Bernhard Goetzke wurde am 5. Juni 1884 in Danzig geboren. Bevor er zu einem vielbeschäftigten und anerkannten Darsteller im Stummfilm avancierte, hatte privaten Schauspielunterricht genommen und anschließend in Düsseldorf sein Bühnendebüt gegeben. Über Hagen und Dresden kam er während des 1. Weltkrieges nach Berlin, spielte dort an verschiedenen Theatern und kam mit dem aufstrebenden Filmgeschäft in Kontakt. Erstmals wird sein Name in dem stummen Streifen "Furcht" (1917) erwähnt, bis Ende der 1910er Jahre sollten zunächst kleinere Parts in weiteren Filmen folgen. Zu Goetzkes frühen Leinwandauftritten zählen unter anderem "Veritas Vincit – Die Wahrheit siegt" (1919), "Die Japanerin"2) (1919), "Madame DuBarry"1) (1919) und "Der Dolch des Malayen" (1919), wenig später wirkte er in allen sechs Teilen von Fritz Bernhardts "Nirvana" (1920) sowie in Karl Gerhardts vierteiligem Abenteuer "Die Jagd nach dem Tode"1) (1920/21) mit; siehe auch die Infos zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 bei der "Murnau Stiftung".

Foto: Bernhard Goetzke um 1922
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 497/2 (Ausschnitt)
Angaben zur Lizenz siehe hier

Bernhard Goetzke um 1922; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 497/2 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
An der Seite von Emil Jannings beispielsweise agierte er als Paophis in "Der Schädel der Pharaonentochter"1) (1920), in Joe Mays monumentalem Klassiker "Das Indische Grabmal"1) (1921) mit den beiden Teilen "Der Tiger von Eschnapur" und "Die Sendung des Yoghi" mimte er den Yoghi Ramigani 'Rami', spätestens mit seiner genialen Interpretation von "Tod", "Gärtner El Mot" und "Bogner des Kaisers" in Fritz Langs Meisterwerk "Der müde Tod. Ein deutsches Volkslied"1) (1921) wurde Bernhard Goetzke berühmt und weltbekannt: Ein geheimnisvoller Fremder, niemand geringerer als der Tod (Bernhard Goetzke), nimmt einer jungen Frau (Lil Dagover) den Geliebten. In ihrer Überzeugung, dass die Liebe stärker sei als der Tod, fordert die Frau den Geliebten (Walter Jansen) zurück. In einem Meer von flackernden Kerzen, Millionen von sprichwörtlichen Lebenslichtern, wird ihr der Wunsch gewährt, jedoch nur unter der Bedingung, dass es ihr gelänge, drei der Flammen am Erlöschen zu hindern. In drei Episoden, die im Bagdad der Kalifen, im Venedig der Renaissance und im alten China spielen, verwebt der Film nun diese Aufgabe mit dem Kampf junger Frauen um die Leben ihrer Verlobten. Doch keine der Flammen überdauert die ihr zugestandene Zeit, und so geht die Frau schließlich auf ein letztes unmögliches Angebot des Todes ein… (Quelle: www.stummfilmmusiktage.de)  
Die Zusammenarbeit mit Fritz Lang fand ihre Fortsetzung in den Klassikern "Dr. Mabuse, der Spieler – Ein Bild der Zeit"1) (1922) und der Rolle des Staatsanwalt von Wenk sowie in dem Nibelungen-Zweiteiler1) "Siegfried" und "Kriemhilds Rache" (beide 1924), wo er den Part des Volker von Alzey spielte. Er übernahm Hauptrollen in den zwei Teilen von Ewald André Duponts "Kinder der Finsternis" (1921/22), Ernst Lubitsch besetzte ihn in "Das Weib des Pharao"1) (1922, mit Emil Jannings), mit Asta Nielsen und Paul Wegener drehte er "Vanina oder Die Galgenhochzeit"1) (1922), erneut mit Jannings agierte er in Dimitri Buchowetzkis Historienstreifen "Peter der Große"1) (1922) und stellte den Minister Menschikoff dar. Eindrucksvoll war auch sein Ingenieur Kramer in Gerhard Lamprechts Sozialdrama "Die Verrufenen"1) (1925, mit Aud Egede Nissen) sowie ein Jahr später in der Fortsetzung "Die Unehelichen"1) (1926).
  
Bis Ende der 1920er Jahre blieb Bernhard Goetzke ein vielbeschäftigter Stummfilmdarsteller und drehte zudem im Ausland, so unter anderem (auch) in Großbritannien die deutsch-britischen Co-Produktionen "The Blackguard"1) (1925, Die Prinzessin und der Geiger) und "Der Bergadler"1) (1926, The Mountain Eagle), zu denen Alfred Hitchcock das Drehbuch geschrieben hatte. In Italien entstand der Monumentalfilm "Gli Ultimi giorni di Pompeii" (1926, Die letzten Tage von Pompeii; Regie: Carmine Gallone), in Frankreich "La Vestale du Gange" (1927, Regie: André Hugon) und in Russland "Salamandra" (1928, Regie: Grigori Roshal) – die erste deutsch-sowjetischen Koproduktion überhaupt. Erwähnenswert sind weiterhin Géza von Bolvárys Abenteuer "Die Gefangene von Shanghai" (1927) und seine Rolle des General Hai Lung, Richard Oswalds Vicki Baum-Adaption "Feme"1) (1927) mit Goetzke als Universitätsprofessor Lenzberg und Eugen Illés' Drama "Das Gefährliche Alter" (1927) mit Asta Nielsen als Partnerin.
  
Mit Beginn des Tonfilms verblasste der Ruhm des Stummfilmstars, Goetzke stand zwar weiterhin vor der Kamera, meistens hatte jedoch nur kleinere Auftritte. Zu seinen markanten Tonfilm-Rollen gehören die des Dr. Petersen in "Alraune"2) (1930, mit Brigitte Helm), der General Pellieux in "Dreyfus"1) (1930) unter der der Regie von Richard Oswald und die Hauptrolle des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig in Gerhard Lamprechts Historienfilm "Der schwarze Husar"1) (1932). In allen weiteren zahllosen Kinoproduktionen, in denen er bis Kriegsende mitwirkte, spielte er meist nur unbedeutende Nebenrollen. Seinen letzten Leinwandauftritt hatte Goetzke 1950 als armer Bauer in der DEFA-Verfilmung "Das Kalte Herz"1), danach übernahm er noch sporadisch Aufgaben für das Fernsehen, so unter anderem in Hanns Korngiebels TV-Spiel "Elisabeth von England" (1961).

Bernhard Goetzke, der für viele Jahre ein renommiertes Ensemblemitglied des Berliner "Schillertheaters" war, starb am 7. Oktober 1964 im Alter von 81 Jahren in West-Berlin. Im "Deutschen Bühnenjahrbuch" (1964) wird er folgendermaßen gewürdigt: "Er gehörte mit seinem scharf geprägten Antlitz, der hohen Stirn und den tiefliegenden Augen sowie der hohen, schlanken Gestalt zu den eindrucksvollsten Erscheinungen unter den deutschen Stummfilmschauspielern." 
Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de
Lizenz Foto Bernhard Goetzke (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1927: Die Gefangene von Shanghai
  • 1927: Das gefährliche Alter
  • 1928: Der Schöpfer / Vivre
  • 1928: Schuldig
  • 1928: Tragödie im Zirkus Royal
  • 1928: Die Sache mit Schorrsiegel
  • 1928: Salamander
  • 1928: Der Henker
  • 1929: Die Todesfahrt im Weltrekord
  • 1929: Der Graf von Monte Christo 1.Teil
  • 1929: Frühlingserwachen
Tonfilme
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