Annemarie Düringer wurde am 26. November 1925 als Tochter eines Industriellen in Arlesheim bei Basel geboren und wuchs in der Ortschaft Muri in der Nähe von Bern auf. Nach einer Ausbildung an einer Berner Handelsschule begann sie 1946 in Paris bei René Simon (1898 – 1971) an dessen 1925 gegründeten "Cours Simon"1) eine Schauspielausbildung, die sie ab 1947 zwei Jahre lang am Wiener "Max Reinhardt-Seminar" vertiefte. 1949 wurde sie Ensemblemitglied des berühmten "Burgtheaters", welches ihre künstlerische Heimat blieb, triumphale Gastspiele gab sie unter anderem am Berliner "Schillertheater", an den "Münchner Kammerspielen" sowie am "Bayerischen Staatsschauspiel" und auch bei den Salzburger Festspielen begeistert sie schon früh das Publikum. So bereits 1952 als Beatrice in Carlo Goldonis "Der Lügner", 1960 als "Gute Werke" in "Jedermann" und 1961 bzw. 1962 als Lieschen in Goethes "Faust I".

Annemarie Düringer als Monica in dem Film "SOS Gletscherpilot" (1959)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich",
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
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Annemarie Düringer als Monica in dem Film "SOS Gletscherpilot" (1959); ; Quelle: www.cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Annemarie Düringer gehörte zu den herausragenden und bedeutendsten Schauspielerinnen des "Burgtheaters", brillierte sowohl in klassischen als auch in modernen Stücken, zeigte mit über hundert Rollen ihre darstellerische Dominanz und Wandlungsfähigkeit. Ihr Repertoire war breit gefächert, sie interpretierte eindrucksvoll die großen Frauenfiguren beispielsweise in Stücken von Aischylos, Shakespeare, Grillparzer, Ibsen, Gorki, Hauptmann, Miller, Strindberg, Pinter, Wedekind und Tschechow. Am Berliner "Theater am Kurfürstendamm gestaltete sie einzigartig die Lavinia in O'Neills "Trauer muss Elektra tragen", am "Schillertheater" glänzte sie unter Fritz Kortner in Schillers "Räuber" oder in Molières "Don Juan". Annemarie Düringer, der 1963 der Titel "Kammerschauspielerin" verliehen worden war, stand mit den meisten der großen Schauspielerinnen und Schauspielern des 20. Jahrhunderts auf der Bühne, spielte an der Seite so legendärer Kollegen wie Werner Krauß2) (1884 – 1959) oder Paula Wessely2) (1907 – 2000).
Ende 2000 beispielsweise interpretierte sie am Wiener "Akademietheater" unter der Regie Peter Zadeks die abergläubische Haushälterin Frau Helseth in Ibsens "Rosmersholm"1) an der Seite von Angela Winkler, Gert Voss, Peter Fitz und Otto Schenk, eine ihrer Paraderollen in den letzten Jahren war die Wirtschafterin Frau Zittel in Thomas Bernhards "Heldenplatz"1) unter der Regie von Claus Peymann.
  
Auch auf der Leinwand oder im Fernsehen zeigte die Schauspielerin oftmals ihre Vielseitigkeit: 1953 hatte Regisseur Ernst Marischka die Düringer zum Film geholt, ihre erste Rolle spielte sie unter dessen Regie in der sarkastischen Komödie aus der aus der k.u.k.-Zeit "Der Feldherrenhügel", unter anderem mit Hans Holt und Paul Hörbiger sowie den den Kabarettisten Ernst Waldbrunn und Heinz Conrads. Für Marischka stand sie für den ganz auf Startenor Rudolf Schock zugeschnittenen Musikstreifen "
Du bist die Welt für mich" (1953) vor der Kamera, Rudolf Jugert besetzte sie als Partnerin von Curd Jürgens in dem Melodram "Gefangene der Liebe"3) (1954). Es folgten eindrucksvolle Rollen in Filmen wie Paul Verhoevens "Ewiger Walzer"1) (1954), Fritz Kortners "Die Stadt voller Geheimnisse"3) (1955), Volker von Collandes "Ein Mann vergisst die Liebe" (1955) mit Willy Birgel, Falk Harnacks "Der 20.Juli"1) (1955) mit Wolfgang Preiss oder "Oberwachtmeister Borck"3) (1955) mit Gerhard Riedmann in der Titelrolle. In der Hauptmann-Adaption "Vor Sonnenuntergang"3) (1956) überzeugte sie als Inken Peters an der Seite von Hans Albers, in Robert Siodmaks Thriller "Nachts, wenn der Teufel kam"1) (1957) erlebte man sie Helga Hornung an der Seite von Mario Adorf und Claus Holm; für diese schauspielerische Leistung wurde sie während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin mit dem "Bundesfilmpreis"1) als "Beste Nebendarstellerin" ausgezeichnet.
Annemarie Düringer als Annelie in Die Käserei in der Vehfreude / Annelie vom Berghof; Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG International erregte sie ebenfalls Aufmerksamkeit, Victor Vicas besetzte sie in seinem Spionagedrama "Count Five and Die" (1958, Der Ring des Gejagten) sowie in "SOS Gletscherpilot"1) (1959). Der Schweizer Regisseur Franz Schnyder gab ihr die weibliche Hauptrolle der Anneli in seiner Jeremias Gotthelf-Adaption "Die Käserei in der Vehfreude"1) (1958), für Schnyder gestaltete sie zudem die Figur der Pfarrerstochter Sophie in der zweiteiligen Verfilmung "Anne Bäbi Jowäger"1), ebenfalls gedreht nach dem Roman von Jeremias Gotthelf; der erste Teil "Wie Jakobli zu einer Frau kommt"1) erschien 1960, ein Jahr später folgte "Jakobli und Meyeli"1) (1961). In "Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht"1) (1962) war sie ebenfalls an der Seite der Titelheldin (Margrit Winter1)) als Sophie zu sehen. Mit Heinz Rühmann spielte sie zudem in der Tragikomödie "Der Lügner"1) (1961).
 
Annemarie Düringer als Annelie in Die Käserei in der Vehfreude / Annelie vom Berghof
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich",
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
© Praesens-Film AG
Danach machte sich Annemarie Düringer auf der Leinwand rar, mimte beispielsweise die Wirtin Frau Jenny in Kurt Frühs Dialektfilm "Dällebach Kari"1) (1970) oder die Mrs. Müller in Daniel Schmids Drama "Schatten der Engel"3) (1976), einem Film zu dem neben Schmid auch Rainer Werner Fassbinder für das Drehbuch verantwortlich zeichnete und die Rolle des Raoul übernommen hatte → www.dieterwunderlich.de. In Douglas Sirks Kurzfilm "Bourbon Street Blues" sah man sie 1978 erneut mit Rainer Werner Fassbinder, der ihr wenig später die Rolle der Cilly in seinem TV-Mehrteiler "Berlin Alexanderplatz"2) (1980) übertrug. In Fassbinders "Die Sehnsucht der Veronika Voss"1) (1982) spielte sie dann die Dr. Marianne Katz, erst zwanzig Jahre später war Annemarie Düringer wieder in einem Kinofilm präsent: In der Romanverfilmung von Robert Schindel und Lukas Stepaniks "Gebürtig" (2002), dem Drama um einen jüdischen Emigranten aus New York, hatte sie neben dem Protagonisten Peter Simonischek als Amalie Katz einen kleineren Part übernommen → www.schindel.at
2006 zeigte sie sich sie an der Seite von John Malkovich mit der Figur der Mutter von Gustav Klimt in der Filmbiografie von Raúl Ruiz "Klimt"1), im gleichen Jahr tauchte sie in der Schweizer Tragikomödie "Die Herbstzeitlosen"1) mit der Rolle der Frieda Eggenschwyler auf, Freundin der 80-jährigen Protagonistin Martha (Stephanie Glaser). Mit Charme und Witz erzählt Regisseurin Bettina Oberli vom Aufstand der Alten, der Film lebt von den charismatischen Miminnen. Neben Stephanie Glaser1), einer routinierten Theaterschauspielerin mit Kinoerfahrung, sowie der Burgschauspielerin Düringer brillieren noch Heidi Maria Glössner1) und Monica Gubser1) (siehe auch www.moviemaster.de). Als Äbtissin Tengwich gehörte sie zur Besetzung von Margarethe von Trottas filmischem Frauenportrait "Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"1) (2009) mit Barbara Sukowa in der Titelrolle. Zuletzt hatte sie sich in Bettina Oberlis melancholischen Komödie "Lovely Louise"3) auf der Leinwand präsentiert, verkörperte den ehemaliger Filmstar Louise bzw. die Mutter des Taxifahrers und Tüftlers André Dubois (Stefan Kurt), der sich von seiner Mutter zu emanzipieren versucht; Kinostart war der 13. Februar 2014 → film.at.
  
Dazwischen lagen vereinzelte Auftritte in Fernsehspielen wie "Tatort – Mord auf Raten"4) (1980), "Das Gläserne Wappen" (1983) oder "Die Gunst der Sterne" (1988); in Dieter Wedels Mehrteiler "Der Große Bellheim"1) (1993) stellte sie die Mutter von Richard Mayers alias Manfred Zapatka dar, zu ihren jüngeren Fernsehauftritten zählt 1998 die Erzherzogin Sophie in dem Filmportrait über "Sissi" von Norbert Beilharz unter dem Titel "Wie eine schwarze Möwe"5). In der Episode "Was geschah mit Vera Z.?" (EA: 02.03.2007) aus der Krimiserie "SOKO Kitzbühel" überzeugte sie als verwirrte Melanie Gretsch bzw. Schwester des Mordopfers, in der vergnüglichen Krimikomödie "Detektiv wider Willen" (EA: 30.04.2009) mimte sie die vom Canasta-Fieber befallenen Schwiegermutter des Staranwalts Mark Degen alias Sky du Mont. Als Viviane tauchte sie in der österreichisch-französischen Produktion "In einem anderen Licht" (2009, Sous un autre jour) auf, ein von Alain Tasma in Szene gesetztes bewegendes Drama über eine starke Frau (Marthe Keller) auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater (Kurt Sobotka). Die Dreharbeiten zu dem ZDF-Krimi "Der letzte Weynfeldt"1), von dem Schweizer Regisseur Alain Gsponer nach dem gleichnamigen Bestseller von Martin Suter inszeniert, begannen Anfang November 2009, neben Stefan Kurt als Adrian Weynfeldt und Marie Bäumer als Lorena Steiner in den Hauptrollen ist Annemarie Düringer als Frau Hauser zu sehen. Die Premiere der Synchronfassung fand am 31. August 2010, in Anwesenheit des Romanautors und seiner Frau, im Kino "Metropol" in Zürich statt. Der Film wurde am 12. September 2010 erstmals im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. (…) Der Film wurde auf deutsch gedreht und für den Schweizer Markt auf Schweizerdeutsch nachsynchronisiert.6)

Annemarie Düringer, die 1977 bereits mit der "Kainz-Medaille"1) ausgezeichnet wurde, war seit November 2000 als Nachfolgerin von Paula Wessely Trägerin des "Alma-Seidler Ringes"1), dem weiblichen Pendant zum berühmten "Iffland-Ring"1); gestiftet wurde der "Alma-Seidler-Ring" 1978 von der österreichischen Bundesregierung nach dem Tod der Burgschauspielerin Alma Seidler1) (1899 – 1977); 2001 hatte man Anna Düringer zur "Doyenne" des Wiener Burgtheaters ernannt, 2005 folgte das "Goldene Ehrenzeichen" für "Verdienste um das Land Wien"1). Annemarie Düringer habe die Geschichte des Burgtheaters von 1949 an miterlebt und mitgeprägt, betonte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Verleihung und sagte unter anderem: "Keine bedeutende Frauenrolle, die Annemarie Düringer nicht gespielt hätte, kein wichtiger Regisseur, mit dem sie nicht zusammengearbeitet hätte". Laudator Achim Benning1), der von 1976 bis 1986 das Burgtheater leitete, würdigte die Leistungen der Schauspielerin mit den Worten "Niemand stellt das Existenzproblem der Einsamkeit in ihren Figuren so dar wie Annemarie Düringer". Wendepunkt ihres Schauspielerlebens sei die Zusammenarbeit mit Regisseur Kortner gewesen, in dieser Zeit habe sie sich vom netten Schweizer Mädel zur ernsthaften Schauspielerin entwickelt. (siehe auch www.wien.gv.at)
Zu ihren weiteren Ehrungen zählen unter anderem, neben ihrer Ernennung zur "Kammerschauspielerin" (1963), das "Kreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse" (1968), das "Große Ehrenzeichen der Republik Österreich"1), die "Goldene Ehrenmedaille" der Stadt Wien sowie der Schweizer "Hans Reinhard-Ring"1) (1974).
 
Im Jahre 2003 veröffentlichte Marie-Theres Arnbom die Memoiren der Burgschauspielerin unter dem Titel "Blitzlichter, Erinnerungen von Annemarie Düringer"; hierin schildert sie unter anderem Begegnungen mit großen Kollegen, lässt ihre faszinierenden Rollen Revue passieren, gewährt dem Leser aber auch Einblicke in ihr Privatleben. Im Anhang findet sich ein Rollen- und ein Personenregister sowie ein Verzeichnis ihrer Filme.
Die Burg-Doyenne Annemarie Düringer starb am 26. November 2014 – ihrem 89. Geburtstag – in Baden bei Wien. "Annemarie Düringer hat nicht nur durch ihre Schauspielkunst viele Menschen erfreut und wesentlich zum künstlerischen Format des Burgtheaters beigetragen, sondern sie war auch ein äußerst kluger und liebenswürdiger Mensch mit einem starken sozialen Empfinden", sagte unter anderem der amtierende österreichische Bundespräsident Heinz Fischer1); weitere Nachrufe zum Tode der Charakterschauspielerin bei wien.orf.at.
Die Trauerfeier für die großartige Charaktermimin fand am 11. Dezember 2014 auf der Feststiege Volksgartenseite des "Burgtheaters" in Wien statt, beigesetzt wurde Annemarie Düringer im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem Friedhof der Gemeinde Muri in der Nähe von Bern → Traueranzeige bei trauer.nzz.ch
 
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de, 4) tatort-fundus.de, 5) prisma.de
6) Quelle: Wikipedia, abgerufen 20.01.2011
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal, Wikipedia, deutsches-filmhaus.de)
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