Hilde Hildebrand
Hilde Hildebrand wurde am 10. September 1897 als Emma Minna Hildebrand und Tochter eines Monteurs in Hannover geboren. Bereits mit acht Jahren war sie Mitglied des Balletts am "Hoftheater Hannover", 1913 wurde sie in das Ballett-Ensemble des "Residenztheaters" aufgenommen.1) Ihr professionelles Theaterdebüt gab das aufstrebende Talent 1914 nach einer Schauspielausbildung und übernahm unter dem Namen "Emmy Hildebrand" diverse Rollen. Erste Erfolge feierte sie am Theater im komödiantischen Fach, seit Anfang der 1920er Jahre trat sie an verschiedensten Bühnen in Berlin auf und avancierte vor allem in etlichen Revuen zum Publikumsliebling. In den Nelson-Revuen "Es hat geklingelt" und "Etwas für Sie" trat sie in klassisch-ironischen Nummern auf. Ihr süffisanter Tonfall in ironischer Selbstdistanz wurde mit ihrem Partner Gustaf Gründgens in dem Duett "Oh Gott, wie sind wir vornehm" aus der Künneke-Operette "Liselott" auf Schellack festgehalten.1)
Die Leinwandkarriere startete mit kleineren, eher belanglosen Parts in Stummfilmen wie "Der Trödler von Amsterdam" (1925) oder "Rasputins Liebesabenteuer" (1928), mit Beginn des Tonfilms wurde sie in zahlreichen Produktionen besetzt und gehörte bald zu den vielbeschäftigten Darstellerinnen. Ihre Domäne waren Halbweltdamen wie 1933 in Georg Jacobys "Moral und Liebe" oder intrigante Freundinnen wie in Reinhold Schünzels "Amphitryon – Aus den Wolken kommt das Glück"2) (1938) und auch als Chansonette wurde Hilde Hildebrand nicht nur im Kino populär.
Sie agierte in so erfolgreichen Filmen wie in Carl Froelichs Historienstreifen "Liselotte von der Pfalz"3) (1935), Willi Forsts "Allotria"2) (1936) und "Bel Ami"2) (1939), stand neben Ufa-Stars wie beispielsweise Willy Fritsch, Willi Forst, Heinz Rühmann, Theo Lingen oder Hans Moser vor der Kamera. Bis Ende des 2. Weltkrieges wirkte sie in weiteren großen Leinwanderfolgen mit, zeigte sich unter anderem zusammen mit Johannes Heesters in der Komödie "Jenny und der Herr im Frack"3) (1941) oder mit Margot Hielscher und Rudolf Prack in der Romanze "Reise in die Vergangenheit"3) (1943). Unvergessen bleibt ihre Darstellung der alternden Hippodrom-Besitzerin Anita in dem Albers-Film "Große Freiheit Nr. 7"2) (1944). Gustav Knuth, der in dem Film den Matrosen Fiete spielte, hat einmal gesagt: "Als Hilde Hildebrand ihr Lied sang 'Beim ersten Mal da tut's noch weh', kriegte ich eine Gänsehaut. So hinreißend fand ich das. Ich könnte sie noch heute dafür umarmen."
 
Im Film wie auf der Bühne waren geistreiche Nuancen ihre Stärke, die sich mehr an den Genießer als an das Amüsierpublikum richtete. Sie war erotisierend, aber nie vulgär. Eine entscheidende Bedeutung bei ihren Filmauftritten kam ihren Gesangseinlagen und Chansons zu. Peter Kreuder, Theo Mackeben, Leo Leux, Michael Jary und Franz Doelle schrieben elegante Chansons für die Künstlerin. Bei den meisten Aufnahmen verzichtete Hilde Hildebrand auf ein großes Tonfilmorchester und versicherte sich stattdessen der Mitwirkung des kleinen Ensembles "Die Goldene Sieben". Sie konnte mit subtilem Humor in Liedern wie "Komm, spiel mit mir Blindekuh" und "Beim ersten Mal da tut's noch weh" auch beschwingte Weisen interpretieren, doch ihre Stärke waren die leisen und zärtlich-lasziven Töne, die sie mit ihrer angerauten Stimme zum Klingen brachte. "Liebe ist ein Geheimnis", "Mein Herz hat Heimweh" und "Nachts ging das Telefon" waren charakteristische Titel.1) → Diskografie bei Wikipedia

Nach Ende des 2. Weltkrieges stand Hilde Hildebrand vermehrt auf der Bühne, wurde jedoch auch mit kleineren, prägnanten Rollen in Unterhaltungsfilmen wie "Der Herr vom andern Stern"1) (1948), "Der Tiger Akbar"2) (1951) oder "Die Drei von der Tankstelle"2) (1955) besetzt. 1959 konnte sie als Lady Bridlington in Axel von Ambessers Gesellschaftskomödie "Bezaubernde Arabella"2) sowie ein Jahr später in Wilhelm Dieterles Zuckmayer-Adaption "Die Fastnachtsbeichte"2) (1960) mit der Figur der Madame Guttier erneut ihre schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, ebenso wie zwei Jahre später als Celia Peachum in Wolfgang Staudtes Filmversion von "Die Dreigroschenoper"2) (1963) an der Seite von Curd Jürgens und Hildegard Knef. Seit Mitte der 1950er Jahre übernahm sie zudem sporadisch Aufgaben in Fernsehproduktionen, wirkte zuletzt in Wilm ten Haafs Alexander Ostrowski2)-Adaption "Wölfe und Schafe" (1971) und in der von Imo Moszkowicz2) in Szene gesetzten Komödie "Das System Fabrizzi" (1972) mit.
Auf der Bühne feierte die Charakterdarstellerin Erfolge in allen deutschsprachigen Ländern, trat beispielsweise in Hamburg, München und Berlin auf und gastierte auch in Skandinavien. Sie brillierte als "Die Irre von Chaillot" in Jean Giraudoux' gleichnamigen Satire2), war vor allem  eine herausragende Milliardärin Claire Zachanassian in Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame" in einer eigens zur Spielzeit 1959/60 für das damalige "Ateliertheater Bern"4) hergestellten Fassung mit Raoul Alster4) als Partner bzw. Ill. Dürrenmatt, der das Stück selbst inszeniert hatte, bezeichnete Hilde Hildebrand als die beste "Alte Dame", die er je erlebt habe.5) Mehr als 500 Mal gestaltete sie diese Rolle.
  
In ihren letzten Lebensjahren zog sich Hilde Hildebrand, der man 1964 das "Filmband in Gold"2) für "hervorragendes Wirken im deutschen Film" verliehen hatte, mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück, pflegte ihr kleines Gärtchen im Stadtteil Grunewald, wo sie als Nachbarin von Anneliese Römer2) lebte. Die legendäre Schauspielerin starb am 27. Mai 19766) mit 79 Jahren in Berlin-Grunewald. Die letzte Ruhe fand sie auf dem "Waldfriedhof Heerstraße"2) in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf (Feld 6–F–12) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
 
Anlässlich des bevorstehenden 40. Todestages erinnerte der Film- und Fernsehwissenschaftler Frank-Burkhard Habel2) in einer Tageszeitung an die Künstlerin und stellte mir den Text freundlicherweise zur Verfügung. Habel schrieb unter anderem: "Als eigentlich unpolitischer Mensch wirkte sie ab 1933 im Stillen für jüdische Freunde und Bekannte. Eine jüdische Überlebende berichtete, wie die Hildebrand eines Tages auf offener Bühne den anwesenden Hermann Göring verhohnepipelte, der es aber zum Glück als Marotte einer schönen Frau belächelte. Um sich abzusichern, wurde die Schauspielerin "Fördermitglied der SS". Doch das half ihr auch nicht. 1940 wurde sie zunächst mit vorübergehendem Filmverbot belegt, später nach Prag abgeschoben und bei Kriegsende in Tschechien monatelang inhaftiert. Nur durch Zeitzeugen und Dokumente setzt sich ein differenziertes Bild der Schauspielerin zusammen, die bis heute als große Dürrenmatt-Darstellerin und selbstironische Diseuse in Erinnerung ist."

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Quelle: 1) Wikipedia (abgerufen 26.10.2011)
Link: 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) tls.theaterwissenschaft.ch
5) Dürrenmatt, Friedrich: Labyrinth Stoffe I–III (Diogenes Verlag, Zürich, 1990, S. 231)
6) nach anderen Quellen 28. April 1976 → www.filmportal.de; laut Frank-Burkhard Habel ist jedoch der 27.05.1976 zutreffend.
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia, prisma.de)
Stummfilme
  • 1920: Die Scheidungsehe
  • 1922: Es bleibt in der Familie (Kurzfilm)
  • 1922: Der Herr Papa (Kurzfilm)
  • 1922: Der Herr Landrat
  • 1922: Hotel zum goldenen Engel
  • 1925: Der Trödler von Amsterdam
  • 1928: Sechs Mädchen suchen Nachtquartier
  • 1928: Der fesche Husar
  • 1928: Rasputins Liebesabenteuer
Tonfilme
Noch: Tonfilme
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