Evelyn Hamann 01; Copyright Virginia Shue Evelyn Hamann wurde am 6. August 1942 in Hamburg in eine Familie mit musikalischer Tradition hineingeboren: ihr Vater Bernhard Hamann1) (1909 – 1968) war Geiger bzw. Konzertmeister des NDR-Sinfonieorchesters und Gründer des berühmten "Hamann-Quartetts"1), ihre Mutter Sängerin und Gesangspädagogin. Der Großvater war in Berlin als Konzertmeister tätig gewesen, ihr verstorbener Bruder Gerhard Hamann1) (1935 – 2000) war Professor für Cello an der Musikhochschule in Trossingen. Evelyn Hamann nahm Schauspielunterricht an der "Hochschule für Musik und Darstellende Kunst" in Hamburg bei Professor Eduard Marks2) (1901 – 1981) sowie dessen Frau, der Professorin Annemarie Marks-Rocke2) (1901 – 2004) und spielte bereits während ihrer Ausbildung kleinere Rollen am "Thalia Theater". Ein erstes Engagement führte die junge Schauspielerin ab 1968 für zwei Jahre an das "Junge Theater" in Göttingen, wo sie unter anderem in Brechts "Mann ist Mann" spielte, später stand sie in Heidelberg auf der Bühne, anschließend gehörte sie bis 1979 zum Ensemble des Bremer Theaters. Neben vielen anderen Rollen sah man sie unter anderem auch als Marthe Schwertlein im "Urfaust".
  
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
1976 kam es zu einer Begegnung mit Vicco von Bülow2) alias "Loriot" (1923 – 2011), die entscheidend für ihre weitere Laufbahn bei Film- und Fernsehen werden sollte. An der Seite des begnadeten Humoristen Loriot schlüpfte Evelyn Hamann in zahllosen Sketchen in die verschiedensten Rollen und wurde über Nacht für ein Millionenpublikum zum Inbegriff von Komik. Unvergessen sind Szenen wie der "Nudelsketch", die kleinbürgerliche Frau Hoppenstedt in der "Jodelschule", die mit dem Jodeldiplom was "Eigenes" haben will, oder das "Fräulein Dinkel", die krampfhaft versucht, ihrem Chef näher zu kommen. Mit unverwechselbarer Mimik und Gestik spielte Evelyn Hamann in verschiedensten Masken und Verkleidungen die Geschichten mit einer meisterhaften Perfektion und das Duo Loriot/Hamann wurde zu "dem" Komiker-Paar der 1970er Jahre.
Auch in Vicco von Bülows erster Kino-Komödie "Ödipussi"1) stand sie 1988 dem Meister des hintersinnigen Humors zur Seite und spielte hinreißend die Diplom-Psychologin Margarethe Tietze, die von dem "Muttersöhnchen" Paul Winkelmann angebetet wird. In "Pappa ante Portas"1) begeisterte sie 1991 als entnervte Ehefrau Renate des Vorruheständlers Heinrich Lohse alias Vicco von Bülow das Publikum.
 
Doch nicht nur als Partnerin von Loriot war und blieb Evelyn Hamann erfolgreich und demonstrierte immer wieder ihre ungeheure Wandlungsfähigkeit. So spielte sie beispielsweise ab Mitte der 1980er Jahre in der legendären Serie "Die Schwarzwaldklinik"1) die Haushälterin Carsta Michaelis, zwischen 1987 und 1989 tauchte sie als klatschsüchtige Thea Knoll beim "Landarzt"1) im Gespann mit Berta (Gerda Gmelin) auf, ab 1990 sah man sie beispielsweise als Irene Rimbach in der Serie "Der Millionenerbe"3) an der Seite von Günter Pfitzmann. Neben Auftritten in so erfolgreichen Produktionen wie "Das Traumschiff" oder "Tatort" erlangte die Schauspielerin ab 1993 zusätzliche ungeheure Popularität mit ihren Specials "Geschichten aus dem Leben"3), wo sie grandios verschiedenste Frauenfiguren mimte, zumeist jedoch Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und sich nicht unterkriegen lassen. Beispiele hierfür sind auch die ganz auf die Protagonistin zugeschnittenen Verwechslungskomödien "Wut im Bauch"4) (1998) und "Ehemänner und andere Lügner"4) (2001). In "Wut im Bauch" kam die Hamann als berufstätige, einfallsreiche Mutter Charlotte Mayer daher, die bei der Postenvergabe untergebuttert wird, als betrogene Ehe- und Hausfrau Gerda Förster stellte sie in "Ehemänner und andere Lügner" einmal mehr ihr Talent für charakterstarke Rollen unter Beweis.
Als eigenwillige "Tippse" Adelheid Möbius, die für ihren etwas trotteligen Chef Ewald Strobel alias Heinz Baumann in der humorvollen Krimi-Serie "Adelheid und ihre Mörder"1) so manchen kniffligen Fall löst, begeisterte sie seit 1993 das Publikum; die sechste und letzte Staffel wurde 2005 gedreht und startete am 8. Mai 2007 in der ARD.  "Komik ist genaue, die eigenen Mittel immer wieder hinterfragende Arbeit mit der Liebe zum Detail" sagte sie einmal auf die Frage nach der Wurzel ihres Könnens.
Natürlich durfte die Schauspielerin in dem 90-minütigen Special "Die Schwarzwaldklinik – Die nächste Generation", welches das ZDF Ende Februar 2005 ausstrahlte und damit das 20-jährige Bestehen der erfolgreichsten deutschen Fernsehserie aller Zeiten feierte, nicht fehlen. Die melodramatische Geschichte knüpfte an Dr. Benjamin Brinkmann (Alexander Wussow) an, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und als Assistenzarzt in der Schwarzwaldklinik arbeitet. Auch alle anderen ehemaligen Stars der legendären Serie waren mit von der Partie, so Klausjürgen Wussow als Dr. Brinkmann, Gaby Dohm als seine Frau Christa, Sohn Udo alias Sascha Hehn, Eva-Maria Bauer als ehemalige Oberschwester Hildegard sowie viele mehr – und selbstverständlich Evelyn Hamann als Haushälterin Carsta Michaelis.
Neben ihrer Arbeit für Film- und Fernsehen hielt Evelyn Hamann Lesungen ab, produzierte CDs und Hörbuchkassetten, so unter anderem "Katzengeschichten" und "Mordsgeschichten" von der berühmten Kriminalautorin Patricia Highsmith, von Anton Tschechow "Die Dame mit dem Hündchen" oder "Rebecca" von Daphne Du Maurier. Aus ihrer "Loriot"-Zeit stammen ebenfalls zahlreiche Schallplattenaufnahmen.
Für ihre Leistung als Schauspielerin wurde Evelyn Hamann, die auch als "Frau mit den 1000 Gesichtern" bezeichnet wird, im Verlaufe ihrer Karriere mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. So erhielt sie unter anderem als "Beste Darstellerin" in einer Serie (als "Adelheid") 1997 den "Telestar"1)  sowie den "Bayerischen Fernsehpreis"1), 1978 und 1988 die "Goldene Kamera"1) ("Beste Nebenrolle" bei Loriot/3. Platz "Beste Comedy" für "Evelyn und die Männer", seit 1993 war die Schauspielerin Trägerin des "Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse". Zudem war sie seit 1998 Ehrenkommissarin der Bayerischen Polizei.
 
Evelyn Hamann, die ihr Privatleben strikt vor der Öffentlichkeit abschottete, war zwischen 1964 und 1976 mit Hans Walter Braun verheiratet, den sie am Theater in Hamburg kennengelernt hatte. Nach ihrer Scheidung lebte sie im Hamburger Stadtteil Rotherbaum, zuletzt mit ihrem Lebenspartner, dem Schauspieler Stefan Behrens1). In ihrer knapp bemessenen Freizeit widmete sich Evelyn Hamann ihren Hobbys wie Wagner-Musik, Lesen, Malen oder dem Klavierspiel.

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Evelyn Hamann 02; Copyright Virginia Shue
Am 6. August 2007 feiert die von Loriot als "größte deutsche Komödiantin aller Zeiten" bezeichnete Künstlerin ihren 65. Geburtstag; anlässlich dieses Ereignisses gratuliert ihr der NDR eine Woche zuvor am 28. Juli ab 23:30 Uhr mit der "Evelyn-Hamann-Nacht". Nach "Loriot – Vom Glück der Liebe, der Ehe und des Erinnerns" konnten die Zuschauer sich auch an drei Wiederholungen von "Adelheid und ihre Mörder" erfreuen.
Mit großer Bestürzung wurde wenige Wochen später die Nachricht aufgenommen, dass die so beliebte und sympathische Schauspielerin in der Nacht vom 29. Oktober 2007 nach kurzer schwerer Krankheit im Kreis ihrer Angehörigen den Folgen ihrer bereits ein Jahr zuvor festgestellten Lymphdrüsenkrebserkrankung erlag; auch ihr Bruder Gerhard war Anfang September 2000 an dieser tückischen Krankheit gestorben. Die traurige Nachricht zog sich wie ein Lauffeuer durch die Medien, fast jede namhafte Zeitung brachte den überraschenden Tod der Ausnahmekomikerin einen Tag später auf der Titelseite – ein Beweis für die ungeheure Popularität der Künstlerin. Das ZDF widmete ihr am 29. Oktober zur besten Sendezeit eine (allerdings ambivalent aufgenommene) Sondersendung, zu der Johannes B. Kerner Hamanns guten Freund, den Produzenten Markus Trebitsch, sowie die Schauspielerkollegen und Weggefährten Rudolf Kowalski (Partner in verschiedensten Loriot-Sketchen) und Gerhard Garbers (Ex-Ehemann in der satirischen Krimiserie "Adelheid und ihre Mörder") geladen hatte; gemeinsam erinnerte man sich mit diversen Loriot-Szenen an eine Frau, die mit ihrer unverwechselbaren Komik Fernsehgeschichte geschrieben hat.
Evelyn Hamann und Vicco von Bülow 1984 während der Pause in der Hamburgischen Staatsoper; Copyright Virginia Shue Um Loriot selbst zu hören, musste der Zuschauer später den NDR oder noch später das Erste einschalten. Dort sprach der bald 84-Jährige seine Abschiedsworte in die Kamera, die der Kollegin bestimmt gefallen hätten, wahrten sie doch kunstvoll die Balance zwischen Komik und Tragik: "Mit Evelyn habe ich eine treue Partnerin und wir alle eine wunderbare Schauspielerin verloren, der es immer gelang, die heiklen Seiten des Lebens durch Komik zu überwinden", sagte der 83-Jährige. "Dein Timing war immer perfekt. Nur heute hast du die Reihenfolge nicht eingehalten." Und dann folgte ein mit traurigem Blick, aber dem Ansatz eines Schmunzelns vorgetragenes: "Na warte." (Quelle: FAZ.NET)
"Spiegel Online" schrieb unter dem Titel "FRAU HOPPENSTEDT – Evelyn Hamann ist tot" in einem Nachruf unter anderem: "Hamanns potentiell subversiver Humor stand nicht quer zur breiten Wirkung. Das Fernsehen war ihr Medium, sie überzeugte in Quoten-Hits wie "Das Traumschiff", "Der Landarzt" oder in Krimiserien wie "Der Alte" und "Tatort". Den streckenweise öden Kitschroman der "Schwarzwaldklinik" veredelte sie als Haushälterin Carla Michaelis mit präzisem Spiel und großer Präsenz." (Siehe auch einen weiteren Nachruf bei www.spiegel.de)
 

Foto: Evelyn Hamann und Vicco von Bülow 1984 während der Pause in der "Hamburgischen Staatsoper" bei der Premiere zu Wagners "Meistersinger"
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
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Der damalige Bundespräsident Horst Köhler bekundete den Angehörigen sein Beileid unter anderem mit den Worten "Viele Menschen in unserem Land teilen Ihre Trauer (…) Evelyn Hamann wird uns allen als eine großartige Darstellerin und als ein ganz besonderer Mensch in Erinnerung bleiben". Günter Struve, Programmdirektor der ARD, würdigte die Fernseh-Ikone mit den Worten: "Der Tod von Evelyn Hamann macht mich betroffen. Evelyn Hamann war eine brillante Schauspielerin. Als Partnerin von Loriot bekannt geworden, baute sie sich bald eine eigene und außergewöhnliche Karriere auf. Ihre Markenzeichen waren ihr hanseatisch-trockener Humor und ihr spröder Witz, mit dem sie in immer neuen Rollen ihr Publikum begeisterte. Die Figur der "Tippse" Adelheid Möbius von "Mord Zwo" war dabei sicher eine ihrer Glanzrollen, die sie unvergesslich machen." NDR-Intendant Jobst Plog sagte: "Sie war eine Darstellerin, die ihre Figuren mit größter Präzision und äußerst liebevoll gestaltet hat – und eine Kollegin, die trotz ihrer Bekanntheit nie viel Aufhebens um sich gemacht hat.".
Hatte Loriot einmal gesagt, dass Evelyn Hamann für ihn "ein Glücksfall" gewesen sei, für Millionen von Zuschauern war sie es ebenfalls Jahrzehnte lang.
Ihre letzte Ruhe fand Evelyn Hamann auf dem Alten Niendorfer Friedhof in Hamburg; die Beisetzung fand im engsten Familien- und Freundeskreis statt → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.

Zwei große Künstlerinnen, die unvergesslich bleiben werden:
Evelyn Hamann und Inge Meysel2)
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Evelyn Hamann und Inge Meysel; Copyright Virginia Shue
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) fernsehserien.de, 4) prisma.de
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia sowie den Nachruf bei www.spiegel.de 
Filmografie bei der
Internet Movie Database
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