Herbert Hübner
Herbert Hübner wurde am 6. Februar 1889 als Sohn eines Apothekers in Breslau geboren; sein Großonkel war Adalbert Falck1) (1827 – 1900), der von 1872 bis 1879 preußischer Kultusminister war. Hübner besuchte das Realgymnasium seiner Geburtsstadt, machte sein Abitur und ließ sich schon während seiner Schulzeit ab 1906 ein Jahr lang von Regisseur Otto Gerlach an dessen Schauspielschule ausbilden.
Ein erstes Engagement erhielt er 1908 in Alzey bei Worms, ein Jahr später kam er zu der legendären Louise Dumont1) (1862 – 1932) an das Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er bis 1912 auf der Bühne stand. Dann wechselte er für ein Jahr nach Nürnberg an das "Intime Theater", ging während dieser Zeit auch auf Operettentourneen. Zwischen 1913 und 1914 wirkte er an der "Volks- und Residenzbühne" in Wien.
Dann wurde seine schauspielerische Laufbahn durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, bis Ende des Krieges leistete er als Freiwilliger Kriegsdienst und brachte es bis zum Kompanieführer.
  
Nach Kriegsende band er sich zunächst nicht fest an ein Theater, gab Gastspiele unter anderem in Kattowitz oder ging mit einer Tournee durch Oberschlesien. 1919 wurde er nach Leipzig an das "Alte Theater" engagiert, 1925 wechselte er nach Hamburg an das "Thalia-Theater", an dem er vier Jahre lang wirkte. 1929 berief ihn Max Reinhard1) (1873 – 1943) an das "Theater in der Josefstadt" in Wien, 1935 ging Hübner nach Berlin, wo er für die nächsten zehn Jahre am "Großen Schauspielhaus", "Renaissancetheater", "Kurfürstendammtheater", an der "Komödie", am "Hebbeltheater" sowie an der "Volksbühne" als herausragender Charakterdarsteller Triumphe feierte. Er brillierte in klassischen wie in modernen Rollen, beeindruckte unter anderem als "König Claudius" in Shakespeares "Hamlet", mit den Titelrollen in Ibsens "Peer Gynt" oder als "Fuhrmann Henschel" von Gerhart Hauptmann.
Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde Hübner ab 1947 für vier Jahre Ensemblemitglied des Berliner "Schloßpark- und Hebbeltheaters", ab 1951 wurde er an das "Schillertheater" verpflichtet, wo er bis 1953 begeisterte. Danach band er sich als freischaffender Schauspieler nicht mehr an ein Haus, gab Gastspiele unter anderem in Leipzig, Hamburg, München, Göttingen und Wiesbaden; Auslandstourneen führten ihn nach Wien, Amsterdam, Den Haag, Prag, ja sogar bis Japan. Erst 1959 nahm er wieder ein festes Engagement an wurde Mitglied der "Münchner Kammerspiele".
Das Rollenrepertoire Hübners war breit gefächert, so erlebte man ihn beispielsweise als "König Philipp" in Schillers "Don Carlos", in Dürrematts "Frank V." verkörperte er den Staatspräsidenten oder den Dichter und Denker Stephan Trofimowitsch in Camus' Drama "Die Besessenen" – um nur wenige der vielen Rollen zu nennen.
  
Neben seiner umfangreichen Arbeit für das Theater, spielte Hübner in zahlreichen Kinofilmen mit: Sein Leinwanddebüt hatte er bereits zu Stummfilmzeiten in Streifen wie "Destinée" und "Die Teppichknüpferin von Bagdad" (beide 1920) gegeben, aber erst in den 1930er Jahren war er als Nebendarsteller im Tonfilm ein vielgefragter Mann. Man erlebte ihn an der Seite der großen Stars, so neben Lien Deyers und Hans Moser in "Karneval der Liebe" (1934), in "Lockspitzel Asew" (1935) mimte er neben Fritz Rasp und Olga Tschechowa einen russischen Polizeigeneral oder stand als Lord Wimple in "Diener lassen bitten" (1936) zusammen mit Hans Söhnker und Fita Benkhoff vor der Kamera. Bemerkenswert war seine Rolle des Landrats von Kannewurf in Carl Froelichs "
Traumulus"1) (1936), in Veit Harlans Hauptmann-Adaption "Der Herrscher"1) (1937) war er der Direktor Erich Klamroth und spielte – wie in "Traumulus" –  mit dem legendären Emil Jannings. Neben Hans Albers sah man ihn als Don Antonio de Garcia in "Sergeant Berry"2) (1938), mit Willy Birgel und Sybille Schmitz in "Hotel Sacher"2) (1939), mit Olga Tschechowa und Albrecht Schoenhals in "Ich verweigere die Aussage" (1939). 
Auch in den 1940er Jahren blieb Hübner ein vielbeschäftigter Darsteller auf der Leinwand; so übernahm er Rollen unter anderem in Georg Jacobys "Kora Terry"1) (1940), war der Lord Arran in Carl Froelichs "Das Herz der Königin"1) (1940), der Legionsrat Leo Kayse in Herbert Selpins "Carl Peters"2) (1941, mit Hans Albers in der Titelrolle) oder der Ted Simmond in Helmut Käutners "Auf Wiedersehen, Franziska!"1) (1941). Er spielte Grafen und Landräte wie in "Der große König"2) (1942), " Paracelsus"2) (1943) oder "Der Weg ins Freie"2) (1941), mimte aber auch einfache Leute wie einen Pferdehändler in dem Birgel-Melodram "…reitet für Deutschland"2) (1941). Er gab Professoren wie in "Damals"2) (1943), Landgerichtsdirektoren wie in dem Kriminalfilm "Affaire Blum"1) (1948) oder Militärs wie in "Die Buntkarierten"1) (1949).
 
Georg C. Klaren besetzte ihn als Direktor Klein in dem biografischen DEFA-Arztfilm "
Semmelweis – Retter der Mütter"2) (1950), Paul Verhoeven gab ihm in seinem Kriminaldrama "Die Schuld des Dr. Homma" die Rolle des Oberstaatsanwalts Krell; zu Hübners weiteren, zahlreichen populären Nachkriegsfilmen zählen unter anderem die Rolle des Monsieur Mombour in dem Schell/Borsche-Film "Es kommt ein Tag" (1950) nach der Novelle "Korporal Mombour" von Ernst Penzoldt, weiter "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren"2) (1952), "Die Gefangene des Maharadscha" (1953), "Heideschulmeister Uwe Karsten" (1954), "Ludwig II."1) (1955), "Liane, das Mädchen aus dem Urwald"1) (1956), "Der tolle Bomberg"1) (1957), "Das Wirtshaus im Spessart"1) (1958), "Der Greifer"1) (1958), "Das Spukschloß im Spessart"1) (1960) oder "Die Bekenntnisse eines möblierten Herrn"1) (1962); insgesamt wirkte der Schauspieler in mehr als 180 Kinoproduktionen mit.
Im Fernsehen war er nur sporadisch zu sehen; so unter anderem in "Besuch aus der Zone" (1958), "Affäre Dreyfus" (1959), "Zu viele Köche" (1961) und "Paris muss brennen! – Die Rettung der französischen Hauptstadt durch den General von Choltitz" (1965). 1957 gastierte Hübner im DFF und spielte unter der Regie von Robert Trösch die Hauptrolle in dem Fernsehspiel "Generationen".
  
Der Schauspieler Hubert Hübner, der in seinen letzten Lebensjahren an einem schweren Augenleiden litt, starb am 27. Januar 1972 kurz vor seinem 83. Geburtstag in München. Er war in zweiter Ehe mit der ehemaligen Kunstgewerblerin Erna Grosse verheiratet; aus seiner ersten Ehe stammte ein Sohn. 
Siehe auch Wikipedia sowie www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
     
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1913: Auerbachs Keller
  • 1920: Seines Bruders Leibeigener (→ earlycinema.uni-koeln.de)
  • 1920: Destinée
  • 1920: Satan Diktator
  • 1920: Die Teppichknüpferin von Bagdad
  • 1923: Die Spitzenklöpplerin von Valenciennes
  • 1924: Gedankensünden
  • 1924: Egoisten. Die reich werden wollen
Tonfilme
Noch: Tonfilme
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