Burt Lancaster
Burt Lancaster (Burton Stephen Lancaster) wurde am 2. November 1913 in New York als Sohn eines Postbeamten geboren; seine Familie, eine kinderreiche irische Einwandererfamilie, lebte im New Yorker Armenviertel Harlem, wo der junge Lancaster auch aufwuchs. Als hervorragender Sportler erhielt er nach der Schule ein Stipendium an der New York University und jobbte nebenher beim Zirkus. Zusammen mit einem Schulfreund Nick Cravat trat er ab 1932 als Hochseilartist und Trapezkünstler unter dem Namen "Lang & Cravat" in Varietéshows und auf Jahrmärkten auf, eine Handverletzung setzte 1939 seiner hoffnungsfrohen Akrobatenlaufbahn jedoch ein Ende. Nach dreijährigem Kriegsdienst bekam er 1946 seine große Chance: Ein Broadway-Produzent bot Lancaster, der gerade erst aus Übersee zurückgekommen und noch in Uniform war, die Rolle eines Sergeanten in dem Stück "The Sound of Hunting" an. Hollywoods Talentsucher waren von Lancasters Leistung so begeistert, dass er gleich sieben Angebote von führenden Studios erhielt.
Der Star Burt Lancaster war geboren, ohne dass er je durch die Mühle kleinster und kleiner Rollen gehen musste. Lancaster sagte einmal dazu: "Hierzu gehört eine gehörige Portion Glück. Es war einer der seltenen Fälle, wo zur rechten Zeit der richtige Mann in dem richtigen Film eingesetzt wurde." Sein erster Film "Rächer der Unterwelt"1) (1947, The Killers2)) –  nach einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway –  wurde von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. Mit der Figur des Ole "Der Schwede" Anderson, der der von zwei Auftragskillern ermordet werden soll, wurde der junge Darsteller mit einem Schlag bekannt. Lancaster wollte jedoch mehr als einfach nur ein guter Schauspieler sein. Ob er in Folge Rebellen, Querköpfe oder Gangster spielte – jährlich in bis zu vier Film-Projekten –, stets waren Muskeln, Charme und Grips die Markenzeichen des "habilitierten Haudegens", der bis in seine fünfziger Jahre das Doubeln durch Stuntmen ablehnte.
Anfang der 1950er Jahre war er einer der ersten Schauspieler, der seine Filme auch selbst produzierten. Mit der Filmherstellung und -finanzierung hatte er sich nach seiner Ankunft in Hollywood schnell vertraut gemacht und zusammen mit Harold Hecht2) (1907 – 1985) und James Hill (1916 – 2001) gründete er die "Hecht-Hill-Lancaster-Production", mit der er hinter der Kamera bald ebenso erfolgreich war wie davor.

Lancaster spielte eindrucksvoll und stets überzeugend unterschiedlichste Leinwandfiguren, tragikumflorte Olympiasieger wie "Jim Thorpe, perfekter Amerikaner" (1951, Jim Thorpe – All-American), Piraten wie in "Der rote Korsar"1) (1952, The Crimson Pirate2)), Akrobaten wie in "Trapez"1) (1956), Westernhelden wie in "Denen man nicht vergibt"1) (1959, The Unforgiven), Fallschirmartisten wie in "Die den Hals riskieren"1) (1969, The Gipsy Moths2)) oder Indianer wie in "Apache"1) (1954) und "Keine Gnade für Ulzana"2) (1972, Ulzana's Raid). 1953 feierte er einen riesigen Erfolg an der Seite von Deborah Kerr in Fred Zinnemanns Kriegsdrama "Verdammt in alle Ewigkeit"1) (From Here to Eternity2)). In nachhaltiger Erinnerung bleibt wohl die Szene, in der Lancaster und Kerr als lebenshungrige Offiziersfrau Karen Holmes, von den Wellen des Ozeans umspült, die Welt um sich herum vergessen. Die Liebesszenen an der Meeresbrandung galten damals als gewagt – und Deborah Kerrs kühle und zugleich glühende Ausstrahlung wurde zu einer erotischen Herausforderung; siehe auch die Filmbeschreibung innerhalb dieser HP.
1960 erhielt er dann in Richard Brooks' Literaturverfilmung die Rolle seines Lebens – "Elmer Gantry"1) (Elmer Gantry2)) der Handlungsreisende und machtgierige Priester, der das Evangelium verkauft. Für die Gestaltung dieser Figur wurde Lancaster 1961 mit einem "Oscar" sowie einem "Golden Globe"2) ausgezeichnet. Mindestens genauso eindrucksvoll hatte er 1956 in Joseph Anthonys Bühnenadaption "Der Regenmacher"2) (The Rainmaker) die Rolle des Glücksritters Billy Starbuck angelegt, der den Leuten im amerikanischen Südwesten, allen voran Katharine Hepburn in einer ihrer schönsten Rollen, nicht Gottes Wort sondern die Hoffnung auf Regen verkauft. In Stanley Kramers hochkarätig besetztem Gerichtfilm "Das Urteil von Nürnberg"2) (1961, Judgment at Nuremberg) spielte Lancaster den Ernst Janning, einen der vier angeklagten führenden Nazi-Juristen, brillant auch 1962 seine Rolle des Gewaltverbrechers Robert Stroud, der sich in John Frankenheimers Gefängnisfilm "Der Gefangene von Alcatraz"1) (Birdman of Alcatraz2)) zum Spezialisten auf dem Gebiet der Vogelkunde mausert. Frankenheimer war es auch, der Lancaster in dem spannenden Kriegsfilm "Der Zug"1) (1963, The Train2)) als Résistance-Mitarbeiter Paul Labiche besetzte.
 
Dazwischen lagen Produktionen wie Jules Dassins Thriller "Zelle R 17"1) (1947, Brute Force), Richard Thorpes Western "Tal der Rache"1) (1951, Vengeance Valley) oder Robert Aldrichs berühmter Western "Vera Cruz"1) (1954, Vera Cruz2)) mit Gary Cooper als Partner. In Daniel Manns Liebesfilm "Die tätowierte Rose"1) (1955, The Rose Tattoo) spielte er neben einer beeindruckenden Anna Magnani, als einflussreicher Klatschkolumnist tauchte er neben Tony Curtis als skrupellosem Presseagenten in dem Drama "Dein Schicksal in meiner Hand"1) (1957, Sweet Smell of Success) auf, um wenig später in dem Western "Zwei rechnen ab"2) (1957, Gunfight at the O.K. Corral) in die Maske des legendären Wyatt Earp zu schlüpfen. Glänzend sein Offizier Jim Bledsoe in dem Kriegsfilm "U 23 – Tödliche Tiefen"1) (1958, Run Silent, Run Deep), ebenso wie sein idealistischer Anklagevertreter Hank Bell in dem Gerichtsdrama "Die jungen Wilden"1) (1960, The Young Savage). In John Sturges' Westernparodie "Vierzig Wagen westwärts"1) (1964, The Hallelujah Trail2)) konnte Lancaster als Colonel Thaddeus Gearhart erneut alle Register seines schauspielerischen Talents ziehen, in Richard Brooks' Spätwestern "Die gefürchteten Vier"2) (1966, The Professionals) machte er als Sprengstoff-Experte Bill Dolworth eine ebenso gute Figur wie als Pelztierjäger Joe Bass in Sydney Pollacks Westernkomödie "Mit eisernen Fäusten"1) (1967, The Scalphunters2)). In dem von George Seaton nach dem gleichnamigen Roman von Arthur Hailey in Szene gesetzten Katastrophenfilm "Airport"1) (1969, Airport2)) verkörperte Lancaster neben Dean Martin die Hauptrolle des stellvertretenden Flughafendirektors Mel Bakersfeld, als alternden mexikanisch-amerikanischen Hilfssheriff konnte man ihn in dem Western "Valdez"1) (1970, Valdez Is Coming2)) bewundern.

Ein Jahr vor seinem 50. Geburtstag hatte Lancaster seine zweite Karriere gestartet – er eroberte Europa und überzeugte auch mit zunehmendem Alter weiterhin in anspruchsvollen Charakterrollen. 1962 übernahm er die Rolle des Fürsten Don Fabrizio Salina in Luchino Viscontis Meisterwerk "Der Leopard"1) (Il gattopardo2)) nach dem Roman von Tommaso di Lampedusa. Fortan wurde Lancaster weiter häufig in europäischen Autorenfilmen eingesetzt, wo er sein einst schäumendes Temperament bis zur Selbstverleugnung zurücknahm. Mit Alain Delon agierte er in dem Agententhriller "Scorpio, der Killer"1) (1972, Scorpio2)), als verbissener Ex-Offizier überzeugte er in der spannenden Politgeschichte "Das Ultimatum"1) (1976, Twilight's Last Gleaming2)). In Viscontis hochgelobten Milieustudie "Gewalt und Leidenschaft"2) (Gruppo di famiglia in un interno), in dem er 1974 einen Professor spielte, machte Lancasters neue Ernsthaftigkeit den halben Film aus, die andere bestritt Helmut Berger als unausstehlicher Eindringling in Lancasters Eremitendasein. 1979 erlebte man den Mimen in Louis Malles Gangsterfilm "Atlantic City, USA"1) (Atlantic City2)) als alternden Möchtegern-Gangster Lou, mit dem Part eines ehemaligen Footballspielers in "Feld der Träume"1) (1989, Field of Dreams2)) bewies er 1989 an der Seite von Kevin Costner, dass er auch neben den Stars des neuen Hollywood bestehen konnte und belehrte alle, die an seinem Gesundheitszustand zweifelten, eines Besseren: Ein Jahr zuvor hatte er auf Schadenersatz geklagt, nachdem man ihm angeblich aus gesundheitlichen Gründen – die Titelrolle in "Old Gringo" wieder entzogen hatte. Hervorragend auch Lancasters Altersrolle als Ölbaron Felix Happer in Bill Forysths melancholischen Komödie "Local Hero"1) (1983, Local Hero2)) sowie der Zeitungszar Fallen in dem Melodram "Tödliche Schlagzeilen"1) (1985, Scandal Sheet). Gemeinsam mit Altstar Kirk Douglas lief Lancaster in der Actionkomödie "Archie und Harry – Sie können's nicht lassen"1) (1986, Tough Guys2)) noch einmal zur Hochform auf.
 
Auch im Fernsehen sah man den Star ab den 1980er Jahren verschiedentlich mit prägnanten Rollen, so beispielsweise 1982 als Papst Gregor X. in dem Vierteiler "Marco Polo"2), in Bernhard Sinkels Mehrteiler "Väter und Söhne – Eine deutsche Tragödie"2), der Geschichte über den Aufstieg und Niedergang einer deutschen Industriellenfamilie zwischen 1911 und 1946 sowie der Verstrickung der "IG Farben" im Nazi-Deutschland, spielte Lancaster 1986 den Geheimrat Carl Julius Deutz. In der TV-Fassung von "Phantom der Oper"2) (1990, The Phantom of the Opera) mimte er den ehemaligen Intendanten der Pariser Oper, Gerard Carrière, in dem Zweiteiler "Die Entführung der Achille Lauro" (1990, Voyage of Terror: The Achille Lauro Affair), der Geschichte um das am 7. Oktober 1985 von einem palästinensischen Kommando gekaperte italienische Kreuzfahrtschiff, spielte er den im Rollstuhl sitzenden US-Touristen Leon Klinghoffer2), der am 8. Oktober 1985 von dem PLF-Kommando (Palästinensische Befreiungsfront) erschossen wurde. Lancasters letzte Arbeit vor der Kamera war das TV-Spiel "Gleichheit kennt keine Farbe" (1991, Separate But Equal), einem Zweiteiler über den Kampf gegen die amerikanische Rassentrennung.

Bis ins schicksalhafte Jahr 1990 stand der Schauspieler, Regisseur, Filmproduzent und -manager noch vor der Kamera, am 10. September 1990 hatte er in dritter Ehe seine Sekretärin Susan Martin geheiratet. Im Dezember 1990 erlitt Lancaster einen Gehirnschlag, der sein Sprachzentrum beeinträchtigte, war halbseitig gelähmt und konnte sich nur im Rollstuhl fortbewegen. Am 20. Oktober 1994 starb der Hollywoodstar im kalifornischen Los Angeles knapp zwei Wochen vor seinem 81. Geburtstag an den Folgen eines Herzinfarkts. Die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen "Westwood Village Memorial Park Cemetery" → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de. Neun Monate zuvor, am 29. Januar 1994, war Lancasters enger Jugendfreund Nick Cravat2) an den Folgen seiner Lungenkrebs-Erkrankung gestorben.
Lancasters erste, 1935 geschlossene Ehe mit der Zirkuskollegin June Ernst war im Dezember 1946 geschieden worden, wenig später heiratete Lancaster am 28. Dezember 1946 Norma Anderson. Trotz der fünf gemeinsamen Kinder Jimmy, Billy, James, Susan und Sheila endete die Beziehung im Juli 1969 vor dem Scheidungsrichter. Sohn William "Billy" Lancaster2) (1947 – 1997), der als Filmproduzent, Drehbuchautor und Schauspieler tätig war, schrieb unter anderem das Drehbuch zu John Carpenters Horrorstreifen "Das Ding aus einer anderen Welt" (1982, The Thing).
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipediawww.whoswho.de
Link: 1) prisma.de, 2) Wikipedia
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
einige Filmbeschreibungen innerhalb dieser HP
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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