Norina Gilli (Maria Carmi) als Kind in Florenz;  Urheber: Unbekannt; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia (aus "Bündner Kalender 2010"); Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Maria Carmi wurde am 3. März 1880 als Norina Gilli als Tochter eines Konditors im italienischen Florenz geboren; ihr aus Graubünden (Schweiz) stammende Vater Luigi Gilli war mit seiner Frau Emma Troll nach Italien ausgewandert. Nora war das jüngste von fünf Geschwistern, verlebte ihre Kindheit und Jugend in ihrer Geburtsstadt und Fiesole. Schon früh interessierte sie sich für das Theater, dass später auch ihre eigentliche Domäne blieb.
Zwischen 1907 und 1909 erlernte Maria Carmi ihr darstellerisches Rüstzeug in Berlin an der Schauspielschule von Max Reinhardt1) (1873 – 1943), gehörte auch für kurze Zeit zu dessen Ensemble. Ab 1911 wirkte sie überwiegend an Bühnen im Ausland wie unter anderem in Florenz, London und Paris.
Ihr Bühnendebüt hatte Maria Carmi anlässlich der Weltpremiere von "The Miracle"1) (Das Mirakel) am 23. Dezember 1911 in der Londoner "Olympia Hall" gegeben, einem wortlosen Stück mit integraler und begleitender Musik von Engelbert Humperdinck1) sowie zahlreichen Kirchenliedern und geistlichen Gesängen ihres Ehemannes, dem schwäbischen Dramatiker Karl Gustav Vollmoeller1) (1878 – 1948), den sie 1904 geheiratet hatte.
 
Foto: Norina Gilli (Maria Carmi) als Kind in Florenz
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons (aus "Bündner Kalender1) 2010")
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Die Handlung basiert auf einer mittelalterlichen Marienlegende, die in ihrer Urform bei Caesarius von Heisterbach im Dialogus miraculorum zu finden ist. Es geht um die Beziehung einer jungen Nonne zur Jungfrau Maria. Ein strahlender junger Ritter entführt die Nonne, für die damit eine Odyssee über mehrere Jahre beginnt, die mit zahlreichen Erniedrigungen und großem Leid angefüllt ist. Währenddessen vertritt die Jungfrau Maria die Nonne und versieht deren Dienst im Kloster. Als die Nonne schließlich gebrochen und gealtert zurückkehrt, tauschen Maria und sie ihre Rollen. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Legende spielt in Vollmoellers "Das Mirakel" das Jesuskind eine wichtige Rolle. Vollmoeller interpretiert die unbefleckte Empfängnis um, indem er das Baby der Nonne durch die Heilige Jungfrau an Kindes statt annehmen lässt.2)

Max Reinhardt inszenierte das Stück im September 1912 vor bis zu 30.000 Zuschauern mit einem Heer von über 2.000 Darstellern, Sängern, Chöre von bis zu 150 Mitgliedern, Tänzern und Unmengen von Statisten auf einer riesigen, ähnlich einem Amphitheater angeordneten Bühne. Ergänzt wurde der optische Eindruck von einer, durch Engelbert Humperdinck teilweise kongenial auf die Handlung abgestimmten musikalischen Untermalung. Das Orchester bestand aus bis zu 200 Mitgliedern, die teilweise von Humperdinck persönlich, teilweise von anderen, namhaften Dirigenten, so Modest Altschuler, dirigiert wurden.2)
Aufgrund des enormen Erfolgs des Singspiels wurde das Thema noch im Jahre 1912 unter der Regie von Cherry Kearton und Max Reinhardt mit Maria Carmi auf die stumme Leinwand gebannt. Reinhardt drehte die aufwändige österreichisch-deutsche Co-Produktion des mystischen Mimenspiels in der Umgebung von Wien und auf Burg Kreuzenstein, Vollmoeller selbst überarbeitete sein rund vierstündiges Werk und kürzte es auf zwei Stunden. Der Film "Das Mirakel"1) (1912), welcher am am 28. Dezember 1912 im Londoner Covent Garden "Royal Opera House" seine Weltpremiere feierte, gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen.
1913 folgte Reinhards filmische Adaption von Vollmoellers Stück "Eine venezianische Nacht"1), erneut mit Maria Carmi in der weiblichen Hauptrolle der Marchesina dei Bisognosi sowie Alfred Abel als Student Anselmus Aselmeyer, der einen wüsten Alptraum von Leidenschaft, Eifersucht und Tod durchlebt.
 

Foto: Maria Carmi in "Das Mirakel" (1912)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commos (aus "Bündner Kalender1) 2010")
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Maria Carmi in "Das Mirakel" (1912); Urheber: Unbekannt; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commos (aus "Bündner Kalender 2010"); Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Stolze Haltung, vornehme Erscheinung und ihre strenge Ausstrahlung in der Tradition der Theaterprimadonnen des 19. Jahrhunderts machten Maria Carmi zur idealen Darstellerin literarisch anspruchsvoller Melodramen.3) In den folgenden sechs Jahren drehte Maria Carmi noch verschiedene weitere Stummfilme, sowohl in Italien als auch in Deutschland. In ihrem Heimatland entstand unter der Regie von Nino Martoglio die Dramen-Adaption "Sperduti nel buio" (1914, Im ewigen Dunkel), der sie auch mit der Titelrolle in seiner Zola-Verfilmung "Teresa Raquin"1) (1915) besetzte, sowie die psychologisierende Literaturverfilmung "Retaggio d'odio" (1914, Die Tote / Im Taumel des Hasses), in dem Maria Carmi "im Gewand größter Leidenschaftlichkeit" agierte, wie es die Presse formulierte.
Maria Carmi als Grfin Marie und Conrad Veidt als Rolf in dem Ufa-Stummfilm "Weg des Todes" (1916) von Robert Reinert; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000861); aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 26) / Sammelwerk Nr. 10 bzw. Ross-Verlag 1935; Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf; Quelle: www.deutschefotothek.de In Deutschland entstanden für die "Deutsche Bioscop" unter anderem "Der Hermelinmantel"1) (1915), "Das Wunder der Madonna"1) (1915/16), "Der Fluch der Sonne"1) (1916), "Der Weg des Todes"1) (1916), "Der Pfad der Sünde" (1916), "Das Haus der Leidenschaften"4) (1916), "Für den Ruhm des Geliebten" (1916), "Das Spitzentuch der Fürstin Wolkowska"1) (1917) und "Memoiren der Tragödin Thamar" (1917).
 

Maria Carmi als Gräfin Marie und Conrad Veidt als Rolf
in dem Ufa-Stummfilm "Weg des Todes" (1916) von Robert Reinert1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000861)
aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film"
von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 26) / Sammelwerk Nr. 10 bzw. Ross-Verlag 1935
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Als Partnerin von Aud Egede Nissen und Olaf Fnss stand Maria Carmi für Otto Ripperts berühmten sechsteiligen "Homunculus"-Film vor der Kamera, spielte im 1. Teil "Die Geburt des Homunculus"1) und 4. Teil "Die Rache des Homunculus"1). Ihre beiden letzten deutschen Filme waren Robert Reinerts Kriminalgeschichte "Wenn Tote sprechen" (1917) sowie das Melodram "Rächende Liebe" (1918) von Regisseur Josef Stein.
Der Schriftsteller und Journalist Manfred Georg1) (1893 – 1965) beschreibt 1916 den Besuch in einem (nicht genannten) Carmi-Film: "Wenn Maria Carmi küßt, ist jede Pore ihres Körpers ein offenes Lippenpaar, wenn sie jubelt, dann züngelt die Freude wie eine weißsiedende Flamme in alle Fingerspitzen, wenn sie verzweifelt, zucken und winden sich alle Sehnen wie unter einem Schnitt in hellstem Schmerz. (…) Transalpinische Glut birst in strömenden Eruptionen hervor. Ihr scharfes, rasseadliges Profil zergliedert den Komplex eines Affekts in seine geheimnisvollsten Einzelheiten, mehr als es das gesprochene Wort je kann. Ihre Hände aber sind Märchenwunder. Sie leben ein Leben für sich, diese unendlich wissenden, schmalen Hände."5)
 
Obwohl nach italienischem Gesetz noch nicht rechtskräftig von ihrem Ehemann Karl Gustav Vollmoeller geschieden, heiratete Maria Carmi Mitte Mai 1917 während eines Gastspiels in Stockholm den georgischen Diplomaten Prinz Georges V. Matchabelli6) (1885 – 1935), mit dem sie schon seit einiger Zeit eine Affäre hatte und wurde somit zur Prinzessin Norina Matchabelli.3) Nach Ende des 1. Weltkrieges kehrte die Mimin nach Italien zurück und versuchte dort an ihre filmische Glanzzeit anzuknüpfen. Sie drehte dort noch zwei stumme Streifen, "Per il passato" (1920) sowie "Forse che s forse che no" (1921, Vielleicht, vielleicht auch nicht), eine Verfilmung Gaston Ravels nach dem Roman von Gabriele D'Annunzio, hatte damit jedoch keinen nennenswerten Erfolg mehr und konzentrierte sich nunmehr ausschließlich auf die Arbeit am Theater.
1924 fuhr Maria Carmi auf Einladung von Max Reinhardt in die USA und spielte dort in einer Neuinszenierung von "Das Mirakel" am "Century Theatre" in New York. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie dann 1924 die "Prince Matchabelli Perfume Company". Nach einer weiteren Tournee (1929) durch Detroit, Milwaukee, St. Paul und Dallas eröffnete sie eine Schauspielschule in New York.

1933 kam es zur Scheidung von Prinz Matchabelli, da Maria Carmi eine führende Jüngerin des Gurus Meher Baba und Mitbegründerin von dessen amerikanischen Niederlassungen wurde, unter anderem in Myrtle Beach.
Nach Matchabellis Tod 1935 erbte sie einen mehrstelligen Millionenbetrag, den sie Meher Baba schenkte. Norina Matchabelli wurde Meher Babas Sprachrohr, da dieser ein Schweigegelübde abgelegt hatte und nur mittels einer Tafel mit seiner Umwelt kommunizierte. Dank Norinas exzellenter Kontakte nach Hollywood, die diese durch ihren Exmann Karl Vollmoeller aufgebaut hatte, versuchte sie zwei Mal einen Film über Meher Baba in Hollywood drehen zu lassen. Beide Male gelang es Norina, ihren Exmann Vollmoeller für die Erarbeitung eines Drehbuches zu gewinnen. Beide Projekte, für die sich namhafte Künstler engagierten, scheiterten an den unrealistischen Vorstellungen und Einwänden Meher Babas. Die Kopien der Drehbücher gehören zu Vollmoellers Nachlass im "Deutschen Literaturarchiv Marbach".
Obwohl lebensbedrohlich erkrankt, lebte Norina viele Jahre in ärmlichsten Verhältnissen in Indien, bis der fortschreitende Krebs eine Behandlung in den USA erforderlich machte. Auch hier setzte sie sich noch intensiv vom Krankenbett aus für die Belange ihrer Sekte ein.
2)
 
Die italienische Theatermimin und Stummfilmlegende Maria Carmi starb am 4. August 1957 im Alter von 77 Jahren im kurz zuvor errichteten Glaubenszentrum in Myrtle Beach (South Carolina). Die Urne mit ihrer Asche wurde nahe des "Samadhi"-Schreins von Meher Baba in der Nähe der indischen Stadt Ahmednagar (Bundesstaat Maharashtra) beigesetzt. Die Grabinschrift trägt den Text" Princess Norina was and will ever remain Baba's" → www.findagrave.com.

Foto: Maria Carmi 1905
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commos (aus "Bündner Kalender1) 2010")
Urheber: Unbekannt; Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier

Maria Carmi 1905; Urheber: Unbekannt; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commos (aus "Bündner Kalender 2010"); Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Kurzportrait in Anlehnung an www.cyranos.ch sowie CineGraph, Lg 24
Siehe auch Wikipedia und karl-vollmoeller.de
Lizenz Fotos Maria Carmi: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Fremde Links: 1) Wikipedia (deutsch), 4) Murnau Stiftung, 6) Wikipedia (englisch)
2) Quelle: Wikipedia (abgerufen 09.07.2011)
3) karl-vollmoeller.de
5) Zitat nach Gütringer: "Kein Tag ohne Kino", Frankfurt 1984
Stummfilme
Filmografie: Internet Movie Database, filmportal.de sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung)
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