Carmen-Maja Antoni, fotografiert von Klaus Morgenstern; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_mo_0000062_002); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Klaus Morgenstern; Urheber: Klaus Morgenstern; Datierung: 27.03.1996; Quelle: www.deutschefotothek.de Die Schauspielerin Carmen-Maja Antoni erblickte am 23. August 1945 in Berlin als Tochter eines Künstler-Ehepaares das Licht der Welt und wuchs mit zwei Schwestern in nicht gerade begüterten Verhältnissen auf. Der Vater Joseph "Pedro" Antoni, ein Kunstmaler, hatte die Familie früh verlassen, Mutter Ursula Antoni-Orendt, war Allroundkünstlerin und arbeitete später als Aufnahmeleiterin beim "Deutschen Fernsehfunk"1) (DFF). So kam Tochter Carmen-Maja schon als Kind mit der Filmszene in Berührung und stand bereits als 11-Jährige beim DDR-Kinderfernsehen der Kamera, spielte unter anderem den Pionier Zick in dem TV-Kinderkabarett "Die blauen Blitze".
 
Carmen-Maja Antoni, fotografiert von Klaus Morgenstern
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_mo_0000062_002)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Klaus Morgenstern;
Urheber: Klaus Morgenstern; Datierung: 27.03.1996;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Trotz der widrigen Familienverhältnisse bzw. schwierigen Kindheit und Jugend – die Mutter war sehr krank bzw. alkoholabhängig – schaffte sie das Abitur, bewarb sich 1962 mit Erfolg an der "Deutschen Hochschule für Filmkunst"1) in Potsdam-Babelsberg und wurde als eine der jüngsten Studentinnen angenommen. Noch vor Abschluss des Studiums (1965) trat sie am Potsdamer "Hans-Otto-Theater"1) auf, war 1964 die bis dato jüngste Magd Grusche in Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis"1), die sie "erdverbunden, naiv und unerschütterlich"2) spielte. Am "Hans-Otto-Theater" fest engagiert, trat sie in der kommenden Zeit in Klassikern und Brecht-Stücken, aber auch Märchenspielen in Erscheinung. Als der DFF am 11. August 1968 das von Peter Kupke1) in Szene gesetzte Shakespeare-Stück "Komödie der Irrungen"1) direkt übertrug, sah man Carmen-Maja Antoni als Lucia, Dienerin von Luciana.
1970 wechselte sie für fünf Jahre an die Berliner "Volksbühne"1), konnte sich auch hier als Charakterschauspielerin profilieren. So gestaltete sie beispielsweise den Cigolotti, Gehilfe des Zauberers Durandarte, in dem tragikomischen Märchenstück "König Hirsch" von Carlo Gozzi1) (1971; Regie: Benno Besson/Brigitte Soubeyran1)), die Hilde Prill in "Weiberkomödie" von Heiner Müller1) (1971, Regie: Fritz Marquardt1)) oder den Don Gil in der Verwechslungskomödie "Don Gil von den grünen Hosen"1) von Tirso de Molina (1972; Regie: Brigitte Soubeyran). Seit der Spielzeit 1975/76 war Carmen-Maja Antoni Mitglied des "Berliner Ensemble"1) und überzeugte in etlichen Brecht-Stücken, aber auch Stücken des klassischen Theaters, wurde zu einer der wichtigen Stützen der renommierten Bühne. Sie ist eine Charakterdarstellerin mit komischem Einschlag. Klein und drahtig von Statur, ist sie auch bei Film und Fernsehen für kauzige, skurrile Rollen prädestiniert, in denen sie oft das Hintergründige im Alltäglichen gestalten kann. "Eine der auffälligsten, fast könnte man sagen skurrilsten Erscheinungen des Berliner Theaterlebens – die zarte, spitznasige, quirlige, leicht strubbelige Carmen-Maja Antoni (etwas an die Masina erinnernd) – ist nicht nur eine der begabtesten, sondern auch ernsthaftesten Vertreterinnen des schauspielerischen Nachwuchses in der DDR." (Martin Linzer, 1974)*) Im folgenden eine kleine Auswahl der Rollen bzw. Aufführungen mit Carmen-Maja Antoni am "Berliner Ensemble" (Link: Wikipedia):

Im Juni 2013 beendete die Schauspielerin nach rund 40 Jahren ihren Vertrag als festes Mitglied des "Berliner Ensemble", tritt als Gast aber weiterhin dort auf. So seit der Premiere am 17. Februar 2016 einmal mehr als Serafima Iljinischna, Schwiegermutter des Protagonisten Semjon Podsekalnikow, in "Der Selbstmörder" von Nikolai Erdmann (Regie: Jean Bellorini) → www.tagesspiegel.de, www.sn-herne.de. In der Wiederaufnahme des Schauspiels "Prinz Friedrich von Homburg"1) von Heinrich von Kleist (Premiere: 10.02.2017), mit der sich Claus Peymann als Intendant vom "Berliner Ensemble" verabschiedete, sieht man Carmen-Maja Antoni neben Titelheld Sabin Tambrea1) als Obrist Kottwitz vom Regiment der Prinzessin von Oranien → www.spiegel.de, www.nachtkritik.de.
 
Neben ihrer umfangreichen Arbeit für das Theater stand die Charakterdarstellerin weiterhin regelmäßig vor der Kamera. In etlichen DEFA-Produktionen trat die nur 1,52 m große und nicht unbedingt dem Schönheitsideal entsprechende Mimin mit den wachen Augen seit Mitte der 1960er Jahre in Erscheinung. Ihr Leinwanddebüt hatte sie mit einem winzigen Part in der Komödie "Der Reserveheld"1) (1965) gegeben, blieb in den kommenden Jahren (leider) meist auf Nebenrollen reduziert. Nur wenige Male wurde sie ihren Möglichkeiten entsprechende mit einer Hauptrolle besetzt, so als fürsorgliche Großmutter des neunjährigen Alfons in Siegfried Kühns autobiografisch gefärbtem poetischem Film "Kindheit"1) (1987); der Kritikerpreis "Die große Klappe" als "Beste Darstellerin" war der Lohn für ihre eindrückliche Darstellung. Mehrfach tauchte sie in Kinder- und Märchenfilmen auf, so beispielsweise als Mutter von Jens, genannt "der Dicke", in "Der Dicke und ich"1) (1981) und als Mutter von Anne in "Die dicke Tilla"1) (1981). In dem Märchen "Verflixtes Mißgeschick!"1) (1989) mimte sie das "Missgeschick".
Das Fernsehen bot Carmen-Maja Antoni vielfältige Möglichkeiten, sie gehörte unter anderem zur Besetzung des Zweiteilers "Kleiner Mann – was nun?"3) (1967), gedreht nach dem Roman von Hans Fallada1), in "Zwerg Nase"1) (1978) nach dem Märchen von Wilhelm Hauff1) verkörperte sie den Jakob als Zwerg, war die Igelin in "Der Hase und der Igel"1)  (1982, nach dem Märchen der Gebrüder Grimm1)) oder die Jungfer Mira Waldhorn in "Jungfer Miras Mirakel"3) (1986) nach der Erzählung "Das blaue Wunder" von Heinrich Zschokke1). Sie war in Theater-Aufzeichnungen und auch in beliebten Krimi-Produktionen wie "Der Staatsanwalt hat das Wort" oder "Polizeiruf 110"1) auf dem Bildschirm präsent.
Nach der so genannten "Wende" konnte Carmen-Maja Antoni im Gegensatz zu manchen anderen DDR-Stars ihre schauspielerische Karriere nahtlos fortsetzen, so richtig bekannt wurde sie den westdeutschen Zuschauern ab 1994 mit ihrer Dauerrolle der forschen Sekretärin Karin von Lomanski bzw. Kommissarin Rosa Roths hilfreichen Kollegin in der Krimireihe "Rosa Roth"1), eine Figur, die bis zur letzten Folge im Oktober 2013 an der Seite von Protagonistin Iris Berben stand. Eine einprägsame Rolle war die der stets durchs Bild huschenden Großmutter Magdalena Kulka in "Der Laden"1) (1998), einem von Jo Baier inszenierten hochgelobten Dreiteiler nach der Romantrilogie von Erwin Strittmatter1). Herrlich ist seit 2007 ihre Darstellung der kauzigen Elsa Krause, Schwester des Dorfpolizisten Horst Krause alias Horst Krause in den TV-Filmen "Krauses Fest"1) (2007), "Krauses Kur"1) (2009), "Krauses Braut"1) (2011), "Krauses Geheimnis"4) (2014) und "Krauses Glück"5) (2016), eine Person mit stets verschmitz-schelmischem Lächeln, die ihr auf den Leib geschrieben scheint. 

Carmen-Maja Antoni am 3. März 2013 zur Buchpremiere ihrer Erinnerungen
"Im Leben gibt es keine Proben" im Foyer des "Berliner Ensembles""
Urheber: SpreeTom; Lizenz: CC BY-SA 3.0
Quelle: Wikimedia Commons

Carmen-Maja Antoni am 3. März 2013 zur Buchpremiere ihrer Erinnerungen "Im Leben gibt es keine Proben" im Foyer des "Berliner Ensembles"; Urheber: SpreeTom; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Als Quasselstrippe Oma Lilo Thiessen bzw. Frau von Holger gab sie in der Komödie "Holger sacht nix"4) (2011) einen wunderbaren Gegenpol zu dem mundfaulen Tilo Prückner ab, eine durchgehende Nebenrolle hatte sie seit 2012 in den bisher vier Krimis mit dem Rechtsanwalt Joachim Vernau alias Jan Josef Liefers1) und präsentierte sich als Frau Huth, genannt "Hüthchen", Freundin von Joachim Vernaus Mutter Hildegard (Elisabeth Schwarz), so zuletzt 2016 in der Geschichte "Die 7. Stunde"4). Schmunzeln konnte man auch über Carmen-Maja Antoni als Irmtraud Schäffer, nervig-fürsorgliche Mutter von Polizist Dietmar Schäffer (Bjarne Mädel1)), die sich in der 3. Staffel der humorvollen, kultigen Krimiserie "Mord mit Aussicht"1) (2014) bei Sohn "Didi" und Schwiegertochter Heike (Petra Kleinert1)) einnistet; in dem 90-minütigen Special "Ein Mord mit Aussicht"1) (2015) war sie ebenfalls mit von der Partie.
Auch in verschiedenen Kinofilmen wurde sie in den letzten Jahren mit Rollen bedacht, so spielte sie die kleine Rolle einer Bibliothekarin in der internationalen Produktion "Der Vorleser"1) (2008) mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross, spielte in Michael Hanekes preisgekröntem Drama "Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte"1) (2009) mit. Zuletzt sah man sie als "durchgeknallte" Mutter der weiblichen Hauptdarstellerin Luise Jansen alias Iris Berben in der Komödie "Miss Sixty" (2014).
Bei all den interessanten Aufgaben fand die vielseitige Künstlerin mit Beginn der 1970er Jahre stets Zeit mit ihrer charakteristischen Stimme als Sprecherin verschiedenste Hörspielproduktionen zu bereichern; eine Auswahl findet man bei Wikipedia. Zudem erfreut(e) sie das Publikum im Rahmen von Lesungen, unter anderem mit Lyrik von Thomas Brasch1).
 
Carmen-Maja Antoni, Dozentin an der "Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"" in Potsdam-Babelsberg, lebt im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg. Mehr als 20 Jahre war sie mit dem Journalisten Malte Antoni (* 1944) verheiratet gewesen, der 1998 plötzlich im Alter von 52 Jahren an den Folgen eines Aneurysmas im Kopf aus dem Leben gerissen wurde und seine Frau mit Sohn Jakob und Tochter Jenny zurückließ. Die 1976 geborene Jennipher "Jenny" Antoni1) trat in die Fußstapfen ihrer Mutter, ist ebenfalls Schauspielerin und Hörspielsprecherin.
Im März 2013 publizierte Carmen-Maja Antoni in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Brigitte Biermann1) ihre Biografie unter dem Titel "Im Leben gibt es keine Proben", widmet darin ihrem verstorbenen Mann ein ganzes Kapitel und veröffentlichte ihren "letzten Liebesbrief an Malte". "Von ihrem Buch strahlt eine große Menschenfreundlichkeit aus: Anschaulich und lebensvoll schildert Carmen-Maja Antoni, 1945 in Berlin geboren, das Theater- und Künstler-Milieu im Ost-Berlin der 70er und 80er Jahre, ohne dass allzu harte Worte fallen." kann man bei www.nachtkritik.de lesen.

Quellen: Wikipedia, filmportal.de, www.film-zeit.de, www.defa-stiftung.de sowie
"Das große Lexikon der DDR-Stars"*)
Siehe auch den Artikel bei www.schönhausener-schlossgespräche.de
Kontakt: www.hoestermann.de

*) F.-B. Habel und Volker Wachter: "Das große Lexikon der DDR-Stars. Schauspieler aus Film und Fernsehen" (Schwarzkopf und Schwarzkopf, Ausgabe 1999, S. 12/13)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) fernsehenderddr.de, 4) tittelbach.tv, 5) filmportal.de
2) Quelle: Artikel "Wer hat Angst vor der Antoni?" von Holde-Barbara Ulrich in "DIE ZEIT" (12.01.2000) → www.zeit.de

Stand April 2017
       
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, fernsehenderddr.de,
prisma.de, fernsehserien.de, tittelbach.tv)
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