Käthe Dorsch fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943); Quelle: www.cyranos.ch Käthe (Katharina) Dorsch wurde am 29. Dezember 1890 als Tochter eines Nürnberger Lebküchners im bayerischen Neumarkt/Oberpfalz geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters im Jahre 1901 besuchte sie zunächst die Handelsschule, aufgrund ihres musischen Talents erhielt sie auch Klavierunterricht. Ihre schöne Stimme konnte die damals 15-Jährige schon im "Extrachor" des Nürnberger Stadttheaters in der Aufführung von Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" unter Beweis stellen.
Käthe Dorsch entschied sich für eine Laufbahn auf der Bühne, als sie für eine erkrankte Kollegin deren Rolle übernehmen musste, gab sie nach einer Schauspielausbildung ihr Debüt als Ännchen in Max Halbes Drama "Jugend". Aus rein wirtschaftlichen Gründen schlug sie dann 1908 einen Weg als Operettensoubrette an Mainzer Stadttheater ein und konnte erste Erfolge verbuchen. Zwei Jahre später ging sie nach Berlin, wirkte zunächst am "Neuen Operettentheater", später am "Residenztheater", am "Lessingtheater", am "Deutschen Theater" und am "Schauspielhaus am Gendarmenmarkt". 1927 ging die Schauspielein nach Wien, trat unter anderem am "Volkstheater auf, 1936 folgte sie einem Ruf Gustaf Gründgens1) an das Berliner "Staatstheater", ab 1939 bis zu ihrem Tod gehörte sie zum Ensemble des renommierten Wiener "Burgtheaters", spielte parallel nach dem 2. Weltkrieg auch wieder an Berliner Bühnen.
 
Käthe Dorsch fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
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Ihr Ausflug auf die Operettenbühne war ein Intermezzo geblieben, Käthe Dorsch hatte wieder in das "ernste" Fach gewechselt und im Laufe ihrer Karriere alle großen Frauengestalten des Welttheaters – von Shakespeare über Shaw bis hin zu Gerhart Hauptmann gespielt. Man erlebte sie beispielsweise als grandiose Elisabeth in "Maria Stuart"2) oder als Frau Alving in Ibsens "Gespenster"2), als Gretchen in Goethes "Faust"2) machte sie sich unsterblich. Ihre Stärke waren seelisch gebrochene Figuren, die sie ab 1927 zunächst am Wiener "Volkstheater", später am "Burgtheater" brillant interpretierte. Gustaf Gründgens inszenierte 1937 mit ihr in Berlin die Bühnenfassung von Dumas' "Die Kameliendame"2), wo Käthe Dorsch die Titelrolle der Marguerite Gautier übernahm – eine Rolle mit der Sarah Bernhardt1) 1911 legendär geworden war. "Sie verkörperte auf der Bühne die klassischen Kurtisanen, imposanten Heldinnen, die großen Mütter, die sich verströmenden Liebhaberinnen, die prallen Volkstypen – und machte doch immer wieder einen selig kecken Seitensprung in die Bezirke der ausgelassenen Operette, in der sie ihre stimmlichen und darstellerischen Kapriolen austollte. (…) In ihrer hellen Vogelstimme hat sie die Skala aller Gefühle, vom großen dramatischen Ausbruch bis zum tonlosen Flüstern Mit allen Variationen. Ihre halben Töne sind berühmt" notierte unter anderem DER SPIEGEL (52/1949).
Käthe Dorsch auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen. Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch"  (Albert Zander u. Siegmund Labisch) (1863–1942)); Quelle: www.virtual-history.com Neben der Theatertätigkeit widmete sich die Burgschauspielerin auch dem Film, wo sie bereits seit 1913 in stummen Dramen kleinere Aufgaben übernahm. Zu ihren frühen Leinwandauftritten zählen die Rolle der Königin in Paul Lenis Kinderfilm "Dornröschen"2) (1917), Ernst Lubitschs Stummfilme "Das fidele Gefängnis"2) (1917) und "Der Blusenkönig"2) oder Viggo Larsens heitere Geschichten "Glücksjunge"3) (1918) und "Sein letzter Seitensprung"3) (1918). Im Stummfilm überwiegend im Fach der kapriziösen, temperamentvollen Kokotte besetzt, konnte Käthe Dorsch in den 1930er und 1940er Jahren im Tonfilm große Frauengestalten spielen, sie gab Königinnen, Kurtisanen, Mörderinnen, aber auch Mädchen aus dem Volk. Allein mit Hans Albers stand sie drei Mal vor der Kamera: 1931 war sie die Lena, das naive Mädchen vom Lande, in "Drei Tage Liebe", einer tragischen Geschichte aus dem Berliner Alltag; in dem romantischen Kriminalstück "Savoy-Hotel 217"3) mimte sie 1936 die alternde Mätresse Anna Ferdorowitsch Daschenko, die sich die russische Seele aus dem Leib weinte, und 1940 in Herbert Selpins historischem Propagandastreifen "Trenck, der Pandur"2) die Kaiserin Maria Theresia2).
 

Käthe Dorsch auf einem Sammelbild aus der Serie
"Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den
"Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen.
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch2) (1863–1942))
Quelle: www.virtual-history.com; Lizenz siehe hier

In Hans Steinhoffs Literaturadaption "Eine Frau ohne Bedeutung"2) (1936), nach dem Bühnenstück "A Woman Of No Importance"2) von Oscar Wilde, mimte sie die Lady Hunstanton, als Oberschwester zeigte sie sich in dem Heimatstreifen "Irrtum des Herzens"3) (1939) und als die in einen Mord verwickelte Maria Burger in Karl Heinz Stroux's melodramatischem Krimi "Morgen werde ich verhaftet"3) (1939). Georg Wilhelm Pabst besetzte sie in seinem Historienfilm "Komödianten"2) (1941), Erich Engels noch kurz vor Kriegende gedrehte Komödie "Fahrt ins Glück"3) gelangte erst Anfang August 1948 in die Kinos.
Während des 2. Weltkrieges rettete die Schauspielerin durch ihre Nähe zu Hermann Göring, den sie aus ihrer Jugendzeit kannte, vielen Schauspielerkollegen das Leben. So intervenierte sie beispielsweise, als Werner Finck1) (1902 – 1978) festgenommen wurde und erreichte, dass er wieder freigelassen und lediglich mit einem Auftrittsverbot belegt wurde.

Dem deutschen Unterhaltungskino der Nachkriegszeit entzog sich die Schauspielerin weitgehend und stand vor allem auf der Theaterbühne. auf der Leinwand ließ sie sich nur noch drei Mal blicken, spielte in dem Film in "Das Kuckucksei" (1949) neben Hans Holt eine herzensgute, aber chaotischen Mutter mit nicht fleckenloser Vergangenheit, im gleichen Jahr übernahm sie die Rolle der Marquise Eugenie Troissaules in Gustav Fröhlichs Abenteuer "Der Bagnosträfling". Zuletzt sah man sie 1956 mit einer kleinen Rolle neben Johanna Matz, Horst Buchholz, Rudolf Forster und Gustav Knuth in Harald Brauns "Regine"1), einem Film nach Motiven einer Gottfried Keller-Novelle, auf der Leinwand.
Käthe Dorsch, der 1946 der "Louise Dumont Goldtopas"2) verliehen worden war – das Gegenstück zum "Iffland-Ring"2) –  und die 1953 mit dem "Kunstpreis der Stadt Berlin" geehrt worden war, spielte nach dem 2. Weltkrieg jedes Jahr einige Monate in Berlin und machte einige Monate Tourneen durch Westdeutschland. Sie brillierte unter anderem in "Theater" von Somerset Maugham, in der deutschen Uraufführung von Colettes "Cheri" oder glänzte als Schillers "Elisabeth" in "Maria Stuart"; ihren Abschied von der Bühne gab sie im Oktober 1953 mit dem Ensemble des Wiener Burgtheaters während der Festspielwochen in Berlin, wieder als "Elisabeth"; hier errang sie mit ihrer Gegenspielerin Paula Wessely1) (1907 – 2000) noch einmal einen großen Erfolg. Der Schlüssel zu der starken Bühnenwirkung der Dorsch, die als eine der letzten großen Tragödinnen galt, die Erklärung ihres Charmes, den sie durch Jahrzehnte bewahrt hatte, lag in ihrer warmen Menschlichkeit.

Foto: Käthe Dorsch 1946
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000228_006)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek2) (1901–1983)
Datierung: 1946.08 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikipedia bzw.  Wikimedia Commons

Käthe Dorsch 1946; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000228_006); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1946.08 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt. Originalfoto und Beschreibung: Wikipedia bzw.  Wikimedia Commons
Käthe Dorsch, die ab 1920 sechs (oder acht Jahre4)) lang mit ihrem Schauspielerkollegen und Deutschlands Filmliebhaber "Nummer 1" Harry Liedtke1) (1892 – 1945) verheiratet war, starb am 25. Dezember 1957, vier Tage vor ihrem 67. Geburtstag in der österreichischen Hauptstadt Wien. Die letzte Ruhe fand sie nach Überführung des Leichnams am 30. Dezember 1957 auf dem Friedhof von Pieskow (Gemeinde Bad Saarow/Brandenburg) am Scharmützelsee im Grab ihrer Mutter; ein Gedenkstein findet sich auf dem Berliner Friedhof Dahlem → Foto der Grabstelle bzw. des Gedenksteins bei knerger.de.
 
Noch ein Jahr vor ihrem Tod hatte sie für Schlagzeilen gesorgt, als sie den österreichischen Theater- und Kulturkritiker Hans Weigel2) (1908 – 1991) öffentlich bloßstellte: Als dieser Mitte April 1956 vor seinem Stamm-Café " Raimund" gegenüber dem Wiener Volkstheater die Straße überqueren wollte, wurde er von der wegen einer schlechten Kritik erbosten Mimin gestellt und geohrfeigt. Weigel strengte einen Prozess wegen tätlicher Ehrenbeleidigung an, beantragte eine psychiatrische Untersuchung der Burgschauspielerin mit der Begründung, sie habe bereits schon in Berlin einen Kritiker geohrfeigt. Schließlich wurde die Burgtheater-Heroine zu 500 Schilling Strafe oder ersatzweise zu drei Tagen Arrest verurteilt. Als die betagte Dorsch im Jahr darauf starb, erhielt Weigel per Post ein Paket zugestellt –  Inhalt: eine Dose Dorschleber. Ob letzteres den Anekdoten zuzuschreiben ist oder den Tatsachen entspricht, ist bis heute ungeklärt geblieben.
Schon einmal hatte Käthe Dorsch wegen einer Auseinandersetzung mit einem Kritiker von sich reden gemacht, als sie 1946 den damals jungen Berliner Kritiker und Philosophen Wolfgang Harich2) (1923 – 1995) wegen einer schlechten Bewertung ihrer künstlerischem Leistung ohrfeigte. Auch ihrem Kollegen, dem Burgschauspieler Alexander Trojan2) (1914 – 1992), soll die streitlustige Dame 1951 eine Maulschelle verpasst haben, als dieser sich in Berlin in geselliger Runde über die im Zeichen des Steinbocks Geborenen spöttisch äußerte – Käthe Dorsch war "Steinbock".5)
Käthe Dorsch bestimmte testamentarisch, dass ihr Nachlass zur Gründung einer "Stiftung zur Unterstützung von bedürftigen Angehörigen künstlerischer Berufe" eingesetzt werden solle, es entstand die "Käthe-Dorsch-Stiftung", die noch heute in Berlin-Charlottenburg existiert und Zuschüsse für soziale Härtefälle und Stipendien für Nachwuchskünstler gewährt. Ihr Name ist bis heute präsent, auch wenn er vermutlich nur noch der älteren Generation ein Begriff ist: 1962 wurde im Wiener Bezirk Penzing die "Käthe-Dorsch-Gasse" nach ihr benannt, 1966 in Berlin-Neukölln die Straße Nr. 500 in "Käthe-Dorsch-Ring" umbenannt; in Berlin trägt ein Seniorenheim am Lietzensee (Berlin-Charlottenburg) ihren Namen.
1990 brachte die Deutsche Post zum 100. Geburtstag der großen Mimin eine Briefmarke mit ihrem Konterfei heraus.
Ihr Nachlass wird von der Berliner "Akademie der Künste"2) verwaltet → Käthe-Dorsch-Archiv.
 
  

Käthe Dorsch mit der Titelrolle in "Der Besuch der alten Dame"2)
von Friedrich Dürrenmatt; Inszenierung: Hans Lietzau2)
1957 am Berliner "Schillertheater"
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004395_021)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek2) (1901–1983); Datierung: 09.04.1957
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Käthe Dorsch mit der Titelrolle in "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt; Inszenierung: Hans Lietzau; 1957 am Berliner "Schillertheater"; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004395_021); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 09.04.1957; Quelle: www.deutschefotothek.de
Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (S. 78)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.deutsche-biographie.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
4) die Quellen sind sich hier nicht einig
5) DER SPIEGEL (10/1951)
Lizenz Foto Käthe Dorsch (Urheber: Wilhelm Willinger): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Lizenz Foto Käthe Dorsch (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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