Oskar Homolka
Oskar (Oscar) Homolka wurde am 12. August 1898 als Sohn eines Waffenschmieds in Wien geboren. Sein schauspielerisches Handwerk erlernte er an der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst, gab 1918 im Komödienhaus in Wien sein Theaterdebüt. In den folgenden Jahren war er an verschiedensten Wiener Bühnen verpflichtet, wurde nicht nur durch seine darstellerischen Leistungen, sondern zeitweise auch durch seine Alkoholexzesse bekannt. 1924 kam Homolka nach München an die "Kammerspiele", wo er in der Uraufführung von Brechts "Leben Edwards II. von England" auftrat, ein Jahr später ging er nach Berlin. Dort wirkte er unter anderem ab 1926 am "Deutschen Theater" unter Max Reinhardt, spielte am "Theater am Schiffbauerdamm", am "Künstler"- und am "Lessing-Theater". Homolka glänzte am Theater unter anderem als Shaws "Arzt am Scheideweg", als "Thersites" in Shakespeares "Troilus und Cressida", als "Higgins" in Shaws "Pygmalion", mit der Rolle des "Koch" in Hauptmanns "Dorothea Angermann", ebenso wie als "Baal" in Brechts gleichnamigen Bühnenstück; hervorzuheben ist auch seine Verkörperung des "Mephisto" 1932 am "Lessing-Theater".

Seit 1926 war der Schauspieler auf der Leinwand präsent, gehörte schon rasch zu den prägnantesten Darstellern der deutschen Filmproduktion. Sein Debüt hatte er mit der Rolle des Direktor Hamel in dem Stummfilm "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines"1) gegeben, bis Ende der 1920er Jahre folgten Filme wie "Brennende Grenze" (1927), "Dirnentragödie" (1927) – hier war er der Partner von Asta Nielsen – "Die Leibeigenen" (1928), "Schinderhannes" (1928) oder "Die Rothausgasse" (1928). In den 1930ern wirkte Homolka noch in einigen Tonfilmen mit, so 1930 als Major Esterhazy in "Dreyfus"1), als Gerichtspräsident Grandt in der ersten Curt Goetz-Verfilmung "Hokuspokus"1), als Generalmajor Lanskoi in "Im Geheimdienst" (1931) oder als James Godfrey in "Unsichtbare Gegner" (1933).
Nach der Machtergreifung der Nazis verließ der Schauspieler 1934 Deutschland, schrieb nun seinen Vornamen mit "c" und setzte zunächst in London seine Bühnen- und Filmtätigkeit fort; in Großbritannien drehte er die Filme "Rhodes of Africa" (1936), "Everything Is Thunder" (1936) und "A Woman Alone" (1936). Mit letztgenanntem Thriller, den Hitchcock nach Joseph Conrad's Roman "The Secret Agent" gedreht hatte und der in den USA unter dem Titel "Sabotage"1) in die Kinos kam, erreichte Homolka mit der Rolle des Saboteurs Carl Veloc an der Seite von Sylvia Sidney internationale Beachtung.
1937 ließ sich der Schauspieler in den USA nieder, wo er als Bühnendarsteller den Broadway eroberte und der Traumfabrik Hollywood in zahlreichen Filmen als wuchtiger und hintergründiger Charakterdarsteller mit meist prägnanten Nebenrollen zur Verfügung stand – besonders gerne wurde er als "slawischer Typ" besetzt. Homolka arbeitete mit so bedeutenden Regisseuren wie Billy Wilder, Howard Hawks und erneut mit Alfred Hitchcock zusammen, wurde im US-Film, später auch im Fernsehen zu einer festen Größe.
Zu Homolkas Filmen bis Kriegsende zählen unter anderem "Ebb Tide" (1937, Die Insel der verlorenen Seelen), "Seven Sinners"1) (1940, Das Haus der sieben Sünden), "The Invisible Woman"1) (1941, Die unsichtbare Frau), "Rage in Heaven"1) (1941, Gefährliche Liebe), "Ball of Fire"1) (1941, Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss) oder "Mission to Moscow" (1943, Mission für Moskau).
Auch im Nachkriegsfilm konnte Homolka sich behaupten, stand beispielsweise für "I Remember Mama"1) (1948, Geheimnis der Mutter) oder "The White Tower" (1950, Hölle am Weißen Turm) vor der Kamera; für seine Darstellung des Onkel Chris in "I Remember Mama" erhielt Homolka eine Oscar-Nominierung.
Nach fast zwanzigjähriger Abwesenheit kam der Schauspieler 1951 nach Österreich zurück, um in Graz unter der Regie Karl Hartls in dem Melodram "Der schweigende Mund" die Hauptrolle des Rechtsanwalts Dr. Herbert Hirth zu übernehmen; weitere tragende Rollen spielten Gisela Uhlen und Curd Jürgens.
Einer seiner bekanntesten Filme der 1950er Jahre war Billy Wilders witzige Geschichte "Das verflixte siebte Jahr"1) (1955, The Seven Year Itch), wo er als "Dr. Brubaker" an der Seite von Marilyn Monroe brillieren konnte. Weitere US-Filme mit Homolka waren unter anderem "Prisoner of War" (1954, Kriegsgefangener), die Tolstoi-Adaption "War and Peace"1) (1956, Krieg und Frieden), die Hemingway-Verfilmung "A Farewell to Arms"1) (1957, In einem anderen Land), "The Wonderful World of the Brothers Grimm"1) (1961, Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm), "Mr. Sardonicus" (1961, Der unheimliche Mr. Sardonicus), "The Long Ships"1) (1963, Raubzug der Wikinger) und "Joys in the Morning" (1965, Freude am Morgen). Zu seinen letzten Arbeiten für das Kino – überwiegend wieder in Großbritannien gedreht – gehörten "Funeral in Berlin"1) (1966, Finale in Berlin), "Billion Dollar Brain" (1967, Das Milliarden-Dollar-Gehirn) sowie "The Madwoman of Chaillot" (1969, Die Irre von Chaillot), an der Seite einer glänzenden Katharine Hepburn in der Titelrolle.
Neben seiner Arbeit in Amerika für Bühne, Film und Fernsehen gab Homolka außerdem Theatergastspiele in Europa, so 1950 in Wien als "Dorfrichter Adam" in Kleists "Der zerbrochene Krug" oder 1951 in Zürich als "Götz" in Sartres "Der Teufel und der liebe Gott".
 
Oskar Homolka war seit 28. Juni 1928 in erster Ehe mit der Schauspielerin Grete Mosheim2) (1905 – 1986) verheiratet, 1933 erfolgte die Scheidung. Im Dezember 1937 ehelichte Homolka die ungarische Schauspielerin und Baroness Vally Hatvany, welche nur wenige Monate später 1938 verstarb. Ehefrau Nummer 3 wurde 1939 die Fotografin, Schauspielerin und Tänzerin Florence Meyer1) (1911 – 1962), prominente Tochter des nicht minder prominenten Zeitungsmagnaten bzw. Verlegers von der "Washington Post", Eugene Meyer1) (1875 – 1959); trotz der gemeinsamen Söhne Vincent und Laurence scheiterte die Beziehung und endete vor dem Scheidungsrichter. Homolkas letzte Ehefrau wurde 1949 die 1921 in New York City geborene US-amerikanische Schauspielerin Joan Tetzel1) (1921 – 1977), mit der er zusammen in dem Film "Joy in the Morning" (1965) auftrat.
Nur wenige Monte nach dem Krebstod seiner Frau am 31. Oktober 1977 starb auch Oskar Homolka, er erlag am am 29. Januar 1978 im britischen Tunbridge Wells (Kent) den Folgen einer Lungenentzündung.
 
1967 war er mit dem "Filmband in Gold"1) für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" geehrt worden.
 
Der schwergewichtige Schauspieler mit Brustkasten, Bizeps, breitem Mund und dröhnendem Lachen war im Kino auf Triebtäter, Verbrecher, Zuhälter und hintergründige Charaktere abboniert. Sein deutscher Akzent, die schleppende, schludrige Sprechweise gaben seinen Figuren in Hollywood meist eine bedrohliche Tücke.3) 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 163
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
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