Tilla Durieux wurde am 18. August 1880 als Ottilie Godeffroy in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren; ihr Vater Richard Godeffroy1) (1847 – 1895) war Professor für Chemie, ihre Mutter eine aus Ungarn stammende Pianistin. Schon früh interessierte sich die junge Ottilie für das Theater, absolvierte mit 21 Jahren eine Theater-Vorbereitungsschule in Wien und stand nach deren Abschluss erstmals am Königlich-Städtischen Theater in Olmütz auf der Bühne. Da ihre Eltern die Berufswahl ihrer Tochter ablehnten, wählte sie den Künstlernamen "Durieux" nach ihrer französischen Großmutter.
Über Engagements in Stuttgart und Breslau kam die junge Schauspielerin 1903 nach Berlin, wo sie bis 1911 unter Max Reinhardt u. a. in Stücken von Frank Wedekind auf der Bühne stand. Danach übernahm sie drei Jahre lang Gastspielrollen in verschiedenen deutschen Städten, spielte in St. Petersburg, Wien, Prag und Zürich; so sah man sie beispielsweise 1913 am Münchner Künstlertheater in Wedekinds "Lulu".
 

Porträt der Schauspielerin Tilla Durieux
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia (Nicola Perscheid, Theodor und Jacob Hilsdorf, August Sander. 
Der rheinland-pfälzische Beitrag zur Geschichte der Photographie. Katalog Landesmuseum Mainz 1989.
Urheber: Jacob Hilsdorf (1872 – 1912; Link: Wikipedia)
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Porträt der Schauspielerin Tilla Durieux; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia (Nicola Perscheid, Theodor und Jacob Hilsdorf, August Sander. Der rheinland-pfälzische Beitrag zur Geschichte der Photographie. Katalog Landesmuseum Mainz 1989; Urheber: Jacob Hilsdorf (1872-1912); Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Tilla Durieux auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch", Berlin, Urheber Siegmund Labisch (1863–1942); Quelle:  www.cyranos.ch Mit Beginn des 1. Weltkrieges unterbrach Tilla Durieux ihre Schauspieltätigkeit und wurde Krankenschwester in Buch (in der Nähe von Berlin). Nach Kriegsende war sie ein Jahr lang Ensemblemitglied am Berliner Königlichen Schauspielhaus und entwickelte sich in den nachfolgenden Jahren zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen der Weimarer Republik.
An der Seite von Paul Wegener2) (1874 – 1948) oder Albert Bassermann2) (1867 – 1952) verhalf sie den Klassikern aber auch den Modernen zum Erfolg. Ihre unpathetische, realistische Darstellungskunst setzte Maßstäbe für vollendete Rolleninterpretationen von Shakespeare bis Wedekind, Ibsen, Shaw, Tolstoi oder Gorki. Von vielen Zeitgenossen wurde sie auch als die "Nielsen des Sprechtheaters" bezeichnet. Wichtige Rollen in jenen Jahren waren unter anderem die Gräfin Werdenfels in Frank Wedekinds "Der Marquis von Keith"1) (1920) und die Titelrolle in seinem Drama "Franziska" (1924/25, auch in Wien)
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verließ die Schauspielerin wegen ihres jüdischen Ehemannes Deutschland, ließ sich 1933 für einige Zeit im Schweizerischen Ascona nieder und ging dann 1934 nach Zagreb ins Exil, wo sie 1936 in Abbazia ein Hotel eröffnete, welches sie zwei Jahre lang leitete. Während dieser Zeit ging sie weiter auf ausgedehnte Gastspielreisen, die sie durch ganz Europa, besonders aber nach Skandinavien führten.
 
Tilla Durieux auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch", Berlin
Urheber Siegmund Labisch1) (1863–1942)
Quelle:  www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Tilla Durieux war seit 1930 in dritter Ehe mit dem jüdischen Unternehmer Ludwig Katzenellenbogen1) (1877 – 1944), Generaldirektor des Berliner Brauerei-Konzerns Schultheiss-Patzenhofer1), verheiratet; ihre erste Ehe hatte sie 1904 mit dem Maler Eugene Spiro1) (1874 – 1972) geschlossen, von dem sie sich zwei Jahre später wieder scheiden ließ. Die zweite Ehe ging sie 1910 mit dem Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer1) (1871 – 1926) ein; die Verbindung endete nach 16 Jahren tragisch, da Cassirer noch vor Abschluss des Scheidungsvertrags einen Selbstmordversuch verübte, an dem er kurz darauf verstarb.
Ihr dritter Ehemann, Ludwig Katzenellenbogen, wurde 1941 beim Einmarsch deutscher Truppen in Jugoslawien verhaftet und nach Berlin deportiert, wo er zwei Jahre später in der Haftanstalt Oranienburg verstarb. Tilla Durieux unterstützte daraufhin aktiv die jugoslawische Widerstandsbewegung und begann auch damit, ihre Lebenserinnerungen niederzuschreiben.
Nach Kriegsende arbeitete die Schauspielerin zunächst als Näherin, um sich über Wasser zu halten, erhielt dann eine Stelle als Regieassistentin in einem staatlichen Puppentheater in Zagreb, wo sie mit Unterbrechungen bis 1951 blieb. 1952 stand sie erstmals in Berlin wieder auf einer deutschen Bühne, kehrte dann aber eine Zeit lang nach Jugoslawien zurück.

Tilla Durieux, 1963 fotografiert von Fritz Eschen1) (1900–1964)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_e_0041740)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Fritz Eschen
Urheber: Fritz Eschen; Datierung: 13.06.1963;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Tilla Durieux, 1963 fotografiert von Fritz Eschen1) (1900–1964); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_e_0041740); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Fritz Eschen; Urheber: Fritz Eschen; Datierung: 13.06.1963; Quelle: www.deutschefotothek.de
Foto: Die Schauspielerin Tilla Durieux nach dem Schauspiel "Langusten" (12. Oktober 1967);  Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia: Eigenes Werk von Hans Bernhard; Lizenz zur Veröffentlichung: Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.

Ab Mitte der 1950er Jahre gab sie dann wieder Rollengastspiele in Deutschland, wirkte in Hörspielen, Filmen sowie Fernsehspielen mit. So sah man sie beispielsweise 1957 als Frau Avenarius neben Johannes Heesters in dem Film "Von allen geliebt" oder ein Jahr später als Amme in dem Fernsehspiel "Antigone" nach Jean Anouilh. Zu ihrem 80. Geburtstag wurde im Fernsehen 1960 das Ein-Personenstück "Langusten" ausgestrahlt, mit dem die Schauspielerin zuvor schon auf Tourneen das Publikum begeistert hatte. Noch im hohen Alter sah man Tilla Durieux auf der Bühne, Rollengastspiele führten die Künstlerin durch Deutschland, die ehemalige DDR und die Schweiz; ein letztes Engagement hatte sie 1969/70 am "Wiesbadener Staatstheater".
 
1959 wurde Tilla Durieux  zum Ehrenmitglied der "Deutschen Akademie der Darstellenden Künste" ernannt, ein Jahr später ehrte man sie mit dem "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse"; 1961 wurde sie Mitglied in der "Akademie der Künste", 1963 ernannte man die großen Dame des Theaters zur Berliner Staatsschauspielerin und verlieh ihr das "Filmband in Gold" für "Verdienste in und um den deutschen Film".
 
 
Die Schauspielerin Tilla Durieux nach dem Schauspiel "Langusten" (12. Oktober 1967)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia: Eigenes Werk von Hans Bernhard
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Schon 1914 hatte sie einige Rollen in Stummfilmen übernommen, so beispielsweise in "Der Flug in die Sonne"1) oder ein Jahr später in "Nahira – Die Hand am Vorhang"1); in den kommenden Jahren wirkte sie sporadisch in Filmen wie "Die Verschleierte" (1920), "Prinz Karneval" (1923) oder "Frau im Mond"1) (1929) mit. Nach dem Krieg sah man sie beispielsweise 1954 als alte Bäuerin Mara in Helmut Käutners Partisanendrama "Die letzte Brücke"1), 1956 als Zarenmutter in "Anastasia, die letzte Zarentochter"1), 1957 als Mutter des Prinzen Ali (Ulrich Beiger) in Rolf Thieles Knittel-Verfilmung "El Hakim"3), 1959 als Tante Ermelin in Alfred Brauns Melodram "Morgen wirst du um mich weinen"3) oder 1960 als Witwe Köhler in Géza von Cziffras Rififi-Parodie "Als geheilt entlassen"3). Nach der Rolle der Großmutter in Alfred Weidenmanns satirischem Zeit- und Sittenbild "Verdammt zur Sünde"1) (1964) hatte sie 1966 einen letzten Leinwandauftritt als "Die Alte aus dem Osten" in Ulrich Schamonis preisgekröntem Spielfilm "Es"1).
Zu ihrem 85. Geburtstag erhielt Tilla Durieux die Ehrenmitgliedschaften in verschiedenen Berliner Ensembles, zu ihrem 90. Geburtstag würdigte man 1970 ihre Leistungen mit dem "Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland".
Berliner Gedenktafel für Tilla Durieux. Bleibtreustraße 15, Berlin-Charlottenburg. Enthüllt am 30. Oktober 1987; Quelle: Wikimedia; Urheber des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin; Lizenz Foto der Gedenktafel: Der Urheber gestattet jedermann jede Form der Nutzung, unter der Bedingung der angemessenen Nennung seiner Urheberschaft. Weiterverbreitung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung sind gestattet.

Am 21. Februar 1971 starb mit Tilla Durieux im West-Berliner "Oskar-Helene-Krankenhaus" eine der größten deutschsprachigen Theaterschauspielerinnen des 20. Jahrhunderts; sie hatte sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen und verstarb nach der operativen Versorgung an einer Sepsis. Die berühmte Theaterdarstellerin fand ihre letzte Ruhe auf dem Städtischen Waldfriedhof Berlin-Charlottenburg neben ihrem zweiten Ehemann Paul Cassirer → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Der Grabstein, der viel später von einem Bewunderer gespendet wurde, ehrt die große Künstlerin postum mit dem Professorentitel, den die Durieux in Salzburg am Mozarteum kurzzeitig innegehabt hatte. Sie selber hatte auf diesen Namenszusatz jedoch nie Wert gelegt.4)
Am 30. Oktober 1987 wurde Tilla Durieux zum Gedenken eine Tafel in Berlin an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Bleibtreustraße 15 (Charlottenburg) enthüllt; ein weiteres Denkmal wurde ihr in Berlin mit dem " Tilla Durieux-Park" nahe des Potsdamer Platzes gesetzt. Bereits zu Lebzeiten war sie von so berühmten Malern wie Oskar Kokoschka, Arnold Rechberg und Renoir (→ Wikipedia) portraitiert worden; der deutsche Maler und Bildhauer Franz von Stuck portraitierte sie 1912/13 als "Circe" → Wikipedia.

Quelle: Wikimedia; Urheber des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin
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Tilla Durieux hat sich nicht nur einen Namen als bedeutende Schauspielerin sondern auch als Schriftstellerin erworben. Bereits 1928 hatte sie den Roman "Eine Tür fällt ins Schloss" veröffentlicht; ihre Memoiren "Eine Tür steht offen" erschienen 1954. Eine weitere Biografie kam 1977 unter dem Titel "Meine ersten neunzig Jahre. Erinnerungen" auf den Markt. Hierin erzählt die Durieux brillant über Schauspieler und Regisseure ihrer Zeit, berühmte Schriftsteller, Maler oder Kritiker werden ebenso porträtiert wie Veleger und Persönlichkeiten des politischen Lebens, die sie an der Seite des Kunsthändlers Paul Cassirer aus unmittelbarer Nähe kennenlernte. Die tragisch endende Beziehung der Schauspielerin mit Paul Cassirer wurde 1997 von Renate Möhrmann in dem Buch "Tilla Durieux und Paul Cassirer. Bühnenglück und Liebestod" dokumentiert.
Siehe auch Deutsches Historisches Museum Berlin sowie die Fotografie,
weitere Artikel bei www.cyranos.ch, Wikipedia, www.exil-archiv.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de
4) Quelle: Wikipedia (abgerufen 30.01.2015)
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Lizenz Foto Tilla Durieux (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
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