Petra Kelling wurde am 26. August 1944 in dem zum Landkreis Mährisch Schönberg gehörenden Dorf Reitendorf (heute Rapotín1), Tschechien) geboren. Nach dem Besuch einer Sportschule entschied sie sich für die Schauspielerei und ließ sich ab 1962 drei Jahre lang an der "Deutschen Hochschule für Filmkunst" in Potsdam-Babelsberg (heute "Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf"1)) entsprechend ausbilden. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie am berühmten "Berliner Ensemble"1) – hier spielte sie die Hure Betty in "Die Dreigroschenoper"1) – sowie am Theater in Rostock. Seit 1967 gehörte sie vier Jahrzehnte lang zum Ensemble des Berliner "Theater der Freundschaft" (heute "Theater an der Parkaue"1)), übernahm zudem Gastengagements in Hamburg sowie am Berliner "Theater unterm Dach"1). Am "Theater der Freundschaft" sah man sie in vielen erfolgreichen Produktionen, die verschiedentlich auch vom "Deutschen Fernsehfunk"1) (DFF) ausgestrahlt wurden. Sie gestaltete unter anderem seit der Premiere am 2. Oktober 1974 die Prinzessin in der Uraufführung von Eugen Eschners "König Jörg"2), gab 1976/77 die Isabel, Zofe der Dońa Angela, in der Mantel- und Degenkomödie "Dame Kobold"1) von Calderón de la Barca (→ www.parkaue.de) oder ab 1981 die Frau von Daan in "Das Tagebuch der Anne Frank"2) nach dem berühmten Werk von Anne Frank1) in der Bühnenfassung von Frances Goodrich1) und Albert Hackett1). In dem Schauspiel für Kinder von Albert Wendt1) mit dem Titel "Der Vogelkopp"2) war sie in der Uraufführung (11.10.1985) die Königin, eine wichtige Rolle war zur Spielzeit 1995/96 die Figur der Cecilia in der deutschsprachigen Erstaufführung des Einpersonenstücks "Santa Cecilia"2) des kubanischen Autors Abilio Estévez.

Petra Kelling 1979
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_bo-pos-02_0000346)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Christian Borchert;
Urheber: Christian Borchert1) (1942–2000); Datierung: 1979;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Petra Kelling 1979; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_bo-pos-02_0000346); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Christian Borchert; Urheber: Christian Borchert (1942–2000); Datierung: 1979; Quelle: www.deutschefotothek.de
Zu nennen sind weiterhin beispielsweise:
(Link: Wikipedia, www.parkaue.de)
Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel; Foto 01 mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; Copyright Richard Engel; Quelle: Agentur Lux In Hamburg wirkte Petra Kelling beim 1991 von Jürgen Zielinski (→ www.goethe.de) gegründeten "Jugendtheater auf Kampnagel" (JAK), beim "Theater unterm Dach" (TuD) interpretierte sie beispielsweise zur Spielzeit 2000/2001 die Winnie in dem Drama "Glückliche Tage"1) von Samuel Beckett. "Die kraftaktive Petra Kelling liefert sich in der Inszenierung von dem Kubaner Eddy Socorro mit ihrer handwerklichen Virtuosität, ihrer spielerischen Intelligenz und, anders geht es nicht, ihrer ganzen Person dem Stück aus. Selten hat man das Glück, einen Menschen zu erleben, der so sichtbar denkt." schrieb unter anderem die "Berliner Zeitung" → www.berliner-zeitung.de. Gemeinsam mit Tochter Nadja Engel hatte sie 1998 in "Das Mssverständnis"1) ("Le Malentendu") von Albert Camus auf der Bühne des TuD gestanden, in der Inszenierung von Lutz Dechant gab Petra Kelling die mordende Hotelbesitzerin, Nadja Engel deren Schwiegertochter Maria.
Zudem betätigte sich Petra Kelling vereinzelt auch als Autorin und Regisseurin, so beispielsweise gemeinsam mit Lutz Dechant bei den Stücken "Icke bin doch Icke"2) (1985) und "Icke und Ernst"2) (1986); → mehr zum Theaterwirken bei www.parkaue.de bzw. Wikipedia.

Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel
Foto mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; © Richard Engel
Quelle: Agentur Lux

Seit Mitte der 1960er Jahre übernimmt Petra Kelling regelmäßig Aufgaben bei Film und Fernsehen, entwickelte sich "vom unkomplizierten jungen Mädchen zu einer ausdrucksstarken Charakterdarstellerin, die vor der Kamera vor allem in Gegenwartsstoffen (oft unter der Regie ihres Mannes Richard Engel) Erfolg hat."*) Ihr Leinwanddebüt gab sie mit einer kleinen Rolle in der Kinderbuch-Verfilmung "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen"1) (1964), Beachtung fand sie dann mit der Rolle der jungen Sigrid, Kommilitonin der Protagonistin Rita Seidel (Renate Blume), in dem DEFA-Klassiker "Der geteilte Himmel"1) (1964), von Konrad Wolf1) gedreht nach der gleichnamigen Erzählung von Christa Wolf1). In den nachfolgenden Jahren war sie sporadisch an weiteren DEFA-Produktionen beteiligt, unter anderem zeigte sie sich in der Kinderbuch-Verfilmung "Die Reise nach Sundevit"1) (1966), Mütter spielte sie in "Wir kaufen eine Feuerwehr"1) (1970) und "Weiße Wolke Carolin"1) (1985). In jüngerer Zeit verkörperte sie die Mutter Magdalena Scholl in dem preisgekrönten Film "Sophie Scholl – Die letzten Tage"1) (2005) über die letzten Tage im Leben der Widerstandskämpferin Sophie Scholl, war die Erna Fuchs in dem Road Movie "Die Schimmelreiter"1) (2008) und die Köchin Luise in dem Anti-Kriegsfilm "4 Tage im Mai"1) (2011).
 

Die Schauspielerin Petra Kelling 1984 an einem Tisch sitzend,
an der Wand im Hintergrund ein Plakat mit einer Fotografie Thomas Billhardts1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_bo-pos-02_0000342)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Christian Borchert;
Urheber: Christian Borchert1) (1942–2000); Datierung: 1984;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
 

Die Schauspielerin Petra Kelling 1984 an einem Tisch sitzend, an der Wand im Hintergrund ein Plakat mit einer Fotografie Thomas Billhardts; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_bo-pos-02_0000342); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Christian Borchert; Urheber: Christian Borchert (1942–2000); Datierung: 1984; Quelle: www.deutschefotothek.de
Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel; Foto 02 mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; Copyright Richard Engel; Quelle: Agentur Lux Zusammen mit ihrem Mann Richard Engel realisierte sie die über einen Zeitraum von 13 Jahren gedrehte Dokumentation "Aus den Träumen eines Küchenmädchens"1) (2014), ein filmisches Porträt über die Schauspielerin Käthe  Reichel. Die dreistündige Hommage kommt ohne Archivmaterial aus, lässt dafür die Wegbegleiter und Kollegen Käthe Reichels zu Wort kommen, so z. B. Rainer Simon1), Adolf Dresen1) und Dagmar Manzel1) → www.defa-stiftung.de.
Das Fernsehen bot Petra Kelling ein breites Betätigungsfeld, häufig wurde sie als bodenständige Frau aus dem Volke besetzt, mimte Arbeiterinnen oder kleine Beamtinnen und in späteren Jahren immer wieder Mütter, konnte aber auch als Rosa Luxemburg1) in dem Dreiteiler über die Novemberrevolution 1918/191) mit dem Titel "Aufbruch – Verrat – Hoffnung"3) (1983) sowie in "Jahreswechsel – Zeitenwechsel"3) (1988) überzeugen. Wiederholt tauchte sie in der beliebten Krimiserie "Der Staatsanwalt hat das Wort" auf, ebenso wie in dem Dauerbrenner "Polizeiruf 110"1), wo sie sich erstmals 1977 als vorbestrafte Hertha Tuch in der Folge "Trickbetrügerin gesucht"1) präsentierte. 1982 zeigte sie dann als die in seelische Not geratene Kraftfahrerin Renate Müller in "Schranken"1) eine weitere Facette ihrer Schauspielkunst. Die beliebte Mimin trat in verschiedenen Literaturadaptionen in Erscheinung, beispielsweise als reiche Gutsbesitzertochter Lidotschka in "Kretschinskis Hochzeit"3) (1971) nach der Komödie von Alexander Suchowo-Kobylin1) oder als Tochter Victoire von Carayon in "Schach von Wuthenow3) (1977) nach der Erzählung von Theodor Fontane1), in Erinnerung geblieben ist sie auch als burschikose Postangestellte Gaby in der heiteren Geschichte "Hallo Taxi!"3) (1974).
 
Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel
Foto mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; © Richard Engel
Quelle: Agentur Lux
Nach der so genannten "Wende" konnte Petra Kelling vor allem in der TV-Szene Fuß fassen und blieb eine vielbeschäftigte Darstellerin in Serien und Einzelproduktionen. Dem westdeutschen Zuschauer wurde sie 1992 mit der Rolle der Mutter von Karl May1) in der 6-teiligen Reihe "Karl May"4) bekannt, als Oberschwester Kathi sah man sie 1996/97 in der Serie " Kurklinik Rosenau"4). Mit Episodenrollen in zahlreichen populären Serien und Reihen, vornehmlich Krimis, prägte sich ihr Gesicht ein, neben erneuten Auftritten beim "Polizeifunk 110" gehörte sie unter anderem mehrfach zur Besetzung von "Ein starkes Team"1), "Tatort"1), "SOKO Leipzig"1), "SOKO Wismar"1) und "SOKO Köln"1), auch der Quotenrenner "In aller Freundschaft"1) ist zu nennen, wo sie zuletzt 2015 als Patientin Rita Steiger in der Folge "Aus der Spur"4) mitwirkte. Von den vielen Einzelproduktionen der letzten Jahre ist der Zweiteiler "Neger, Neger, Schornsteinfeger!"1) (2006) nach der Autobiografie des Deutsch-Liberianers Hans-Jürgen Massaquoi1) zu erwähnen, hier spielte sie die Nachbarin Elisabeth Möller, die sich liebevoll um den kleinen Hans-Jürgen kümmert und Teil der Familie Baetz wird. Ein Jahr zuvor hatte sie in der zweiteiligen Hedwig Courths-Mahler1)-Schmonzette "Durch Liebe erlöst – Das Geheimnis des roten Hauses"4) (2005) die mitfühlend-besorgte Haushälterin und Wirtschafterin Johanna Bode dargestellt. In der Komödie "Zwei Millionen suchen einen Vater"1) (2006) kam sie an der Seite von Johanna Christine Gehlen als Edda Krüger daher, "gute Seele" eines renovierungsbedürftigen Hotels.

Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel
Foto mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; © Richard Engel
Quelle: Agentur Lux

Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel; Foto 03 mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; Copyright Richard Engel; Quelle: Agentur Lux
Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel; Foto 04 mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; Copyright Richard Engel; Quelle: Agentur Lux Die kleinen Zuschauer erfreute sie als Königin Dorothea in dem Märchen-Remake "Die Gänsemagd"1), das erstmals Weihnachten 2009 im Rahmen der ARD-Reihe "Acht auf einen Streich"1) ausgestrahlt wurde, in dem romantischen "Katie Fforde"1)-Liebesfilm "Glücksboten"5) (2010) erlebte man sie als unkonventionelle und lebenslustige Kitty Anson, ehemaligen Kinderfrau und Ziehtante der von Felicitas Woll1) gespielten Protagonistin Perdita Dylan. Als Miguel Alexandre1) mit dem Zweiteiler "Schicksalsjahre"1) (2011) die Erinnerungen von Uwe-Karsten Heye1) verfilmte, fand er in Petra Kelling die ideale Besetzung für die in Rostock lebende Tante Anni, bei der die Familie Heye Zuflucht findet. Ein schöner Part war auch die ruppige Hermine Kanefly, die in dem ganz auf Dieter Pfaff zugeschnittenen amüsanten ZDF-Heimatkrimi "Balthasar Berg – Sylt sehen und sterben"5) (2012) dem nörgelnden Kriminalschriftsteller und Ex-Kommissar Balthasar Berg Paroli bietet, als dieser auf Anraten seines windigen Agenten Renner (Fritz Karl1)) wegen einer Schreibblockade in Hermines idyllisch gelegenen Bauernhäuschen Ruhe und Erholung sucht  → presseportal.zdf.de. Zu den aktuelleren Rollen zählen die Ruth Winter, Mutter von Hochzeitsplanerin Rosa (Alexandra Neldel1)) in der ARD-Reihe "Einfach Rosa"1) (2016), die einen heruntergekommenen Gasthof führende Schwiegermutter Greta Thielke in der Komödie "Keine Ehe ohne Pause"5) (EA: 11.03.2016) an der Seite von Heino Ferch1) und Inka Friedrich1) sowie die patente "Miet-Oma" Irmgard in der Dramödie "Eltern und andere Wahrheiten"5) (2017) mit Silke Bodenbender1) → mehr Filmografie siehe hier.
 
Petra Kelling, fotografiert von Ehemann Richard Engel
Foto mit freundlicher Genehmigung von Petra Kelling; © Richard Engel
Quelle: Agentur Lux
Darüber hinaus ist Petra Kelling eine gefragte Rezitatorin sowie Sprecherin in etlichen Hörspiel-Produktionen, wobei Stücke für Kinder einen breiten Raum einnehmen und sie des öfteren als Mutter eingesetzt wurde; eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels. Für das DDR-Schallplattenlabel "Litera"1) beteiligte sie sich an der Reihe "Märchen der Gebrüder Grimm"1) (1977), sprach die Müllerstochter in "Rumpelstilzchen"1), ein junges Geißlein in "Der Wolf und die sieben Geißlein"1) und die Titelheldin in "Dornröschen"1).  Zudem liest sie einige "Ohrenbär"1)-Geschichten, den "Radiogeschichten für kleine Leute" (→ www.ohrenbaer.de), für den Musikverlag "Buschfunk"1) sprach sie die Titelrolle in "Oma Else – Eine Hör-Geschichte in Liedern" (2006) mit Texten und Liedern von Gerhard Gundermann. Bei der Vertonung von Reportagen ist sie ebenfalls gefragt, zudem stand die vielseitige Künstlerin im Synchron-Studio, lieh unter anderem der jungen Assistenz-Ärztin Alžbeta Cenková (= Eliška Balzérova1)) in der legendären tschechoslowakischen Serie "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" (1978–1981) ihre Stimme → www.synchronkartei.de
 
Petra Kelling, Mutter zweier erwachsener Töchter aus der Ehe mit Regisseur Richard Engel6) und inzwischen mehrfache Großmutter, lebt in Berlin. Die 1964 geborene Nadja Engel1) trat in die Fußstapfen ihrer Mutter und ergriff ebenfalls erfolgreich den Schauspielerberuf. Verschiedentlich treten Mutter und Tochter gemeinsam bei Lesungen auf, erfreuten das Publikum beispielsweise mit Texten aus dem Buch "Der Papalagi"1), den Reiseberichte eines fiktiven Südseehäuptlings von Erich Scheurmann1) mit dem Untertitel "Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea". Bei der aufwendigen, vierteiligen Saga "Liebesau – Die andere Heimat"4) (2002), der Chronik des fiktiven DDR-Dorfes Liebesau, teilten sich beide eine Rolle – Nadja Engel spielte die junge und Petra Kelling ab Teil 3 die reife Gerlinde, Frau des Landwirtes Schorsch Schönstein (Martin Wuttke1)). Für die Serie "Familie Dr. Kleist"1) standen beide 2010 in der Folge "Neue Wege"4) gemeinsam vor der Kamera – Nadja Engel verkörperte die alleinerziehende Mutter Martina Thaller, deren Tochter von der Großmutter (Petra Kelling) in deren kleinen Schneiderei betreut wird; Regie führte Richard Engel.
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia sowie
ehemalige Seite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 162)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) www.parkaue.de, 3) fernsehenderddr.de, 4) fernsehserien.de, 5) tittelbach.tv, 6) filmportal.de
Stand Oktober 2017
     
Filme
Kino / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links:  Wikipedia, filmportal.de, fernsehenderddr.de,
fernsehserien.de, prisma.de, tittelbach.tv)
Kinofilme Fernsehen (Auszug) 
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch)) 
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