemeinsam mit seinem Partner Joe (Tony Curtis) in Frauenkleidern vor einer Gangsterband flüchtet, um dann als "Daphne" und "Josephine" in einer Damenkapelle die irrwitzigsten Situationen zu durchleben, war für Lemmon der Anfang einer steilen Karriere als komisches Nervenbündel. Darüber hinaus bedeutete sie den Auftakt zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Wilder und seinem Star, aus der noch weitere hinreißende Komödienklassiker entstanden, "Das Apartment"1) (1960, The Apartment2)), "Das Mädchen Irma La Douce"1) (1963, Irma La Douce2)), "Der Glückspilz"1) (1965, The Fortune Cookie2)), "Avanti, Avanti!"1) (1972, Avanti!2)) und "Extrablatt"1) (1974, The Front Page2)). Insgesamt arbeitete Wilder sieben Mal mit Lemmon über einen Zeitraum von 20 Jahren zusammen. Vorwiegend als Komiker besetzt, erweiterte der Mime sein Repertoire mit der eindringlichen Darstellung eines Alkoholikers in Blake Edwards "Tage des Weines und der Rosen"2) (1962, Days of Wine and Roses), für die er wiederum für den Oscar nominiert wurde.
 
Obwohl Lemmon auch im Alleingang immer wieder für wahnwitzige Kinounterhaltung wie in "Leih' mir Deinen Mann"1) (1964, Good Neighbour Sam2)), "Wie bringt man seine Frau um"1) (1964, How to Murder Your Wife), "Nie wieder New York"2) (1969, The Out of Towners), "Ein Frosch in Manhattan"2) (1969, The April Fools) oder "Das Nervenbündel"2) (1974, The Prisoner of Second Avenue) sorgte, schien er in Walter Matthau, mit dem er 1966 für "Der Glückspilz" das erste Mal vor der Kamera gestanden hatte, den kongenialen Partner gefunden zu haben. Die beiden Stars machten Filme wie "Ein seltsames Paar"1) (1967, The Odd Couple2)) und "Buddy, Buddy"1) (1981, Buddy Buddy2)) zu unvergesslichen und lukrativen Lacherfolgen und schrieben damit Filmgeschichte. Mit Matthau in der Hauptrolle inszenierte Jack Lemmon auch 1971 seinen einzigen Spielfilm "Opa kann's nicht lassen" ( Kotch). 
Weitere sehenswerte Produktionen mit Lemmon in der Hauptrolle sind beispielsweise die hochkarätig besetzte Abenteuer-Komödie "Das große Rennen rund um die Welt"2) (1965, The Great Race) an der Seite von Tony Curtis, Natalie Wood und Peter Falk, 1973 erhielt Lemmon einen weiteren Oscar für die Satire "Rettet den Tiger!"1) (Save The Tiger2)), wo er den lebensmüden Geschäftsmann Harry Tiger spielte, der verzweifelt versucht, dem Bankrott zu entgehen. Nach dem Katastrophen-Streifen "Verschollen im Bermuda-Dreieck"2) (1977, Airport '77) konzentrierte er sich zunehmend auf anspruchsvolle und politisch engagierte Filmstoffe. Mit weiteren Oscar-Nominierungen für seine Darstellungen in "Das China-Syndrom"2) (1979, The China Syndrome), für die Lemmon auch mit Preisen in Cannes und London ausgezeichnet wurde, und dem Politthriller "Vermisst"1) (1981, Missing2)) konnte er sich endlich auch als Schauspieler ernster Rolle etablieren. So beeindruckte er 1989 – mit Halbglatze und Latexfalten – in Gary David Goldbergs Tragikomödie "Dad"2) als seniler 80-Jähriger, der erst kurz vor seinem Tod eine Beziehung zu seinem Sohn entwickelt. Weniger gute Kritiken erhielt er allerdings für seine Darstellung eines alternden Mannes, der in der Tragikomödie "That's Life! So ist das Leben"2) (1986, That's Life!) sein Leben analysiert.

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde es ruhiger um Lemmon, der nun weniger Kinofilme drehte und dafür vermehrt im Fernsehen auftrat. Mit seiner vielgelobten Darstellung des verzweifelten Vertreters in dem phantastischen Ensemblefilm "Glengerry Glen Ross"2) (Glengarry Glen Ross) meldete er sich 1992 aber wieder kraftvoll zurück und gewann in Venedig dafür den Preis als "Bester Darsteller". 1993 spielte er in "Ein verrücktes Paar – Alt, verkracht und frisch verliebt"1) (Grumpy Old Men2)) erstmals seit "Buddy Buddy" wieder mit Walter Matthau zusammen. Der unerwartet große Erfolg dieser Komödie ließ die Streifen "Ein verrücktes Paar – Der dritte Frühling"1) (1995, Grumpier Old Men2)) und "Immer noch ein seltsames Paar"2) (1998, The Odd Couple II) mit ähnlicher Machart folgen. Nach seiner Rolle des geizigen, ehemaligen US-Präsidenten geizige Russell P. Kramer in der Komödie "Ein Präsident für alle Fälle"2) (1996, My Fellow Americans) an der Seite von James Garner sowie als spätberufener Gigolo in der turbulenten Geschichte "Tango gefällig?"2) (1997, Out to Sea) mit Dauerpartner Walter Matthau, zeigte Lemmon noch einmal als Geschworener in William Friedkins TV-Remake des Sidney Lumet-Klassikers "Die zwölf Geschworenen"1) (1997, 12 Angry Men2)), dass er auch ernsthafte Rollen durchaus authentisch zu spielen wusste und erhielt für seine Leistung eine "Golden-Globe"-Nominierung. Lemmons letzte Arbeit für das Kino war eine kleine Rolle in Robert Redfords Golf-Drama "Die Legende von Bagger Vance"2) (2000, The Legend of Bagger Vance). Ein Jahr zuvor hatte er noch  im Fernsehen die Hauptrolle des College-Professors Morrie Schwartz in dem Drama "Dienstags bei Morrie"2) (1999, Tuesdays With Morrie) übernommen.
 
Ob als Komiker oder als dramatischer Darsteller, Lemmon überzeugte in fast jeder Rolle und konnte sich stets der Sympathien des Publikums sicher sein. Seine neurotischen Anwandlungen, seine naive Unschuld und Leichtgläubigkeit prädestinieren ihn geradezu als Liebling der Zuschauer, die ihn jedoch vorzugsweise in komischen Rollen mit einem Hang zum Tragischen sehen wollten.

Oscar für Jack Lemmon:
  • 1956 als "Bester männlicher Nebendarsteller" in "Keine Zeit für Heldentum"
  • 1974 als "Bester Hauptdarsteller" in "Rettet den Tiger"

Oscar-Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" in

  • "Manche mögen's heiß" (1960)
  • "Das Appartement" (1961)
  • "Tages des Weines und der Rosen" (1963)
  • "Save The Tiger" (1972)
  • "Das China-Syndrom" (1980)
  • "Ein Sommer in Manhattan" (1981)
  • "Vermisst" (1983)

Jack Lemmon ist einer der meistausgezeichneten Schauspieler der Filmgeschichte!
→ Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia

Am 27. Juni 2001 erlag Jack Lemmon im Alter von 76 Jahren in Los Angeles im Beisein von Ehefrau Felicia, Sohn Christopher, Tochter Courtney und Stieftochter Denise im "USC Norris Krebshospital" seiner Krebserkrankung. Seine letzte Ruhe fand der unvergessene Star auf dem "Westwood Village Memorial Park Cemetery" neben seinem langjährigen Freund und Schauspielerkollegen Walter Matthau3), der fast genau ein Jahr zuvor am 1. Juli 2000 verstorben war → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Die Hollywood-Legende war seit Mitte August 1962 in zweiter Ehe mit seiner Kollegin Felicia Farr2) verheiratet; Sohn Chris Lemmon2) (geb. 1954), selbst Musiker und Schauspieler, stammt aus erster Ehe mit der Schauspielerin Cynthia Stone4) (1926 – 1988), mit der Lemmon zwischen 1950 und 1956 verheiratet war; Tochter Courtney, aus der Ehe mit Felicia Farr, war 1966 geboren worden.

In einem Artikel zum Tod von Jack Lemmon bei "World Socialist Web Site" wird unter anderem ausgeführt: "Es ist auffällig, dass jeder erwähnenswerte Kommentar, der anlässlich Lemmons Tod in der Presse erschien, sich bemüßigt sah, auf die beunruhigende Note hinzuweisen, die sein ganzes Werk durchzieht. Die New York Times zitierte Lemmon selbst: "Ich fühle mich vor allem zu zeitgenössischen Charakteren hingezogen. Ich verstehe sie und ihre Frustration", und nannte ihn "den ultimativen komischen Helden für ein Zeitalter der Ängstlichkeit". Die BBC zitierte einen nicht genannten Kritiker, der die gleiche Melodie intonierte und Lemmon als "einen Clown im Zeitalter der Angst" bezeichnete, außerdem wies sie darauf hin, dass er häufig "den dezenten Mittelklasse-Amerikaner darstellte, der kämpft, um seine Integrität zu behalten". Die Washington Post zitierte einen Kommentar von Donald Widener, Lemmons Biographen: "Seiner ganzen Persönlichkeit auf der Leinwand zum Trotz war er einer der traurigsten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Man konnte es in seinen Augen sehen. Das Gesicht konnte lachen, aber die Augen waren traurig. Ich habe nie herausgefunden, warum das so war. (…) Seine Schwächen verdienen Beachtung, doch wird man sich am Ende an Lemmon wegen seiner besten Qualitäten erinnern: der Intelligenz, der Süße, der Verletzlichkeit, des demokratischen Geistes. Er widmete sich der Darstellung von Individuen die sich ernsthaft mit ihren eigenen Schwächen und der Welt auseinandersetzen. Wenn er dadurch letzten Endes das Scheitern der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft nicht offen zur Sprache brachte, so hat er es doch als Frage aufgeworfen, wie der aufmerksame Zuschauer sicherlich erkennen wird."
 

 Link:  1) prisma.de, 2) Wikipedia (deutsch), 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Wikipedia (englisch)
Textbausteine des Kurzportraits von Dirk Jasper FilmstarLexikon und www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
bei Wikipedia (englisch) mit Links zu den Filmbeschreibungen 
(Link: Wikipedia)
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