Gerhard Friedrich wurde am 19. August 1929 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach seiner Schauspielausbildung an der "Otto-Falckenberg-Schule"1) in München erhielt er anschließend ein erstes Engagement an den dortigen "Kammerspielen", arbeitete unter anderem mit dem berühmten Fritz Kortner2) zusammen und profilierte sich rasch in Klassikern wie Lessings Lustspiel "Minna von Barnhelm"1) oder Friedrich Hebbels1) Tragödie "Herodes und Marianne" aber auch Bertolt Brechts Drama "Mutter Courage und ihre Kinder"1) zu einem vielschichtigen Charakterdarsteller. Kortner war es auch, der den jungen Schauspieler 1956 an das renommierte "Deutsche Theater"1) im damaligen Ost-Berlin empfahl, "die neue, dialektische Sicht auf die Klassiker in den Inszenierungen von Wolfgang Langhoff1), Wolfgang Heinz1) und Karl Paryla2) eröffneten ihm eine neue Welt." konnte man auf der Website des Essener Theaters im Rathaus" lesen. Die Zuschauer erlebten ihn beispielsweise 1958 in dem Schauspiel "Das Dorf Fuente Ovejuna" von Lope de Vega1) (Regie: Wolfgang Heinz) oder :1960 in dem Stück "Weißes Blut" von Harald Hauser1), wo er einmal mehr unter der Regie von Wolfgang Heinz an der Seite von Inge Keller2) den Manfred von der Lohe gestaltete.
 

Gerhard Friedrich als Manfred von der Lohe mit Inge Keller (Eleonore von der Lohe)
am 23.04.1960 (Premiere) in dem Schauspiel "Weißes Blut" an den Berliner "Kammerspielen"
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-72536-0001;
Fotograf: Christa Hochneder; Quelle: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-72536-0001
bzw. Wikimedia Commons; Lizenz CC-BY-SA 3.0

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Gerhard Friedrich als Manfred von der Lohe mit Inge Keller (Eleonore von der Lohe) am 23.04.1960 (Premiere) in dem Schauspiel "Weißes Blut" an den Berliner "Kammerspielen"; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-72536-0001; Fotograf: Christa Hochneder; Quelle: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-72536-0001; bzw. Wikimedia Commons; Lizenz CC-BY-SA 3.0
Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 fand Friedrichs Karriere am "Deutschen Theater" ein jähes Ende und er wechselte nach Hamburg. Dort trat er zunächst an den "Kammerspielen" unter der Intendanz von Ida Ehre2) auf, eine weitere wichtige Theaterstation wurde ab 1965 für drei Jahre das Hamburger "Schauspielhaus", hier interpretierte er Rollen in Stücken wie dem Büchner-Drama "Dantons Tod"1) oder den Shakespeare-Komödien "Der Widerspenstigen Zähmung"1) und "Ein Sommernachtstraum"1). Vor allem aber am "Thalia Theater" fand der Schauspieler ab Mitte der 1960er Jahre eine künstlerische Heimat, bis 1980 stand er dort unter der Intendanz von Boy Gobert2) auf der Bühne – eine Zeit, die für ihn prägend wurde. Sein Rollenrepertoire war breit gefächert, reichte von den großen Schauspielen der Weltliteratur über Gegenwartsstücke bis hin zu Lustspielen wie "Charleys Tante"1) oder Musicals wie "Kiss me Kate"1), in dem er 1973 mit Nicole Heesters auftrat. Als Schiller-Interpret glänzte er mit der Titelrolle in "Don Karlos"1), als Reichsvogt Gessler in "Wilhelm Tell"1) und als Präsident von Walter in "Kabale und Liebe"1), er brillierte als Protagonist in dem Shakespeare-Drama "Hamlet"1) und in Kleists "Prinz Friedrich von Homburg"1). Weitere bemerkenswerte Darstellungen lieferte Friedrich beispielsweise in Schillers "Maria Stuart"1), in "Der Hauptmann von Köpenick"1) von Carl Zuckmayer oder in Büchners Dramenfragment "Woyzeck"1) ab, 1972 ging er überdies mit einer "Woyzeck"-Inszenierung auf Einladung des "Goethe-Instituts" auf eine Welt-Tournee. 
Auch bei den "Salzburger Festspielen" zeigte er seine darstellerische Kunst, so erstmals im Sommer 1965 als Joel Harford in der von Oscar Fritz Schuh inszenierten deutschsprachigen Erstaufführung des Schauspiels "Alle Reichtümer der Welt" von Eugene O'Neill1) neben Helmut Griem und Marianne Hoppe. "Der Rang von Schuhs kluger Inszenierung bestätigte sich durch ihre Randschärfe. Neben Josef Dahmen und Eduard Marks in Nebenrollen profilierte sich Gerhard Friedrich als Simons jüngerer Bruder Joel, eine große Hoffnung auf einen jungen Charakterspieler. Über alle literarischen Bedenken hinweg fand der "Beitrag der Salzburger Festspiele zum Europa-Studio" den stürmischen Publikumsapplaus, den die Theaterleistung verdient hatte." schrieb unter anderem Johannes Jacobi in DIE ZEIT am 13.08.1965 → www.zeit.de. Drei Jahre später brillierte Friedrich in Salzburg erneut unter der Regie von Oscar Fritz Schuh mit der Figur des machthungrigen Antonio in Shakespeares Romanze "Der Sturm"1) an der Seite des legendären Will Quadflieg als dessen Bruder Prospero.
Während seiner Hamburger Zeit machte sich der Künstler zudem mit einigen Inszenierungen sowohl an den "Kammerspielen" als auch am "Thalia Theater" einen Namen, brachte hier bevorzugt amerikanische und französische Komödien auf die Bühne. Als Gobert im Jahre 1980 das "Thalia Theater" verließ, um als Generalintendant an die "Staatlichen Schauspielbühnen Berlin" zu wechseln, ging Friedrich mit ihm und wirkte am "Schillertheater".

Ab den 1990er Jahren trat Friedrich  in Berlin vornehmlich am "Theater am Kurfürstendamm" und am "Renaissance-Theater" auf, wo er unter anderem gemeinsam mit dem unvergessenen Harald Juhnke2) auf der Bühne stand und zwischen 1986 und 1995 mit vielen große Rollen bzw. seinem facettenreichen Spiel das Publikum begeisterte. Etwa als Prinz von Wales in Jean-Paul Sartres Stück "Kean oder Unordnung und Genie" über den berühmten britischen Schauspieler Edmund Kean1), als vermeintlicher Isaac Newton in Dürrenmatts Tragikomödie "Die Physiker"1) oder als Protagonist Antonio Salieri in Peter Shaffers Zweiakter "Amadeus"1) – um nur einiges zu nennen. Erfolge feierte er ebenfalls als selbstgefälliger Biedermann Arthur Kirk in Tom Topers Gegenwartsstück "Der Prozeß der Claudia D." (→ www.berliner-zeitung.de), ging mit dieser Produktion des "Renaissance-Theaters" zusammen mit Susanne Uhlen ab Mitte der 1990er Jahre auch auf eine ausgedehnte Gastspielreise. Friedrich war 1998 eine herrliche Gouvernante Miss Prism in Oscar Wildes Komödie "Bunbury"1), einer Theatertradition folgend, besetzte Regisseur Hans Hollmann1) auch die weiblichen Rollen mit männlichen Schauspielern. Mit Hollmann hatte Friedrich bereits 1972 in Basel in einer ambivalent beurteilten Inszenierung von Heiner Müllers Version von Shakespeares "Macbeth"  (→ www.zeit.de) und 1981 am Berliner "Schillertheater" in Raymond Roussels "Sonnenstaub" (→ www.zeit.de) zusammengearbeitet. Über seine darstellerische Leistung in "Macbeth" urteilte der Theaterwissenschaftler und Theaterkritiker Henning Rischbieter1) "Das habe ich auf dem Theater so noch nicht gesehen – eine ganz im Dienst des Textes stehende Ausdrucksintensität."

Nicht nur in Berlin konnte man sich von Friedrichs Bühnenpräsenz überzeugen, er unternahm zahlreiche Tourneen mit der Konzertdirektion "Euro-Studio Landgraf", neben "Der Prozeß der Claudia D." ist auch – erneut als Partner von Susanne Uhlen – das von Krzysztof Zanussi in Szene gesetzte, mit dem "Pulitzer-Preis" ausgezeichnete Stück "Der Beweis" von David Auburn1) zu erwähnen, welche das Ensemble durch viele deutsche Städte bis hin in die Schweiz führte → www.kulturklub-bad-harzburg.de.
Zuletzt tourte Friedrich zur Spielzeit 2007/2008 gemeinsam mit Edith Hancke und deren Ehemann Klaus Sonnenschein mit dem Stück "Herbstzeitlose" durch die Lande, einer Komödie von Andreas Fritjof: Die Hancke mimt in dieser unterhaltsamen Geschichte um eine wohlorganisierte Senioren-WG die flotte Agnes, die heimlich in den Hypochonder Leopold (Klaus Sonnenschein) verliebt ist, dritter im Bunde ist der "Knödeltenor" Alexander (Gerhard Friedrich), der eine Affäre mit einer glücklich verheirateten feinen Dame (Karyn von Ostholt) beginnt. Premiere feierte die Aufführung über Liebe im Alter am 21. Mai 2006 in der "Komödie am Kurfürstendamm".
Hervorzuheben ist auch, dass Friedrich mit vielen internationalen Gesangsolisten bzw. Sängern der Hamburger " Staatsoper" musikalisch-literarische Matineen und Abende gestaltet hat. Außerdem ist seine Mitwirkung in der "Berliner Philharmonie" unter Herbert von Karajan in der konzertanten "Tosca"-Aufführung (u.a. mit José Carreras) sowie am selben Haus unter der Leitung von Kurt Masur als Sprecher in einer neuen konzertanten Fassung von Edvard Griegs "Peer Gynt" zu nennen. Friedrich, der sich in erster Linie als Theaterschauspieler versteht, machte seit Ende der 1950er Jahre immer wieder regelmäßig Ausflüge vor die Kamera und zeigte sich auf dem Bildschirm meist mit prägnanten Nebenrollen. Sowohl in Einzelproduktionen als auch mit Gastrollen in etlichen Serien tauchte er im Verlaufe der Jahrzehnte auf. In den 1980er Jahren wirkte er in so beliebten Unterhaltungsserien wie "Drei Damen vom Grill", "Ich heirate eine Familie", "Praxis Bülowbogen" oder "Ein Heim für Tiere" mit. Am bekanntesten dürfte wohl seine Rolle des leichtlebigen Junggesellen Bernhard "Bernie" Tenstaag, Chef der Firma "Möbel Union" sein, der in der Serie "Die Wicherts von nebenan"1) schon immer ein Auge auf Mutter Wichert (Maria Sebaldt) geworfen hat; diesen Charmeur verkörperte er zwischen 1986 und 1991 mehr als 60 Folgen lang durchgehend. 
Szenenfoto mit Gerhard Friedrich aus "Wenn schon – denn schon"; Zur Verfügung gestellt von Pidax Film Einen absoluten Angriff auf die Lachmuskeln bot die Aufzeichnung aus dem "Theater am Kurfürstendamm" bzw. die von Wolfgang Spier inszenierte Erfolgskomödie "Wenn schon – denn schon" (1986) von Ray Cooney, welche seit Mitte Juni 2014 auf DVD im Handel erhältlich ist. Hier machte Friedrich als Partner von Karin Eickelbaum bzw. Londoner Staatssekretär Richard Willey Furore, der in einem Hotel mit seiner Geliebten Jennifer (Silke Rein) zum außerehelichen Stelldichein absteigt. "Er ahnt nicht, dass sich seine Frau Pamela (Karin Eickelbaum) und ihr Liebhaber George (Wilfried Herbst) den gleichen Ort zum Schäferstündchen ausgesucht haben. Wand and Wand soll nun der Ehebruch vollzogen werden – klar, dass es da zu Turbulenzen kommt! Mit außerordentlicher Begabung erfindet Richard Ausreden, lügt wie gedruckt und gerät dabei in unglaubliche Schwierigkeiten. Eine skurrile Situation jagt die Nächste und der sündige Staatssekretär muss sich immer mehr als Künstler auf dem Gebiet der Lüge erweisen. Als waschechter Politiker und leidgeprüfter Ehemann ist das allerdings keine große Herausforderung für ihn … (…) Da bleibt kein Auge trocken, ein absolutes Komödienhighlight!" kann man bei www.pidax-film.de lesen.

Szenenfoto aus "Wenn schon – denn schon"
Zur Verfügung gestellt von Pidax Film

Mehrmals gehörte er zur "Tatort"-Besetzung, so in "Rechnen Sie mit dem Schlimmsten"1) (1972), "Tod macht erfinderisch"1) (1985) und "Verspekuliert"1) (1992). Letztmalig erlebte man ihn im Fernsehen in der Episode "Das Herz einer Mutter" (EA: 16.01.1999) aus der Serie "Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen".
Nur ein Mal war Friedrich in einer Kinoproduktion vertreten, 1982 präsentierte er sich in Michael Verhoevens hochgelobtem Drama "Die weiße Rose"1) als Robert Scholl, Vater der Geschwister bzw. Widerstandskämpfer Sophie Scholl1) (Lena Stolze) und Hans Scholl1) (Wulf Kessler).
Des öfteren trat Friedrich auch in Hörspielen in Erscheinung, so schon 1959 in der von Martin Flörchinger2) für das Radio inszenierten "Woyzeck"-Fassung. Weiterhin konnte man ihn beispielsweise in "Alchimons Apfel" (1963, Regie: Gert Westphal) der jüdischen Schriftstellerin und Journalistin  Zora Dirnbach hören, er präsentierte sich in "Indizienbeweise" von Erich Fried1) (1966; Regie: Fritz Schröder-Jahn), in "Vater und Lehrer" (1968, Regie: Fritz Schröder-Jahn) von Manfred Bieler1) oder in "Auckland" (1970, Regie: Heinz Hostnig) von Ilse Aichinger1). In dem vom Rainer Clute für den "Rias Berlin" produzierten Krimi "Doktor Tschu Man Fu" aus der legendären "Professor van Dusen"-Reihe1) mit Friedrich W. Bauschulte2) als Titelheld sprach er 1982 gleich mehrere Rollen, in "Professor van Dusen und der grundlose Mord" (1984) den Maler Sir Philip Evan-Burnes. 1995 gehörte er zur Besetzung von "Deutschstunde"1) (Autor Siegfried Lenz, Regie: Bärbel Jarchow) → mehr bei der Hörspieldatenbank HÖRDAT.
 
Gerhard Friedrich, der am 19. August 2014 seinen 85. Geburtstag feiern konnte, lebt in Berlin. Seit 2008 ist er mit seiner 49 Jahre jüngeren, langjährigen Lebensgefährtin Monja von Schemmerling verheiratet. Erstmals stellte er sie der Öffentlichkeit 2006 anlässlich der Premierenfeier von "Herbstzeitlose" vor, kennengelernt hatte sich das Paar rund zehn Jahre zuvor durch einen Brief, mit dem Monja von Schemmerling den Künstler um ein Autogramm bat → www.welt.de.
In den 1960er Jahren wurde Gerhard Friedrich mit dem ""Insel-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg" für junge Darsteller ausgezeichnet. 

Quelle (unter anderem): Wikipedia, www.renaissance-theater.de, kulturportal.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
     
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