Die Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin Ruth Drexel wurde am 14. Juli 1930 im niederbayerischen Vilshofen geboren. Nach Schule und Abitur erlernte sie ihr schauspielerisches Handwerkzeug an der "Otto-Falckenberg-Schule"1) in München, ein erstes Engagement erhielt sie 1953 von Hans Schweikart an den "Münchner Kammerspielen", wo sie bis 1971 mit Unterbrechungen immer wieder auf der Bühne stand. Eine weitere Station von Ruth Drexels Theaterlaufbahn wurde unter anderem 1955 Bertolt Brechts "Berliner Ensemble", dem sie für eine Spielzeit angehörte.
 
 

Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland
in "Agathe kann's nicht lassen II – Alles oder nichts" (2005)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Lisa Film
© Lisa Film

Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland in "Agathe kann's nicht lassen II - Alles oder nichts" (2005); Copyright Lisa Film
Danach erlebte man sie unter anderem in Berlin an der "Schaubühne am Halleschen Ufer", sie trat an den Wuppertaler Bühnen auf, brillierte an den Staatstheatern von Stuttgart und Darmstadt ebenso wie am Düsseldorfer Schauspielhaus; seit 1976 gehörte sie dem "Bayerischen Staatsschauspiel" an. Unter so bedeutenden Regisseuren wie beispielsweise Peter Palitzsch, Wilfried Minks oder Peter Zadek konnte Ruth Drexel immer wieder ihre schauspielerische Vielseitigkeit beweisen, aber auch in eigenen Inszenierungen begeisterte sie die Zuschauer unter anderem mit Nestroy-Stücken wie "Früheren Verhältnissen" (1978 am Düsseldorfer Schauspielhaus) oder 1981 mit "Talisman", der erste Regiearbeit einer Frau am "Bayerischen Staatsschauspiel". 
1988 übernahm Ruth Drexel für zehn Jahre die Intendanz und Geschäftsführung des "Münchner Volkstheaters", führte auch hier Regie, stand oft mit ihrem Lebensgefährten Hans Brenner2) (1938 – 1998) in zahlreichen Stücken auf der Bühne und etablierte das Volkstheater zu einem festen Bestandteil des Münchner Kulturlebens. Nach dem Rücktritt ihres Nachfolgers Hanns Christian Müller im Februar 1999 übernahm sie auf Bitten der Stadt München nochmals für drei Spielzeiten die künstlerische Leitung des Volkstheaters; 2002 übergab sie die Intendanz an Christian Stückl. Mit dem Stück "Späte Gegend" von Lida Winiewicz bzw. der Rolle der Bäuerin verabschiedete sich Ruth Drexel im Dezember 2005 von der Bühne des "Münchner Volkstheaters".
   
Einem breiten Publikum über Bayerns Grenzen hinaus bekannt wurde Ruth Drexel seit Mitte der 1960er Jahre mit größeren Rollen durch das Fernsehen. So erlebte man sie beispielsweise in "Biedermann und die Brandstifter" (1967), "Mathias Kneissl"3) (1970) oder "Niemandsland" (1981). In vielen beliebten TV-Serien spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer, so als Lisi Schleibinger in dem Quotenrenner "Monaco Franze – Der ewige Stenz"1) (1983), als Bürgermeisterin in "Irgendwie und sowieso"1) (1986) oder als Schlachthof-Wirtin Paula in "Zur Freiheit"1) (1987). Ungeheure Popularität erlangte die Schauspielerin ab Mitte der 1990er Jahre durch ihre Rolle der resoluten, oft eigensinnigen Pensionswirtin Resi Berghammer bzw. Mutter des schwergewichtigen "Bullen von Tölz"1) alias Ottfried Fischer und hiermit trug sie bis heute nicht unwesentlich zum Erfolg der Reihe bei. Mit dem Tod von Ruth Drexel 2009 wurde der Sat.1-Quotenrenner nicht weiter fortgeführt.
  
Daneben stand sie unter anderem als Mama Stieglmeier in Jo Baiers Gesellschaftsdrama "Wambo"3) (2001), das sich an dem Leben des urbayerischen Originals Walter Sedlmayr2) (1926 – 1990) orientierte, vor der Kamera, in Rolf Silbers "Ein Sommertraum" (2001) mimte sie die Elisabeth Straub und Mutter der karrieresüchtigen und egoistischen Hamburger Anwältin Thea Straub alias Katharina Böhm. In der unterhaltsamen SAT 1-Reihe "Körner und Köter"1) (2002) agierte sie als Ilse Milner und in der turbulenten Heimat-Komödie "Zwei am großen See"1) (2004) erfreute sie das Publikum als die enttäuschte Haushälterin Regina Lechner, die sich mit der Erbin Antonia Berger, gespielt von Uschi Glas2), anfangs um die Hinterlassenschaft ihres verblichenen und wohlhabenden Lebensgefährten streitet. Fortgesetzt wurde die Geschichte im März bzw. April 2005 mit "Zwei am großen See – Die Eröffnung"4) und "Zwei am großen See – Angriff aus Paradies", in der beide nun ein Hotel führen und gegen die "fiese" Konkurrenz kämpfen müssen; Ende April 2006 gab es mit den Folgen "Große Gefühle" und "Feindliche Übernahme"4) weitere melodramatische Geschichten.
   
Zu den aktuelleren Fernsehproduktionen zählte auch die Hauptrolle in Felix Mitterers berührendem Drama "Die Heilerin"4) (2004): Hier verkörpert Ruth Drexel eindrucksvoll die Halfried Seelig und Frau eines Tiroler Sprengelarztes, die bereits seit ihrer Kindheit außergewöhnliche Fähigkeiten hat: Sie vermag durch Auflegen ihrer Hände und durch die reine Kraft ihrer Gedanken kranke Menschen zu heilen; als sie diese besondere Gabe nach vielen Jahren wieder einsetzt, handelt sie sich damit jedoch nicht nur Lob und Anerkennung ein…
Mitte Dezember 2008 gab es mit "Die Heilerin 2"4) eine Fortsetzung um die visionäre, außergewöhnliche Frau. Im Mittelpunkt der Geschichte steht diesmal ein Mutter-Tochter-Konflikt, zwischen Halfried und ihrer Tochter Marion (Geno Lechner), die als Schulmedizinerin arbeitet, aber auch die belastende Beziehung zwischen Marion und deren Tochter Laura (Lea Kurka), welche sich zunehmend in eine eigene Welt verkriecht. Als Marion schwer erkrankt, wird dies zum Prüfstein für Großmutter, Tochter und Enkelin. 
Eine Rolle, die Ruth Drexel auf den Leib geschrieben zu sein schien, war auch die der Hobbydetektivin Agathe Heiland: Als deutsche "Miss Marple" trat sie in die Fußstapfen der legendären Margaret Rutherford und löste in der ARD-Krimireihe "Agathe kann's nicht lassen"1) auf humorvolle und eigenwillige Weise knifflige Fälle. 
Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland und Hans-Peter Korff in "Agathe kann's nicht lassen II –Alles oder nichts" (2005); Copyright Lisa Film Bereits mit den ersten beiden Folgen "Mord im Kloster"4) (26.10.2005) und "Alles oder nichts"4) (3.11.2005) spielte sich Ruth Drexel erneut in die Herzen des Publikums. Ende Dezember 2006 bzw. Anfang 2007 folgten mit "Die Tote im Bootshaus"4) (21.12.2006), "Mord mit Handicap"4) (30.12.2006) und "Das Mörderspiel"4) (04.01.2007) drei weitere unterhaltsame Geschichten mit der gewieften Hobbydetektivin. Wurde Agatha Christies Hobby-Ermittlerin von Mr. Stringer unterstützt, stand ihrem bayerischen Pendant der feingeistige, etwas ängstliche Buchhändler Cornelius Stingermann zur Seite, herrlich gespielt von Hans Peter Korff2); die Rolle des unfähigen und begriffsstutzigen Kommissars Krefeld, der von den Schnüffeleien der resoluten Rentnerin wenig begeistert ist, mimte Maximilian Krückl1), der auch für die Drehbücher verantwortlich zeichnete.
 
Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland und Hans Peter Korff
in "Agathe kann's nicht lassen II – Alles oder nichts" (2005) 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Lisa Film
© Lisa Film
In der von Joseph Vilsmaiers in Szene gesetzten tragikomischen Geschichte "Das Weihnachtsekel"4) mit Fritz Wepper in der Titelrolle, überzeugte die sympathische Schauspielerin Mitte Dezember 2006 als Rentnerin Rita Waltleitner, die gemeinsam mit sechs anderen, höchst unterschiedlichen Menschen in einer Scheune Zuflucht vor einem Schneesturm sucht und im Verlaufe dieses Weihnachtsmärchens die wundersame Wandlung eines schrulligen Zynikers (Fritz Wepper) erlebt → Wikipedia.
 
Die beliebte Schauspielerin und langjährige Intendantin des Münchner Volkstheaters Ruth Drexel starb am 26. Februar 2009 im Alter von 78 Jahren; am 2. März 2009 wurde sie im engsten Familienkreis in Feldkirchen bei München, wo sie zuletzt viele Jahre lebte, in aller Stille beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Die "Süddeutschen Zeitung" bezeichnete die Künstlerin in einem Nachruf als "Mutter Courage des Volkstheaters", die "zäh, klug, hart und stark" war. "Streitbar und politisch unangepasst. Nie volkstümelnd, aber volksnah. Nie das Bayerische verleugnend, sondern es aufgeklärt-rebellisch verteidigend." (siehe www.sueddeutsche.de)
 
Während ihrer langen Laufbahn wurde Ruth Drexel mit zahlreichen Auszeichnungen für ihre Leistungen geehrt: So war sie unter anderem Trägerin des "Adolf-Grimme-Preises", der "Ludwig-Thoma-Medaille" der Stadt München, des "Deutschen und Bayerischen Fernsehpreises" und des "Bayerischen Verdienstordens". 2006 erhielt sie die "Goldene Romy" als "Beliebtester weiblicher Serienstar", bereits 2004 hatte sie den Preis für ihre Rolle in "Der Bulle von Tölz" entgegen nehmen können. Zuletzt ehrte man Ruth Drexels künstlerische Leistungen 2007 mit der "Bayerischen Verfassungsmedaille in Gold".
Anlässlich des 75. Geburtstages der außergewöhnlichen Schauspielerin erschien Anfang Juni 2005 von der bekannten Kulturjournalistin Krista Hauser das Buch "Ruth Drexel: Eine Biografie".
 
Auszeichnungen
(Quelle und Link: Wikipedia)

Bis 1965 war die Künstlerin mit Michael Adami verheiratet, aus der Ehe stammte die 1956 geborene Tochter Katharina. Von 1969 bis zu seinem Tode 1998 war sie mit dem Schauspieler Hans Brenner liiert. Aus dieser Verbindung stammt Tochter Cilli Drexel1) (geb. 1975), die sich inzwischen als Schauspielerin und Regisseurin einen Namen gemacht hat. 
 

Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) deutsches-filmhaus.de, 4) prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de sowie das Interview (1989) bei www.kultur-fibel.de
Nachrufe bei www.stern.de und www.sueddeutsche.de, www.welt.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
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