Gerda Gmelin wurde am 23. Juni 1919 als Tochter des Schauspielers und Theatergründers Helmuth Gmelin1) (1891 – 1959) in Braunschweig geboren. Schon mit sieben Jahren gab sie als Ballettelevin ihr Debüt, als Schülerin stand sie mit 15 Jahren auf der Theaterbühne, begann dann 1937 an der Schule des "Deutschen Schauspielhauses" in Hamburg eine Ausbildung, die zwei Jahre später beendete. Ein erstes Engagement erhielt Gerda Gmelin am Theater in Koblenz, anschließend wirkte sie an verschiedensten Bühnen in ganz Deutschland.
  
Nach dem 2. Weltkrieg kehrte Gerda Gmelin in die Hansestadt zurück, wo ihr Vater 1948 in einer Privatwohnung das "Theater im Zimmer"
1) gegründet hatte. 1952 zog das Theater in eine klassizistische Villa im Hamburger Stadtteil Pöseldorf um, 1959 übernahm Gerda Gmelin nach dem Tod ihres Vaters die Leitung und führte das Theater 40 Jahre lang, bis sie die Bühne im Jahre 1999 wegen sinkender Zuschauerzahle schließen musste. Das Theater zeichnete sich vor allem durch avantgardistische sowie zeitkritische Spielpläne aus und Gmelins Mut zum Experiment beeindruckte auch überregional die Kritiker. Stücke von Eugene Ionesco, Harold Pinter oder Franz Xaver Kroetz wurden in ihrem Theater erstmalig in Deutschland aufgeführt und so prägte Gerda Gmelin nicht nur die Hamburger Kulturszene maßgeblich mit; unter anderem erregte sie 1967 mit der Neuenfels-Inszenierung von Brechts "Baal" bundesweit Aufsehen.
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Gerda Gmelin 01; Copyright Virginia Shue
Gerda Gmelin 02; Copyright Virginia Shue Berühmte Schauspieler wie Ulrich Wildgruber2) und Boy Gobert2) oder auch Regisseure wie Hans Neuenfels1) und Günther Rennert1) begannen ihre Karriere an Gmelins Theater, Musiker und Kabarettisten wie Udo Lindenberg1), Otto Waalkes1) oder Hans Scheibner1) traten bei ihr auf. Gmelin selbst überzeugte immer wieder als Regisseurin sowie durch herausragende schauspielerische Leistungen; eine ihrer Glanzrollen war die Magd Zerline in "Erzählung der Magd Zerline" nach Hermann Brochs Roman "Die Schuldlosen".
Nach der Schließung ihrer Bühne trat die nur 1,58 Meter große Schauspielerin mit dem bärbeißigen Humor und dem weißen Zopf u. a. als Maude in "Harald und Maude" am Hamburger "Ernst-Deutsch-Theater" auf, aber auch mehrfach in anderen Hamburger Privattheatern. Ihre letzte im Dezember 2002 in der "Winterhuder Komödie" gespielte Rolle der "Winnie" in Becketts "Glückliche Tage" war eine ihrer Lieblingsrollen.
  
Einem breiten Publikum wurde die markante Künstlerin ab Ende der 1950er Jahre durch ihre Rollen in zahlreichen Fernsehspielen bekannt. Meist verkörperte sie – nicht ohne eine gehörige Portion Humor –  ein wenig schroffe, schnodderige und respektlose Frauenfiguren, so beispielsweise 1988 die Nachbarin Fräulein Neiter in der fünfteiligen Verfilmung von Ralph Giordanos Roman "Die Bertinis"1). Man sah sie in etlichen "Tatort"-Folgen und seit 1987 bis 2003 spielte sie in der beliebten ZDF-Serie "Der Landarzt"1) als Berta Rogalla mit; zuerst bei Landarzt Dr. Karsten Mattiesen (Christian Quadflieg) an der Seite von Evelyn Hamann (Thea), später dann bei dessen Nachfolger Dr. Uli Teschner (Walter Plathe) mit Eva Maria Bauer (Hilde Sellmann) als die "Klatschtanten von Deekelsen".
 
 
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Die Schauspielerin, Regisseurin und ehemalige Theaterleiterin Gerda Gmelin, die in ihren letzten Lebensjahren nahezu erblindet war, starb am 14. April 2003 nach schwerer Krankheit 83-jährig im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg; sie wurde im "Garten der Frauen"1) auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Annähernd achtzig Jahre stand die "große alte Dame" des Theaters auf der Bühne und erhielt für ihre Leistungen zahlreiche Auszeichnungen: So beispielsweise die "Medaille für Kunst und Wissenschaft" des Hamburger Senats, die "Biermann-Ratjen-Medaille"1) sowie den "Max-Brauer-Preis"1)
Über ihr Privatleben ist nur bekannt, dass sie alleinerziehende Mutter zweier Söhne war.3)


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Gerda Gmelin 03; Copyright Virginia Shue
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) Quelle Wikipedia (abgerufen 09.08.2011)
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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