Hans-Helmut Dickow wurde am 14. April 1927 im sächsischen Dresden1) geboren. Nach Ende des 2. Weltkrieges begann er ein Studium am Konservatorium seiner Geburtsstadt, später wechselte er an die dortige "Hochschule für Musik und Theater" und ließ sich unter anderem von Erich Ponto (1884 – 1957) und Paul Hoffmann (1902 – 1990) zum Schauspieler ausbilden. Bereits während dieser Zeit war er am "Staatsschauspiel Dresden"1) engagiert, sein Bühnendebüt hatte er als Andres in Büchners "Woyzeck"1) gegeben. Weitere Verpflichtungen führten Dickow im Verlaufe der nächsten Jahre unter anderem nach Köln, wo er ab 1947 vier Jahre lang auf der Bühne stand, ab 1951 gehörte er bis 1955 zum Ensemble des "Schauspielhaus Zürich"1), dem er bis Anfang der 1970er Jahre durch regelmäßige Gastspiele weiterhin verbunden blieb. 
Seit 1955 war der Dickow Ensemblemitglied des "Württembergischen Staatstheaters"1) in Stuttgart, das er 1969 verließ, um als freier Schauspieler zu arbeiten – seit 1972 fast ausschließlich für das Fernsehen.
  

Foto: © Werner Bethsold1)
Das Foto entstand 1987 während einer Hörspielproduktion.

Hans-Helmut Dickow; Copyright Werner Bethsold
Zu den großen Rollen seiner Theaterkarriere zählten sowohl klassische als auch moderne Figuren, Dickow brillierte beispielsweise in Zürich unter der Regie Friedrich Dürrenmatts1) mit der Titelrolle in dessen Bearbeitung des Shakespeare-Dramas "König Johann"1) ebenso wie als Büchners "Woyzeck". Er beeindruckte das Stuttgarter Publikum als Dorfrichter Adam in Kleists "Der zerbrochne Krug"1) oder als Franz Moor in Schillers "Die Räuber"1), glänzte als Jean in Strindbergs "Fräulein Julie"1) oder als Robespierre1) in Büchners "Dantons Tod"1) – um nur einiges zu nennen.
 
Im Fernsehen übernahm Dickow ebenfalls viele bedeutende Rollen in Literaturverfilmungen, so etwa den Part des Attentäters Stepan Fjodorow in "Die Gerechten"2) nach dem gleichnamigen Drama1) von Albert Camus, den er unter der Regie Rolf Hädrichs1) sowohl 1959 als auch 1964 eindrucksvoll verkörperte. Rolf Hädrich besetzte ihn auch 1960 in dem Stück "Die Friedhöfe"2) nach der Erzählung von Marek Hłasko1), mit Klaus Löwitsch, Karin Baal und Paul Edwin Roth spielte er in dem Krimi "Der Mann aus Brooklyn"2) (1966). In Dieter Wedels legendärem Mehrteiler "Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims" (1972) mimte er herrlich den mürrischen Elektriker Freiwald, zeigte sich auch in der Fortsetzung "Alle Jahre wieder: Die Familie Semmeling"1) (1976), diesmal als Hotelgast bzw. gewiefter Pauschaltourist Hermann Abs.
Neben zahlreichen Auftritten in beliebten Krimi-Reihen wie "Derrick", "Der Kommissar", "SOKO 5113", "Ein Fall für zwei", "Der Alte" oder "Tatort" erlebte man den Charakterdarsteller Dickow in den nächsten Jahren in erfolgreichen Fernsehproduktionen wie beispielsweise unter der Regie von Claus Peter Witt als Straßenbahner Erich Goebel in der Serie "PS – Geschichten ums Auto"1) (1975) oder in "Oblomows Liebe"3) (1976) nach dem vierteiligen Roman "Oblomow"1) des russischen Romanciers Ivan Gontscharow1) als Sachar, treuer Diener des von Wolfgang Reichmann dargestellen Oblomow. Man sah Dickow in Witts Dostojewskij-Adaption "Die Dämonen"4) (1977), in "Dr. Katzenbergers Badereise" (1978) nach der Satire von Jean Paul1)
, in "Meister Timpe"5) (1980) nach dem Roman von Max Kretzer1), dem sechsteiligen, mit der Goldenen Kamera1) ausgezeichneten Drama "Tod eines Schülers" (1981), zu dem Robert Stromberger1) das Drehbuch geschrieben hatte, oder in dem ZDF-Weihnachtsmehrteiler "Silas" (1981).  In der Puppen-Serie "Die Fraggles"1) mimte er ab 1983 in der deutschen Fassung den menschlichen Wissenschaftler und Erfinder "Doc". Zu Dickows letzten Arbeiten für das Fernsehen zählt der Krimi "Tod eines Schaustellers"2) (1984) mit der Rolle des Kommissar Dressler sowie die "Tatort"-Folge "Pleitegeier"1) (1988) mit den von Manfred Krug und Charles Brauer gespielten Hamburger Kommissaren Stoever und Brockmöller1), wo er als Elektromeister Roland Krause, der einem rücksichtslosen Konkurs-Akrobaten auf den Leim gegangen ist, an der Seite von Heidi Kabel als seiner Filmehefrau einmal mehr seine schauspielerische Vielseitigkeit zeigen konnte.
Aufgaben für das Kino übernahm Hans-Helmut Dickow eher selten: Bernhard Wicki gab ihm eine kleine Rolle in seinem Meisterwerk "Das Wunder des Malachias"1) (1961), in "Das Einhorn"1) (1978), nach einem Roman von Martin Walser1), stand er für Peter Patzak vor der Kamera, in Reiner Kunzes Verfilmung des eigenen Buches "Die Wunderbaren Jahre"1) (1979) spielte er einen Direktor; 1986 zeigte er sich als Kriechwurz" in Jürgen Trösters Kinderkomödie "Whopper Punch 777" → Übersicht Filmografie.
 
Darüber hinaus war Dickow ein vielgefragter Sprecher in verschiedensten Hörspielproduktionen, gab beispielsweise den Richard Ferguson in dem achtteiligen Durbridge-Krimi "Paul Temple und der Fall Jonathan"1) (1954; mit René Deltgen als Paul Temple) oder den Hobbydetektiv Paul Cox in den jeweils vierteiligen zwei Staffeln von "Mein Name ist Paul Cox" (1956/1958) nach den Romanen "Gestatten, mein Name ist Cox"1) von Rolf und Alexandra Becker1). Neben zahllosen anderen für den Hörfunk konzipierten Produktionen – allein die ARD-Hörspieldatenbank weist über 600 Sendungen mit Dickow aus – sind auch die spannenden WDR-Radio Krimis "Karussell der Träume"6) (1983), "Glücksspiel"6) (1986) und "Zum Teufel mit Hiob"6) (1987) zu nennen, in denen Dickow mit seiner unverwechselbaren Stimme brillieren konnte. Eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.

Hans-Helmut Dickow, der bereits 1964 zum "Staatsschauspieler" ernannt worden war, starb am 18. Dezember 1989 im Alter von 62 Jahren in Stuttgart; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Waldfriedhof1) im Stadtteil Degerloch1)  → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Laut Wikipedia  wurde das Grab mittlerweile aufgelöst. Dickow war verheiratet und Vater eines Sohnes.
DER SPIEGEL (52/1989) notierte anlässlich des Todes von Dickow unter anderem: "Er war ein Dickschädel und hatte deshalb Erfolg. Mit buschigen Brauen, gefurchter Stirn und knurrendem Bariton gab er jeder Rolle raunzendes Profil (…) Im Fernsehen zählte er bald zu den meistbeschäftigten Mimen, mal tragisch, mal komisch, mal skurril."  
Siehe auch Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Die Krimihomepage, 3) filmportal.de, 4) fernsehserien.de, 5) deutsches-filmhaus.de, 6) ARD-Hörspieldatenbank
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, Die Krimihomepage, filmportal.de,
fernsehserien.de, deutsches-filmhaus.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch),
tls.theaterwissenschaft.ch, krimilexikon.de)
  
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