Ingrid van Bergen 01; Copyright Virginia Shue Ingrid van Bergen wurde am 15. Juni 1931 als Tochter eines Lehrers in Danzig geboren; bereits mit zehn Jahren verlor sie ihren Vater, der in Russland als Soldat während des 2. Weltkrieges ums Leben kam, kurz darauf zog sie mit ihrer Mutter und den Geschwistern nach Zoppot, wo Ingrid van Bergen das Lyzeum besuchte. 1945 flüchtete die Familie über die Ostsee nach Dänemark, ein Jahr später kam die van Bergens mit einem Sammeltransport ins Baden-Württembergische Reutlingen. Dort machte Ingrid van Bergen ihr Abitur und verwirklichte dann ihren lang gehegten Traum, Schauspielerin zu werden. Trotz finanzieller Schwierigkeiten ließ sie sich in Hamburg an der "Staatlichen Schauspielschule" einschreiben, hielt sich unter anderem mit kleineren Jobs wie als Mannequin über Wasser. Ihre Karriere begann dann jedoch 1953 in München im Kabarett "Die kleinen Fische", das sie mitbegründet hatte und wo die angehende Schauspielerin fünf Jahre lang ihr Handwerk von der Pieke auf lernte. Später war sie auch als Kabarettistin in Hamburg in der "Kleinen Komödie" und im "Rendezvous" tätig; außerdem gehörte sie eine Zeit lang dem bekannten Kabarett "Die Stachelschweine"1) in Berlin an.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Bald war der Film auf die attraktive Ingrid van Bergen aufmerksam geworden, zunächst spielte sie nur kleinere Nebenrollen wie 1954 in Helmut Käutners "Bildnis einer Unbekannten"1) mit der Figur eines Modells. Ein Jahr später vertraute ihr Helmut Käutner die Rolle der Lyra Schöppke in der Zuckmayer-Verfilmung "Des Teufels General"1) an, 1958 beispielsweise wirkte sie als Evelyne in "Wir Wunderkinder"1) mit.
Es folgten Aufgaben in Publikumsrennern wie "Der Eiserne Gustav" (1958) oder "Verbrechen nach Schulschluß"1) (1959), mit ihrer Darstellung der Restaurantbesitzerin Lissy  in Wolfgang Staudtes zeitkritischen Nachkriegsdrama "Rosen für den Staatsanwalt"1) wurde sie schließlich 1959 an der Seite von Martin Held und Walter Giller berühmt. Filme wie "Das Kunstseidene Mädchen" (1960), "Wir Kellerkinder"1) (1960) oder die Grass-Verfilmung "Katz und Maus"1) (1967) schlossen sich an, Rollen in internationalen Produktionen wie 1961 in "Town Without Pity"1) (Stadt ohne Mitleid) mit Kirk Douglas oder 1962 in "Escape from East Berlin"1) (Tunnel 28) mit Don Murray machten sie über die Grenzen Deutschlands hinweg populär.
  
Ingrid van Bergen 02; Copyright Virginia Shue Ingrid van Bergen 03; Copyright Virginia Shue
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

In den 1960er und 1970ern wurde Ingrid van Bergen in zahlreichen Kinoproduktion besetzt, nicht immer gehörten die Filme zu denjenigen allererster Güte, sie wirkte auch schon mal in Streifen wie "Allotria in Zell am See"1) (1963) oder "Was ist denn bloß mit Willi los?"1) (1970) mit. Neben ihrer Tätigkeit für den Film fand die Schauspielerin zudem im Fernsehen ein neues Betätigungsfeld, trat in so beliebten Krimireihen wie "Derrick", "SOKO 5113" oder "Tatort" auf oder agierte 1976 in Wolfgang Petersens Krimikomödie "Vier gegen die Bank"1).

Im Jahr darauf schien die Karriere Ingrid van Bergens beendet zu sein: Im Affekt erschoss sie am 3. Februar 1977 ihren um zwölf Jahre jüngeren Freund Klaus Knaths. Die Schauspielerin wurde wegen Totschlags zu sieben Jahre Freiheitsentzug verurteilt, dann Anfang Oktober 1981 freigelassen, nachdem sie zwei Drittel der Strafe verbüßt hatte. Privat musste die Schauspielerin 1990 noch einmal einen weiteren Tiefpunkt in ihrem Leben überwinden: Ihre Tochter Caroline1) aus der Ehe mit dem Schauspieler Michael Hinz2) (1939 – 2008) starb 1990 mit nur 26 Jahren an Krebs. Eine weitere Tochter, Andrea, stammt aus van Bergens Ehe mit dem Kabarettisten Erich Sehnke.
Anfangs hatte es Ingrid van Bergen schwer, wieder im Filmgeschäft Fuß zu fassen, die Rückkehr in den Beruf wurde ihr nicht leicht gemacht, doch mit der Zeit erhielt sie wieder vermehrt Rollenangebote. Sie war in Krimiserien wie "Ein Fall für zwei" oder "Wolffs Revier" ebenso präsent wie beispielsweise in der Familienreihe "Forstinspektor Buchholz" (1989), mimte Anfang der 1990er unter anderem in dem Quotenrenner "Unser Lehrer Dr. Specht"1) die  Sekretärin Liebscher. 1994 beispielsweise spielte sie in Peter Timms "Einfach nur Liebe" eine Richterin, stand für die Komödie "Eine Fast perfekte Scheidung" (1997) vor der Kamera oder wirkte in der Utta Danella-Verfilmung "Der schwarze Spiegel" (2000) mit. In jüngerer Zeit erlebte man Ingrid van Bergen beispielsweise als Gräfin in "Wie angelt man sich einen Müllmann?"3) (2001) oder als Margarethe Brommer in der TV-Sitcom "Bewegte Männer"1) (2003–2005) auf dem Bildschirm.
 

Foto: © Werner Bethsold1)
Das Foto entstand 1991 während einer Hörspielproduktion.

Ingrid van Bergen; Copyright Werner Bethsold
In dem amourösen SAT.1-Thriller "Der Augenblick der Begierde"4) (2003) war sie ebenfalls mit von der Partie, in der romantischen Komödie "Schön, dass es dich gibt"4) (2005) mimte sie die Mutter der Protagonistin Jackie Hecht (Elfi Eschke). Ende März 2007 erlebte man Ingrid van Bergen in "Ein Zeichen Gottes"1) aus der satirischen TV-Reihe "Pfarrer Braun" neben dem schwergewichtigen, "kriminalisierenden" Ottfried Fischer. Hier spielte sie die esoterisch angehauchte Mutter des trotteligen Dauerkommissars Geiger (Peter Heinrich Brix) und ging nicht nur ihrem Filmsohn gehörig auf den Wecker. Danach folgten Gastrollen beim "Großstadtrevier" (2010) sowie in der TV-Serie "C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz" (2010) und seit 2009 in "Doctor's Diary – Männer sind die beste Medizin"1), wo sie als Mechthild von Buhren Anfang 2011 den Serientod sterben musste.
Nicht unerwähnt bleiben soll Ingrid van Bergens mutiger Einsatz im Januar 2009 als Kandidatin in der RTL-Reality-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"1), in der sie von den Zuschauern auf den ersten Platz als "Dschungelkönigin Ingrid I." gewählt wurde. Danach tauchte Ingrid van Bergen sporadisch in TV-Formaten wie "Cindy aus Marzahn und die jungen Wilden" (2011) und "Promi Shopping Queen"1) (16.06.2013) auf, trat auch in der RTL2-Doku-Soap "Promis suchen ein Zuhause" (06.08.2014) in Erscheinung → fernsehserien.de.
In gewisser Weise neuerlichen Mut bewies die inzwischen über 80-jährige Mimin mit ihrer kleinen, wenn auch prägnanten Rolle in der ganz auf Jan Fedder zugeschnittenen gefühlvollen Geschichte "Der Hafenpastor und das graue Kind"4) (EA: 16.01.2015). Kannte man Ingrid van Bergen aus verschiedenen Talkshows oder sonstigen TV-Sendungen bisher mit langer blonder Mähne, spielte sie hier völlig uneitel die alte, im Sterben liegende ehemalige Prostituierte und Kiez-Ikone Rosi. Man sah sie am 11. bzw. 13.09.2015 als Lilo Kaufmann in der Sat.1-Vorabendserie "Mila"1) in den Episoden 5 ("Meet the Schwiegereltern") und 6 ("Volles Risiko!"), in der Comedy-Serie "Dr. Klein"1) mimte sie 2015 sechs Folgen lang die Berta Völker, Großmutter von Dr. Bernd Lang alias Simon Licht. Zuletzt erlebte man Ingrid van Bergen mit der kleinen Rolle der "Rotlicht-Größe" Charlotte, die sich in der "Tatort" Folge "LU"1) (EA: 13.12.2015, → www.tatort-fundus.de) um den einstigen Geldeintreiber Ludwig Wolff (Jürgen Vogel) kümmert.
Als Gewinnerin der 4. Staffel des "Dschungelcamps" gehörte Ingrid van Bergen zudem im Sommer 2015 zu den Teilnehmern der RTL-Show "Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein!"1) und stellte sich erneut dem Zuschauer-Voting bzw. den mitunter gewöhnungsbedürftigen Aufgaben. Die 84-Jährige erreichte das Finale am 8. August 2015, unterlag jedoch wie ihre Mitbewerber ihrer Konkurrentin Brigitte Nielsen1).
  
Auch die Kinozuschauer konnten Ingrid van Bergen , wenn auch nur mit kleineren Parts, in den letzten drei Jahrzehnten sporadisch auf der Leinwand sehen: So spielte beispielsweise in "
Richy Guitar"1) (1985) die Mutter des Titelhelden (Farin Urlaub), in dem Drama "Pakten" (The Sunset Boys, 1995) an der Seite Robert Mitchums, Hanna Schygullas und Nadja Tillers die Wenche Haas oder war die Regine in Douglas Wolfspergers "Meine polnische Jungfrau"1) (2001). Es folgte eine Rolle in Oskar Roehlers "Der alte Affe Angst"1) (2003), in dem Kinostreifen "Neues vom Wixxer"1), der Fortsetzung der Erfolgskomödie "Der Wixxer", hatte sie einen Cameo-Auftritt; der Film kam im März 2007 in die Kinos. Zuletzt mimte sie in Leander Haußmanns Kinokomödie "Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus!"1), einem Remake des erfolgreichen Dramas "Lina Braake"1) von Bernhard Sinkel aus dem Jahre 1975 mit Lina Carstens und Fritz Rasp, die Figur der Frau Heimes; Kinostart war der 24. Dezember 2009.
Ingrid van Bergen fand neben ihrer Arbeit für Film- und Fernsehen Trost in ihrem Engagement für den Tierschutz, in ihrem derzeitigen Domizil in Eyendorf in der Lüneburger Heide hat sie vielen Tieren ein neues Zuhause gegeben; bereits auf Mallorca, wo sie sieben Jahre lang lebte, kümmerte sich die engagierte Tierschützerin um herrenlose Tiere.
1994 veröffentlichte Ingrid van Bergen ihre Erinnerungen unter dem schlichten Titel "Autobiographie".

Neben ihrer umfangreichen Arbeit für Film und Fernsehen gibt Ingrid van Bergen Chansonabende und Lesungen, spielt an Theatern in Berlin, München und Düsseldorf und ist für Hörbuchproduktionen tätig. Zu den jüngeren Arbeiten für das Theater zählt die Erfolgskomödie "Ingeborg" von Curt Goetz; in der Inszenierung des Dinslakener "Landestheater Burghofbühne" mimte sie seit 24. November 2006 die trinkfeste Tante Ottilie, die der Titelheldin mit ihren Lebensweisheiten eine zweifelhafte Hilfe ist und konnte einmal mehr ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Ingrid van Bergen gastierte mit dem Ensemble der "Burghofbühne" in verschiedenen deutschen Städten.
 
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Noel Tovia Matoff zur Verfügung gestellt. 
© Noel Tovia Matoff  (www.matoff.de)

Ingrid van Bergen; Copyright Noel Tovia Matoff

Eine Paraderolle für die Vollblutschauspielerin war 2005 auch die rüstige Marthe in "Die Klatschmohnfrau" (La Femme Coquelicot), einem Ein-Personen-Stück, das erstmals in deutscher Sprache an der Dinslakener "Burghofbühne" aufgeführt wurde und mit dem Ingrid van Bergen anschließend erfolgreich auf eine Tournee durch Deutschland ging. Die "One-Woman-Show" basiert auf einem Buch der französischen Erfolgsautorin Noelle Châtelet und erzählt die Geschichte einer 70-jährigen, deren Leben nach dem Tod ihres Mann sinnlos und leer ist. Aber dann taucht plötzlich ein ältere Herr in ihrem tristen Leben auf und Marthe erlebt eine späte Leidenschaft … Das Stück wurde zudem ab 16. September 2009 im neu eröffneten, von Dieter Hallervorden geleiteten Berliner "Schlosspark-Theater" gezeigt, weitere Aufführungen standen bis Anfang Oktober auf dem Spielplan → schlosspark-theater.de.
Ebenfalls am "Schlosspark-Theater" lief seit der Uraufführung am 14. Januar 2010 das von Cordua Trantow inszenierte Stück "Die Nadel der Kleopatra" von Philipp Moog und Frank Röth. In den Hauptrollen waren neben Ingrid van Bergen (als einer vor vielen Jahren erblindeten Witwe) Cosma Shiva Hagen, Marco Hofschneider und Philipp Ungeheuer zu sehen. Bis Mitte Mai folgten weitere Vorstellungen, mehr bei schlossparktheater.de.
Zwischen 2005 und 2008 konnten die Zuschauer die umtriebige Schauspielerin in den Sommermonaten zudem bei den "Störtebeker-Festspielen" in Ralswiek auf der Insel Rügen bewundern. Nach einer Pause im Jahre 2009 war sie 2010 als "Signora de  Rocca" in dem Stück "Der Fluch des Mauren" wieder mit von der Partie.
 
Danach stand Ingrid van Bergen im "Kammertheater Karlsruhe" in dem von Ingmar Otto inszenierten Stück "Harold and Maude" von Colin Higgins auf der Bühne, die Premiere am 28. Februar 2011 vor ausverkauftem Haus war ein durchschlagender Erfolg, weitere Aufführungen bis Ende März bzw. ab Ende Oktober 2011 schlossen sich an. In der anrührenden Geschichte über ein altersmäßig sehr ungleiches Paar gab Ingrid van Bergen die alte Maude, die Figur des Harold wurde von Alexander Merbeth dargestellt.

Ingrid van Bergen am 10. November 2010 bei "Markus Lanz"1)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Udo Grimberg (Wikipedia-Benutzer Chester100)
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Ingrid van Bergen am 10. November 2010 bei "Markus Lanz"; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Udo Grimberg; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
Erwähnt werden muss auch ihre Mitwirkung in etlichen Hörspielen, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier am Ende dieser Seite.
Webpräsenz der Künstlerin: www.ingrid-van-bergen.de
Siehe auch Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) prisma.de, 4) tittelbach.tv
Lizenz Foto Ingrid van Bergen (Urheber Udo Grimberg):
Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
Stand: November 2016
   
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de) 
  
Ingrid van Bergen 04; Copyright Virginia Shue
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) 
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Kinofilme Noch Kinofilme
Fernsehen (Auszug, ab den 1970er Jahren)
(Link: Wikipedia, fernsehserien.de, prisma.de, tittelbach.tv)
   
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung) bzw. Wikipedia)
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