Vilma Degischer (Wilhelmine Anna Maria Degischer) wurde am 17. November 1911 Tochter eines Departementchefs und Hofrates in Wien geboren. Nach dem Besuch einer Höheren Schule ließ sie sich zunächst in Ausdruckstanz und klassischem Ballett bei Grete Gross, Gertrude Bodenwieser1) (1890 – 1959) und Ellinor Tordis ausbilden, da sie Tänzerin werden wollte. Doch dann entschied sie sich anders, besuchte das Wiener "Max Reinhardt Seminar"1) und erlernte dort ihr Handwerk als Schauspielerin. Noch vor ihrem erfolgreichen Abschluss gab sie ihr Bühnendebüt als Hermia in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum"1) bei Max Reinhardt1) am "Deutschen Theater"1) in Berlin. Nach Beendigung ihrer Ausbildung wurde Vilma Degischer an die "Reinhardt-Bühnen" in Wien und Berlin verpflichtet, sie brillierte bei den "Salzburger Festspielen"1) – erstmals 1930 als Kammerjungfer Sophie in Reinhardts Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe"1) an der Seite von Paula Wessely (Luise) und Paul Hartmann (Ferdinand) – sowie zwischen 1935 und 1938 am Wiener "Volkstheater"1), avancierte rasch zu einer renommierten Schauspielerin. Ab 1939 fand sie ihre künstlerische Heimat am Wiener "Theater in der Josefstadt"1), dem sie zeitlebens verbunden blieb.

Vilma Degischer 1944 am "Theater in der Josefstadt"
als Sigrid in "Sophienlund" von Helmut Weiss/Fritz von Woedtke
Regie: Bruno Hübner, Premiere: 30.05.1944
→ josefstadt.org sowie (Inhalt) Verfilmung 19432)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: Lucca Chmel (Datierung: 31.05.1944)
© Lucca Chmel / ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer 156.585 – B)

Vilma Degischer 1944 am "Theater in der Josefstadt" als Sigrid in "Sophienlund" von Helmut Weiss/Fritz von Woedtke; Regie: Bruno Hübner, Premiere: 30.05.1944; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Lucca Chmel (Datierung: 31.05.1944); Copyright Lucca Chmel / ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer 156.585 – B)
Vilma Degischer 1949; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Photo Simonis (Datierung: 19.04.1949); Copyright Photo Simonis / ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer SIM 213) Hier glänzte sie als charmante Konversationsschauspielerin mit Eleganz, Noblesse und Sprachkultur im Rollenfach der Salondame und Charakterheroine vor allem in Stücken von Arthur Schnitzler1), Hugo von Hofmannsthal1), Jean Anouilh1) und Franz Grillparzer1). Sie beherrschte das Rollenfach der Klassiker von Shakespeare1) und Goethe1) ebenso wie Frauenfiguren in den Schauspielen von Ibsen1) und Tschechow1) bis hin zu Pirandello1). So beeindruckte sie beispielsweise als Helene Altenwyl in Hofmannsthals "Der Schwierige"1), als Generalin in Anouilhs "Der Walzer der Toreros" oder als Eleonore von England1), in Grillparzers "Die Jüdin von Toledo"1). Zu ihren weiteren herausragenden Bühnenrollen – es sollen über 400 gewesen sein – zählten unter anderem die Marie, Frau des Pianisten Gustav Heink, in Hermann Bahrs Lustspiel "Das Konzert"1), die Mutter Carmen in Federico García Lorcas volkstümlichen Romanze "Maria Pineda"1), die Lady Chiltern in der Oscar Wilde-Komödie "Ein idealer Gatte"1), die Gräfin Ostenburg in Christopher Frys1) "Das Dunkel ist licht genug", die Natalja Iwanowna in Tschechows "Drei Schwestern"1) oder die Michaline, Tochter des Titelhelden, in dem Drama "Michael Kramer"1) von Gerhart Hauptmann.
 
 
Porträt Vilma Degischer 1949
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: Photo Simonis (Datierung: 19.04.1949) 
© Photo Simonis / ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer SIM 213)
Das Salzburger Festspielpublikum konnte die Wienerin nach ihrem genannten Debüt wiederholt bewundern: Ebenfalls 1930 gab sie die Mary in der Farce "Victoria" von William Somerset Maugham1) mit Lili Darvas1) in der Titelrolle, 1931 die Huberta in "Der Schwierige"1) von Hugo von Hofmannsthal1) mit Gustav Waldau als Hans Karl Bühl und die Lucie in Goethes "Stella"1), gespielt von Helene Thimig. Zwischen 1934 und 1937 gestaltete Vilma Degischer Gretchens Bekannte Lieschen in Goethes "Faust I"1) mit Ewald Balser als Faust sowie Raoul Aslan (1934/1935) bzw. Franz Schafheitlin (1936) und Werner Krauß (1937) als Mephistopheles – jeweils Inszenierungen von Max Reinhardt. Nach dem Krieg sah man sie 1949 als Sophie Guilbert in Goethes "Clavigo"1) neben Protagonist Will Quadflieg (Regie: Ernst Lothar1)), rund drei Jahrzehnte später gab sie 1970 die Gräfin in der Komödie "Figaro lässt sich scheiden"1) von Ödön von Horváth1)  (Regie: Oscar Fritz Schuh1)). Jedermanns Mutter interpretierte sie 1973, 1974 und 1976 im "Jedermann"1) von Hugo von Hofmannsthal, jeweils in Inszenierungen von Ernst Haeusserman1) mit Curd Jürgens in der Titelrolle. In "Der Talisman"1), der Posse mit Gesang von Johann Nestroy, glänzte sie 1976 sowie 1978 bis 1980 in den Inszenierungen von Otto Schenk als Frau von Cypressenburg – Helmuth Lohner gab den Titus Feuerfuchs. Zuletzt erlebte man Vilma Degischer in Salzburg 1988 in dem Drama "Hochzeit" von Elias Canetti1), hier spielte sie unter der Regie von Axel Corti1) die alte Hausbesitzerin Gilz.
Am "Theater in der Josefstadt" spielte Vilma Degischer in den 1980er Jahren, nun im "reiferen Fach", viele schöne Rollen, zu nennen sind beispielsweise
(Fremde Links: Wikipedia, R = Regie, UA = Uraufführung, P = Premiere)
Vilma Degischer um 1970; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Alfred Cermak; Copyright Alfred Cermak/ ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 120/4)

Ihre vielseitige Schauspielkunst bewies Vilma Degischer zudem in Musicals wie "Gigi"1) oder "Feuerwerk"1) sowie in verschiedenen Spiel- und Fernsehfilmen. Zu ihrem 75. Geburtstag schrieb die "Schwäbische Zeitung" am 15.11.1986: "Vilma Degischers nicht nachlassender Zauber besteht wohl darin, dass sie die Grenzen zwischen Darstellerin und Dargestelltem auf immer neue Art vergessen lässt. Und mit dem Geheimnis dieser Transfusion weckt sie auch eine Blutsverwandtschaft zwischen Bühne und Parkett: das Familiäre im Theater." Charakteristischerweise war sie die erste, nicht am "Burgtheater" wirkende Schauspielerin, die mit dem Titel einer Wiener "Kammerschauspielerin"1) geehrt wurde.
 
Seit Ende der 1940er Jahre übernahm Vilma Degischer auch vereinzelt Aufgaben im Film: Ihr Leinwanddebüt hatte sie bereits 1931 mit einem kleinen Part in dem Wiener Volksstück "Die große Liebe"1) gegeben, 1948 spielte sie die Jüdin Suzette Alberti in dem Drama "Das andere Leben"2). In den 1950ern erlebte man sie beispielsweise in der legendären "Sissi"-Trilogie über Elisabeth von Österreich-Ungarn1) mit Romy Schneider, so in "Sissi"1) (1955), "Sissi – Die junge Kaiserin"1) (1956) und "Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin"1) (1957) als Erzherzogin Sophie1) und gestrenge Mutter von Kaiser Franz Josef1) (Karlheinz Böhm). In der Franz Werfel-Verfilmung "Der veruntreute Himmel"1) war sie 1958 die Livia Argan, 1963 in Otto Premingers "The Cardinal"1) (Der Kardinal) die Schwester Wilhelmina oder 1965 in Géza von Radvanyis Literaturadaption "Onkel Toms Hütte"1) die Mrs. Shelby. 
 
Vilma Degischer um 1970
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: Alfred Cermak → Bildarchiv Austria
© Alfred Cermak/ ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer CE 120/4)

1963 verkörperte sie in dem musikalischen Disney-Biopic "Liebe im 3/4-Takt"1) (The Waltz King) die Mutter des jungen Johann Strauss1) (Kerwin Mathews1)), spielte im Fernsehen zwei Jahre später in John Oldens mit Stars wie Attila Hörbiger, Christiane Hörbiger, Paul Verhoeven oder Fritz Muliar hochkarätig besetztem Drama "An der schönen blauen Donau"3), der Geschichte eines jungen Paares in den letzten Stunden vor dem Naziputsch, die Ehefrau von Oberst Schantl (Erik Frey). Vilma Degischer stand beispielsweise für die ORF-ZDF-Produktion "Mich wundert, dass ich so fröhlich bin" (1983) nach dem gleichnamigen Simmel-Roman als Therese Reimann sowie für den Fernsehfilm "Trostgasse 7" (1989) vor der Kamera. Zu ihren letzten Arbeiten für das Fernsehen zählt die Figur einer tanzenden alten Dame in der österreichischen, sechsteiligen Filmbiografie "Die Strauß-Dynastie"1) (1992). Darüber hinaus konnten sich die Fernsehzuschauer seit Ende der 1950er Jahre in etlichen Theateraufzeichnungen von ihrem facettenreichen Spiel überzeugen → Übersicht Filmografie.

Vilma Degischer als Adele Schönfeldt mit Hans Holt
als amerikanischem Häusermakler Curtis
in dem TV-Spiel "Nachsaison" (1962) nach der
Komödie von Herbert Asmodi1); Regie: Rainer Wolffhardt1)
→ Infos zum Inhalt siehe hier
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Vilma Degischer als Adele Schönfeldt mit Hans Holt als amerikanischem Häusermakler Curtis in dem TV-Spiel "Nachsaison" (1962) nach dem gleichnamigen Drama von Herbert Asmodi; Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
"Studio Wien" des US-amerikanischen Besatzungssenders "Rot-Weiß-Rot": Aufnahmen für die Sendereihe "Die Radiofamilie". Von links nach rechts, stehend: Guido Wieland (Onkel Guido Floriani), Elisabeth Markus (Tante Liesl), Vilma Degischer (Ehefrau Floriani), Hans Thimig (Dr. Hans Floriani), Helli Servi (Gymnasiastin Hanni) und im Vordergrund Wolf Harranth (anfangs Peter, später Sohn Wolferl); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Autor: United States Information Service (USIS); Copyright USIS/ ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 23.562) Erwähnt werden sollte, dass die Charaktermimin in der beliebten, zwischen dem 2. Februar 1952 und 25. Juni 1960 fast jede Woche gesendeten Hörfunkreihe "Die Radiofamilie"1) als Ehefrau von Oberlandesgerichtsrat Dr. Hans Floriani (gesprochen von ihrem Schwager Hans Thimig) mitwirkte. Erzählt wurde vordergründig der Alltag der bürgerlichen Wiener Familie Floriani in der fiktiven "Taubengasse" unweit der am zentrumsseitigen Rand des bürgerlichen Bezirks Josefstadt bestehenden Landesgerichtsstraße. Die Sendung lief in 351 halbstündigen Folgen anfangs beim dem US-amerikanischen Besatzungssender "Rot-Weiß-Rot"1) und ab 1955 im Österreichischen Rundfunk1) (ORF). 
 
"Studio Wien" des US-amerikanischen Besatzungssenders "Rot-Weiß-Rot":
Aufnahmen für die Sendereihe "Die Radiofamilie". Von links nach rechts, stehend:
Guido Wieland1) (Onkel Guido Floriani), Elisabeth Markus (Tante Liesl),
Vilma Degischer (Ehefrau Floriani), Hans Thimig (Dr. Hans Floriani),
Helli Servi1) (Gymnasiastin Hanni) und im Vordergrund Wolf Harranth1)
(anfangs Peter, später Sohn Wolferl).
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Autor: United States Information Service1)  (USIS); Datierung: 20.02.1953
© USIS/ ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 23.562)
Während ihrer langen schauspielerischen Karriere wurde Vilma Degischer mehrfach ausgezeichnet: So erhielt sie neben ihrer Ernennung zur "Kammerschauspielerin" unter anderem die "Goldene Ehrenmedaille" der Stadt Wien"1), 1959 als erste Frau das Österreichische "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse"1) sowie 1972 die "Josef-Kainz-Medaille"1).
Hervorgehoben werden Degischers Vorzüge in Konversationsstücken, so ihre Eleganz, Noblesse, ihr Charme und ihre große sprachliche Meisterschaft.*) Sie galt als Verkörperung des legendären Josefstädter Stils aus musikalischer Sprachkultur und Haltung, die dort als "Contenance" bezeichnet wird.**)4)
  
Vilma Degischer, die von 1939 bis zu dessen Tod mit dem Schauspieler Hermann Thimig (1890 – 1982) verheiratet war, starb am 3. Mai 1992 im Alter von 80 Jahren in Wien; die letzte Ruhe fand sie in der Familiengrabstätte bzw. einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Sieveringer Friedhof1) (Abt. 2, Gruppe 13, Nummer 76) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
In seinem Nachruf schrieb Otto F. Beer1) in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ, 05.05.1992): "Es war immer etwas sehr Wienerisches in ihrer Gestaltung, eine Beherrschung von Sprache und Bewegung, die heute schon nicht mehr selbstverst&auiml;ndlich ist. So blieb sie bis zuletzt ein Denkmal jenes Josefstädter Stils, um den man sich heute vielleicht schon wieder ein wenig bemüht und der doch so schwer zu definieren ist. Noblesse und graziöse Leichtigkeit gehören dazu, und die hat Vilma Degischer virtuos verkörpert."5)
Aus ihrer Verbindung mit Hermann Thimig stamm(t)en die Töchter Hedwig (geb. 1939) sowie Johanna (geb. 1943), die ebenfalls eine renommierte Schauspielerin wurde; Johanna Thimig1)  starb am 22. November 2014 im Alter von 71 Jahren in Wien.
Siehe auch Wikipedia, geschichtewiki.wien.gv.at
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) Die Krimihomepage
4) Quelle: Wikipedia (nach *) Wolfgang Beck: Degischer, Vilma. In: Theaterlexikon 2. 2007, S. 144. und **)  Weinzierl in Frankfurter Allgemeine Zeitung 22. November 1999, zitiert nach: Wolfgang Beck: Degischer, Vilma. In: Theaterlexikon 2 (2007, S. 144)
5) Quelle: "Henschel Theaterlexikon",  Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 152)
     
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