Rosa Albach-Retty wurde am 26. Dezember 1874 als Rosa Clara Franziska Helene Retty im hessischen Hanau am Main als Tochter des Schauspielers und Regisseurs Rudolf Retty (1846 – 1913) geboren. Aus ihrer Ehe mit dem K.u.K.-Offizier Karl Albach (1870 – 1952) stammte der der Ufa-Star Wolf Albach-Retty1) (1906 – 1967), die international gefeierte Schauspielerin Romy Schneider1) (1938 – 1982) war ihre Enkelin.
Das Elternhaus von Rosa Albach-Retty war musisch geprägt, schon früh wurde die junge Rosa mit der Musik und darstellenden Kunst vertraut gemacht, debütierte – vom legendären Josef Kainz empfohlen – bereits mit 17 Jahren an dem von Adolph L'Arronge geleiteten "Deutschen Theater" in Berlin. Über das Berliner "Lessing-Theater" und "Deutsche Volkstheater" in Wien, wo sie unter anderem mit der Titelrolle in Kleists "Käthchen von Heilbronn" brillierte, kam sie 1903 an das Wiener "Burgtheater", das bis zuletzt ihre künstlerische Heimat blieb.
 
In ihren frühen Jahren glänzte Rosa Albach-Retty meist als Naive oder jugendlich unbekümmerte Schönheit, so beispielsweise 1908 als Rahel in Grillparzers Trauerspiel "Die Jüdin von Toledo" an der Seite von Josef Kainz, dessen bevorzugte Partnerin sie wurde und mit dem sie auch auf einige Gastspielreisen ging. Sie beeindruckte unter anderem als Delfine in Hermann Bahrs Komödie "Das Konzert" (1919), als Leonore Sanvitale in Goethes Drama "Torquato Tasso", als Zofe Nerissa in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", als Roxane in Edmond Rostands romantischer Liebesgeschichte "Cyrano de Bergerac" oder mit den Titelrollen in Strindbergs "Fräulein Julie" und Arthur Schnitzlers "Komtesse Mizzi".

Rosa Albach-Retty um 1900
Urheber: Rudolf Krziwanek (gestorben 1905)
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria, Inventarnr. Kor 72A
bzw. Wikimedia Commons; Link: Wikipedia; Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier

Rosa Albach-Retty um 1900; Urheber: Rudolf Krziwanek (gestorben 1905); Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria (Inventarnr. Kor 72A) bzw. Wikimedia Commons
Anfang der 1930er Jahre wechselte die Schauspielerin das Rollenfach, verlieh nun Figuren wie der Marthe Schwerdtlein in Goethes "Faust" oder der Marthe in Kleists "Der zerbrochene Krug" eindrucksvolle Konturen, bewies in vielen klassischen und modernen Werken ihre schauspielerische Dominanz und facettenreiche Ausdruckskraft, brillierte in Dramen aber vor allem im charakterkomischen Fach, in dem sie die ganze Bandbreite ihrer darstellerischen Größe unter Beweis stellte. Zu ihren Glanzleistungen zählen unter anderem die Mutter in Ibsens "Peer Gynt", eine Rolle, die Rosa Albach-Retty zwischen 1935 und 1952 vielfach verkörperte, weiterhin die Herzogin in Eugčne Scribe's Komödie "Das Glas Wasser", die Frau des "Michael Kramer" in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Bühnenstück, die Miss Prism in Oscar Wildes "Bunbury" oder die Amme in Shakespeares "Romeo und Julia". Nach Ende des 2. Weltkrieges sah man sie beispielsweise als Frau Andrew in George Bernard Shaws Lustspiel "Major Barbara", als Julia in T. S. Eliots Ehekomödie "Cocktail Party", als Tante in Garcia Lorcas Farce "Dona Rosita", als Garderobiere in Anouilhs "Colombe" oder als Madame Desmermortes in "Einladung ins Schloß", ebenfalls von Jean Anouilh. Im Alter von 74 Jahren nahm die Burgschauspielerin 1958 mit der Rolle der reichen Witwe Mrs. Edna Savage in John Patricks Komödie "Eine etwas sonderbare Dame" Abschied vom Theater, blieb dem Burgtheater jedoch als "Ehrenmitglied" weiterhin verbunden.
   
Im März 1973 feierte Rosa Albach-Retty dann das einmalige Fest der 70-jährigen Zugehörigkeit zum Wiener "Burgtheater", ein Ereignis, dass noch nie einem Künstler beim "Burgtheater" vergönnt war. Neben ihrem Titel "Hofschauspielerin", den sie als letzte Schauspielerin trug, erhielt Rosa Albach-Retty während ihrer langen Karriere zahlreiche weitere Auszeichnungen: So war sie seit September 1958 erste Trägerin der "Kainz-Medaille" der Stadt Wien und wurde für ihre Darstellung in "Eine etwas sonderbare Dame" gewürdigt, ihr zu Ehren wurde der "Rosa-Albach-Retty-Ring gestiftet", den jeweils die Doyenne des Burgtheaters trägt, und auch der Professorentitel (1935) gehört zu den Anerkennungen ihrer Lebensleistung → weitere Auszeichnungen bei Wikipedia.

Vereinzelt trat die Schauspielerin auch im Film auf: Erstmals sah man sie 1930 in Georg Jacobys musikalischen Komödie "Geld auf der Straße"2) auf der Leinwand, im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte spielte sie sporadisch einprägsame Nebenrollen in den Produktionen "Episode"2) (1935), "Hotel Sacher"3) (1939), "Maria Ilona"3) (1939), "Dreimal Hochzeit"3) (1941) und zusammen mit ihrem Sohn Wolf Albach-Retty in Géza von Bolvárys Literaturadaption "Die Heimliche Gräfin"4) (1942). In Karl Hartls Mozart-Biografie "Wen die Götter lieben"4) (1942), mit Hans Holt in der Titelrolle, trat sie als Mutter des Komponisten in Erscheinung, in E. W. Emos Biopic bzw. NS-Propagandastreifen "Wien 1910"4) (1943) über die letzten drei Tage im Leben des Wiener Bürgermeisters und Antisemiten Dr.  Karl Lueger4) (gespielt von Rudolf Forster) zeigte sie sich als Luegers Schwester Rosa. In den 1950ern sah man sie an der Seite von Paul Hörbiger in Franz Antels Theaterverfilmung "Der Alte Sünder"4) (1951) und als Reichsgräfin Fuchs4) in dem melodramatischen Historienstreifen "Maria Theresia"4) (1951) neben Paula Wessely in der Titelrolle. Zu ihren weiteren Ausflügen auf die Leinwand zählen Emil E. Reinerts Film noir "Abenteuer in Wien"4) (1952) mit Gustav Fröhlich und Cornell Borchers, Leopold Hainischs Verfilmung von Ferdinand Raimunds Zaubermärchen "Der Verschwender" (1953) mit Attila Hörbiger, Maria Andergast und Josef Meinrad sowie Franz Antels Remake "Der Kongreß tanzt"4) (1956) mit Johanna Matz und Rudolf Prack.
 
Rosa Albach-Retty, die ihre letzten Jahre im "Hilde-Wagener Künstlerheim" in Baden bei Wien verbrachte, starb dort am 26. August 1980 im gesegneten Alter von 105 Jahren. Ihre letzte Ruhe fand sie in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 50), in dem auch ihr Sohn Wolf beigesetzt worden war → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Die Erinnerungen an ihr langes, ereignisreiches Leben hatte Rosa Albach-Retty zwei Jahre vor ihrem Tod unter dem Titel "So kurz sind hundert Jahre" veröffentlicht. Im Klappentext zu diesem Buch, das auch als bedeutendes Dokument zur Theatergeschichte gewertet werden kann, steht unter anderem: Rosa Albach-Retty wurde im selben Jahr wie Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus geboren. Ein Dreiviertel-Jahrhundert war sie als Schauspielerin aktiv und absolvierte ungezählte Gastspiele in Deutschland, Russland, Dänemark, der Schweiz und vor dem Ersten Weltkrieg in den Ländern der Habsburger Monarchie. Kaum eine Auszeichnung, die sie nicht erhalten hat, kaum ein Kritiker, der ihr nicht Hymnen gewidmet hätte. Das lange Leben der Schauspielertochter war und ist nicht das aufwendige Dasein einer Grande Dame, sondern – trotz ihres Erfolges, der ihr aufgrund ihrer großen Begabung, ihres Temperamentes und ihrer bezwingenden Natürlichkeit schon früh zuteil wurde – das einer bescheidenen Frau, die immer auf dem Boden der Tatsachen blieb. Nach allen Höhen und Tiefen, die auch ihr nicht erspart blieben, sagt sie heute: "Ich bin ein fröhlicher und glücklicher Mensch".
 

Rosa Albach-Retty
Quelle: Wikipedia: Scan aus 
"Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902)
 von Wikipedia-Benutzer Goerdten
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier

Rosa Albach-Retty; Quelle: Wikipedia: Scan aus "Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902)  von Wikipedia-Benutzer Goerdten; Die Schutzdauer für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) filmportal.de, 3) Murnau-Stiftung, 4) Wikipedia
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Foto Rosa Albach-Retty: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. Es ist daher gemeinfrei.
Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, austria-forum.org
Filmografie bei der Internet Movie Database
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