Herbert Bötticher wurde am 19. Dezember 1928 als Sohn eines Kapellmeisters in Hannover1) geboren. Nach Schule und Abitur entschied er sich Schauspieler zu werden und ließ sich zwischen 1948 und 1950 an der "Schauspielschule Hannover"1) entsprechend ausbilden. Ein erstes Engagement erhielt er anschließend am "Badischen Staatstheater"1) in Karlsruhe, weitere Verpflichtungen führten ihn im Laufe der Jahre unter anderem an das "Theater Bielefeld"1) (1954 – 1957), an das "Theater am Rossmarkt" (1957) in Frankfurt a. M. und die Stuttgarter "Komödie im Marquardt" (1958). Dann wechselte Bötticher an die "Münchner Kammerspiele"1), wo er unter der Intendanz des legendären Hans Schweikart1) in vielen Aufführungen brillierte und bis zur Spielzeit 1969/70 zum Ensemble gehörte. Danach war er als freischaffender Schauspieler tätig, gab Gastspiele an vielen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen und ging mit zahlreichen Stücken auf Tournee. Das Tournee-Theater war eine der großen Leidenschaften des Charakterdarstellers, zu seinen großen Erfolgen zählt der Professor Higgins in dem Musical "My fair Lady"1), den er zwischen 1972 und 1982 Hunderte Male furios verkörperte, so auch auf am "Frankfurter Schauspielhaus"1) zusammen mit Johanna von Koczian als Eliza Doolittle. Weitere herausragende Interpretationen waren Titelrollen in Shakespeares "Richard II."1) und Pirandellos "Heinrich IV."1) an der "Landesbühne Hannover", zur Spielzeit 1984/85 beispielsweise inszenierte er Eugčne Scribes Lustspiel "Das Glas Wasser"1) am "Theater Koblenz"1) und gab einen glänzenden Sir Henry St. John respektive Lord Bolingbroke. Auch an der an der "Komödie im Bayerischen Hof"1) in München sowie an den "Hamburger Kammerspielen"1) hinterließ er seine Handschrift als Regisseur. Zur Spielzeit 2005/2006 inszenierte er die Komödie "Süßer die Glocken" von Stefan Vögel1) am Kölner "Theater am Dom"1) – natürlich mit sich in der männlichen Hauptrolle des Großvaters Jacob und Doris Gallart als Großmutter Ida. 

Herbert Bötticher und seine Frau Doris Gallart1) in
der Komödie "Endlich allein" von Lawrence Roman1)
(1988, "Kleine Komödie am Max II"1), Regie: Herbert Bötticher)
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erbert Bötticher und seine Frau Doris Gallart in "Endlich allein"; Copyright Arma Belen
Ungeheure Popularität erlangte der Schauspieler seit Anfang der 1960er Jahre durch Film und Fernsehen, erstmals hatte man ihn 1961 als Güldenstern in Franz Peter Wirths "Hamlet, Prinz von Dänemark"2), der TV-Fassung des Shakespeare-Dramas "Hamlet"1) mit Maximilian Schell in der Titelrolle auf dem Bildschirm erleben können. Es folgten Rollen in verschiedensten Literaturverfilmungen, so unter anderem in Paul Verhoevens Shakespeare-Adaption "Zweierlei Maß" (1963) oder Hans Schweikarts "Candida"2) (1963) von George Bernard Shaw mit Margot Trooger in der Titelrolle. Unter der Regie von Dietrich Haugk spielte er zusammen mit Wolfgang Kieling, Benno Sterzenbach sowie die Titelheldin verkörpernde Johanna von Koczian in "Mirandolina"2) (1963) nach der Komödie von Carlo Goldoni1) den Marchese di Forlipopoli, Rainer Wolffhardt besetzte ihn als den "Brandstifter bzw. Kellner Wilhelm Maria Eisenring1) in "Biedermann und die Brandstifter"1) (1967) nach dem Drama von Max Frisch1). Neben Auftritten in beliebten Krimi-Reihen wie "Der Kommissar", "Derrick", "Kriminalmuseum" oder "Tatort" erlebte man den Mann mit dem stets verschmitzten Lachen unter anderem 1970 als Psychiater Dr. Lymann Sanderson in der Komödie "Mein Freund Harvey"1), die Kurt Wilhelm nach dem Bühnenstück von Mary Chase1) mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle auf den Bildschirm brachte.
Szenenfoto aus der Verwechslungskomödie "Halbe Wahrheiten" von Alan Ayckbourn mit (oben): Thomas Fritsch (Greg Pointer), Anaid Ilplicjan (Sheila Carter) und (unten): Olivia Silhavy (Ginny Whittaker), Herbert Bötticher (Philip Carter); Inszenierung: "Komödie am Kurfürstendamm"; Regie: Wolfgang Spier; Foto mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film; Quelle: www.pidax-film.de In vielen weiteren Fernsehproduktionen konnte Bötticher immer wieder seine schauspielerische Vielseitigkeit unter Beweis stellen, so in Claus Peter Witts Zweiteiler "Hoopers letzte Jagd" (1972), in Wolfgang Petersens Kriminalkomödie "Vier gegen die Bank"1) (1976) oder Dieter Wedels Zweiteiler "Wer den Schaden hat…"3) (1981). In nachhaltiger Erinnerung bleibt auch Böttichers Rolle des Alfons Vonhoff und unterdrückten Ehemanns von "Bille" alias Maria Sebaldt in der Serie "Ich heirate eine Familie"1) (1983) mit Thekla Carola Wied und Peter Weck in den Hauptrollen, ebenso wie der Kunstkritiker Kalman M. Kaschtan in der satirischen Farce "Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht"1) (1986) von Ephraim Kishon1).
 
 
Szenenfoto aus der Verwechslungskomödie
"Halbe Wahrheiten" von Alan Ayckbourn1)
mit (oben): Thomas Fritsch (Greg Pointer), Anaid Ilplicjan (Sheila Carter)
und (unten): Olivia Silhavy1) (Ginny Whittaker), Herbert Bötticher (Philip Carter)
Inszenierung: "Komödie am Kurfürstendamm"1) (1985);
Regie: Wolfgang Spier (auch TV)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film; Quelle: → www.pidax-film.de
In den 1990er Jahre sah man den sympathischen Schauspieler noch in den Serien "Pension Corona"3) (1990) – hier mimte er den Zauberkünstler Karl-Heinz Sandmann alias "Sandini" –, in "Edgar, Hüter der Moral" (1990) mit Joachim Kemmer in der Titelrolle sowie in "Lilli Lottofee"1) (1992) und "Der Millionenerbe"1) (1993). Danach machte sich Herbert Bötticher rar auf dem Bildschirm, nach Episodenrollen in den Serien "Parkhotel Stern"1) (2001) und "Klinikum Berlin Mitte – Leben in Bereitschaft"1) (2002) präsentierte er sich erst wieder 2005 in der humorvollen Gesellschaftskomödie "Prinz & Paparazzi" nach der Romanvorlage von Sky Du Mont auf dem Bildschirm: In diesem im Adelsmilieu angesiedelten Krimi mimte er herrlich devot und überzeichnet den Butler bzw. Chauffeur Benno des Grafen Christian von Landsburg alias Sky Du Mont.
 
Auf der Leinwand tauchte der Charakterdarsteller des komisch-komödiantischen Fachs nur wenige Male auf: So unter anderem als Stan Grebbie in "Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung"1) (1968), der von Kurt Hoffmann in Szene gesetzten Verfilmung des Bestsellers von Eric Malpass1). In der Rühmann-Satire "Die Ente klingelt um halb acht"1) (1968) mimte er einen Verkäufer, im gleichen Jahr agierte er in dem Streifen "Bengelchen liebt kreuz und quer"4). In "Traumstadt"1) (1973), gedreht (nach dem Roman "Die andere Seite"1) von Alfred Kubin1) tauchte er als Sir Edward auf, an der Seite von Lina Carstens in der Titelrolle sah man ihn als Heimleiter Johannes Körner in der preisgekrönten Sozialkomödie "Lina Braake"1) (1975) → Übersicht Filmografie.

Herbert Bötticher, der seit den letzten Jahren den Schwerpunkt seines Schaffens fast ausschließlich beim Theater sah, stand regelmäßig auf der Bühne und begeisterte mit humorvollen Stücken das Publikum. So beispielsweise in jüngerer Zeit mit der Komödie "Vielleicht – vielleicht auch nicht" von Bernhard Slade1), die von Bötticher übersetzt wurde, bei der er Regie führte und in der er neben Doris Gallart1) (1936 – 2018), mit der er seit 1983 in zweiter Ehe sein Leben teilte, die Hauptrolle spielte. Darüber hinaus tourte das Paar seit Mitte der 1980er Jahre sehr erfolgreich mit Lesungen durch Deutschland und Österreich und brachte Texte von Wilhelm Busch1) und Mark Twain1) sowie Märchen zu Gehör. Sowohl vom Publikum als auch den Kritikern wurden die Programme "Liebe ist besser als Krieg" (1985 – 1987), "Rettet Euch mit Wilhelm Busch!" (1988 – 1993), "Aus den Tagebüchern von Adam und Eva" von Mark Twain und "Wunderbare Märchenwelt – Die Welt der Märchen" sowie das Weihnachtsprogramm "Es begab sich aber zu der Zeit…" hoch gelobt. So schrieb unter anderem die "Süddeutsche Zeitung": "Der ganz besondere Reiz der Aufführung ergibt sich aus der bewussten Konfrontation von Dichtung und Wirklichkeit … Die begeisterten Zuhörer dankten den Künstlern immer wieder durch spontanen Beifall auf offener Szene und verabschiedeten Herbert Bötticher und Doris Gallart mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus auf ihrer Tournee."
 
Am 8. Oktober 2008 wurde der umtriebige Künstler mitten aus dem Leben gerissen, Herbert Bötticher erlag in einem Düsseldorfer Hotelzimmer seinem Herzleiden. Er hatte bis zuletzt am Düsseldorfer "Theater an der Kö" für das komödiantische Musical "Gigi"1) von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner nach der gleichnamigen Novelle von Colette1) geprobt, bei dem er Regie führte und an der Seite seiner Frau Doris Gallart die Rolle des Honoré Lachaille übernehmen sollte. Die für den 28. Oktober 2008 festgesetzte Premiere fand trotz des plötzlichen Todes von Bötticher statt, die Rolle des Honoré übernahm Volker Conradt. "Heute ist der traurigste Tag meines Lebens" sagte Doris Gallart nach der Premiere. Sie hatte das Erfolgsmusical im Sinne ihres Mannes zu Ende inszeniert. "Wir vollenden nur seine akribische Arbeit", betonte Gallart. Bötticher selbst habe sie wie im Eilschritt eigentlich schon fertig gestellt. "Ich musste sie nur noch polieren".5)
Eine Woche zuvor hatten am 20. Oktober 2008 die Familie, Fans und Kollegen in der Düsseldorfer "Johanneskirche"1) Abschied von Herbert Bötticher genommen. Neben Doris Gallart nahmen Böttichers Sohn und dessen Lebensgefährtin Abschied, auch einige Fans kamen in die Johanneskirche. Der Musiker Peter Horten1) hatte seinem Freund ein Gedicht geschrieben und spielte dazu auf der Gitarre. Auch Schauspielkollegen wie Bernd Herzsprung, Herbert Fritsch1), Claus Wilcke oder Dieter Prochnow1) waren gekommen sowie der Düsseldorfer Modeschöpfer Hanns Friedrich. Der Sarg wurde nach der Trauerfeier vom Martin-Luther-Platz Richtung Hannover gebracht, dem Geburtsort von Herbert Bötticher. Dort sollen seine Überreste in einem Urnengrab beigesetzt werden.6) → Nachruf bei www.welt.de. Ein Foto der Grabstelle auf dem Stadtfriedhof Hannover-Lahe1) findet man bei knerger.de.
 
Herbert Bötticher, der seit Jahrzehnten im München lebte, machte sich wegen seiner enormen künstlerischen Bandbreite nicht nur als Schauspieler, Regisseur und Rezitator einen Namen, auch als Sprecher, oft in Krimis und verschiedenen Kinderhörspielen, wird er in Erinnerung bleiben; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. Darüber hinaus vermittelte er seine Erfahrungen dem schauspielerischen Nachwuchs, zwischen 1961 und 1969 unterrichtete er an der "Falckenberg-Schule"1) in München. 
Rund sechs Wochen nach seinem plötzlichen Tod konnten die Fernsehzuschauer den beliebten Künstler noch einmal  in einer seiner letzten Fernsehrollen sehen. In der am 21. November 2008 ausgestrahlten Folge "Gute Geschäfte"3) aus dem Dauerbrenner "Der Landarzt"1) mimte Bötticher als Herwig Pachulla den Bewohner einer Seniorenresidenz, der von einem Betrüger erpresst wird.
Erwähnt werden sollte, dass sich Bötticher seit frühester Jugend intensiv mit der Zauberkunst beschäftigte. Er veröffentlichte dazu Artikel in Zauberfachzeitschriften und trat gelegentlich bei Zauberveranstaltungen auf. 1987 moderierte er zusammen mit seiner Ehefrau Doris Gallart, die ZDF-Sendung "Sie werden es nicht für möglich halten …", in der Ausschnitte der Auftritte von Siegfried & Roy1), David Copperfield1), Mark Wilson1) und anderen Zauberkünstlern zu sehen waren → www.zauber-pedia.de.
Siehe auch Wikipedia, filmportal.de sowie
ein Interview (1988), veröffentlicht bei www.kultur-fibel.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Die Krimihomepage, 3) fernsehserien.de, filmportal.de
Quelle: 5) Westdeutsche Zeitung (29.10.2008),  6) Westdeutsche Zeitung (21.10.2008)
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage, deutsches-filmhaus.de, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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