Monica Bleibtreu  Copyright Virginia Shue Foto 01 Monica Bleibtreu wurde am 4. Mai 1944 in der Österreichischen Hauptstadt Wien geboren und entstammte einer weit verzweigten Schauspielerdynastie. Der Urgroßvater Sigmund Bleibtreu (1819 – 1894), Hofburgschauspieler, Aquarellmaler und Ehemann der Schauspielerin Amalie Bleibtreu (1835 – 1917), war der Vater von Hedwig Bleibtreu*) (1868 – 1958) und Maximiliane Bleibtreu (1870 – 1923). Monica Bleibtreus berühmte Großtante Hedwig Bleibtreu machte sich als große Tragödin einen Namen, spielte am Wiener Burgtheater und gilt als Theater-Ikone; die Großmutter Maximiliane Bleibtreu war ebenfalls als Bühnenschauspielerin tätig und wirkte in Graz und Wien.
 
 
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Monica Bleibtreus Vater Renato Attilio Bleibtreu1) (1893 – ?) machte sich als Schriftsteller bzw.  Theaterautor einen Namen und leitete nach 1945 ein winziges Zimmertheater in Mödling, einer Kleinstadt bei Wien, war damit aber nicht sehr erfolgreich. Die Mutter Helene, Tochter eines Metzgermeisters, stammte aus dem ehemaligen Königsberg und sorgte für den Unterhalt der Familie, saß abends auch an der Theaterkasse. Tochter Monica durchlebte mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Renate1) eine komplizierte Kindheit, bescheidene Verhältnisse und Unsicherheit bestimmten ihr Leben. Mitunter musste sie mit kleineren Arbeiten die Familie unterstützen, brach die Schule ab, nähte beispielsweise Gürtel in einer Fabrik und half so mit, die Schulden der Eltern abzutragen. Auf Drängen ihres Vaters entschloss sie sich, Schauspielerin zu werden, ging zunächst mit 16 Jahren nach Hamburg und nahm Schauspielunterricht bei Eva Fiebig (1900 – 1984), absolvierte danach eine Ausbildung am renommierten Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Zur Spielzeit 1963/64 erhielt die 19-Jährige ein erstes Engagement an den Bühnen der Stadt Bonn, gab dort ihr Debüt mit der "Berbiette" in Molières "Die Schelmenstreiche des Scapin". Dann ging sie zurück nach Wien, wo sie 1964/65 am "Burgtheater", dem "Theater in der Josefstadt" und dem "Theater im Zentrum" auftrat. 1965 folgte sie einem Ruf an das Niedersächsische Staatstheater in Hannover, wo sie bis 1969 viele große Rollen spielte, unter anderem feierte sie Triumphe als "Julia" in Shakespeares "Romeo und Julia". Es folgte ein Engagement an den Münchner Kammerspielen, wo sie – mit Unterbrechungen – zwischen 1969 und 1972 ebenfalls mit vielen herausragenden Rollen glänzte. Zwischenzeitlich war sie Mitbegründerin einer freien Theatergruppe, machte gemeinsam mit Ruth Drexel*) (1930 – 2009) und Hans Brenner*) (1938 – 1998) sozialkritisches Volkstheater, war unter anderem in Stücken von Franz Xaver Kroetz zu sehen. Ihr Versuch, mit einer eigenen Theatertruppe Fuß zu fassen, gelang nicht, zwischen 1972 und 1975 wurde das Hamburger Schauspielhaus ihre künstlerische Heimat. Darüber hinaus glänzte sie bei den Salzburger Festspielen, brillierte aber auch beispielsweise in Berlin an der "Schaubühne am Halleschen Ufer" oder dem "Schiller Theater". Nach 1975 band sich Monica Bleibtreu nicht mehr fest an ein Haus, arbeitete als freie Schauspielerin.
  
Monica Bleibtreu in "Die Zofen" 01; Copyright Virgini Shue Monica Bleibtreu in "Die Zofen" 02; Copyright Virgini Shue
Monica Bleibtreu 1980 in dem Theaterstück "Die Zofen" von Jean Genet
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Dem Theater war Monica Bleibtreu trotz ihrer Film- und Fernseherfolge stets treu geblieben, noch in jüngerer Zeit begeisterte sie bei zahlreichen Gastspielen das Theaterpublikum mit der Titelrolle in Martin Shermans Ein-Personen-Stück "Rose" und bewies mit ihrer Darstellung der 80-jährigen Jüdin Rose einmal mehr beeindruckend ihre herausragende Schauspielkunst. Bejubelt wurde sie auch ab Ende 2006 am "St. Pauli Theater" in "Nachtgespräche mit meinem Kühlschrank". In ihrem neuen Solo spielte Monica Bleibtreu einen Mann, den ebenso liebenswürdigen wie erfolgloser Schauspieler Ulrich Bunzel, der in einer billigen Pension auf dem Kiez wohnt. Akkurat gescheitelt setzt sie sich mit fussligem Dreitagebart und in Schlabberhosen über einengende Geschlechterrollen hinweg. Ihr charmant schlamperter Bunzel ist aber auch als selbstironisch autobiografisch gefärbte wie allgemeine Parodie auf größenwahnsinnige und spielwütige Darstellungskünstler zu verstehen. Bleibtreu erntete Ovationen bei der Uraufführung und wusste sich souverän in der konturlosen Inszenierung Felix Bachmanns zu behaupten. (Quelle: Hamburger Abendblatt vom 7. Januar 2007)
Klaus Pohls Stück ist ein Satyrspiel, dem keine Tragödie vorausgeht, sondern eine halbtraurig grundierte Groteske, mit der ein Virtuose Kaumuskeln, Kiefer und Kehlkopf lockert, bevor er vor den Vorhang tritt und den Helden gibt. schreibt Franz Josef Görtz in der F.A.Z. vom 31.12.2006 und meint weiter: Monica Bleibtreu ist ein schreiend urkomischer Ulrich Bunzel: im authentischen Outfit des grantelnden Bühnenpensionärs, der keine Chance mehr hat, weil ein widriges Schicksal ihm eher beiläufig auch die allerletzte vergeigt – worin schon allerhand Tragik liegen könnte, wenn dies alles nicht so unglaublich lachhaft wäre. Dass man die drolligen Talente der Bleibtreu allerdings nie ganz richtig oder nur halbherzig wahrgenommen hat, mag auch mit ihrer fast unbarmherzig anmutenden Weigerung zusammenhängen, sich auf Interviews einzulassen. 
Dass die Mimin hintergründigen Humor besaß, zeigte sich auch in ihrer Liebe zu dem unvergleichlichen Karl Valentin1) (1882 – 1948). Gemeinsam mit Barbara de Koy präsentierte sie seit 2004 – unter anderem an den Hamburger Kammerspielen – im Rahmen einer szenischen Lesung Karl Valentins Drehbuchentwurf bzw. nie realisierte Filmgroteske "Das kinderlose Ehepaar". Die beiden Schauspielerinnen waren ein kongeniales "ungleiches Paar", mehr dazu bei www.kultur.bayer.de.
 
Einem breiten Publikum wurde Monica Bleibtreu ab Ende der 1960er Jahre durch zahlreiche Fernsehproduktionen bekannt. Ihr Bildschirmdebüt hatte sie 1969 in Franz Peter Wirths "Change" gegeben, für ihre Rolle des Fürsorgezöglings Gabriele Bebra in der "Kommissar"-Folge "Fluchtwege" (1969) wurde die 28-Jährige mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet und machte erstmals als Filmschauspielerin von sich reden. Ab den 70ern folgten neben Auftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie beispielsweise "Derrick" "Tatort" oder "Die Männer vom K3" unterschiedlichste Rollen in ambitionierten Fernsehspielen.

Man sah Monica Bleibtreu unter anderem 1979 in Michael Hanekes Zweiteiler "Lemminge", 1981 als Rosa in Hans Christof Stenzels "Obszön – Der Fall Peter Herzl" (→ film.at) oder 1984 in dem Psychokrimi "Gesichter des Schattens". In den 1990er Jahren machte sich Monica Bleibtreu auf dem Bildschirm ein wenig rar, tauchte aber immer mal wieder in vielbeachteten Fernsehspielen auf, wie beispielsweise als Hertha in Fritz Lehners dreiteiligem Filmepos "Das Dorf an der Grenze" (1993, → film.at), als Frau Spiegel in dem Krimi "Sperling und die Tote aus Vilnius"2) (1998) oder in Diethard Klantes Psychodrama "Tödliche Schatten". Ab 2000 sah man sie als Frau Habesam in Julian Pölslers ORF-Verfilmungen der vier "Polt"-Kriminalromane nach den Bestsellern von Alfred Komarek, eine ebenso "durchgehende" Rolle hatte sie ab 2002 als resolute Pensionswirtin Frau Kruschke in den Folgen um den schwergewichtigen "Pfundskerl"1) und bayerischen Boulevardreporter Gottfried Engel alias Ottfried Fischer.

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Monica Bleibtreu; Copyright Virgini Shue Foto 02
Doch es sollten die so genannten Altersrollen werden, mit denen Monica Bleibtreu sich in die erste Riege der Film- und Fernsehdarsteller, aber auch die Herzen der Zuschauer spielte, eigenwillige und starke Frauentypen wurden ihre Domäne. In den letzten Jahren war die Künstlerin gefragt wie kaum eine andere ihrer Altersklasse, immer wieder schlüpfte sie in fremde Leben, verlieh den unterschiedlichsten Charakteren eindrucksvolle Präsenz.
2001 hinterließ sie in Heinrich Breloers preisgekröntem dokumentarischen Mehrteiler "Die Manns – Ein Jahrhundertroman"1) als Katia Mann und Ehefrau von Thomas Mann alias Armin Mueller-Stahl einen nachhaltigen Eindruck beim Fernsehpublikum und wurde für ihre Leistung ein Jahr später mit dem "Grimme-Preis" sowie dem "Bayerischen Fernsehpreis" ausgezeichnet. Eine erneute Anerkennung ihrer Darstellungskraft erfuhr sie 2003 mit der Nominierung für die "Goldene Kamera" und ihrer Rolle der Großmutter in Jo Baiers Heimatdrama "Verlorenes Land"3) 2002). Ebenfalls 2002 sah man Monica Bleibtreu als Haushälterin Clara in Hannu Salonens "Liebe ist die beste Medizin"2), als Mutter des anglikanischen Bischofs Jo Mallinger alias Heiner Lauterbach in Xaver Schwarzenbergers zweiteiligen Romanze "Eine Liebe in Afrika"3) sowie als Polizeipsychologin Caroline Sever in der "Tatort"-Folge "Der Passagier"2)
In dem Melodram "Gefährliche Gefühle"3) agierte die Schauspielerin mit dem ausdrucksstarken Gesicht 2003 als zunächst intrigante und feindselige Schwiegermutter des Valentin Aigner alias Harald Krassnitzer, die zum Schluss über ihren eigenen Schatten springt. In Dietmar Kleins hochkarätig besetzen Dreiteiler "Der Wunschbaum"1), einer ebenso dramatischen wie romantischen Geschichte um Liebe, Intrigen, Familienbande und Geschäftsaffären nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Sandra Paretti, überzeugte sie Anfang 2004 einmal mehr als russische, warmherzige Tante Lenka, die sich tatkräftig für ihre Nichte und Titelheldin Camilla Senger alias Alexandra Maria Lara einsetzt. 2004 sah man Monica Bleibtreu in dem TV-Spiel "Wellen", der Verfilmung nach Eduard von Keyserlings gleichnamigen Roman, als Generalin von Palinkow auf dem Bildschirm → www.dieterwunderlich.de.
  
Eine ergreifende Rolle spielte sie Ende März 2005 in dem Fernsehfilm "Marias letzte Reise"2); in der Geschichte wird von der unheilbar an Krebs erkrankten 71-jährigen Maria erzählt, die die letzten Tage ihres Lebens in ihrer geliebte Umgebung auf ihrem Hof am Staffelsee in Oberbayern bei ihren Blumen, Büchern und duftenden Obstbäumen verbringen möchte. "Mit sehr viel Einfühlungsvermögen und feinem Humor erzählen Ariela Bogenberger (Drehbuch) und Rainer Kaufmann (Regie) diese anrührende, tragikomische Geschichte. Die Dialoge sind kraftvoll und gegen den Strich gebürstet, wie man es von der störrischen Hauptfigur erwarten würde, die von Monica Bleibtreu großartig gespielt wird". (Zitat: www.dieterwunderlich.de). Monica Bleibtreu wurde für ihre überzeugende Darstellung am 31. März 2006 erneut mit einem "Grimme-Preis" geehrt.
Mit einer völlig anders gearteten Rolle kam die Schauspielerin Anfang April 2006 in dem SAT.1-Zweiteiler "Eine Liebe in Saigon"2) daher; in der abenteuerlichen Dreiecksgeschichte zwischen der Ärztin Dr. Sarah Lorenz (Désirée Nosbusch), ihrem Mann Marc (Siegfried Terpoorten) und dem vietnamesischen Minensucher Robin (Mehmet Kurtulus) mimte sie in einer prägnanten Nebenrolle die etwas ruppige Pensionswirtin Christine Fogert, bei der Sarah während ihres Einsatzes für eine humanitäre Organisation in Vietnam wohnt und in ihr bald eine verständnisvolle Freundin findet.
Danach folgten prägnante, facettenreiche Rollen in verschiedenen Krimi-Reihen, so als elegante, auf jugendlich getrimmte Star-Dentistin Marie Rosnicek in "Zahn um Zahn"3) (2006) aus der Serie "Ein Starkes Team" oder als  Signora Ruffolo, Mutter eines Kleinkriminellen, in der "Donna Leon"-Geschichte "Endstation Venedig"2) (2006). In "Mord unterm Kreuz"3) (2006) gab sie als bis zuletzt undurchsichtige Haushälterin eines ermordeten katholischen Priesters der Ermittlerin "Bella Block" Rätsel auf, in dem Thriller "Der Tote am Strand"3) (2006) nach dem Roman "Rosas Rückkehr" von Barbara Krohn mimte sie die Mutter der Protagonistin Rosa (Silke Bodenbender). Glänzend auch ihre Rolle der dominanten Mutter in Xaver Schwarzenbergers bitterbösen Komödie "Muttis Liebling"2), die Ende Juli 2007 in der ARD ausgestrahlt wurde: Der Bankangestellte Wolferl (Gregor Bloéb) ist ein Muttersöhnchen und steht durch und durch unter der Aufsicht von Mutti Maria. Die Kosmetikerin Eva (Marie Bäumer), die es aus Sachsen der Arbeit wegen nach Wien verschlagen hat, will das ändern. Sie ahnt nicht, zu welch perfider Kreativität Maria fähig ist, wenn es um die Verteidigung ihres Territoriums "Wolferl" geht …(Quelle: www.prisma.de)
 
 

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Monica Bleibtreu; Copyright Edmond Frederik
Ebenfalls erinnerungswürdig war auch ihre Rolle der umstrittenen Staatsanwältin Elisabeth Ronfeldt in dem Krimi "German Angst"3) (2007) aus der Reihe "Kommissarin Lucas" mit Ulrike Kriener als mit ungewöhnlichen Methoden agierenden Ermittlerin. In Rainer Kaufmanns Tragikomödie "Ein starker Abgang"2), der am 25. Juli 2008 erstmalig bei ARTE ausgestrahlt wurde, war sie die ebenbürtige Partnerin von Bruno Ganz. Erzählt wird die Geschichte des alternden, fast vergessenen Schriftstellers und Misanthropen Heinz Kilian (Bruno Ganz), der an einer Magenerkrankung leidet. Er setzt seine ganze Hoffnung auf Genesung auf die naturgläubige, selbstbewusste Ernährungsberaterin Vera Hartel (Monica Bleibtreu), die sich nun seiner unerbittlich annimmt. Mit dem brillanten Darstellerduo Bruno Ganz und Monica Bleibtreu bietet Rainer Kaufmann in seiner bislang besten Regiearbeit ein unglaublich starkes Duell. Nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Misanthropie und Hoffnung, Zynismus und Nachdenklichkeit, zwischen zwei komplett unterschiedlichen Lebensanschauungen. Ein kammerspielartiges Zwei-Personen-Stück mit feinsinnigem, durchaus auch nachdenklich stimmenden Humor wie man es gerne häufiger sähe.  
(Quelle: www.prisma.de)
Sehenswert ist Hans Steinbichlers tragikomisches Drama "Die zweite Frau"
3) (2008) mit Matthias Brandt als alterndes, verklemmtes Muttersöhnchen Erwin Kobarek, der bei seiner dominanten Mutter (Monica Bleibtreu) in einem abgelegenen Haus wohnt. "Die nächste Stadt ist weit weg. Erwin hat aber auch kein Bedürfnis, öfter als notwendig hinzufahren, denn die vielen Leute beunruhigen ihn. Statt Freunde oder Freundinnen hat er ein Aquarium. Seine Mutter trifft die Entscheidungen, kocht, wäscht und putzt, und wenn Erwin in der Badewanne sitzt, schrubbt sie ihm den Rücken …" Am 24. Juni 2009 wurde das vorab auf ARTE gezeigte kammerspielartige Drama in der ARD ausgestrahlt; mehr bei www.dieterwunderlich.de und www.spiegel.de.
  
Ihr Leinwanddebüt hatte die wandlungsfähige Schauspielerin 1972 in Hans Jürgen Syberbergs symbolistischem Monarchenporträt "Ludwig – Requiem für einen jungfräulichen König"4) gegeben, 1977 sah man sie an der Seite Rüdiger Voglers als Julie in Thomas Koerfers Historienverfilmung "Alzire oder der neue Kontinent" oder – nach einer längeren Leinwandabstinenz – zehn Jahre später in Peter Patzaks Thriller "Der Joker"1) als Cilly. In den letzten Jahren stand Monica Bleibtreu unter anderem an der Seite ihres Sohnes Moritz Bleibtreu für Tom Tykwers international viel beachteten Kinofilm "Lola rennt"1) (1998) vor der Kamera und wirkte in Michael Junckers Beziehungskomödie "Frauen lügen nicht" (1998) mit.
Joseph Vilsmaier besetzte sie als Witwe von Losch in seinem Erfolgsfilm "Marlene"1) (2000) und für Jan Schüttes "Abschied – Brechts letzter Sommer"1) (2000) übernahm sie die Rolle der Ehefrau Bertolt Brechts und spielte an der Seite von Josef Bierbichler eindrucksvoll die Helene Weigel. Zu Monica Bleibtreus jüngeren Kinoproduktionen zählt 2002 die hochkarätig besetzte deutsch-französische Produktion "Der Stellvertreter"1) (Amen.), einem Film von Costa-Gavras, der Rolf Hochhuths Drama in Bilder zu fassen versucht; hier ist sie als Frau Hinze zu sehen. Für Robert Schwentkes Psychothriller "Tattoo"1) (2002) übernahm sie die Rolle der Oberkommissarin Roth und Bernhard Weirather besetzte sie in "Ikarus" (2002; → film.at) als Mutter der Hauptdarstellerin Lena alias Nina Proll. In Franziska Buchs Kinderfilm "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen1)" mimte sie 2004 auf der Leinwand erneut die gute Oberhexe Walpurgia; auch in Hermine Huntgeburths ersten Realverfilmung um die beliebte Zeichentrickfigur "Bibi Blocksberg"1) hatte Monica Bleibtreu 2001 an der Seite von Katja Riemann als Barbara Blocksberg und Corinna Harfouch als Hexe Rabia die Figur der Hexe Walpurgia verkörpert.
Monica Bleibtreu anlässlich der Filmpremiere von "Max Minsky und ich" (Berlin, 02.09.2007); Urheber: Franz Richter (User:FRZ); Lizenz: CC-by-SA 2.5; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons Im Kino sah man die Charakterschauspielerin in Petra Katharina Wagners Liebesdrama "Maria an Callas"1) (2006) an der Seite von Götz George und Claudia Michelsen sowie einmal mehr grandios als 80-jährige, introvertierte, verhärmte Klavierlehrerin Frau Krüger, die in dem Gefängnisdrama "Vier Minuten"1) (2007) von Autor und Regisseur Chris Kraus der wegen Mordes einsitzenden Jenny von Loeben alias Hannah Herzsprung Unterricht gibt. Für ihre eindringliche schauspielerische Leistung wurde Monica Bleibtreu am 4. Mai 2007 bei der 57. Verleihung der Deutschen Filmpreise in Berlin mit einer "Goldenen Lola" als "Beste weibliche Hauptdarstellerin" ausgezeichnet; überdies wurde der Film von der Jury als "Bester Spielfilm" gewählt und erhielt ebenfalls eine "Goldene Lola".
Gerade abgedreht hatte Monica Bleibtreu die Filme "Der Herz ist ein dunkler Wald"1) von Regisseurin Nicolette Krebitz (Kinostart: 27.12.2007) sowie "Max Minsky und ich"2), eine Familienkomödie um ein 13-jähriges jüdisches Mädchen, die Anna Justice nach dem Jugendroman "Prinz William, Maximilian Minsky und ich" von Holly-Jane Rahlens in Szene gesetzt hat; Kinostart war der 6. September 2007. Seit Sommer 2008 verfilmte Regisseur und Grimme-Preisträger Kai Wessel die dramatischen Höhepunkte im wechselvollen Leben der legendären Hildegard Knef*) (1925 – 2002) unter dem Titel "Hilde"1) mit Heike Makatsch in der Titelrolle. Monica Bleibtreu hatte die Rolle von Knefs Entdeckerin Else Bongers1) (1907 – 1994) übernommen, Dan Stevens spielt den zweiten Knef-Ehemann David Cameron1), Michael Gwisdek ihren Großvater und Hanns Zischler den Filmproduzenten Erich Pommer1) (1889 – 1966); Kinostart war der 12. März 2009.
 
Foto: Monica Bleibtreu anlässlich der Filmpremiere von
"Max Minsky und ich" (Berlin, 02.09.2007)
Urheber: Franz Richter (User:FRZ); Lizenz: CC-by-SA 2.5
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
In dem Thriller "Tannöd"1) nach dem preisgekrönten Bestseller von Andrea Maria Schenkel, der für das Kino adaptiert wurde, hatte die Schauspielerin unter der Regie von Bettina Oberli ebenfalls eine Hauptrolle übernommen und glänzte als die alte Traudl Krieger, deren Schwester auch unter den Tannöd-Toten war. Die Dreharbeiten zu dem Film, der von einem sechsfachen Mord Mitte der 1950er Jahre auf einem bayerischen Bauernhof erzählt, begannen im April 2008, der Film feierte am 19. November 2009 seine Kinopremiere. Bereits in der Hörbuchfassung brilliert Monica Bleibtreu als Sprecherin, wurde 2007 von der Jury des "Deutschen Hörbuchpreises" für ihre herausragende Leistung zur besten Interpretin des Jahres 2007 gekürt und erhielt im gleichen Jahr gemeinsam mit Andrea Maria Schenkel den "CORINE-Weltbild-Leserpreis"1).
 
Neben "Tannöd" zählt die Komödie "Ladylike – Jetzt erst recht!"2) zu Monica Bleibtreus letzten Arbeiten vor der Kamera; das ZDF verfilmte den gleichnamigen Roman von Ingrid Noll ab Ende Oktober 2008 mit Monica Bleibtreu und Gisela Schneeberger in den Hauptrollen; vorab am 29. September 2009 beim 17. Internationalen Filmfest Hamburg gezeigt, erfolgte die Erstausstrahlung im  ZDF erst am 29.11.2010. "Diese überaus erfrischende Komödie um ein ungewöhnliches Frauen-Duo, das noch einmal so richtig Gas gibt, ist der letzte Film der großen Charakterdarstellerin Monica Bleibtreu, die hier neben der ebenso überzeugenden Gisela Schneeberger noch einmal eine Paradevorstellung gibt." schreibt prisma.de.
Nur wenige Monate nach den Dreharbeiten erlag die großartige, vielseitige Charakterdarstellerin in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 2009 – kurz nach ihrem 65. Geburtstag – in Hamburg ihrem langjährigen Krebsleiden; sie hatte mehr als drei Jahrzehnte im Hamburger Szeneviertel St. Georg gelebt. Die letzte ihrer zahlreichen Auszeichnungen konnte sie noch am 25. April 2009 in der Wiener Hofburg entgegennehmen, als "Beliebteste Schauspielerin" wurde sie mit dem österreichischen Fernsehpreis "Romy" geehrt.
 
Die Trauer über den viel zu frühen Tod der Ausnahmeschauspielerin berührte nicht nur Freunde, Kollegen und Weggefährten. Mit Monica Bleibtreu verliere der deutsche Film eine "wunderbare Schauspielerin, die vielen großen Rollen auf eindrucksvolle Weise Gestalt, Stimme und Charakter verliehen habe", so unter anderem Bundespräsident Köhler in seinem Beileidsschreiben an Sohn Moritz Bleibtreu. ARD-Programmdirektor Volker Herres nannte die Verstorbene eine "Vollblutschauspielerin", die mit ihrem Spiel die Herzen der Menschen bewegt habe. In den Medien wurde der überraschende Tod der der "Grande Dame" des Films, deren Domäne die Verkörperung starker Frauen war, auch zum Anlass genommen, an die vielen brillanten Darstellungen Monica Bleibtreus zu erinnern. "Herbstzeitlose mit Herz" titelte spiegel-online und weiter war zu lesen "Mit welcher Lust sie doch in Figuren abtauchte, für die das Publikum zunächst keinen Sympathiebonus bereithält! Es gab hierzulande wohl keine zweite Künstlerin, die derart risikofreudig mit den üblichen Rollenzuschreibungen für ihre Altersklasse spielte – und die dabei doch stets die Würde ihrer Figuren unangetastet ließ. Wo Kolleginnen aus der Not eine Tugend machen und in Ermangelung anderer Angebote die schrille Alte geben, da spielte sie auch die größte Nacktheit mit traumwandlerischer Gravität."
"Sie konnte streng wirken, ihren Blick härten, das Lächeln kühlen und doch Güte aufscheinen lassen. So hat Monica Bleibtreu die Klavierlehrerin gespielt in "Vier Minuten", einem Drama über eine alte Pianistin, die sich auf die Ausbildung einer hochbegabten jungen Kriminellen einlässt. Ohne falsche Sentimentalität oder süßliches Pädagogenpathos hat sie diese Frau verkörpert und dafür die letzte große Auszeichnung ihres Lebens bekommen, den Deutschen Filmpreis "Lola" als beste Hauptdarstellerin. Wieder hatte sie bewiesen, dass sie in ihren Rollen Charakterzüge übereinanderlegen konnte, so dass ihre Figuren nie nur ein Temperament zur Schau trugen, sondern mit Widersprüchen ausgestattet waren, die sie wahrhaftig machen." schreibt Dorothee Krings in der "Rheinischen Post" (16.5.2009).
 
Am 30. Mai 2009 fand Monica Bleibtreu auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg ihre letzte Ruhe, mit bewegenden Worten nahm Sohn Moritz Bleibtreu bei der Trauerfeier Abschied von seiner Mutter, erinnerte unter anderem an ihre Herzenswärme. Zahlreiche prominente Weggefährten und Kollegen von Film, Fernsehen und Theater wie Katja Riemann, Hannelore Elsner, Nina Hoss, Hannelore Hoger, Alexandra Maria Lara, Witta Pohl, Dietmar Mues, Nicole Heesters, Herbert Knaup, Uwe Ochsenknecht oder Markus Boysen nahmen an der Trauerfeier teil, auch die Regisseure Fatih Akin, Detlev Buck sowie Tom Tykwer und Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck sowie Filmfestchef Albert Wiederspiel erwiesen der Grimme- und Filmpreisträgerin die letzte Ehre → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
 
Anlässlich des viel zu frühen Todes der Künstlerin zeigte der Kultursender ARTE am 6. Juni 2009 noch einmal das 45-minütige Portrait von Ulrike Bremer "Mein Leben – Monica Bleibtreu" (HR, 2008: Monica Bleibtreu oder die späte Liebe zum Erfolg). Die Filmautorin bzw. das Kamerateam durfte die ansonsten eher medienscheue Schauspielerin ein Jahr lang begleiten, zeichnen den Lebensweg dieser so liebenswürdigen wie eigenwilligen Frau nach, die von sich sagte: "Erfolg haben immer die anderen, hab ich gedacht, früher bin ich davongelaufen, wenn's zu gut lief". Für dieses Filmporträt aber hat Monica Bleibtreu sich geöffnet. Das Team durfte sie über ein Jahr lang begleiteten: bei ihrer Spurensuche in der Heimat ihrer Mutter, in Königsberg, wo sie außerdem den Film "Vier Minuten" vorstellte; nach Hamburg, wo sie lebt, nach Wien zu den Schauplätzen ihrer nicht unschwierigen Kindheit in einer Schauspielerfamilie. Das Porträt zeigt sie bei den Dreharbeiten für den Film "Hilde" über das Leben der Hildegard Knef und für "Tannöd", der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers. Auch Monica Bleibtreus Sohn Moritz, seinerseits längst ein profilierter und prominenter Schauspieler, spricht wohlwollend über seine Mutter, die ihn alleine aufgezogen hat. Im Schlagabtausch der beiden wird ihre innige und zugleich erfrischend direkte Mutter-Sohn-Beziehung sichtbar. (Quelle: ARTE) 

Der nachdenklich stimmende Fernsehfilm "Was wenn der Tod uns scheidet?"1) erreichte nach der ARTE-Erstausstrahlung (29. Mai 2009) wenige Monate nach dem plötzlichen Tod von Monica Bleibtreu ein breiteres Publikum. Am 31. August 2009 zeigte das ZDF zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr den preisgekrönten, episodenhaft aufgebauten Debütfilm der ehemaligen Bremer Theater- und Fernsehschauspielerin Ulrike Grote, die den Zuschauer ohne falsche Sentimentalität mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert bzw. die schicksalsträchtige Nacht von sieben Menschen, die sich in einem Berliner Krankenhaus mit dem Tod beschäftigen müssen, erzählt. Neben hochkarätigen Charakterschauspielern wie Ulrich Noethen, Peter Jordan, Janna Striebeck und Naomi Krauss gibt Monica Bleibtreu eine alte demenzkranke Frau, die von ihrem Sohn (Peter Jordan) in ein Heim gebracht werden soll. Sehr bewegend zeichnet die Bleibtreu diese fast grotesk anmutende Figur der Marie Dunkel – schrullig und zugleich anrührend. Christian Mayer schrieb unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung" (29.05.2009): "Man muss sich diese Monica Bleibtreu nur noch einmal ansehen, um zu begreifen, warum sie zu den wenigen Stars in Deutschland zählte. Warum das Publikum diese Schauspielerin, die zu selten im Kino zu sehen war, dafür aber im Fernsehen alles spielte, was es zu spielen gab, ins Herz geschlossen hatte. Und warum ihr Tod ein solcher Verlust ist." → siehe auch www.dieterwunderlich.de
Auch in dem von der Schweizer Regisseurin Bettina Oberli gedrehten Film "Tannöd"2), inszeniert nach dem im Januar 2006 erschienen gleichnamigen Bestseller1) von Andrea Maria Schenkel, zog Monica Bleibtreu als "verrückte Alte" einmal mehr alle Register ihres schauspielerischen Könnens. In dem rustikalen Thriller, angesiedelt Mitte der 1950er Jahre auf einem Einödhof in Oberbayern, glänzt sie als etwas verwirrte Magd Traudl und wird in ihrer letzten Kinorolle wohl nicht nur die Berliner Premierengäste bewegen, die im "Cinestar" am Potsdamer Platz am 14. November 2009 den Film erstmals sehen konnten. Auch Sohn Moritz Bleibtreu kam zur Galavorstellung, schaute sich das packende Drama Medienberichten zufolge jedoch nicht an, erinnerte jedoch in einer bewegend-emotionalen Rede an seine Mutter Monica.
Bereits am am 10. September 2009 hatte Fatih Akıns Komödie "Soul Kitchen"1) im Rahmen der 66. Filmfestspiele von Venedig den Spezialpreis der Jury gewonnen, am 25. Dezember 2009 startete der Streifen in den deutschen Kinos. Hier konnte man Monica Bleibtreu als Oma der Journalistin Nadine Krüger (Pheline Roggan) sehen.
Die vielfach preisgekrönte Monica Bleibtreu, die zwischen 1993 und 1998 als Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg lehrte, ist die Mutter des 1971 geborenen und anerkannten Schauspielers Moritz Bleibtreu1), der aus ihrer Beziehung zu Schauspielerkollegen Hans Brenner*) stammt. Gemeinsam mit Sohn Moritz hatte sie – wie erwähnt – für "Lola Rennt" (1998) vor der Kamera gestanden und die Rolle einer blinden Frau gespielt.
Ihre Ende der 1970er Jahre geschlossene Ehe mit dem Schauspieler Hans Peter Korff*) dauerte nur wenige Jahre.

Das Foto, welches die Schauspielerin mit Sohn Moritz zeigt, wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Monica Bleibtreu und Sohn Moritz; Copyright Virgini Shue
Link: *) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 3) tittelbach.tv, 4) filmportal.de
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de sowie das Interview bei www.kultur.bayer.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
Kontakt für weitere, zum Teil unveröffentlichte Fotos von Monica Bleibtreu: Virginia Shue (Hamburg)
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