Kirsten Heiberg (etwa 1930 bis 1935); Urheber: Thorleif Wardenær (1897–1990); Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Oslo Museum (Bild-Nr. TM.T03055; Theaterhistorische Sammlung (via oslobilder.no) bzw. Wikimedia Commons Kirsten Heiberg wurde am 25. April 1907*) in der südnorwegischen Kleinstadt Kragerø als Tochter eines wohlhabenden Holzhändlers geboren und wuchs wie ihre jüngere Schwester Else Cathrine (1910 – 1972), die ebenfalls Schauspielerin bzw. Pianistin und Tanzpädagogin wurde, in einem künstlerisch orientierten Elternhaus auf. Sie besuchte Schulen und Internate in Lausanne, Dijon und Paris, ging als junges Mädchen nach Großbritannien, studierte in Oxford Englisch und erhielt dort auch eine Schauspielausbildung. Ihr gesangliches und tänzerisches Talent untermauerte sie ebenfalls mit einer entsprechenden Ausbildung in Oslo. Nach anfänglichen kleineren Auftritten in Bergen hatte sie (nach einigen Biografien) am Nationaltheater in Oslo erste Erfolge1), 1937 kam sie nach Wien, wo sie den Komponisten Franz Grothe2) (1908 – 1982) kennen lernte und ihn kurze Zeit später (1938) in Oslo heiratete. Mit ihm zog sie nach Berlin und kam auch in Deutschland mit dem Filmgeschäft in Berührung; Bereits 1934 hatte sie in ihrem Heimatland erstmals in "Syndere i sommersol" vor der Kamera gestanden, war in vier weiteren norwegischen und schwedischen Filmproduktionen aufgetreten. In der spritzigen Curt Goetz-Gesellschaftssatire "Napoleon ist an allem schuld"2) (1938) schaffte sie dann mit der Rolle der "Fifi" den Durchbruch zu einer erfolgreichen, wenn auch kurzen Leinwandkarriere. Wie Zarah Leander wurde sie als "erotische Botschafterin des hohen Nordens" aufgebaut, gehörte bald mit Streifen wie "Frauen für Golden Hill"3) (1938) zu den populären Darstellerinnen der UFA.

Kirsten Heiberg (etwa 1930 bis 1935)
Urheber: Thorleif Wardenær (1897–1990); Lizenz: CC BY-SA 3.0
Quelle: Oslo Museum (Bild-Nr. TM.T03055; Theaterhistorische Sammlung (via oslobilder.no)
bzw. Wikimedia Commons

1939 folgte der Krimi "Alarm auf Station III"3) und im gleichen Jahr mimte sie in "Der Singende Tor" die Sylvia Franchetti an der Seite von Benjamino Gigli. In den 1940er Jahren war Kirsten Heiberg unter anderem in den NS-Propagandafilmen "Achtung! Feind hört mit!"2) (1940) und "Falschmünzer"3) (1940, Vorbehaltsfilm2)) auf der Leinwand zu sehen, zeigte sich in dem Thriller "Die goldene Spinne"3) (1943), dem Katastrophen-Drama "Titanic"2) (1943), dem Melodram "Die schwarze Robe"3) (1944) oder dem Musikfilm "Philharmoniker"2) (1944). Als rassige "Femme fatale" trat sie in Abenteuer- und Spionagefilmen auf, agierte neben Ufa-Stars wie beispielsweise Hans Söhnker oder Johannes Heesters und sang sich auch als Chansonette mit vielen Filmliedern ihres Ehemannes in die Herzen der Zuschauer.
Etliche Songs wie "Warum hat der Napoleon" (1938, aus dem Film "Napoleon ist an allem Schuld), "Auf den Flügeln bunter Träume" (1938, aus dem Spionagefilm "Geheimzeichen LB 17"3) mit Willy Birgel und Hilde Weissner), "Komm, Zauber der Nacht" (1942/43, aus dem Film "Liebespremiere"3)), oder "Wenn ein junger Mann kommt" (1940) gerieten zu Ohrwürmern und werden bis heute nicht nur von Nostalgiefans gerne gehört.
 
Nachdem sie sich geweigert hatte, in die Partei einzutreten und ihren Unmut über die Besetzung ihrer norwegischen Heimat geäußert hatte, erhielt sie zwei Jahre Auftrittsverbot. Danach bekam sie, bis auf die Hauptrolle in dem Revuefilm "Liebespremiere" (1942/43), nunmehr nur noch kleinere Rollen in "Titanic" (1943) oder "Philharmoniker" (1944). In "Eines Tages" (1943) und "Die Schwarze Robe" (1944) hatte sie ausdrucksstarke Auftritte (auch musikalischer Art in "Eines Tages" mit "Ich steh' allein"), verlor aber den Held (jeweils Richard Häussler) an die deutsch wirkenden Heldinnen Magda Schneider bzw. Lotte Koch. Ihr letzter Film "Rätsel der Nacht" (1945) war bei Kriegsende abgedreht aber noch ungeschnitten. Er wurde nur in Ost-Berlin 1950 aufgeführt.
Ein Zeitzeuge berichtete, dass Kirsten Heiberg 1945 Berlin nicht mehr verlassen konnte und im Luftschutzkeller eines Hotels festsaß. Sie flehte einen Wehrmachtssoldaten an, sie aus dem "Kessel" herauszubringen. Dieser lehnte ab, da er dies nicht dürfe. Fraglich ist, wo sich ihr Mann Franz Grothe zu diesem Zeitpunkt aufhielt; einem Zeitzeugen zufolge befand er sich nicht mit im Luftschutzkeller.
4)

Nach Ende des 2. Weltkrieges ging der Ehe der Schauspielerin mit Franz Grothe in die Brüche, Kirsten Heiberg kehrte nach Norwegen zurück, wurde dort aber wegen ihrer Zeit im Nazi-Deutschland als "Vaterlandsverräterin" abgestempelt und von den Filmproduzenten nicht beschäftigt; lediglich auf der Theaterbühne war sie später in Norwegen eine gefragte Schauspielerin. Kirsten Heiberg hatte zwar Ende der 1940er Jahre versucht, mit den Filmen "Amico" (1949), "Hafenmelodie"5) (1949) und "Opfer des Herzen" (1950) in Deutschland an ihre früheren Leinwanderfolge anzuknüpfen, was ihr jedoch nicht gelang; letztmalig erhielt sie 1954 in "Bei Dir war es immer so schön"2) eine kleine Rolle als Sängerin. Es war vertraglich vereinbart, dass dieser Film nicht in Norwegen laufen solle. Man hielt sich jedoch nicht daran und der Film kam schon ein paar Wochen nach der Deutschlandpremiere in norwegische Kinos. Dies brachte ihr bei ihren Landsleuten erneut eine negative Presse ein. Danach sollte sie nur noch einmal vor die Kamera treten: in den Sechzigern spielte sie eine kleine Nebenrolle in der norwegischen Produktion "Broder Gabrielsen".4)
 
Der ehemalige UFA-Star erlag am 2. März 1976 – von den Medien unbeachtet – in ihrer Wohnung in Oslo; Franz Grothe war bei der Beisetzung der Urne auf dem Gemeindefriedhof ihrer Geburtsstadt Krager
ø zugegen.
Im Jahre 2008 kam im Rahmen des Filmfestivals in Haugesund
2) ein großes Theaterstück über ihr Leben auf die Bühne.4)

Siehe auch Wikipediawww.cyranos.ch
die englischsprachige Seite www.kirsten-heiberg.com sowie die Fanseite kirstenheiberg.blogspot.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Textbausteine aus "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 152
*) nach anderen Quellen geboren 1912
1) Lt. Wikipedia war sie nie am Nationaltheater in Oslo beschäftigt.
Link: 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 5) filmportal.de
4) Quelle: Wikipedia (abgerufen 25.10.2011)
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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