Erich Kaiser-Titz ca. 1935; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons aus Dr. Oskar Kalbus: "Vom Werden deutscher Filmkunst. 1. Teil: Der stumme Film", Bild Nr.  33. Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld, 1935; Urheber: Unbekannt Der Stummfilmdarsteller Erich Kaiser-Titz wurde am 7. Oktober 1875 als Heinrich Felix Erich Kaiser-Titz und Sohn eines Architekten in Berlin geboren. Obwohl er zu den meistbeschäftigtsten Mimen der deutschen Stummfilm-Ära zählt – seit Anfang der 1910er Jahre bis zu seinem Tod wirkte er in über 300 Streifen mit – ist sein Name heute fast in Vergessenheit geraten.
Auf Wunsch seines Vaters sollte Sohn Erich ebenfalls Architekt werden, nach seiner Schulzeit begann er daher zunächst eine Ausbildung als Kunstschlosser, arbeitete später als Maurer, Zimmermann und Baustellenleiter. Dann entschied er sich Schauspieler zu werden, erste Bühnenengagements führten ihn nach Lübeck, Kolberg, Hannover und Bremen, 1906 kam er nach Berlin an das "Neue Theater". 1909, 1913 und 1926 trat er am "Deutschen Theater" auf, zeigte sich unter anderem als Erwin Löwenherz in dem Stück "Gelbstern" von Walter Turszinsky, als Jack Brown in William Somerset Maughams Farce "Mein Freund Jack" (OT "Jack Straw"), gestaltete in Franz Werfels "dramatischen Historie in zwölf Bildern" mit dem Titel "Juarez und Maximilian" den französischen Marschall Bazaine. Zu seinen weiteren Theaterauftritten zählten unter anderem Rollen in Tolstois gesellschaftskritischem Drama "Der lebende Leichnam" sowie in den Komödien "Die Sünde" und "Bürger Schippel" von Carl Sternheim1).

Der blendend aussehende Mann trat auf der Leinwand erstmals 1911 in dem stummen Streifen "Das Gefährliche Alter" in Erscheinung, drehte in den kommenden Jahren in rascher Folge Film um Film und erhielt schon in seinen frühen Jahren die für damalige Verhältnisse horrende Gage von mindestens hundert Mark pro Tag.

Foto: Erich Kaiser-Titz ca. 1935
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons aus
Dr. Oskar Kalbus: "Vom Werden deutscher Filmkunst. 1. Teil: Der stumme Film"
Bild Nr.  33. Cigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld, 1935
Urheber: Unbekannt; vermutlich Atelier Joel Heinzelmann (Berlin); 
Angaben zur Lizenz siehe hier

In etlichen Filmen war er der Partner von Henny Porten2) (1880 – 1960), so in "Ungarische Rhapsodie" (1913), "Das Tal des Traumes"3) (1914), "Bergnacht" (1914) und "Das Schicksal der Gabriele Stark" (1915). Mit Harry Piel drehte er das Abenteuer "Im Banne der Vergangenheit" (1915), Richard Oswald besetzte ihn als jungen E.T.A. Hoffmann in "Hoffmanns Erzählungen"4) (1916),wenig später tauchte er als Titelheld in der "Phantomas"-Reihe4) auf; so unter anderem in "Ramara"4) (1916), "Der Erbe von Het Steen"4) (1917), "Das Nachtgespräch"4) (1917), "Ein scharfer Schuss"4) (1917), "Ein Tropfen Gift"4) (1917) und "Die Glocken der Katharinenkirche" (1918). Eine andere berühmte Figur, die Kaiser-Titz auf der stummen Leinwand zum Leben erweckte, war die des Detektivs Sherlock Holmes in der Reihe "Dr. MacDonalds Sanatorium" (1916). Eine weitere Rolle, mit der Aufmerksamkeit erregte, war die Titelfigur des Ferdinand Lassalle4) in Rudolf Meinerts Biopic "Ferdinand Lassalle – Des Volkstribunen Glück und Ende"4) (1918)
Zur Filmografie der 1920er Jahre gehören ab 1920 die sechs "Nirvana"-Folgen oder seine Hauptrolle des Barons Werner von Dierckhoff  in "Die Frauen von Gnadenstein"3) (1921), verschiedene Figuren spielte er in Georg Jacobys Reihe "Der Mann ohne Namen"3) (1921), welche den Untertitel "Eine abenteuerliche Angelegenheit in 6 Teilen" trug. Erich Kaiser-Titz schlüpfte in unterschiedlichste Rollen und Maskeraden, einen Fabrikanten bzw. Forscher verkörperte er in "Am Webstuhl der Zeit"3) (1921), einen Baron in "Verrat auf Schloß Treuenfels" (1921), einen Ägypter in "Das Rätsel der Sphinx" (1921), einen Millionär in "Miss Beryll… die Laune eines Millionärs" (1921) oder den Kaiser in "Im Namen des Kaisers" (1925).
 

Erich Kaiser-Titz auf einer Fotografie von Eduard Wasow5) (1890 – 1944)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Erich Kaiser-Titz auf einer Fotografie von Eduard Wasow (1890 – 1944); Quelle: www.cyranos.ch
Gemeinsam mit Lya Lara trat er in Frederic Zelniks "Das Mädel von Picadilly" (1921) auf, stand für den historischen Zweiteiler "Wallenstein"4) (1925) als Kaiser Ferdinand vor der Kamera, gehörte zur Besetzung von "Bismarck, 1. Teil"4) (1925). Bis Ende der 1920er Jahre wirkte er unter anderem in Produktionen wie "Herrn Filip Collins Abenteuer" (1926), "Die Brüder Schellenberg"4) (1926), "Mädchenhandel – Eine internationale Gefahr" (1927), "Der Himmel auf Erden" (1927), "Das Karussell des Todes" (1928) oder "Wenn die Mutter und die Tochter…" (1928) mit. Seine letzte Filmrolle, einen General, spielte er in der Neuauflage von "Ungarische Rhapsodie"3) (1928, mit Lil Dagover und Willy Fritsch).

Die beginnende Tonfilm-Ära hat der Stummfilmstar zwar noch erlebt, aber eine Mitarbeit blieb ihm versagt. Erich Kaiser-Titz starb am 22. November 1928 mit nur 52 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Südwestkirchhof Stahnsdorf. 
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de;
zwei Fotos bei film.virtual-history.com
1) nach Wikipedia
Link: 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung, 4) Wikipedia, 5) www.fotografenwiki.org
Lizenz Foto Erich Kaiser-Titz (Urheber unbekannt): Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
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Stummfilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de)
  • 1921: Die Schuld des Grafen Weronski
  • 1921: Am Webstuhl der Zeit
  • 1921: Der Wahn des Philipp Morris
  • 1921: Das Mädel von Picadilly (2 Teile)
  • 1921: Mann über Bord
  • 1922: Das Liebesnest
  • 1922: Marie Antoinette – Das Leben einer Königin
  • 1922: Schatten der Vergangenheit
  • 1923: Wilhelm Tell
  • 1923: Der Großindustrielle
  • 1924: Das Spiel der Liebe
  • 1924: Das Geschöpf
  • 1924: Claire
  • 1924: Königsliebchen
  • 1924: Frühlingserwachen
  • 1925: Die vom Niederrhein (2 Teile)
  • 1925: Die Feuertänzerin
  • 1925: Wallenstein
    • 1. Teil: Wallensteins Macht
    • 2. Teil: Wallensteins Tod
  • 1925: Bismarck, 1. Teil
  • 1925: Der Mann, der sich verkauft
  • 1925: Herrn Filip Collins Abenteuer
  • 1926: Die Brüder Schellenberg
  • 1926: Die Gesunkenen
  • 1926: Ich hatt' einen Kameraden
  • 1926: Menschen untereinander
  • 1926: Das Panzergewölbe ("Stuart Webbs"-Reihe)
  • 1926: Jagd auf Menschen
  • 1926: Husarenliebe
  • 1926: Fedora
  • 1926: Der Mann seiner Frau
  • 1926: Frauen, die den Weg verloren
  • 1926: Hölle der Liebe - Erlebnisse aus einem Tanzpalast
  • 1927: Himmel auf Erden
  • 1927: Der Kampf des Donald Westhof
  • 1927: Ein Mordmädel
  • 1927: Ein Mädel aus dem Volke
  • 1927: Was die Kinder ihren Eltern verschweigen
  • 1927: Mädchenhandel – Eine internationale Gefahr
  • 1927: Was ist los im Zirkus Beely?
  • 1927: Wochenendzauber
  • 1927: Die Vorbestraften
  • 1927: Der Herr der Nacht
  • 1928: Dame in Schwarz
  • 1928: Du sollst nicht stehlen
  • 1928: Das Fräulein von Kasse 12
  • 1928: Panik
  • 1928: Ungarische Rhapsodie
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