Siegfried W. Kernen wurde am 6. Juni 1940 in Bandelin1) in der Nähe von Greifswald geboren; seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der Schweiz in Küsnacht am Zürichsee. Nach verschiedensten Tätigkeiten, so als Volksschullehrer und Journalist, entschied er sich für eine Karriere als Schauspieler. Sein darstellerisches Rüstzeug erlernte er in Zürich bei Ellen Widmann, sein Bühnendebüt gab er 1964 an der "Landesbühne Wilhelmshaven"1), wo er bis 1968 engagiert war. Es folgten Verpflichtungen unter anderem am "Rheinischen Landestheater Neuß" (1968/69), am "Theater der Stadt Bonn" (1973–1978), an der "Freien Volksbühne Berlin"1) (1978/79), wo er unter der Regie von Luc Bondy1) als reicher  Glagoljew in "Platonow"1) von Anton Tschechow überzeugen konnte. Ab 1982 stand Kernenfür drei Jahre mit unterschiedlichsten Rollen am Hamburger "Thalia Theater"1) auf der Bühne, ebenso wie von 1997 bis 2000. Hier brillierte er unter anderem 1982/83 als Bischof von London in "Becket oder Die Ehre Gottes" von Jean Anouilh1) mit "Thalia"-Intendant Peter Striebeck als Heinrich II.1) oder 1984 als Macduff in dem Shakespeare-Drama "Macbeth"1) mit Striebeck in der Titelrolle und Hannelore Hoger als Lady Macbeth – beides von Dieter Wedel1) in Szene gesetzte Aufführungen. 1998 gestaltete Kernen den Herzog in der Verbannung und dessen Bruder Friedrich in Shakespeares "Wie es euch gefällt"1) (Regie: Jürgen Flimm1)) und den Gerichtsrat Walter in dem Kleist-Lustspiel "Der zerbrochne Krug"1) (Regie: Wolf-Dietrich Sprenger1)).

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Schauspielagentur N. Danilow
sowie dem Fotografen Thomas Müller zur Verfügung gestellt.
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Siegfried W. Kernen 01 / Copyright: Thomas Müller
Im darauffolgenden Jahr gab er den Vater Vockerath in Gerhart Hauptmanns Familiendrama "Einsame Menschen"1) (Regie: Karin Henkel1)), u. a. mit Stephan Schad als Johannes Vockerath, und den Zollwächter Sieg in "Der arme Vetter" von Ernst Barlach1) (Regie: Hans-Ulrich Becker1)) → www.welt.de. In Februar 2000 inszenierte Ursina Greuel1) Hermann Burgers1) Monolog "Der Orchesterdiener" und fand in Kernen einen herausragenden Interpreten für die Figur des verhinderten Musikus August Schramm → www.welt.de.
Seit 2000 arbeitete Kernen als freier Schauspieler an verschiedensten Bühnen, wurde beispielsweise an der "Komödie Winterhuder Fährhaus"1) als Theobald Maske in Sternheims Lustspiel "Die Hose"1) (2000) gefeiert. Zwischen 2001 und 2004 begeisterte er an der Berliner "Komödie am Kurfürstendamm"1) sowie im Rahmen von Gastspielen als Johann Sebastian Bach1) in Jürgen Wölfers1) Inszenierung des Stücks "Mögliche Begegnung" von Paul Barz1), dem fiktiven Treffen von Bach und dem von Hans Teuscher dargestellten Komponisten Händel1). 2002 erntete der Charakterdarsteller positive Kritiken am "Ernst Deutsch Theater"1) als Mephisto in Goethes "Faust I"1) (Regie: Yves Jansen1)) an der Seite von Edgar M. Böhlke1) als altem Faust → www.welt.de. Wenige Monate später stand er bei den "Nibelungen-Festspielen"1) in Worms auf der Bühne uns mimte in Dieter Wedels Inszenierung von "Die Nibelungen"1) Hagens Mitstreiter Hunold – unter anderem spielte Götz Schubert1) den Siegfried1) und Mario Adorf den Hagen1). Im Sommer 2003 gehörte Kernen als Hunold ebenfalls zur Besetzung, diesmal hatte Manfred Zapatka die Rolle des Hagen übernommen, Mario Adorf sprach den Prolog. Mehrfach wirkte Kernen zudem bei den "Gandersheimer Domfestspielen"1), bei den "Burgfestspielen Jagsthausen"1) und den "Luisenburg-Festspielen"1) in Wunsiedel mit. 
  
Zum Fernsehen kam der Schauspieler Mitte der 1970er Jahre und war seither vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken. Neben zahllosen Rollen in beliebten Krimi-Reihen wie "Ein Fall für zwei", "Großstadtrevier", "Peter Strohm", "Derrick", "Der Alte", "Männer vom K3" oder "Tatort" wurde er vor allem ab 1982 über zehn Jahre lang mit seinem Part des Zollfahnders Hobel in den Wirtschaftskrimis "Schwarz-Rot-Gold"1) neben Uwe Friedrichsen als Zollfahnder Zaluskowski ungemein populär.
Siegfried W. Kernen 02 / Copyright: Thomas Müller In Mehrteilern/Serien wie "Die Pawlaks – Eine Geschichte aus dem Ruhrgebiet", "Der elegante Hund", "Der Landarzt" oder "Forstinspektor Buchholz" konnte Kernen mit prägnanten Nebenrollen seine schauspielerische Vielseitigkeit ebenso beweisen wie in erfolgreichen Fernsehspielen. In Dieter Wedels Mehrteiler "Wilder Westen, inclusive"1) (1988) mimte er den Mr. Keiffenheim, in Urs Odermatts Spielfilm "Der Tod zu Basel"1) (1990) den Gerichtsmediziner Huber. Man erlebte Kernen beispielsweise in Krimis wie "Der absurde Mord" (1992) oder "Lautlose Schritte" (1996), in Dramen wie "Zerrissene Herzen" (1996) und "Davids Rache" (1997). Bis Ende der 1990er Jahre stand Kernen für TV-Spiele wie "Napoleon Fritz" (1997), "Der Weihnachtsmörder" (1997), "Ein Vater sieht rot" (1997) oder "Wut im Bauch" (1998) vor der Kamera, 2001 erlebte man ihn als Richter Walter Tyrolf1) in dem Doku-Drama "Jud Süß – Ein Film als Verbrechen?"2) über den Prozess gegen den Regisseur Veit Harlan (Axel Milberg1)) sowie als Anwalt Dr. Böttner in dem hochkarätig besetzten zweiteiligen Politthriller "Im Schatten der Macht"1) (2003), dem sensiblen Porträt des schon zu seinen Lebzeiten zum Mythos gewordenen Politikers Willy Brandt1) (Michael Mendl) von Regisseur Oliver Storz. Weitere Auftritte hatte Kernen beispielsweise in dem Tatort "Der Name der Orchidee"1) (2005), in der "Polizeiruf 110"-Folge "Die Prüfung"3) (2005) und Marcus O. Rosenmüllers Drama "Kunstfehler"2) (2005).
 
 
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In den letzten Jahren erlebte man Kernen nur noch sporadisch auf dem Bildschirm, etwa als Peter Glaser in der Episode "Der Besuch der alten Dame"4) (EA: 20.03.2012) aus der Krimi-Serie "Morden im Norden"1), in der turbulenten "Tessa Hennig"-Story "Elli gibt den Löffel ab"2) (EA: 28.10.2012) zeigte er sich neben Titelheldin Michaela May als Johann. Eine interessante Figur war die des jüdischen Arztes bzw. Politikers Johann Jacoby1) in Bernd Fischerauers zweiteiligem Dokumentarspiel "Die Reichsgründung/Die nervöse Großmacht"3) über den "Eisernen Kanzler" Otto von Bismarck1) (Torsten Münchow1)) und die Entstehung der Arbeiterbewegung in Deutschland, erstmals ausgestrahlt am 24.11.2012 bzw. 01.12.2012 bei "BR alpha". Beim "Großstadtrevier" tauchte er als Waldemar Brause, Nachbar des verschwundenen Modellbahnsammlers Armin Eckstein, in der Folge "Verschollen im Paradies"4) (EA: 30.12.2013) auf, im Frühjahr 2014 spielte er als Herr Lepton in einigen Episoden (136, 166, 167, 172−176) der Jugend-Soap "Hotel 13"1) mit.
   
Auf der Kinoleinwand war der Schauspieler eher selten präsent, so wirkte er in Filmen wie "Der Schnüffler"1) (1983), "Mann ohne Gedächtnis" (1984), "Didi auf vollen Touren"1) (1986), "Der Sommer des Samurai"1) (1986) und"Jacob hinter der blauen Tür"5) (1987) mit. Kernen zeigte sich auch in der Paul Maar-Verfilmung "Lippels Traum"1) (1991, Regie: Karl-Heinz Käfer) und spielte Lippels Kunstlehrer Herrn Göltenpott, mit dem Part des älteren jüdischen Mannes Ali trat er in Oliver Hirschbiegels Drama "Ein ganz gewöhnlicher Jude"1) (2005) auf, inszeniert nach dem gleichnamigen Kammerspiel von Charles Lewinsky, an der Seite von Ben Becker1) in Erscheinung. Zuletzt gehörte er als Werner zu Besetzung von Sören Hüper und Christian Prettins Langfilm-Debüt bzw. rabenschwarzen Episodenfilm "Toilet Stories"5), der am 23. Januar 2014 im Rahmen des 35. Filmfestivals "Max Ophüls-Preis" in Saarbrücken seine Weltpremiere feierte.
 
Neben seiner Tätigkeit für Theater, Film und Fernsehen, konzentriert sich Siegfried W. Kernen, der heute in Hamburg-Uhlenhorst lebt, seit Mitte der 2000er Jahre fast ausschließlich auf vielbeachtete Literaturlesungen. Zu nennen ist beispielsweise sein Programm "Auf den BUSCH geklopft", in dem er Gedichte Wilhelm Buschs1) mit Beispielen aus dessen Prosa und Briefen verknüpft, oder "Siegfried W. Kernens Weihnachts-Wundertüte – ein weihnachtliches Divertissement mit Musik" mit anrührend-humorvollen Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien, Frankreich, Böhmen und Deutschland. "Zusammen mit Musikerfreunden aus Eutin und Lübeck entwickelte er seine eigenen Programme, mit denen er hauptsächlich in Schleswig-Holstein, aber auch in anderen Teilen Deutschlands bis hinunter ins Erzgebirge gastiert. Außerdem tritt er häufig bei literarischen Abenden von Hanjo Kesting1) in Erscheinung." (Quelle: Harbour Front Literaturfestival)
Siegfried W. Kernen, seit 2010 Mitglied der "Freien Akademie der Künste in Hamburg"1), betätigt sich zudem als Sprecher bei 
etlichen Audio-Produktionen bzw. Hörspielen; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
Quelle (unter anderem): tls.theaterwissenschaft.ch; siehe auch Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2)  prisma.de, 3) tittelbach.tv, 4) fernsehserien.de, 5) filmportal,de Stand: Juni 2018
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, deutsches-filmhaus.de,
fernsehserien.de, Die Krimihomepage, prisma.de, br.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch)
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