Heinz Bennent wurde am 18. Juli 1921*) als Heinrich August Bennent und Sohn eines Buchhalters in Atsch (heute Stolberg) bei Aachen geboren. Er war das Jüngste von sechs Kindern, nach abgebrochenem Gymnasium und Schlosserlehre wurde er 1940 zum Bodenpersonal der Luftwaffe eingezogen und erst nach Beendigung des 2. Weltkrieges nahm er Schauspielunterricht in Göttingen bei Felix Emmel1) (1888 – 1960) und Karl Meixner1) (1903 – 1976).
Sein Bühnendebüt gab Bennent 1947 in Karlsruhe in Schillers "Don Carlos", spätere Engagements führten den Schauspieler nach Bochum, Basel, Bonn, Hannover und Hamburg. Bennent spielte an allen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen, am Berliner Schiller-Theater ebenso wie am Bayerischen Staatsschauspiel oder bei den Salzburger Festspielen. Er begeisterte sowohl in klassischen als auch modernen Stücken, war beispielsweise der "Riccault" in Lessings "Minna von Barnhelm" oder der Narr in Shakespeares "König Lear" In Berlin feierte er einen Riesentriumph als "Jerry" in Pinters "Betrogen" ebenso wie 1989 als "Maximilian Steinberg" in der Uraufführung von Botho Strauß' "Besucher".
Ein Kritiker schrieb einmal: "Heinz Bennent spielt von unten nach oben, von innen nach außen. Die Figuren, die er verkörpert, haben auf wehtuende Weise Manieren und Contenance. Sie benehmen sich tadellos, aber es sind Wölfe, auf deren Schafspelz allein Verlass ist".
 

Foto: Heinz Bennent mit Manuela Dahm in "Im Kreis" (1970)
aus der "Benno Meyer Wehlack1) Reihe"; Regie Tom Toelle1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services;  © SWR

Heinz Bennent mit Manuela Dahm in "Im Kreis" (1970); aus der "Benno Meyer Wehlack Reihe"; Regie Tom Toelle; Copyright SWR
Seit Mitte der 1950er Jahre wirkte Bennent in zahlreichen Fernsehspielen mit und wurde rasch einem breiten Publikum bekannt. So übernahm er 1961 die Titelrolle in "Der Teufel ist los", das Peter Hamel nach dem Stück "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" von Grabbe in Szene gesetzt hatte, ein Jahr später brillierte er als "Herr K" in Sylvain Dhommes "Das Schloss" nach Franz Kafka. Der Vollblutschauspieler mit der markant-kehligen, stets ein wenig heiser klingenden Stimme, verkörperte in seinen Rollen vorwiegend von der Gesellschaft ausgestoßene Figuren, aber auch gewöhnlichen Alltagsmenschen verlieh er unverwechselbare Züge. So sahen ihn die Fernsehzuschauer 1965 als Fritz Tritz in Peter Zadeks Inszenierung "Der Nebbich", fünf Jahre später spielte er die Titelrolle unter der Regie von Heinz Schirks in der TV-Serie "Der Anwalt".
Ebenfalls 1970 war er der Auftragskiller Jonas und Gegenspieler von Eddie Constantine in Geissendörfers "Eine Rose für Jane"2), 1974 ein entlassene Sträfling in "Perahim – die zweite Chance" und ein Jahr später brillierte er als Handlungsreisender Gregor Samsa in Jan Nemecs "Die Verwandlung"3) nach der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka. Zusammen mit Tochter Anne wirkte er 1976 in Geissendörfers Ibsen-Adaption "
Die Wildente"1) mit und agierte als Arzt Relling, zwei Jahre später übernahm er die Titelrolle in dem Episoden-Film "Die Ängste des Dr. Schenk". In nachhaltiger Erinnerung ist Bennent beispielsweise auch mit der Figur des Oberstaatsanwaltes Wolf Freiherr von Andergast in dem Mehrteiler "Der Fall Maurizius"4) (1981) geblieben, inszeniert von Theodor Kotulla nach dem gleichnamigen Roman4) von Jakob Wassermann.
 
In den 1980er Jahren konzentrierte sich der Schauspieler neben seiner Tätigkeit für das Theater vermehrt auf seine Arbeit für den Kinofilm und wirkte in vielen internationalen Produktionen mit. Bereits 1966 war er in Christian Riescherts "Kopfstand, Madame" auf der Leinwand zu sehen gewesen, 1975 überzeugte er als Doktor Blorna in Schlöndorffs "Die Verlorene Ehre der Katharina Blum"1) sowie 1977 als Arzt Hans Vergérus in Ingmar Bergmans "Das Schlangenei"1). In Schlöndorffs Oscar-prämierten Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel"1) war er der Gemüsehändler Greff – Sohn David gab als kleinwüchsigen Trommler Oskar Matzerath mit elf Jahren sein Leinwanddebüt.
Filmplakat "Im Jahr der Schildkröte"; Copyright Einhorn-Film 1980 spielte Heinz Bennent den Dr. Schoen in Walerian Borowczyks "Lulu" – einer Filmadaption nach dem Stück von Frank Wedekind, in dem Tochter Anne die Titelrolle übernommen hatte. Ebenfalls 1980 sah man Heinz Bennent neben Catherine Deneuve und Gérard Depardieu in François Truffauts "Le dernier métro"1) (Die letzte Metro) – eine von Bennents erschütterndsten Kinorollen. Er spielte den jüdischen Theaterdirektor Lucas Steiner und Ehemann von Catherine Deneuve, den sie während der Besetzung von Paris vor den Nazis versteckt. Viele bedeutende Rollen in vor allem französischen Produktionen machten den Schauspieler zur unverzichtbaren Größe, das deutschsprachige Kino gab dem exzellenten Schauspieler erst spät eine Hauptrolle: 1989 begeisterte Bennent Publikum und Kritiker mit dem Part des ehemaligen Buchhalters Heinz Kamp in Ute Wielands "Im Jahr der Schildkröte"3). In den letzten Jahren sah man ihn als den alten Hugo Wimmer in der Ingrid-Noll-Verfilmung von Rainer Kaufmann "Kalt ist der Abendhauch"1) (2000) auf der Leinwand. Die Fernsehzuschauer konnten den Charakterdarsteller unter der Regie von Benoît Jacquot als Sigmund Freud neben Catherine Deneuve in der französischen Produktion "Marie und Freud"3) (2004, Princesse Marie) sehen. Seitdem hatte sich Heinz Bennent, der am 18. Juli 2011 seinen 90. Geburtstag feierte, vom Filmgeschäft zurückgezogen.
 
 
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Heinz Bennent, der Anfang der 1970er Jahre mit seiner Familie in die Schweiz gezogen war und in Pully, einem kleinen Ort in der Nähe von Lausanne lebte, starb am 12. Oktober 2011 im Kreise seiner Familie in Lausanne (Schweiz).
"Heinz Bennent, ein Schauspieler, ein wahrhaftiger Schauspieler, ein Unvergesslicher, dessen Leben Nährboden für seine Kunst war." würdigte die "Berliner Morgenpost" in einem Nachruf den großen Charaktermimen und schrieb unter anderem weiter: "Er war ein Durchreisender, ein Leidender, ein Zweifelnder, dem niemals der Ruhm widerfuhr, den er eigentlich aufgrund seiner Qualität, der essenziellen Tiefe seiner Persönlichkeit verdient hätte." Für die sueddeutsche.de war Bennent ein "ein Unsteter, ein Grübler", "ein großer Künstler, dem aber ein Leben als Star verwehrt blieb. Ein Unsteter, ein Grübler, einer mit bedeutungsvoller Schwere – aber eben auch mit großer Aufrichtigkeit. (…) Heinz Bennent verkörperte in seinem ganzen langen Schauspielerleben etwas, das nicht immer populär macht, aber glaubwürdig: Charakter."
"Der Bühne gehörte sein Herz, dort war er ein Virtuose, den die kalte Aura exzentrischer Intelligenz umgab. (…) Im Laufe seiner Karriere war er an großen Bühnen engagiert. Glänzende Auftritte gab es in mehr als 150 Stücken und Filmen. Seine Rollen, das waren bevorzugt die der Sonderlinge, Außenseiter, Randexistenzen, düsteren Gestalten. Schillers Prinzen, Shakespeares Narren und Becketts Clowns hauchte er Leben ein. Da schlichen sich in das strenge Gesicht Gegenwärtigkeit, Beherrschtheit und der tief gründelnde, wandelbare Blick – unverwechselbaren Charakter schenkte er aus wie andere Wein." notierte unter anderem Annette Bosetti in der "Rheinischen Post" (nachrichten.rp-online.de).
 
Nach Angaben des Berliner "Renaissance-Theaters" war Bennent Witwer.5) 19636) hatte er Paulette Renou (Künstlername: Diane Mansart), eine ehemalige Tänzerin an der französischen Oper geheiratet, die sich nach der Geburt der gemeinsamen Kindern aus dem Berufsleben zurückzog. Diane Bennent starb am 10. Dezember 2010 im Alter von 82 Jahren.7) Aus der Verbindung stammen die im Oktober 1963 geborene Tochter Anne Bennent1) sowie der 1966 geborene Sohn David Bennent1), die beide ebenfalls großes Ansehen als exzellente Schauspieler genießen. Unter anderem war Bennent ab Mitte der 1990er Jahre zusammen mit Sohn David auf einer ihrer Tourneen in Samuel Becketts Endzeit-Groteske "Endspiel" zu sehen und die Rezitationsabende, die Vater und Sohn u. a. mit szenischen Lesungen aus Friedrich Hölderlins "Hyperion" oder Heiner Müllers "Bildbeschreibungen" geben, waren stets ausverkauft.
*) nach anderen Quellen am 17. Juli 1921
Link: 1) Wikipedia, 2)  www.deutsches-filmhaus.de, 3) prisma.de, 4) Beschreibung innerhalb dieser HP
5) Quelle: nachrichten.rp-online.d , 6) lt. Wikipedia seit 1954, 7) academy11.globart.at
Siehe auch Wikipedia, www.prisma.de, www.deutsches-filmhaus.de
sowie den Artikel zum 90. Geburtstag bei www.sueddeutsche.de
Weiterhin die Nachrufe bei der F.A.Z., sueddeutsche.de, www.welt.de und www.zeit.de
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, filmportal.de, prisma.de)
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