Pinkas Braun wurde am 7. Januar 1923 als Sohn jüdischer Emigranten in Zürich geboren. Schon früh entschied er sich für die Schauspielerei, brach mit 16 Jahren eine Lehre zum Kaufmann ab. Seine Ausbildung zum Schauspieler und Regisseur erhielt er am Schauspielhaus seiner Geburtsstadt sowie am dortigen Bühnenstudio. 1948 stand er in der Schweizer Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" auf der Züricher Bühne, gehörte bis 1956 zum Ensemble und arbeitete anschließend als freischaffender Schauspieler. In den folgenden Jahren spielte er an allen bedeutenden deutschsprachigen Theatern wie beispielsweise dem Wiener "Burgtheater" oder dem "Thalia Theater" in Hamburg und ging mit zahlreichen Stücken auf Tournee. Auf der Theaterbühne brillierte der Schauspieler in jüngerer Zeit als Antonio Salieri in Peter Shaffers Drama "Amadeus" sowie als Jago in Shakespeares "Othello" und als Shylock in "Der Kaufmann von Venedig", ebenfalls von Shakespeare.

Foto: © Werner Bethsold1)
Das Foto entstand 1982 während einer Hörspielproduktion.

Pinkas Braun 01; Copyright Werner Bethsold
Vor allem in zahllosen deutschsprachigen, aber auch internationalen Film- und Fernsehproduktionen avancierte Pinkas Braun zu einem gefragten Charakterdarsteller. Sein Leinwanddebüt gab der Schauspieler 1955 als Kommissar Engelbrecht in Helmut Käutners Drama "Himmel ohne Sterne"1), drei Jahre später sah man ihn als Siegfried Stein in Kurt Hoffmanns Satire "Wir Wunderkinder"1). In Bernhard Wickis "Das Wunder des Malachias"1) übernahm er 1961 die Rolle des Christian Krüger und ein Jahr darauf zeigte er sich in Ladislao Vajdas Siegfried Lenz-Adaption "Das Feuerschiff"1) als Funker Philippi. In den beliebten Wallace-Krimis der 1960er Jahre wurde der markante Schauspieler, der mit seinem Äußeren stets etwas Undurchsichtiges und Geheimnisvolles ausstrahlte, gerne besetzt: 1962 mimte er in "Das Rätsel der roten Orchidee"1) den leidenschaftlichen Orchideensammler Edwin Tanner, in "Die Tür mit den sieben Schlössern"1) den unheimlichen Dr. Antonio Staletti. 1963 schlüpfte er in "Der Fluch der gelben Schlange"1) in die Maske des schlitzäugigen, durchtriebenen Fing-Su, 1966 war er der Alan Davis in "Der Bucklige von Soho"1), 1968 der Mr. Scott in "Im Banne des Unheimlichen"1). Auch in anderen Thrillern verkörperte er den zwielichtigen, abgründigen Typus, etwa in "Wartezimmer zum Jenseits"1) (1964) nach James Hadley Chase, wo er neben Götz George und Hildegard Knef zu sehen war.
 
Im Verlaufe seiner Karriere als Schauspieler zeigte Pinkas Braun mit vielen Kinofilmen seine darstellerische Bandbreite und auch für die Fernsehzuschauer wurde er zur unverzichtbaren Größe. Zu seinen mehr als 150 Fernsehrollen zählten TV-Adaptionen moderner Klassiker ebenso wie Krimis und Unterhaltungsfilme. Er verkörperte beispielsweise 1959 den Iwan Kaliajew in Albert Camus' "Die Gerechten" oder war in Jean Girodoux's "Um Lukretia" zu sehen. In dem ZDF-Straßenfeger "Der Tod läuft hinterher"2) (1963) tauchte er als undurchsichtiger John Evans auf, in der Helmut-Ringelmann-Produktion "Jörg Preda"3) kam er 1966 dreizehn Folgen lang als der gleichnamige Journalist bzw. Reiseschriftsteller daher, der bei seinen Reportagen immer wieder in Kriminalfälle verwickelt wird; die vom WDR produzierte Vorabendserie wurde zwischen 1977 und 1980 als "Jörg Preda berichtet" mit zwei weiteren Staffeln neu aufgelegt.
Pinkas Braun als Minister Schlieffen in "Der Winter, der ein Sommer war"; Foto zur Verfügung gestellt von "pidax film"

In nachhaltiger Erinnerung ist Pinkas Braun mit der Figur des skrupellosen Sir Percival Glyde in der mehrteiligen Wilkie Collins-Verfilmung "Die Frau in Weiß"2) (1971) neben Heidelinde Weis in der Titelrolle geblieben, sowie als Minister Schlieffen in dem historischen Dreiteiler "Der Winter, der ein Sommer war"2) (1976) nach dem Roman von Sandra Paretti. In den 1980er Jahren wirkte er beispielsweise in der TV-Serie "Jauche und Levkojen"2) nach Christiane Brückners Roman-Trilogie "Nirgendwo ist Poenichen" (1980) mit, welches das Schicksal der pommerschen Gutsbesitzerfamilie von Quindt in der Zeit von 1918 bis 1945 beschreibt, oder war mit der Figur des Dr. Rabenhorst in der Verwechslungskomödie "Vertrauen gegen Vertrauen" (1986) an der Seite von Inge Meysel zu sehen.
 
 
Foto: Pinkas Braun als Minister Schlieffen in "Der Winter, der ein Sommer war"
Foto zur Verfügung gestellt von "Pidax film"

In der beliebten Familienserie "Alle meine Töchter"1) trat Pinkas Braun er zeitweilig Mitte der 1990er Jahre als Julius Heine auf, 1996 besetzte man ihn beispielsweise in dem Wallace-Remake "Die Katze von Kensington"1) als Mr. Goldman. In seinen letzten Lebensjahren machte sich Pinkas Braun eher rar auf dem Bildschirm, unter anderem sah man ihn in dem Abenteuer "Singapur-Express – Geheimnis einer Liebe"4) (2002) neben Barbara Wussow und Daniel Morgenroth mit der Rolle des Friedrich Jacobus, zuletzt mimte in der Episode "Botschaft aus dem Grab" (2003) aus der Kult-Serie "Adelheid und ihre Mörder"1) den Verleger Friedrich Kunstmann.
Seinen ersten Schweizer Kinofilm drehte er im Jahre 2000 und übernahm in Markus Imbodens unterhaltsamen Komödie "Komiker"1) den Part des Max Wiederkehr und wurde 2001 für den "Schweizer Filmpreis" als "Bester Darsteller" nominiert. Zuletzt sahen die Kinobesucher Pinkas Braun als 126-jährigen Zauberer Tartov in dem turbulenten Kinderfilm "Verzauberte Emma oder Hilfe, ich bin ein Junge"5) (2002) auf der Leinwand → www.br.de.

Der Charakterschauspieler war überdies ein exzellenter Sprecher, der in zahlreichen Hörspielproduktionen mit seiner markanten Stimme nachhaltigen Eindruck hinterließ, so beispielsweise als William von Baskerville in Umberto Ecos Bestseller "Der Name der Rose". Als Theaterregisseur machte sich der Künstler ebenfalls einen Namen, Pinkas Braun übersetzte Theaterstücke ins Deutsche, übertrug seit 1959 exklusiv sämtliche Werke von Edward Albee in die deutsche Sprache.
Darüber hinaus erfreute Pinkas Braun das Publikum mit Dichterlesungen, die er oft gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Ingrid Resch1) abhielt.
In den letzten Jahren hatte sich Braun verstärkt seinen Erinnerungen gewidmet, die erst wenige Monate vor seinem Tod im Februar 2008 unter dem Titel "Vorspiel. Eine Jugend – ein Bühnenleben" erschienen waren. Hierin erzählt Pinkas Braun von seiner Kindheit, aber auch seiner Gefährdungen als jüdischer Junge in Zürich während des Krieges. Er lässt den Leser an seinem bewegten Leben und seiner Leidenschaft für die Bühne teilhaben, erzählt kurzweilig von seiner Ausbildung zum Schauspieler sowie Begegnungen mit vielen namhaften Künstlern. "Von berührender Zartheit, reich an Lebensweisheit und dramatischen Ereignissen ist seine Geschichte auch das Zeugnis eines Verschonten." heißt es unter anderem in der Anzeige des Verlages "Nagel & Kimche". Tilmann P. Gangloff schrieb im "Südkurier" (25.06.2008): "Die Memoiren fesseln, weil sich Braun so ausgezeichnet darin verstand, jene Jahre und vor allem das Gefühl dieser Zeit wieder zum Leben zu erwecken. Man wird förmlich in die Lebensgeschichte hineingesogen."
 
Pinkas Braun, der im deutschsprachigen Raum zu den vielseitigsten und gefragtesten Charakterdarstellern der Nachkriegszeit zählte, starb am 24. Juni 2008 im Alter von 85 Jahren nach längerer Krankheit in München; er hinterließ zwei Kinder aus zwei Ehen. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof der "Liberalen Jüdischen Gemeinde" in München.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Pinkas Braun 02; Copyright Virginia Shue
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) Die Krimihomepage, 4) prisma.de, 5) filmportal.de
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de
  
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(Link: Wikipedia, filmportal.de)
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