Lucie Höflich wurde am 20. Februar 1883 als Helene Lucie von Holwede in Hannover geboren, ihr Stief- und Adoptivvater war Georg Höflich, Schauspieler und Regisseur am Berliner Schauspielhaus; über Kindheit und Jugend ist nichts weiter bekannt. Ihre schauspielerische Laufbahn begann 1899 in Bromberg (heute Bydgoszcz, Polen), zwei Jahre später wechselte sie an das "Intime Theater" nach Nürnberg. Als sie während eines Gastspiels mit dem Theater in Berlin auftrat, wurde man auf die junge Schauspielerin aufmerksam und sie erhielt ein Engagement an das Wiener "Raimund-Theater". Hier machte sie sich als "Viola" in Shakespeares "Was ihr wollt" oder als "Gretchen" in Goethes "Faust" rasch einen Namen, vor allem aber brillierte sie in den Dramen von Gerhart Hauptmann, so in "Rose Berndt", "Fuhrmann Henschel" und "Der Biberpelz". In späteren Jahren beeindruckte sie nach ihrem Wechsel an das Berliner "Deutsche Theater" in Stücken von Strindberg unter der Regie von Max Reinhardt.
 

Foto: Lucie Höflich als Viola in Shakespeares Lustspiel "Was ihr wollt"
Aufnahme aus dem Jahre 1907 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-U0920-507;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1907 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: 
Deutsches Bundesarchiv  Bild 183-U0920-507 bzw. Wikimedia Commons

Lucie Höflich als Viola in Shakespeares Lustspiel "Was ihr wollt" (Aufnahme aus dem Jahre 1907);  Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-U0920-507; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1907 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Lucie Höflich in ihrer Wohnung in Berlin-Charlottenburg, Droysenstrasse 2 – um 1912; Ausschnitt des Originalfotos; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Waldemar Titzenthaler (1869 – 1937); Scan (Bildausschnitt) aus dem Buch: Enno Kaufhold: Berliner Interieurs, Photographien von Waldemar Titzenthaler,Berlin: Nicolai, 1999, S. 18 Mit Beginn des Nazi-Regimes verließ Lucie Höflich 1933 aus politischen Gründen das "Deutsche Theater" und weigerte sich später unter den braunen Machthabern weiter Theater zu spielen; 1936 übernahm die Direktion der "Staatlichen Schauspielschule Berlin", 1937 wurde sie zur "Staatsschauspielerin" ernannt.
Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde sie 1946 Ehrenmitglied des "Deutschen Theaters" in Berlin, im gleichen Jahr zur Direktorin des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ernannt, ein Jahr später wurde ihr dort der Professorentitel verliehen. Gemeinsam mit Ilka Grüning*) (1876 – 1964) führte sie in Berlin eine eigene Schauspielschule und bildete talentierte junge Schauspielerinnen und Schauspieler aus; zu ihren Schülerinnen gehörte unter anderem die damals noch unbekannte Inge Meysel. Für kurze Zeit leitete sie dann auch das Stadttheater Stralsund, stand dann seit 1950 wieder erfolgreich in West-Berlin am "Hebbel"-, "Schloßpark"- und "Schillertheater" auf der Bühne, da sie in der damaligen Ostzone keine Zukunft für ihre künstlerischen Ambitionen sah.
Auch auf der Leinwand war Lucie Höflich verschiedentlich zu sehen: Bereits im Stummfilm hatte sie 1913 in der Literaturverfilmung "
Gendarm Möbius"1) ihr Leinwanddebüt gegeben. In dem opulenten, mit rund 4.000 Darstellern bzw. Statisten gedrehten monumentalen Portrait über die berühmte russische Zarin Katharina II.1), stellte sie 1920 die Titelfigur dar, Regisseur Reinhold Schünzel spielte den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch, den späteren Zaren Peter III.1), den die damals 14-jährige Katharina 1746 heiratete, Fritz Kortner Katharinas Günstling, den Reichsfürsten Gregor Potjomkin1)

Foto: Lucie Höflich in ihrer Wohnung in Berlin-Charlottenburg, Droysenstrasse 2 – um 1912
(Ausschnitt des Originalfotos; Quelle: Wikimedia Commons)
Urheber: Waldemar Titzenthaler2) (1869 – 1937)
Scan (Bildausschnitt) aus dem Buch: 
Enno Kaufhold: Berliner Interieurs, Photographien von Waldemar Titzenthaler,
Berlin: Nicolai, 1999, S. 18; Angaben zur Lizenz siehe hier

In weiteren Rollen zeigten sich unter anderem Gustav Botz (Großkanzler Graf Alexei Bestuschew1)), Hugo Flink (Katharinas Liebhaber Sergej Saltikow1)), Fritz Delius (Katharinas Liebhaber Gregor Graf Orlow) und Mechthildis Thein (Geliebte des Thronfolgers Peter, Fürstin Elisabeth Romanowna Woronzowa). Weitere wichtige Rollen in Stummfilmen spielte sie unter anderem 1923 in Karl Grunes "Die Strasse"1)  sowie 1926 in Friedrich Wilhelm Murnaus Molière-Adaption "Tartüff"1) an der Seite von Emil Jannings in der Titelrolle. In den 1920ern stand sie weiterhin unter anderem für Filme wie "Die Bestie im Menschen" (1920), "Die Erbin von Tordis"2) (1921), "Der verlorene Schuh"1) (1923) oder "Ein Walzertraum"1) (1925) vor der Kamera. In Erich Schönfelders Hauptmann-Adaption "Der Biberpelz"1) (1928) gestaltete sie eindringlich die Mutter Wolffen.
 
Sie verkörperte meist resolute Frauentypen oder übernahm Mutterrollen, so beispielsweise in Kurt Gerrons Krimi "Der Weiße Dämon"2) (1932, mit Hans Albers), Robert  Siodmaks "Brennendes Geheimnis"1) (1933), Richard Eichbergs "Der Kurier des Zaren"1) (1936) oder Carmine Gallones "Manege"2) (1937); eine Magd spielte sie in Robert A. Stemmles "Der Raub der Sabinerinnen"1) (1936), die Mutter des Filmhelden Antonio Carrels alias Luis Trenker in dessen Bergdrama "Der Berg ruft!"1) (1938) oder eine Wirtin in "Das Große Spiel"2) (1942).
 

Lucie Höflich auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch", Berlin
Urheber Siegmund Labisch1) (1863–1942)
Quelle:  www.cyranos.ch ; Angaben zur Lizenz siehe hier

Lucie Höflich auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch", Berlin; Urheber Siegmund Labisch (1863–1942); Quelle: Quelle: www.cyranos.ch
Im deutschen Nachkriegsfilm war sie lediglich in zwei Filmen zu sehen: 1955 spielte sie in Helmut Käutners Romanze "Himmel ohne Sterne"1) die Mutter Kaminski sowie in Falk Harnacks "Anastasia – Die letzte Zarentochter"1) (1956) die Frau Bäumle. Für die Gestaltung dieser Rolle erhielt sie posthum 1957 den "Deutschen Filmpreis" als "Beste Nebendarstellerin".
Lucie Höflich, deren Leistungen 1953 mit dem "Bundesverdienstkreuz" gewürdigt worden waren, starb am 9. Oktober 1956 im Alter von 73 Jahren in Berlin; einige Monate zuvor hatte sie während eines Gastspiels einen schweren Herzanfall erlitten, von dem sie sich jedoch wieder erholt zu haben schien. Die letzte Ruhe fand sie in einem Ehrengrab der Stadt Berlin im Feld 7 (Grablage: 15–26) des Berliner Friedhofs Dahlem1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Die Schauspielerin war von 1910 bis zur Scheidung im Jahre 1917 mit dem Kunsthistoriker Dr. phil. Georg Anton Mayer verheiratet; aus dieser Verbindung stammt(e) die 1911 geborene Schauspielerin Ursula Höflich. Später war Lucie Höflich eine Zeit lang Ehefrau des legendären Emil Jannings*) (1884 – 1950).
Wikipedia notiert: "Im Zuge von Höflichs Tod entwickelte sich eine Diskussion über das Problem der Altersversorgung von Bühnenkünstlern. Nach Vorwürfen der Presse teilte Boleslaw Barlog, Intendant der West-Berliner "Städtischen Schauspielbühnen", mit, er hätte Höflich fünf Jahre lang an seinen beiden Häusern gehalten, obwohl der Rechnungshof mehrfach gemahnt habe, eine so selten auftretende Schauspielerin nicht als festes Ensemble-Mitglied zu beschäftigen. Vor ihrem Tod hatte Barlog Höflich per Brief den Ablauf ihres Vertrages zum 31. Juli 1957 mitteilen müssen. Barlog hätte der Schauspielerin jedoch versprochen, sie weiter zu beschäftigen und Stückverträge mit ihr abzuschließen. Die von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) ins Leben gerufene "Münchener Versorgungsanstalt" hatte 1938, als die Pflichtversicherung eingeführt wurde, nur Künstler aufgenommen, die das 45. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten. Zum Zeitpunkt von Höflichs Tod plante der Senat von Berlin die Einführung eines Ehrensolds für ältere Künstler, die eine Altersversorgung sicherstellen sollte."3) 
 

Szenenfoto mit Lucie Höflich aus "Bernarda Albas Haus"1)
von Federico García Lorca, 1952 am Berliner "Schlosspark Theater"
Regie: Karl-Heinz Stroux1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004011_017)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1952
Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Szenenfoto mit Lucie Höflich aus "Bernarda Albas Haus" von Federico García Lorca, 1952 am Berliner "Schlosspark Theater"; Regie: Karl-Heinz Stroux; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004011_017); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1952; Quelle: www.deutschefotothek.de
Link: *) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
3) aus "Barlog und der "Fall Höflich". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (24. Oktober 1956, S. 12)
Lizenz Foto Lucie Höflich (Urheber Waldemar Titzenthaler: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Lizenz Foto Lucie Höflich (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage.
Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Kurzportrait in Anlehnung an www.cyranos.ch;
siehe auch Wikipedia, www.fembio.org
Fotos www.virtual-history.com
 
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilme

Lucie Höflich als Herzogin von Marlborough, Mady Christians als Königin Anna, Helga Thomas als Abigail und Hans Brausewetter als Masham in dem Stummfilm "Ein Glas Wasser" von Ludwig Berger (nach E. Scribe); Decla-Bioscop AG (Berlin); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000900); aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 85); Ross-Verlag 1922/1923; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf; Quelle: www.deutschefotothek.de

Lucie Höflich als Herzogin von Marlborough,
Mady Christians als Königin Anna,
Helga Thomas als Abigail und
Hans Brausewetter als Masham
in dem Stummfilm "Ein Glas Wasser"
von Ludwig Berger
Decla-Bioscop AG (Berlin)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000900)
aus
"Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film"
von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 85)
Ross-Verlag 1922/1923
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf
Quelle: www.deutschefotothek.de;
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Noch: Stummfilme

Tonfilme

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