Kurt Horwitz
Kurt Thomas Horwitz wurde am 21. Dezember 1897 als Sohn eines Geschäftsmanns in Neuruppin (Brandenburg) geboren; seine Schulzeit verbrachte er in Düsseldorf, später kam er nach Berlin, wo er sich ab 1919 von Ferdinand Gregori1) (1870 – 1928) zum Schauspieler ausbilden ließ. Im gleichen Jahr ging er nach München zu Otto Falckenberg1) (1873 – 1947) und avancierte in den kommenden Jahren an den "Münchner Kammerspielen", dessen Ensemblemitglied er bis 1933 war, zu einem bedeutenden Charakterdarsteller. Vor allem mit Rollen "zwielichtiger" Gestalten machte er Furore, so als "Mackie Messer" in Brechts "Die Dreigroschenoper"1), als Lustmörder in Wedekinds "Lulu"1) oder als verbrecherischer Bruder der Frau John in Hauptmanns "Die Ratten"1); zu einer seiner Glanzrollen zählte auch der "Mephisto" in Goethes "Urfaust"1) sowie die Titelrolle des Rummelplatzausrufers "Liliom"1) in Franz Molnárs gleichnamiger Vorstadtlegende.
  
Kurz nach der Machtergreifung durch die Nazis emigrierte Horwitz im Frühjahr 1933 in die Schweiz und stand bis 1938 in Zürich auf der Bühne. Dann wechselte er für zwei Jahre nach Basel, kam 1940 nach Zürich zurück, wo er bis 1946 wirkte. Dann wurde er für vier Jahre als Direktor an das Stadttheater Basel berufen, anschließen ging er 1950 ein drittes Mal für drei Jahre als Schauspieler und Regisseur nach Zürich. Zu Horwitz' herausragenden Leistungen während seines Aufenthaltes in der Schweiz zählen vor allem seine Inszenierungen und Uraufführungen der Stücke von Friedrich Dürrenmatt wie "Es steht geschrieben" (1947); als Schauspieler begeisterte er unter anderem während dieser Zeit als "da Ponte" in der Dürrenmatt-Uraufführung "Der Blinde" (1948) sowie mit den Titelrollen in den Erstaufführungen von "Romulus der Große"1) (1949) und "Frank V." (1959). Auch Max Frisch wurde von Horwitz gefördert, im März 1945 gelangte "Nun singen sie wieder"1) als erstes Frisch-Stück am Schauspielhaus Zürich unter der Regie von Horwitz zur Uraufführung, im Januar 1949 folgte die Uraufführung von "Als der Krieg zu Ende war"1) . Außerdem brachte Horwitz in Basel die erste deutschsprachige Aufführung von Paul Claudels "Der Seidene Schuh" (Le Soulier de satin) sowie "Die Glasmenagerie"1) (The Glass Menagerie) von Tennessee Williams auf die Bühne.
Ende 1952 ging Horwitz nach Deutschland zurück; er war als Nachfolger von Alois Johannes Lippl1) (1903 – 1957) als Intendant an das Bayerische Staatsschauspiel berufen worden, eine Aufgabe, die er bis zum August 1958 wahrnahm. Danach band sich der Schauspieler nicht mehr fest an ein Theater, inszenierte unter anderem in Wien Moličres "Der Menschenfeind"1) (Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux) oder brachte am 21. Februar 1962 in Zürich erstmals Dürrenmatts "Die Physiker"1) auf die Bühne. Die Uraufführung der "Physiker" wurde zum "Theatererfolg der Saison". Unter der Regie von Kurt Horwitz spielten Hans Christian Blech, Gustav Knuth und Theo Lingen die drei Physiker sowie Therese Giehse die Mathilde von Zahnd. Bereits der Andrang des Premierenpublikums war so groß, dass die "Uraufführung" am Schauspielhaus Zürich an drei Abenden gegeben wurde, beginnend mit der eigentlichen Premiere am 21. Februar 1962 (in manchen Publikationen wird auch der 20. Februar 1962 genannt).2)
  
Kurt Horwitz fand neben seiner umfangreichen Arbeit für das Theater sporadisch auch Zeit in einigen Film- und Fernsehproduktionen mitzuwirken. Bereits im Stummfilm hatte er in "Fürst Seppl" (1915) eine kleine Rolle gespielt, in dem surrealen Karl-Valentin-Kurzfilm "Mysterien eines Frisiersalons"1) (1923) mimte er den "Geköpften" bzw. Widersacher von Professor Moras (Erwin Faber); Regie und Drehbuch stammten von Bertolt Brecht, Erich Engel und Karl Valentin. In den 1930er Jahren hatte er Auftritte in Produktionen wie "Die verkaufte Braut"1) (1932), "Peter Voss, der Millionendieb"1) (1932), "Was Frauen träumen" (1933) oder "Muss man sich gleich scheiden lassen" (1933), im deutschen Nachkriegsfilm stand er unter anderem für "Der letzte Sommer" (1954) und "Sauerbruch – Das war mein Leben"1) (1954) vor der Kamera. Im Fernsehen erlebte man ihn beispielsweise in "Spiel im Schloß" (1959), dem Mehrteiler "Der Seidene Schuh" (1965), "Baumeister Solness" (1966), "Mein Freund Harvey"1) (1970) und "Das Provisorische Leben" (1971).
 
Kurt Horwitz wurde 1959 mit der "Josef Kainz-Medaille"1) der Stadt Wien geehrt, 1961 überreichte man ihm den "Bayerischen Verdienstorden", anlässlich seines 75. Geburtstages im Dezember 1972 würdigten Medien und Kulturschaffende die Leistungen des Schauspielers und Regisseurs.
Zwei Jahre später erlag Kurt Horwitz am 14. Februar 1974 mit 76 Jahren in München seinem Herzleiden; seine letzte Ruhe fand der in späten Jahren vornehmlich wegen seiner "angeborenen Würde" und "kühlen Noblesse" geschätzte Künstler3) auf dem Münchener Nordfriedhof an der Seite seiner Ehefrau → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Horwitz war verwitwet und hinterließ aus der Verbindung mit der Schauspielerin Adele Leschka seine 1921 geborene Tochter Ruth, die als Chefdramaturgin beim Bayerischen Rundfunk arbeitete; Ruth Horwitz starb am 3. September 2014 nach kurzer schwerer Krankheit → trauer.sueddeutsche.de
 
Link: 1) Wikipedia
Quellen: 2) Wikipedia (abgerufen 11.08.2011),  3) Nachruf bei www.spiegel.de
Siehe auch Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch, www.exilarchiv.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
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