Hedy Lamarr wurde am 9. November 1914 als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien (Österreich) geboren. Die Tochter eines jüdischen, wohlhabenden Wiener Bankiers und einer Pianistin erhielt zunächst Privatunterricht, besuchte später eine Höhere Mädchenschule in der Schweiz und nahm dann Schauspielunterricht in Wien. Aus Hedwig wurde Hedy, 1931 engagierte sie Alexis Granowsky nach Berlin und gab ihr in seiner Zeitsatire "Die Koffer des Herrn O.F." einen kleinen Part, ebenso wie Carl Boese in dem Streifen "Man braucht kein Geld"1), wo sie die erste größere Rolle neben Hans Moser und Heinz Rühmann erhielt. Dort wurde sie von Max Reinhardt entdeckt und nun spielte das hoffnungsfrohe Nachwuchstalent auch vereinzelt Nebenrollen in Reinhardts Inszenierungen.

Hedy Lamarr Anfang Mai 1943
Quelle: Wochenmagazin "Yank, the Army Weekly" bzw. Wikimedia Commons
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Link: Wikipedia (englisch)

Hedy Lamarr Anfang Mai 1943; Quelle: Wochenmagazin "Yank, the Army Weekly" bzw. Wikimedia Commons
 Nach einigen weiteren Filmen wie "Sturm im Wasserglas" folgte 1933 unter der Regie von Gustav Machatư der Film, welcher der knapp 18-Jährigen weltweiten Ruhm, aber auch einen zweideutigen Ruf einbrachte, "Ekstase"1) hieß der für damalige Verhältnisse Aufsehen erregende, tragisch endende Streifen. Der tschechische Film wurde wegen einiger aus heutiger Sicht harmloser Nacktszenen zum Skandal. Er erzählte die Geschichte eines jungen Mädchens, welches mit einem kaltherzigen, seelisch grausamen Mann (Zvonimir Rogoz) verheiratet ist und sich dann in einen Ingenieur (Aribert Mog) verliebt. In der Rolle irrte die Lamarr zehn Minuten lang auf der Suche nach ihren Kleidern durch den Wald und gab sich ihrem Liebhaber hin. Die Szene machte Kinogeschichte, löste einen ungeheuren Eklat aus. Die Produktion wurde in vielen Länder der Welt verboten oder gelangte nur in einer stark zensierten Fassung zur Aufführung. In Deutschland konnte der Film erstmals am 8. Januar 1935 in gekürzter und zensierter Fassung unter dem Titel "Symphonie der Liebe" in den Berliner Lichtspielhäusern "Ufa-Theater" (Friedrichstraße/Kurfürstendamm) gezeigt werden.

Als Hedy Kiesler wenig später 1933 den österreichischen Waffenfabrikanten und Nazi-Sympathisanten Fritz Mandl1) (1900 – 1977) heiratete, der als Generaldirektor der Hirtenberger Patronenfabrik einem der damals weltgrößten Rüstungskonzerne vorstand, versuchte dieser sämtliche Kopien des "anrüchigen" Streifens aufzukaufen. Sogar Benito Mussolini soll im Besitz einer Kopie gewesen sein, sich aber geweigert haben, diese herauszugeben. Letztlich gelang es Mandl nicht, alle Vervielfältigungen aus dem Verkehr zu ziehen, denn noch heute existieren einige Kopien.
1937 wurde die Situation in Österreich für die Jüdin Hedy Kiesler immer unerträglicher; das Land stand kurz vor dem Anschluss durch die braunen Machthaber. Zunehmend abgestoßen vom Nationalsozialismus verließ sie ihren tyrannischen Mann, der sie wie in einem goldenen Käfig gehalten hatte, emigrierte nach Paris, dann über London nach Hollywood, wo sie von MGM einen Zehn-Jahresvertrag erhielt und – nunmehr unter dem Namen Lamarr – als "schönste Frau der Welt" angekündigt wurde.

Den Künstlernamen "Lamarr" hatte sie in Erinnerung an den verstorbene Stummfilmstar Barbara La Marr1) (1896 – 1926) angenommen. MGM-Studiomogul Louis B. Mayer1) (1885 – 1957) zeigte sich beeindruckt von ihrer Erscheinung, ließ sie aber wissen: "Ich habe 'Ekstase' gesehen. Mit so einem Zeug kommt man in Hollywood nicht durch. Niemals. Der Hintern einer Frau ist für den Ehemann, nicht für die Zuschauer", so Hedy Lamarr in ihrer 1966 erschienenen Biographie "Ecstasy and Me". 1938 gab sie ihr Filmdebüt in den USA in John Cromwells Melodram "Algiers"1) mit Charles Boyer als Partner und ein Jahr später folgte die Romanze "Lady of the Tropics"1) (Lady in den Tropen) mit Robert Taylor. Bereits mit ihrem ersten Film war es ihr gelungen, die Vorherrschaft der Wasserstoffblondinen à la Jean Harlow zu durchbrechen und einen neuen Frauentypus im amerikanischen Film zu etablieren: den der eleganten und unterkühlten Dunkelhaarigen.
Die Lamarr spielte in über 25 Filmen etliche Traumfrau-Glamourrollen, unter anderem 1940 in "Boom Town"1) (Der Draufgänger) mit Clark Gable und Spencer Tracy, 1941 in "Ziegfeld Girl" (Mädchen im Rampenlicht) und James Stewart und Judy Garland sowie 1949 an der Seite von Victor Mature in ihrem ersten Farbfilm, dem von Cecil B. DeMille in Szene gesetzten Bibel-Spektakel "Samson und Delila"1), das der größte kommerzielle Erfolg ihrer Karriere wurde. Bis Ende der 1950er Jahre blieb Hedy Lamarr eine gefragte Schauspielerin, hatte aber keine glückliche Hand bei der Auswahl ihrer Rollen – so lehnte sie beispielsweise ab, in dem zum Kultklassiker avancierten Melodram "Casablanca" zu spielen. Lamarr, die einmal meinte "Jedes Mädchen kann bezaubernd sein; alles was es tun muss, ist still zu stehen und ein wenig dumm zu schauen", blieb dem Klischee der schönen Frau verhaftet, bis auf eine Rolle, in der sie eine vor den Nazis geflohene Österreicherin darstellte. Hedy Lamarrs glanzvoll begonnene Laufbahn war nach rund zehn Hollywoodjahren 1957 so gut wie beendet. Zwischen 1949 und 1957 drehte sie nur noch sechs Filme, ihre letzte Rolle hatte sie in "The Female Animal", in der sie eine alternden Film-Diva mimte.
Ein Comeback-Versuch Mitte der 1960er Jahre scheiterte, als sie am 28. Januar 1966 in Los Angeles wegen eines angeblichen Ladendiebstahls verhaftet wurde. Vor Gericht wurde sie zwar freigesprochen, doch sie verlor ihre Rolle in dem Film "Picture Mommy Dead" (1966, Das Kabinett der blutigen Hände), für den sie als Hauptdarstellerin vorgesehen gewesen war; die Rolle ging an Zza Zza Gabor.
 
Die Schauspielerin machte überhaupt viel durch ihr Privatleben respektive ihre Affären und Ehen von sich reden; der zweite ihrer sechs Ehemänner war der Autor Gene Markey2) (1895 – 1980), den sie 1939 geheiratet hatte und von dem sie nach kurzer Zeit 1941 wieder scheiden ließ. Ehemann Nummer drei war von 1943 bis 1947 der in London geborene Schauspieler John Loder2) (1898 – 1988). Es folgte 1951 die Ehe mit dem Musiker und Bandleader Teddy Stauffer1) (1909 – 1991), diese Verbindung dauerte bis 1952. Ein Jahr später heiratete der Star den Texas-Ölmillionär W. Howard Lee und lebte bis zur Scheidung 1960 mit ihm zusammen. Die letzte und sechste Ehe ging Hedy Lamarr 1963 mit dem Anwalt Lewis J. Boies ein; auch diese Ehe hielt nur zwei Jahre und wurde 1965 geschieden; als Scheidungsanwalt fungierte Boies selbst. Die Schauspielerin hatte drei Kinder: der älteste Sohn James (* 09.01.1939) wurde von Hedy Lamarr Ende der 1930er Jahre während ihrer Ehe mit Gene Markey adoptiert. Zwei weitere – Anthony (* 01.02.1947) und Denise (* 19.01.1945) – stammen aus ihrer Ehe mit John Loder. Anthony Loder studierte Theaterkunst an der UCLA, gründete 1982 eine Firma, mit der er Kommunikations- und Videoüberwachungssysteme in den Villen zahlreicher Hollywoodstars installierte. Anthony hat sieben Kinder und fünf Enkelkinder. Er lebt mit seiner Frau in Los Angeles und schrieb 2012 zusammen mit dem deutschen Journalisten Jochen Förster ein Buch über seine Mutter, das 2014, zu ihrem 100. Geburtstag, in einer revidierten Neuausgabe erscheinen soll.3)
Die reich bebilderte Biografie "Hedy Darling" mit dem Untertitel "Das filmreife Leben der Hedy Lamarr – erzählt von ihrem Sohn" war bereits Mitte Oktober 2012 erstmals publiziert worden. "Der Autor Jochen Förster hat in Los Angeles wochenlang mit dem Mann gesprochen, der über die Lamarr so viel weiß wie niemand sonst – mit ihrem Sohn Anthony Loder. Gemeinsam zeichnen sie das Porträt einer Leinwand-Göttin, die in Vergessenheit geraten ist. Eine Frau, die so schön war, dass ihr nicht nur Clark Gable oder Pablo Picasso zu Füßen lagen. Eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war – und daran scheiterte. Sie erzählen von Aufstieg und Fall, von Sex, Glamour und Dunkelheit. Bislang unveröffentlichte Familienfotos, Briefe und Geschichten gewähren sehr persönliche Einblicke in ein filmreifes Leben und die schillerndste Epoche Hollywoods" kann man beim "Ankerherz Verlag" lesen → www.welt.de sowie den Artikel zu Anthony Loder bei www.rp-online.de.

Nicht nur als Filmschauspielerin wurde Hedy Lamarr bekannt, sondern zusammen mit dem Avantgarde-Komponisten George Antheil1) (1900 – 1959) als Miterfinderin eines Steuersystems für Torpedos, das noch heute für die moderne Kommunikationstechnik große Bedeutung hat. Als Ehefrau des Waffenproduzenten Mandl hatte sie als junge Frau Planungen und Produktion von ferngesteuerten Torpedos kennen gelernt, die jedoch nie zur Ausführung gekommen waren, weil sich die Steuerung über Funk als zu anfällig für Störungen erwiesen hatte. Sie kam auf die Idee, das Steuerungssignal dieser Torpedos über mehrere Frequenzen zu verteilen und so vor Störungen durch den Feind zu sichern, lediglich die Synchronisierung des Signals beim Sender und Empfänger musste gelöst werden. Durch gemeinsame Freunde lernte die Lamarr 1940 George Antheil kennen, dem sie von ihrer Idee erzählte und gemeinsam konstruierten beide eine Vorrichtung, mit der das Signal synchronisiert werden konnte. Antheil hatte erkannt, dass sich das Prinzip des automatischen Klaviers, das mittels einer Art Lochstreifen gesteuert wurde, für die Synchronisierung nutzen ließt. Es entstand der Entwurf für ein Torpedolenksystem auf 88 Frequenzen – entsprechend den 88 Tasten der Klaviatur.
Im Dezember 1940 wurde die Erfindung bei dem "National Inventors Council" eingereicht und fand die Unterstützung des Vorsitzenden dieses halbmilitärischen Erfinderverbandes. Das Torpedoleitsystem wurde weiterentwickeln und am 11. August 1942 patentiert. Unmittelbar darauf stellten Lamarr und Antheil ihr Patent der US Army zur Verfügung, die zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv in den Krieg eingetreten war. Letztlich wurde das "Secret Communication System" von der amerikanischen Armee während des 2. Weltkrieges jedoch nicht eingesetzt, da die Erfindung ihrer Zeit weit voraus war. Erst Mitte der 50er Jahre wurden im Auftrag der "US Navy" Sonarbojen zur akustischen Ortung von U-Booten entwickelt, die auf dem von Lamarr und Antheil entwickelten Fernsteuerungssystem basierten.
Die heutige High-Tech-Industrie setzte auf dem Funksystem auf und verwendet "Frequency Hopping" für Mobiltelefone, Funknetzwerke und Satellitenkommunikation. In Anerkennung ihrer technischen Leistung wurden Hedy Lamarr und der 1959 verstorbene George Antheil in den USA mehrfach ausgezeichnet; als man die Erfinderin 1998 auf einem Kongress ehrte, ließ sie nur grantig übermitteln: "Das wurde auch langsam Zeit." Beide haben aus ihrer Leistung keinerlei materiellen Gewinn ziehen können. 1959 lief die Geltung des Patents aus, dessen kommerzielle Nutzung damals noch lange nicht in Sicht war.

1966 erschien das als Autobiographie deklarierte Buch "Ecstasy and Me", welches für erhebliches Aufsehen sorgte. Die Veröffentlichung enthält hauptsächlich Tratsch und Klatsch aus Hollywood und ergeht sich in einer Aneinanderreihung von Hedy Lamarrs Bettgeschichten; ein Buch, das bezeichnenderweise ihre Bedeutung für die Informationstechnologie mit keinem Wort erwähnt. Die Lamarr fühlte sich durch die Publikation in ihrem Ansehen geschädigt und verklagte Ghostwriter und Verlag wegen unrichtiger Darstellungen, doch der Imageschaden erwies sich als nicht behebbar. Mit einer Unzahl von Prozessen, die sie gegen den Verfasser ihrer Biografie, diverse Ehemänner und die Software-Firma Corel bis weit in die Achtziger führte, verbaute sie sich die Rückkehr nach Hollywood schließlich endgültig.

Der alternde Star begann sich ab den frühen 1970er Jahren immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Sie übersiedelte von der Westküste nach New York und von dort in den 1980er Jahren weiter nach Miami. Zuletzt ließ sie sich in der Nähe von Orlando nieder, wo sie bis zu ihrem Tod am 19. Januar 2000 im Alter von 86 Jahren in einem Seniorenheim in Altamonte Springs (Florida) fast völlig verarmt und abgeschottet von der Öffentlichkeit lebte. 1999 war ihr Sohn bei der Eröffnung der Ausstellung "Hommage á Hedy Lamarr" in der Kunsthalle Wien zugegen, wo er betonte, dass seine Mutter sich trotz ihrer US-Einbürgerung immer als Österreicherin gefühlt habe. Es soll Lamarrs letzter Wille gewesen sein, dass ihre Asche im Wienerwald verstreut wird. Zum Teil entsprachen ihre Kinder Anthony Loder und Deedee Loder diesem Wunsch, indem sie einige Jahre nach Lamarrs Tod die Hälfte der Asche im Grüngebiet "Am Himmel" verstreuten, das sich am Pfaffenberg, am Stadtrand von Wien, im nördlichen Wienerwald befindet. Die Szene wurde Teil des Films "Calling Hedy Lamarr". Anthony Loders Anliegen, die restliche Asche seiner Mutter möge in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt werden, wurde 2014 realisiert: Am 7. November 2014 wurde ihre Urne auf dem Wiener Zentralfriedhof in Gruppe 33 G, Grab Nr. 80, unweit der zentral gelegenen Präsidentengruft bestattet.3)→ Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de.
 
2004 brachte der Regisseur und Produzent Georg Misch1) den Dokumentarfilm "Calling Hedy Lamarr"1) heraus. Der Film erzählt das Lebendes einstigen Filmstars als eine Mischung aus modernen Mythen, konstruierten Legenden und wahren Geschichten und betrachtet die Hollywood-Diva vornehmlich aus der Perspektive ihres Sohnes Anthony Loder, eines mittelmäßig erfolgreichen Telefonhändlers aus Los Angeles, der sich verzweifelt als Hollywood-Produzent eines Spielfilms über das Leben seiner Mutter versucht. In seinen Recherchen stößt er auf widersprüchliche Aussagen und phantastische Theorien.4)
Ein weitere Dokumentation ist "Hedy Lamarr – Secrets of a Hollywood Star"5) (2005) von Donatello Dubini
1), Fosco Dubini1) und Barbara Obermaier; mehr bei www.realfictionfilme.de
Offizielle Webpräsenz (in englisch): www.hedylamarr.com;
siehe  auch Wikipedia
Fotos bei Wikimedia Commons sowie www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Wikipedia (englisch), 5) prisma.de
3) Quelle: Wikipedia (abgerufen 31.10.2014) mit weiteren Quellenangaben
4) Quelle: Wikipedia nach www.3sat.de 
Lizenz Foto Hedy Lamarr (Urheber U.S. Army): Dieses Bild wurde von einem Mitglied der United States Army während der Ausführung seiner Dienstpflichten erstellt. Als eine Arbeit der Bundesregierung der Vereinigten Staaten ist dieses Bild in public domain.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia (deutsch, englisch))
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