Frits van Dongen/Philip Dorn
Frits van Dongen wurde am 30. September 1901 als Hein van der Niet und jüngstes von zehn Kindern im holländischen Scheveningen geboren. Wie sein Vater, der Schuster Leendert van der Niet, machte auch Sohn Hein nach der Schule eine Lehre, um später Schuhmacher zu werden, seine heimliche Leidenschaft galt jedoch schon früh der Schauspielerei. Bereits mit 14 Jahren stand er auf der Bühne eines Amateurtheaters, bald schon entschied er sich ganz für die Profession des Schauspielers. Er studierte an der "Akademie der schönen Künste und Architektur" in Den Haag, nach verschiedensten Auftritten bei der renommierten Theatertruppe "De Haeghe-spelers" kam Frits van Dongen, wie er sich nun mit Künstlernamen nannte, etwa Ende der 1920er Jahre nach Berlin, im darauffolgenden Jahrzehnt tourte er unter anderem mit Anton Verheyens Truppe "Ensemble Stad en Lande" durch die Niederlande sowie die damalige Kolonie Niederländisch-Indien, das spätere Indonesien.
  
Etwa 1934 begann van Dongens Karriere beim Film, sein Leinwanddebüt gab er in dem Fischerdrama "Op hoop van zegen" (1934), vier weitere niederländische Produktionen wie die Heimkehrergeschichte "Op stap" (1935), der Kriegsfilm "De Big van het regiment" (1935), die Verwechslungskomödie "De Kribbebijter" (1935) und das Kolonialstück "Rubber" (1936) schlossen sich neben seiner Arbeit für das Theater an.
Inzwischen war der Schauspieler recht populär geworden und erhielt ein Angebot von der amerikanischen Filmgesellschaft "Warner Bros.", welches er jedoch ausschlug. Stattdessen übernahm er Aufgaben im deutschen und österreichischen Produktionen, tauchte als Maharadscha von Eschnapur in Richard Eichbergs Melodram "Der Tiger von Eschnapur"1) (1938) sowie der Fortsetzung "Das Indische Grabmal"1) (1938) auf und wurde über Nacht auch im deutschsprachigen Raum populär. Mit Marta Eggerth als Partnerin agierte der attraktive Schauspieler in dem Revuefilm "Immer wenn ich glücklich bin…!" (1938), Veit Harlan besetzte ihn in als Pariser Bezirksarzt Dr. Morot in dem Abenteuer "Verwehte Spuren"2) (1938) an der Seite von Kristina Söderbaum. Nach Karlheinz Martins Liebesfilm "Der Hampelmann" (1938) und der Rolle des jungen Angestellten Peter, der seinem eleganten Chef Paul (Wolf Albach-Retty) nach allerlei Verwechslungen die Wäscherin Steffi (Hilde Krahl) ausspannt, stand Frits van Dongen erneut für Veit Harlan vor der Kamera. Dieser hatte das Melodram "Die Reise nach Tilsit"2) (1939) nach einer Novelle von Hermann Sudermann inszeniert, Dongen mimte den jungen Fischer Endrik Settegast, der seine Angetraute (Kristina Söderbaum) mit einer eleganten polnischen Frau (Anna Dammann) betrügt.

Einem verlockenden Angebot aus Spanien konnte van Dongen dann nicht widerstehen, er sollte in einer geplanten Filmproduktion den Christoph Columbus verkörpern, unter der Bedingung, dass er englisch sprechen konnte. Zu diesem Zweck verließ der Schauspieler Europa, ging Mitte August 1939 nach Amerika, um die Sprache zu erlernen, wie es offiziell hieß. Ein hauptsächlicher Grund für seine Entscheidung war sicherlich, dass er mit seiner Familie Nazi-Deutschland verlassen wollte, um seine jüdische Frau, die Schauspielerin Marianne van Dam, zu schützen.
Aus dem geplanten Film wurde nichts, da in Europa wenig später der 2. Weltkrieg ausbrach. Dongen konnte jedoch in Hollywood Fuß fassen, wurde anfangs mit kleineren Rollen besetzt und drehte unter dem Pseudonym "Philip Dorn" meist Low-Budget-Streifen wie den Spionagethriller "Enemy Agent" (1940), das Abenteuer "Diamond Frontier" (1940) oder den Antinazi-Film "
Escape"1) (1940), wo er die Rolle des antinationalsozialistisch eingestellten KZ-Arztes Dr. Berthold Ditten verkörperte. Im Verlaufe der nächsten Jahre stand van Dongen für weitere Produktionen dieser Art mit tragenden Rollen vor der Kamera, mimte meist Männer jeglicher Nationalität, die mehr oder weniger offen gegen Nazi-Deutschland agierten. Zur Filmografie jener Jahre zählen beispielsweise Vincent Shermans Kriegsdrama "Underground" (1941) und die Figur des Eric Franken, dem führenden Kopf einer antifaschistischen Widerstandsgruppe in Berlin, der seinen Bruder Kurt (Jeffrey Lynn) von der Notwendigkeit überzeugt, gegen die Nazis zu kämpfen. Ähnlich gelagert war "Paris After Dark" (1943), mit John Wayne drehte van Dongen respektive Philip Dorn den Kriegsfilm "Reunion in France"1) (1942), in Louis Kings "Chetniks – The Fighting Guerillas" (1943) verkörpert er eindrucksvoll und charismatisch den Tschetnik-Führer General Draja Mihailovitch, der mit jugoslawische Partisanen gegen die Nazi-Besatzer kämpft. Doch auch in leichten Unterhaltungsfilmen ohne politischen Hintergrund fand der Schauspieler verschiedenste Aufgaben, mit dem legendären Johnny Weissmüller stand er für das Dschungelabenteuer "Tarzan's Secret Treasure"1) (1941, Tarzans geheimer Schatz) vor der Kamera, drehte mit Lana Turner, Judy Garland und Hedy Lamarr den Revuefilm "Ziegfeld Girl" (1941).
  
Nach Kriegsende trat van Dongen in dem eher seichten musikalischen Beziehungsdrama "I've Always Loved You" (1946, Ich hab dich immer geliebt) als tyrannischer Dirigent Leopold Goronoff auf, nach "I Remember Mama"1) (1948, Geheimnis der Mutter) agierte er in dem John Wayne-Western "The Fighting Kentuckian" (1949, In letzter Sekunde); seine letzten Arbeiten für den amerikanischen Film waren "Spy Hunt" (1950) und "Sealed Cargo" (1951). Anschließend ließ sich der gesundheitlich angeschlagene Schauspieler wieder in der Bundesrepublik nieder. Bereits 1945 hatte er den ersten von mehreren Schlaganfällen erlitten, wodurch seine Stimme in Mitleidenschaft gezogen wurde, außerdem war er durch einen Herzanfall geschwächt. Dennoch arbeitete er weiter für den Film, Harald Reinl holte ihn als Partner von Olga Tschechowa für das Melodram "Hinter Klostermauern" (1952) und die Hauptrolle des vorbestraften Thomas Holinka vor die Kamera, in dem Abenteuer "
Türme des Schweigens"1) (1952) mimte er einen holländischer Flugkapitän, der seiner Angebeteten (Gisela Uhlen) in die Wüste nachreist. Seine letzten Leinwandauftritte hatte der Schauspieler 1953 neben Margot Hielscher und Karlheinz Böhm in der Zirkusgeschichte "Salto Mortale" sowie in dem kammerspielhaft inszenierten Melodram "Der Träumende Mund" mit dem Film-Liebespaar Maria Schell und O.W. Fischer.

Dem Theater war Frits van Dongen neben seiner Tätigkeit für den Film stets treu geblieben, zuletzt ging er 1953/54 mit Lily Bouwmeester3) (1901 – 1993) und dem Stück "Het Hemelbed" (Das Himmelbett) auf Tournee. Wenig später hatte der Schauspieler 1955 einen schweren Bühnenunfall, musste sich einer Gehirnoperation unterziehen und seine schauspielerische Karriere beenden. Er ließ sich wieder in Amerika nieder und lebte zurückgezogen in Kalifornien. 1966 erlitt er einen weiteren Herzinfarkt, von dem er sich nicht mehr erholte und ihn den folgenden Jahren immer wieder zu längeren Klinikaufenthalten zwang.
Frits van Dongen starb am 9. Mai 1975 im kalifornischen Woodland Hills (Los Angeles) im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines weiteren Herzinfarktes; die Urne mit den sterblichen überresten wurde auf dem "Westwood Village Memorial Park Cemetery" in Los Angeles beigesetzt → www.findagrave.com.
Der Schauspieler war seit November 1921 in erster Ehe mit Cornelia Maria Twilt verheiratet gewesen. Trotz der gemeinsamen Kinder Femia (geb. 1922) und Kees (geb. 1926) wurde die Ehe 1930 geschieden. 1933 ging Frits van Dongen seine zweite Verbindung mit der aus Rotterdam stammenden Schauspielerin Marianne van Dam (1903 – 1997) ein, die bis zu seinem Tod an seiner Seite war.
  
2003 erschien von Ingo Schiweck und Hans Toonen das Buch "Maharadscha, Tschetnik, Kriegsheimkehrer. Der Schauspieler Frits van Dongen oder Philip Dorn". Die Autoren zeichnen unter Auswertung einer Vielfalt von Quellen die faszinierende Karriere eines Mannes nach, der als erster Holländer eine erfolgreiche Hollywoodkarriere machte und auch mit seinen wenigen deutschen Filmen zum Publikumsliebling avancierte. Darüber hinaus erhält man auch einige Einblicke in das Privatleben des Schauspielers.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch),  2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia (englisch)
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia (deutsch/englisch), filmportal.de)
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