Gustav Diessl wurde am 30. Dezember 1899 als Gustav Karl Balthasar Diessl und Sohn des Altphilologen Professor Alois Diessl in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren. Bevor er eine Karriere als Schauspieler machte, hatte er an der Wiener Kunstgewerbeschule Bildhauerei und Malerei studiert; während des 1. Weltkrieges war er als Gebirgsjäger bei der k.u.k. Gebirgstruppe im Einsatz. Nach dem Krieg bzw. Rückkehr aus der Gefangenschaft begann er eine Ausbildung zum Bühnenbildner, brach diese jedoch ab. Er entdeckte seine Leidenschaft für das Theater und schloss sich 1919 zunächst einer Wanderbühne an, zwei Jahre später erhielt er ein Engagement an der "Neuen Wiener Bühne".
Gustav Diessl vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.virtual-history.com In den 1920er Jahren wurde für den Stummfilm entdeckt, nach eine kleineren Rollen in dem Abenteuern "Im Banne der Kralle" (1921) ging er Mitte der 1920er Jahre nach Berlin. Es folgten Aufgaben in Streifen wie "Das Gesetz der schwarzen Berge" (1928) oder dem Ehedrama "Abwege" (1928), dann besetzte ihn Georg Wilhelm Pabst als "Jack the Ripper" in dem inzwischen zum Klassiker gewordenen Stummfilm "Die Büchse der Pandora"1) (1929), nach dem Bühnenstück von Franz Wedekind. Mit Hauptrollen in "Mutterliebe" (1929) an der Seite von Henny Porten oder dem noch stummen Bergdrama "Die Weiße Hölle vom Piz Palü"1) (1929) mit Leni Riefenstahl als Partnerin avancierte Dissl zum Publikumsliebling.  – ein Film, der dann 1935 vertont wurde; außerdem entstand 1930 eine englische Tonfilmfassung mit dem Titel "The White Hell of Piz Palü": Diessl spielt darin einen Arzt, dessen junge Frau während einer gemeinsamen Kletterpartie in eine Gletscherspalte abstürzt, und der sich später selbst opfert, um einem in Bergnot befindlichen jungen Paar (Leni Riefenstahl, Ernst Petersen) das Leben zu retten. Diessls Darstellungskunst fiel aus dem Rahmen des Konventionellen, weil er reife, ruhige, grundverlässliche, oft jedoch etwas introvertierte oder komplexe männliche Charaktere mit Sex-Appeal spielte. In seiner Zeit war er der Prototyp des etwas schwierigen Mannes, der Frauen geradezu gegen seinen Willen anzieht, eben weil er so kompliziert und so schwer zu erobern ist. In "Die weiße Hölle vom Piz Palü" zum Beispiel verliebt Maria Majoni (Leni Riefenstahl) sich nur deshalb in ihn, weil er ein verbitterter Einzelgänger ist und sie als Frau zunächst kaum zur Kenntnis nimmt. Die Abgründigkeit seiner Charaktere sowie seine Undurchschaubarkeit hat Diessl andererseits oft auch zur Interpretation von Verbrechertypen qualifiziert.2)

Gustav Diessl vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.virtual-history.com; Angaben zur Lizenz siehe hier

Mit Lil Dagover drehte er "Die Ehe" (1929), mit Paul Hörbiger "Frauen am Abgrund" (1929) und "Die Drei um Edith" (1929), Georg Wilhelm Pabst besetzte ihn dann in seinem Anti-Kriegsdrama "Westfront 1918"1) (1930) – Diessls erstem Tonfilm. Anfang der 1930er Jahre erlebte man den Schauspieler mit tragenden Rollen in Filmen wie beispielsweise "Die Große Sehnsucht" (1930), "Leutnant warst Du einst bei deinen Husaren" (1930), "Das Gelbe Haus des King-Fu" (1931), "Menschen hinter Gittern"1) (1931) oder "Die Herrin von Atlantis"1) (1932). Mit Brigitte Helm agierte er in "Eine von uns" (1932), Fritz Lang besetzte ihn als Thomas Kent in "Das Testament des Dr. Mabuse"1) (1933), erneut mit Leni Riefenstahl stand er für das Abenteuer "SOS. Eisberg"1) (1933) vor der Kamera; siehe auch Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung. Das Drehbuch basiert auf Motiven der Hörspielvorlage von Friedrich Wolf, die den Absturz des Luftschiffes "Italia" im nördlichen Eismeer im Jahr 1928 und die sich daran anschließende internationale Rettungsaktion behandelt. Betont die Vorlage noch die Rolle des Funkverkehrs für die internationale Solidarität (die italienischen Havaristen werden schließlich durch einen sowjetischen Eisbrecher gerettet), so wird "SOS Eisberg" aus betont nationaler Perspektive erzählt: Eine deutsche Funkstation koordiniert die Suchaktion, ein deutscher Flieger bringt die Rettung.2)  
Auch hier wurde wegen der noch mangelnden Synchronisationstechnik mit "SOS Iceberg"3) eine englischsprachige Version gedreht, in der der US-amerikanische Filmstar Rod La Roque1) (1898 – 1969) den Part von Gustav Diessl übernommen hatte.

Auch international war Gustav Diessl ein vielgefragter Darsteller, er spielte in der Schweizer Produktion "Un de la montagne" (1934, Das Schicksal eines Verfemten) mit, in den 1940er Jahren kamen einige italienischen Streifen hinzu und auch ein kurzer Ausflug nach Hollywood gehört zu seiner Filmografie. Doch sein Metier blieb der deutschsprachige Film, so sah man ihn unter anderem als Serge Smrirnow in Paul Wegeners Flucht- und Liebesdrama "Der Weg nach Shanghai"1) (1936) zusammen mit Pola Negri, unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt glänzte er in dem exotischen Film "Die Liebe des Maharadscha" (1936), unter der Regie von Richard Eichberg in "Der Tiger von Eschnapur"1) (1938) und "Das Indische Grabmal"1) (1938). In Eduard von Borsodys historischem Abenteuerstreifen "Kautschuk"3) (1938) mimte er den Don Alonzo de Ribeira an der Seite von René Deltgen, einen weiteren "Don" in "Stern von Rio"3) (1940) mit La Jana.
Zu Gustav Diessls weiteren Arbeiten für das Kino zählen in den 1930er Jahren unter anderem das Melodram "Starke Herzen"3) (1937), die Komödie "Fortsetzung folgt"3) (1938) sowie die Krimis "Der Grüne Kaiser"3) (1939) und "Ich bin Sebastian Ott"3) (1939. Anfang der 1940er Jahre agierte er beispielsweise in dem antiserbischen Propagandastreifen "Menschen im Sturm"3) (1941) mit der Rolle des Alexander Oswatic, in Georg Wilhelm Pabsts Historienfilm "Komödianten"3) (1941) mit der Verkörperung des Herzogs von Kurland, in Gerhard Lamprechts Romanze "Clarissa" (1941) an der Seite von Sybille Schmitz und Gustav Fröhlich, in Harald Brauns Ibsen-Adaption "Nora"3) (1943) sowie in Veit Harlans berüchtigter Durchhaltefilm "Kolberg"1) (1945). Letztmalig erlebte man Diessl in G. W. Pabsts "Der Prozeß"1) (1948), mit dem Pabst einen Ritualmord-Prozess des Jahres 1882 thematisierte bzw. sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzte, sowie in Karl Antons Krimi "Ruf an das Gewissen"3) (1944/45) auf der Leinwand – ein Film der erst nach Diessls Tod am 3. Februar 1950 in die Kinos gelangte. 
Mit klaren Zügen, schwarzem Vollbart, Überzeugungskraft und feinnerviger Energie gestaltete der Abenteurer seine Rollen: Bergführer, Liebhaber, und Überlebenskünstler ebenso wie später seine Charakterrolle als Hausfreund in "Nora".5)

Gustav Diessl, der 1935 Erinnerungen zu seinem Expeditionsfilm "Der Dämon des Himalaja" (1935) veröffentlicht hatte, machte sich auch als Kunstmaler einen Namen. Der Schauspieler, der als Bergführer, Liebhaber und Überlebenskünstler, aber auch mit Charakterrollen in mehr als 35 Filmen überzeugen konnte, starb am 20. März 1948 nach zwei Schlaganfällen mit nur 48 Jahren in seiner Geburtsstadt Wien; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen "Döblinger Friedhof" → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
Er war in erster, kurzer Ehe mit Irmgard Amalie Wettach verheiratet, danach lebte er mehrere Jahre mit der Schauspielerin Camilla Horn4) (1903 – 1996) zusammen. 1938 heiratete er die berühmte Sopranistin Maria Cebotari4) (1910 – 1949), aus der Verbindung stammen zwei Söhne, die nach dem Tod von Cebotari (sie überlebte Diessl nur um wenig mehr als ein Jahr) von dem englischen Pianisten Clifford Curzon1) (1907 – 1982) und seiner Frau Lucille Wallace-Curzon adoptiert wurden.2)  
Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 73)
sowie von www.cyranos.ch; siehe auch Wikipedia; Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau-Stiftung, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
2) Wikipedia
5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 73
Lizenz Foto Gustav Diessl (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
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(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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