Norbert Christian wurde am 5. Dezember 1925 als Christian Hengst in Berlin geboren. Nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium entschloss er sich, Schauspieler zu werden und ließ sich ein halbes Jahr lang an der Schauspielschule von Helene Lackner entsprechend ausbilden. Ein erstes Engagement erhielt er 1943 am Stadttheater von Greifswald, gestaltete klassische Figuren wie den Sekretär Wurm in Schillers "Kabale und Liebe"1), trat aber auch in Komödien auf, beispielsweise als Lord Fancourt Babberly in der unverwüstlichen Farce "Charleys Tante"1) von Brandon Thomas. Zwischen 1949 und 1952 wirkte Norbert Christian am Rostocker "Volkstheater", interpretierte hier jugendliche Helden wie den Franz Moor in Schillers "Die Räuber"1) oder Shakespeares "Hamlet"1) und machte auch mit eigenen Inszenierungen auf sich aufmerksam.
1952 berief ihn Bertolt Brecht1) an sein im November 1949 gegründetes "Berliner Ensemble"1), wo der Schauspieler bis 1971 eine künstlerische Heimat fand, daneben gab er Gastspiele an der "Volksbühne" und am "Deutschen Theater". "Handwerklich und methodisch ist die Brecht-Schule bei Christian unverkennbar, der es die Pflicht des Schauspielers nennt, durch das Spiel beim Publikum das höchstmögliche Maß an Verständnis für die dargestellten Vorgänge zu entwickeln, indem er in der Darstellung der Figuren zugleich auch die Motive und Ursachen des Handelns vorführt." notiert CineGraph.**)
Am "Berliner Ensemble" erlebte man den Charaktermimen mit prägnanten Rollen in etlichen, viel beachteten Inszenierungen, etwa unter der Regie von Benno Besson als treuen Diener Sganarelle in Molières "Dom Juan"1) (1954) sowie in verschiedenen, vom Autor Brecht selbst in Szene gesetzten Schauspielen. Er gestaltete unter anderem den Lehrer in "Die Mutter. Leben der Revolutionärin Pelagea Wlassowa aus Twer"1) (1957; Co-Regie: Manfred Wekwerth1)) oder den Kardinal Inquisitor in "Leben des Galilei"1) (1957; Co-Regie: Erich Engel1)). Als Erich Engel 1960 "Die Dreigroschenoper"1) auf die Bühne brachte, glänzte Norbert Christian neben Wolf Kaiser1) (Macheath) und Regine Lutz1) (Polly) als "Bettlerkönig" Jonathan Jeremiah Peachum.
Zu seinen weiteren großen Bühnenrollen zählten der Herzog von Alba in Goethes Trauerspiel "Egmont"1), der spanische König Philipp II. in Schillers Drama "Don Karlos"1), der Mephisto in Goethes "Urfaust"1), der Schneidergesell Zwirn in Nestroys Zauberposse "Der böse Geist Lumpazivagabundus"1) sowie die Titelfigur in Zuckmayers Tragikomödie "Der Hauptmann von Köpenick"1) →: mehr zum Theater-Wirken bei Wikipedia.

Foto: Norbert Christian mit Ruth Berghaus1)
bei einem Empfang anlässlich der "Brechtwoche der DDR 1973"
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank,
Ausschnitt des Fotos: Bild 183-M0210-0039
Fotograf: Hartmut Reiche / Datierung: 10.02.1973 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung
innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv
Bild 183-M0210-0039 bzw. Wikimedia Commons

Norbert Christian mit Ruth Berghaus bei einem Empfang während der "Brechtwoche der DDR 1973"; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Ausschnitt des Fotos Bild 183-M0210-0039; Fotograf: Hartmut Reiche / Datierung: 10.02.1973 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-M0210-0039 bzw. Wikimedia Commons
Seit Anfang/Mitte der 1950er Jahre war Norbert Christian ein vielbeschäftigter Film- und Fernsehdarsteller. Auch wenn ihm, anders als auf der Bühne, nie die ganz große Hauptrolle vergönnt war, erreichte er dennoch schon früh auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm eine beachtenswerte Popularität. Seine erste Rolle vor der Kamera spielt er in "Die Unbesiegbaren"1) (1953) von Artur Pohl. Er gibt den schmächtigen, schüchternen Eisenbahnarbeiter Krause.2) In etlichen Kurzfilmen der satirischen "Stacheltier"-Reihe1) konnte er sein komödiantisches Talent voll ausleben, wurde mit prägnanten Nebenrollen in Literaturadaptionen, Krimis oder Gegenwartsstücken besetzt. Er gehörte beispielsweise als Reichsfreiherr Baron von Bergen zur prominenten Besetzung des hochgelobten TV-Fünfteilers "Wolf unter Wölfen"3) (1965; Regie: Hans-Joachim Kasprzik) nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada, verkörperte in "Ich – Axel Cäsar Springer"1) (1968), der propagandistisch gefärbten filmischen Biografie über den Verleger Axel Cäsar Springer1) (Horst Drinda), dessen Vater, den Verleger Hinrich Springer1).
Immer wieder zeigte Norbert Christan in Kinofilmen, TV-Mehrteilern, Serien und Einzelproduktionen seine darstellerische Vielseitigkeit, wurde für die "subtile und differenzierte Charakterisierung seiner Figuren"**) gerühmt. "Für die Filmarbeit behielt der Darsteller sein Prinzip bei – sich nicht festlegen zu lassen, seine Möglichkeiten in den unterschiedlichsten Aufgaben immer neu zu prüfen und zu erweitern. (…) Jede Gestalt hat ihre festen Umrisse, ist gestisch klar bestimmt – aber Christian vermag eben die Bedeutungssucht eines aufgeputzten Weltmannes in dem Widerspruch zwischen äußerer Erscheinung und innerem Wert so plastisch zu machen wie unauffällige, ein ganz klein wenig nervöse Intelligenz." schreibt unter anderem Christoph Funke (1974).*)

Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen arbeitete Christian, bekannt für seine einschneidend-markante Stimme, auch als Sprecher für Dokumentar- und Hörspiele – unvergessen u.a. als Papa Carlo in "Burattino"1) von Alexei Tolstoi –; eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Produktionen findet man hier am Ende des Artikels. Er spielte Schallplatten ein (u.a. Sprecher in "Aus "Preußens Gloria") und war auch im Synchron-Studio der DEFA tätig. Zu seinen letzten TV-Rollen zählte der Parteisekretär Gomolla in der fünfteiligen Literaturadaption "Daniel Druskat"3) (1976) nach dem Roman von Helmut Sakowski mit Hilmar Thate in der Titelrolle. Sein Part des Professors Dr. Friedrich Rankl in dem aufwendigen dreiteiligen Historien-Epos "Abschied vom Frieden" (1979) nach dem gleichnamigen Roman von F.C. Weiskopf musste aufgrund des überraschenden frühen Todes umbesetzt werden. Norbert Christians Rolle des Dr. Friedrich Rankl wird – einmalig in der Filmgeschichte – von Erwin Geschonneck weitergespielt, so daß beide Schauspieler abwechselnd in der selben Rolle zu sehen sind.*)
 
Norbert Christan starb – rund zwei Wochen nach seinem 51. Geburtstag – am 18. Dezember 1976 in Berlin (Ost). Die letzte Ruhe fand der 1961 mit dem "Kunstpreis der DDR" und noch kurz vor seinem Tod 1976 mit dem " Nationalpreis II. Klasse" geehrte Schauspieler auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Grablage: Nische a. 8 Urn.Abt-4a II) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Er war in erster Ehe mit der Schauspielerin und Autorin Myriam Sello-Christian (geborene Christine Hackenthal) verheiratet und zuletzt mit der Schauspielerin Erdmute Schmidt-Christian (geb. 1943); aus der ersten Ehe stammte der Schauspieler und Synchronsprecher Michael Christian1) (1947 – 2006).

Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, DEFA-Stiftung, www.defa-sternstunden.de, www.berlin.friedparks.de sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 6**)
*) F.-B. Habel & Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1999, S. 53/54)
**) CineGraph LG 6 mit der Quelle: Christoph Funke: Norbert Christian. In: Renate Seydel "Schauspieler" (Berlin/DDR: Henschel 1966, S. 21–24;
2. erw. Aufl. 1974, S. 37–40; 3. erw. Aufl. 1976, S. 38–41)
Link: 1) Wikipedia, 3) fernsehserien.de
2) Quelle: DEFA-Stiftung
Filme
Kinofilme / Das Stacheltier-Kurzfilme / Fernsehen (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, defa.de,  filmportal.de, defa-stiftung.de, fernsehserien.de, fernsehenderddr.de)
Kinofilme Das Stacheltier (Kurzfilme) Fernsehen (Auszug)
  
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung) bzw. Wikipedia) 
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