Hanns Ernst Jäger wurde am 1. Januar 1910 als Sohn eines Kriminalrats in Wien geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Jura und Medizin, entschied sich dann aber für die Schauspielerei. Schon während des Studiums war er aufgefallen, wenn er mit seiner unverwechselbaren Stimme aus Werken der Weltliteratur rezitierte. Sein Bühnendebüt gab der angehende Schauspieler am Wiener "Scala-Theater", weitere Engagements in Linz, Graz und Chemnitz schlossen sich an, wo Jäger meist den klassischen jugendlichen Helden gab. Zwischen 1941 und 1944 trat Jäger in Darmstadt auf, musste dann seine Karriere zunächst beenden, da er noch gegen Ende des 2. Weltkrieges als Soldat eingezogen wurde. Erst nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft konnte der Schauspieler seine Laufbahn fortsetzen, über Baden-Baden, Essen, Mannheim und Frankfurt kam er schließlich 1951 nach Bochum, wo er bis 1955 auf der Bühne stand, anschließend war er drei Jahre lang am Wiener "Burgtheater" verpflichtet. Danach band sich Jäger nicht mehr fest an ein Haus, arbeitete als freischaffender Schauspieler.

Hanns Ernst Jäger als Schweyk in "Schweyk im zweiten Weltkrieg" (1961)
Fernsehspiel nach dem gleichnamigen Drama1) von Bertolt Brecht1)
Regie: Rainer Wolffhardt1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services © SWR

Hanns Ernst Jäger als Schweyk in "Schweyk im zweiten Weltkrieg" (1961); Fernsehspiel nach dem gleichnamigen Drama von Bertolt Brecht; Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Während seiner Zeit in Bochum brillierte Hanns Ernst Jäger beispielsweise als "Shylock" in einer der ersten Nachkriegsinszenierungen von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" (1952), seine Titelrollen in Kleists "Amphitryon" und Shakespeares "Othello" waren ebenso eindrucksvoll wie seine Verkörperungen des Kurfürsten in Kleists "Prinz Friedrich von Homburg", des Marquis Posa in Schillers "Don Carlos" oder des vermögenden Kaufmanns Lopachin in Tschechows "Der Kirschgarten". Doch vor allem als herausragender Brecht-Darsteller machte sich Jäger einen Namen, mit seinen Interpretationen des "Herrn Puntila" oder des "Schweyk" schrieb er Theatergeschichte. Die Figur des "Schweyk" wurde zu einer seiner Paraderollen, Brecht selbst hatte in seinem Vermächtnis verfügt, dass nur Jäger seinen "Schweyk im zweiten Weltkrieg" in Westdeutschland spielen solle. 1954 hatte Bertolt Brecht den Ausnahmeschauspieler in Frankfurt als Dorfschreiber Azdak im "Kaukasischen Kreidekreis" gesehen und war beeindruckt von Jägers eigenwilligen Gestaltung der Rolle, drei Jahre nach Brechts Tod stand Hanns Ernst Jäger 1959 als erster westlicher "Schweyk" auf der Bühne – mehr als 300 Mal begeisterte er – verschmitzt, aggressiv und listig – damit sowohl Zuschauer als auch Kritiker.
Weitere herausragende Rollen Jägers waren unter anderem der Dorfrichter Adam in Kleists Lustspiel "Der zerbrochne Krug", der "Theodor" in Hofmannsthal Posse "Der Unbestechliche" oder der Diener Ludwig in Walsers Schauspiel "Überlebensgroß Herr Krott". Doch vornehmlich ist er als Brecht-Interpret in Erinnerung geblieben, gab auch Brechts "Galilei" ("Das Leben des Galilei") oder den Koch in "Mutter Courage und ihre Kinder", arbeitete mit so renommierten Brecht-Regisseuren wie Peter Palitzsch, Harry Buckwitz und Manfred Wekwerth zusammen. Seine Liebe zu Brechts Werken aber auch zu Brecht als politischem Menschen zeigt Jäger auch mit der heute auf CD erhältlichen Veröffentlichung "Songs, Gedichte und Prosa", dass er beispielsweise auch Texte von Kurt Tucholsky bevorzugte, beweist die Audio-Produktion "Opposition! Opposition!" mit Texten und Liedern wie "Was darf die Satire", "Über Krieg" oder "Rückkehr zur Natur".
 
Auch vor einem großen Publikum konnte Jäger seine Glanzrollen wie den Dorfschreiber Azdak oder den "Schweyk" darbieten, das Fernsehen zeigte beispielsweise 1958 Brechts "Der Kaukasische Kreidekreis" in einer Inszenierung von Franz Peter Wirth, Rainer Wolffhardt setzte 1961 "Schweyk im zweiten Weltkrieg" in Szene. Weitere Literatur-Adaptionen waren unter anderem Peter A. Horns Tschechow-Verfilmung von "Der Bär" (1955) mit Jäger als "rasend" verliebter Gläubiger Smirnóff und Käte Jaenicke als trauernde Witwe Popówa oder das von Egon Monk inszenierte Maxim Gorki-Stück "Wassa Schelesnowa" mit Therese Giehse (Wassa Schelesnowa) und Josef Dahmen (Sergej Schelesnow).
 
Vereinzelt übernahm Jäger auch Aufgaben in Kinoproduktionen: So spielte er in Josef von Bákys "Dunja"1) (1955), einem Remake von "Der Postmeister"2) aus dem Jahre 1940, neben Eva Bartok und Ivan Desny, war an der Seite von Gert Fröbe und Hansjörg Felmy in Paul Mays Verfilmung von Trygve Gulbranssens "Und ewig singen die Wälder"2) (1959) als "Der Hoveländer" zu sehen. Kurt Hoffmann besetzte ihn mit der Rolle des Schlender in "Die Ehe des Herrn Mississippi"2) (1961, nach Dürrenmatt), mit Wolfgang Reichmann und Heinz Weiss spielte er in dem Kriegsdrama "Division Brandenburg"2) (1960) und verkörperte den Donauschiffer Jonas. Rudolf Noelte besetzte ihn an der Seite von Hauptdarsteller Maximilian Schell in seiner Kafka-Adaption "Das Schloß"2) (1968) als Grundbesitzer.
Dass Jäger auch in Krimis zu überzeugen wusste, bewies er auf dem Bildschirm 1960 als zwielichtiger Zahnarzt Dr. Stevens in dem mehrteiligen Straßßenfeger "Es ist soweit"3), der ersten Durbridge-Produktion des deutschen Fernsehens. Drei Jahre später tauchte er in einer Episode von "Das Kriminalmuseum" auf, mimte in der Folge "Das Haus bei den Blutbuchen" (1968) aus der Reihe "Sherlock Holmes" den merkwürdigen Mr. Rucastle. Zu Jägers letzten Arbeiten vor der Fernsehkamera zählen 1970 bzw. 1972 zwei Episoden aus der populären TV-Serie "Der Kommissar" sowie der Mehrteiler "Die Reise nach Mallorca" (1973).

Hanns Ernst Jäger starb am 15. August 1973 im Alter von 63 Jahren in einem Münchener Krankenhaus an Herzversagen. Während einer Aufführung von Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" – Jäger spielte wie immer grandios den "Puntila" – hatte er im März einen Zusammenbruch erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte.
Der Theaterwissenschaftler, Dramaturg und Journalist Werner Schulze-Reimpell würdigt Jäger in Rowohlts "Theaterlexikon 2" als einen vitalen, in seinen Mitteln verschwenderisch ausladendenden, manchmal auch zu effektverliebten Darsteller mit großer Ausstrahlung und den Qualitäten eines Volksschauspielers.
 

Link: 1) filmportal.de, 2) Wikipedia, 3) Beschreibung innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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