Edith Heerdegen wurde am 2. Juli 1913 in Dresden geboren; sie wuchs in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf und besuchte ein Gymnasium. Nach dem Abitur ließ sie sich zur Schauspielerin ausbilden und gab als Zwanzigjährige ihr Bühnendebüt mit einer winzigen Rolle in Schillers "Wilhelm Tell". 
Foto: Edith Heerdegen 1973 in dem Fernsehspiel "Traumtänzer" Regie und Autor: Vojtech Jasný; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Es dauerte mehrere Jahre, bis sie sich als anerkannte Schauspielerin etablieren konnte, lange zog sie mit einer Wanderbühne über Land und tingelte durch die Provinz. Erst gegen Ende des 2. Weltkrieges erhielt sie durch den berühmten Erich Ponto am "Staatstheater Dresden" ein festes Engagement, dem sie dann 1947 nach Stuttgart an das "Württembergische Staatstheater" folgte, welches für mehr als dreißig Jahre zu ihrer künstlerischen Heimat wurde; im Juli 1979 stand sie dort letztmalig auf der Bühne, anschließend wechselte sie an das "Bochumer Schauspielhaus".
 
Foto: Edith Heerdegen 1973 in dem Fernsehspiel "Traumtänzer"
Regie und Autor: Vojtěch Jasný1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services;  © SWR
Das Repertoire von Edith Heerdegen war breit gefächert, sie beeindruckte sowohl mit klassischen als auch modernen Frauenfiguren: So etwa mit den Titelrollen in Lessings "Minna von Barnhelm"1) und Shaws "Die heilige Johanna"1), sie glänzte beispielsweise als Witwe Margaret in Shakespeares "Richard III"1), als Königin Elisabeth in Schillers "Maria Stuart"1) oder als Rebecca West in Ibsens "Rosmersholm"1). Zu ihren weiteren bedeutenden Interpretationen zählten auch die Lucile in Giraudouxs "Um Lucretia", die Mizzi in Kafkas "Das Schloss"1), die Mary Cavan Tyrone in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht"1), die Dr. Mathilde von Zahnd in Dürrenmatts "Die Physiker"1) oder die Stella in Peter Ustinovs "Endspurt" –  um nur weniges zu nennen. Vor allem im vorangeschrittenen Alter konnte sie am Theater ihre schauspielerische Dominanz beweisen. Noch im Herbst 1980 brillierte Edith Heerdegen in Bochum an der Seite von dem legendären Bernhard Minetti als fast verstummte Gattin in Thomas Bernhards "Der Weltverbesserer"1).

Einem breiten Publikum bekannt wurde die Schauspielerin durch Film und Fernsehen: Bereits 1949 hatte man sie mit einer winzigen Rolle in Wolfgang Staudtes Kinofilm "Schicksal aus zweiter Hand" sehen können, auch für Helmut Käutners "Monpti"1) (1957) stand sie vor der Kamera. Zu ihren weiteren Arbeiten für das Kino zählen unter anderem Rainer Wolffhardts "Sansibar" (1961), die Simmel-Verfilmung "Der Stoff, aus dem die Träume sind"1) (1972), die Fallada-Adaption "Jeder stirbt für sich allein"1) (1975), Ingmar Bergmans "Das Schlangenei"1) (1977), Luc Bondys "Die Ortliebschen Frauen" (1979) und die Komödie "Wer spinnt denn da, Herr Doktor?" (1981).

Im Fernsehen hinterließ sie an der Seite von Carl Heinz Schroth in "Orden für die Wunderkinder"1) (1963) einen nachhaltigen Eindruck mit der Rolle der "Gräfin", ebenso wie mit der Titelrolle der Rosa Luxemburg in der Dokumentation "Der Fall Liebknecht-Luxemburg"2) (1969). Herrlich war ihre Tante Milla in der von
Vojtěch Jasný inszenierten Heinrich Böll-Satire "Nicht nur zur Weihnachtszeit" (1970), zu der Böll zum ersten Mal auch ein Originaldrehbuch für das Fernsehen geschrieben hatte: Tante Milla pflegte prachtvolle Weihnachtsfeste zu feiern. Besonders der unter ihrer Anleitung von der ganzen Familie hergerichtete Christbaum war immer ein wahres Wunderwerk. Eines Tages fing Tante Milla beim Abräumen des Baumschmucks plötzlich zu schreien an und wollte sich nicht mehr beruhigen. Keiner der herbeigerufenen Ärzte und psychiatrischen Kapazitäten konnte die Ursache des heftigen Leidens ergründen oder Abhilfe schaffen. Tante Milla schrie ohne Unterlass, bis schließlich Onkel Franz die Idee kam, einen neuen Christbaum aufzustellen, ihn der Familientradition gemäß schmücken zu lassen und eine Weihnachtsfeier zu veranstalten. Seitdem feiert die bedauernswerte Familie Abend für Abend Weihnachten, eine Übung, die im Verlauf von wenigen Monaten die solide, respektable Familie völlig demoralisiert. (Quelle: prisma.de; siehe auch Wikipedia)
  
Neben Auftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie "Der Kommissar", "Sonderdezernat K1", "Derrick" oder "Der Alte" erlebte man die Schauspielerin unter anderem als Maria Behrend in Vojtech Jasnys "Traumtänzer" (1973) oder in dem Drama "Die Zweite Haut" (1981). Sie spielte zuletzt in der Familienserie "Einfach Lamprecht" (1981) und war als "die alte taube Frau " in der sechsteiligen Abenteuerserie "Silas"3) (1981) zu sehen. Außerdem wirkte die Schauspielerin an zahlreichen Hörspiel- und Hörbuchproduktionen mit.

Edith Heerdegen, die in dessen letzten Lebensjahren mit ihrem großer Lehrmeister Erich Ponto3) (1884 – 1957) zusammenlebte, war später mit Otto Böhm, dem Chef einer traditionsreichen Stuttgarter Feinkostfirma, verheiratet und lebte in Dachsberg (Südschwarzwald). Dort starb sie am 13. Juli 1982 im Alter von 69 Jahren und fand auf dem Dachsberger Friedhof auch ihre letzte Ruhe → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Ihr Privatleben hatte sie stets streng vor der Öffentlichkeit abgeschirmt.
 
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 3) Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia sowie den Nachruf anlässlich des Todes bei DIE ZEIT;
Filmografie bei der
Internet Movie Database
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