Bruno Kastner (Bruno Richard Otto Kastner) wurde am 30. Januar 1890 als Sohn eines Steuereinnehmers in Forst (Lausitz; Brandenburg) geboren. Später besuchte er das Gymnasium im sächsischen Fürstenwalde, das er mit dem sogenannten "Einjährigen" verließ, entschied sich anschließend für eine militärische Karriere; wegen "Dienstuntauglichkeit" wurde er jedoch nach rund zwei Wochen wieder entlassen. 
Bruno Kastner etwa 1920; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Photochemie-Karte K 3133 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Nun nahm Kastner in Berlin Unterricht bei dem Schauspieler Paul Biensfeld1) (1869 – 1933), der unter anderem in Fritz Langs meisterlichen Stummfilmen "Harakiri" (1919) und "Der Müde Tod"2) (1921) mitwirkte. Kastner erhielt nach seiner Ausbildung ein erstes Bühnenengagement in Harburger Stadttheater2), tingelte eine Zeit lang durch die Provinz. Später, zwischen 1911 und 1921, wirkte er als Chorsänger und Schauspieler an den "Meinhard-und Bernauer-Biihnen" in Berlin. 
1914 wurde der blendend aussehende junge Mann vom dänischen Regisseur Urban Gad2) (1879 – 1947) für den Film entdeckt und gab sein Leinwanddebüt an der Seite von Asta Nielsen in dem Lustspiel "Engelein"2) und auch in dem nachfolgenden Streifen "Engeleins Hochzeit"2) (1914) spielte er seinen Part.
Eine Reihe von Stummfilmen wie "Die Tochter der Landstraße"2) (1915) oder "Die Krone von Kerkyra"2) (1917) schlossen sich an, Kastner agierte an der Seite vieler großer Stummfilmstars jener Zeit und wurde rasch zum Publikumsliebling – vor allem der weiblichen Zuschauer – die Liebesbriefe seiner weiblichen Fans sollen ihm Wäschekörbeweise von der Post zugestellt worden sein. Bei der Männerwelt stieß er jedoch auf Ablehnung, Spitznamen wie "Kleiderbügel" oder "Chlorodontreklame" machten die Runde; in Filmzeitschriften entflammten Diskussionen pro und contra Kastner. 1921 war der attraktive Kastner zum beliebtesten deutschen Schauspieler gewählt worden – noch vor Harry Liedtke1) und Max Landa1). 
 
  
Foto: Bruno Kastner etwa 1920
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Photochemie-Karte K 3133 (Ausschnitt)
Angaben zur Lizenz siehe hier
Mit Käthe Haack beispielsweise stand er für "Die Hochzeit im Excentricclub"2) (1917) aus der "Joe Deebs"-Reihe2) vor der Kamera, Mia May war seine Partnerin in Joe Mays Horrorstreifen "Hilde Warren und der Tod"2) (1917) und in dem Melodram "Fünf Minuten zu spät"3) (1918), Henny Porten in Carl Froelichs "Wehe wenn sie losgelassen" (1926).
1922 hatte Kastner seine eigene Produktionsgesellschaft gegründet und schrieb sich auch einige Drehbücher "auf den Leib". Bis Ende der 1920er Jahre folgten noch  stumme Produktionen wie , "Wien – Berlin"3) (1926), "Die Dame mit dem Tigerfell"3) (1927), "Seine Hoheit, der Eintänzer" (1927), "Jugendrausch"3) (1927),  Karl Grunes Drama "Die Brüder Schellenberg"3) (1926) mit Conrad Veidt in der Doppelrolle des Wenzel bzw. Michael Schellenberg oder Hans Kysers "Luther – Ein Film der deutschen Reformation"2) (1927), wo er neben Protagonist Eugen Klöpfer den Reichsritter Ulrich von Hutten2) darstellte.
Mit Beginn des Tonfilms ließ der Erfolg des Schauspielers auf der Leinwand nach, Kastner fand nicht so recht den Anschluss an das neue Medium, auch weil ihn ein Sprachfehler schwer beeinträchtigte. Lediglich in zwei Produktionen wurde er besetzt, so in "Tingel-Tangel" (1930) sowie mit der Nebenrolle des Gustl an der Seite von Richard Tauber in Max Reichmanns Operetten-Adaption "Das Land des Lächelns" (1930).
 

Foto: Bruno Kastner vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Bruno Kastner vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Danach zog Kastner sich vom Filmgeschäft zurück, versuchte sich als Kabarett- und Variete-Star, tingelte mit seiner zweiten Frau, der Kabarett-Sängerin Luise Tirsch eine Zeitlang mit Bühnensketchen als Vorprogramm von Kinos und zuletzt mit eigenem Theaterprogramm durch die Provinz. Doch weder beim Theater noch beim Film konnte er bedeutende Engagements bekommen, auch das einst so enthusiastische weibliche Publikum hatte ihn vergessen.
Seit einem schweren Motorradunfall in Lugano im Jahr 1924 litt Kastner an den Folgen dieses Unfalls und starken Depressionen, nicht zuletzt wegen fehlender Rollenangebote und damit verbundenem Popularitätsverlust setzte Bruno Kastner am 30. Juni 1932 in einem Hotelzimmer im Rheinland-Pfälzischen Bad Kreuznach mit nur 42 Jahren seinem Leben durch Erhängen ein Ende.
In erster Ehe war der damalige Frauenschwarm bis 1923 mit Schauspielerkollegin Ida Wüst1) (1884 – 1958) verheiratet gewesen, die mit ihm gemeinsam auch Drehbücher für Filme wie "Nur ein Diener" (1919) und "Der König von Paris" (1920) geschrieben hatte.

Bruno Kastner spielte immer mit dem Herzen eines Casanovas; der "schöne Bruno" des deutschen Stummfilms galt als der eleganteste aller Stars. Deshalb konnte er es nicht verwinden, dass sein Image nach 1930 vom Alter angekränkelt wurde und man ihm die Rollen verweigerte, die er am liebsten spielte: den Bonvivant in Frack und Zylinder, immer "Bel ami", eine liebenswert unschuldige Künstlerpostkarte für Fans.4) 

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, filmportal.de sowie
den Artikel bei www.regionalgeschichte.net
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 184
Lizenz Foto Bruno Kastner (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
frühe Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de

(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1920: Das Erbe von Carlington
  • 1920: Feuerreiter
  • 1920: Alfred von Igelheims Lebensdrama
  • 1920: Der König von Paris
  • 1920: Weiße Rosen
  • 1921: Das Brandmal der Vergangenheit
  • 1921: Der Silberkönig
    • 1. Teil: Der 13. März
    • 2. Teil: Der Mann der Tat
    • 3. Teil: Claim 36
    • 4. Teil: Rochesterstreet
  • 1921: Der Müde Tod
  • 1921: Der Graf, die Tänzerin und der Staatsanwalt
  • 1922: Das Geheimnis von Schloss Ronay
  • 1922: Wenn die Maske fällt
  • 1922: Die Lüge eines Sommers
  • 1922: Der bekannte Unbekannte
  • 1923: Das Paradies im Schnee
  • 1924: Colibri
  • 1924: Königsliebchen
  • 1924: Der Aufstieg der kleinen Lilian
  • 1924: Soll und Haben
  • 1924: Die Bacchantin
  • 1924: Komödianten des Lebens
  • 1925: Der Flug um den Erdball (2 Teile)
  • 1925: Die drei Portiermädel
  • 1925: Die Frau mit dem Etwas
  • 1925: Die vertauschte Braut
  • 1925: Der Mann, der sich verkauft
  • 1925: Die Assmanss
  • 1925: Die vom anderen Ufer
  • 1925: Wenn Du eine Tante hast
  • 1926: Der Mann ohne Schlaf
  • 1926: Wehe, wenn sie losgelassen
  • 1926: Wien – Berlin
  • 1926: Es blasen die Trompeten
  • 1926: Die geschiedene Frau
  • 1927: Die Bräutigame der Babette
  • 1927: Die schönsten Beine von Berlin
  • 1927: Der Orlow
  • 1927: Die Dame mit dem Tigerfell
  • 1927: Jugendrausch
  • 1927: Die Pflicht zu schweigen
  • 1927: Du sollst nicht stehlen
  • 1928: Luther – Ein Film der deutschen Reformation
  • 1928: Freiwild
  • 1928: Angst – Die schwache Stunde einer Frau
  • 1929: Mein Freund Harry / Harry Mac Gills geheime Sendung
  • 1929: Carnival of Crime
  • 1926: Die Brüder Schellenberg
Tonfilme
  • 1930: Das Land des Lächelns
  • 1930: Tingel-Tangel
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