Joachim Kerzel; Copyright Barbara Köppe Joachim Kerzel wurde am 10. Dezember 1941 im damals oberschlesischen, heute polnischen Hindenburg geboren; seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Augsburg. Nach der Schule, die er mit der so genannten Mittleren Reife abschloss, absolvierte er zunächst auf Wunsch seiner Mutter eine Lehre als Schlosser und Ölfeuerungsmonteur, doch die Leidenschaft für die Schauspielerei war stärker. Bereits als Schüler wirkte Kerzel bei Laienspielgruppen mit, nach dem Wehrdienst, den er als Funker bei der Bundesmarine, absolvierte, studierte er an der "Hochschule für Musik und Theater" in Hannover und ließ sich zum Schauspieler ausbilden. Sein professionelles Bühnendebüt gab Kerzel 1965 bei den Kreuzgangspielen in Feuchtwangen als "Lionel" in Schillers "Die Jungfrau von Orleans", anschließend erhielt er 1966 ein Engagement am Stadttheater Hildesheim, wo er die nächsten zwei Jahre weitere Erfahrungen sammelte. 1969 wurde er an das Berliner "Schiller-Theater" berufen, dem er bis 1978 verbunden blieb. Danach war Kerzel als freischaffender Schauspieler tätig und stand vor allem am Berliner "Theater am Kurfürstendamm" auf der Bühne; von 1989 bis 1992 leitete er das "Intime Theater".
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von Joachim Kerzel zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei der Fotografin Barbara Köppe.
© Barbara Köppe
Zu seinen frühen Rollen zählen unter anderem der "Tellheim" in Lessings "Minna von Barnhelm" und die Titelrolle in Schillers "Wilhelm Tell", am "Schiller-Theater" glänzte er beispielsweise als Tusenbach in Tschechows "Drei Schwestern" oder als Domingo in Schillers "Don Carlos". Am "Theater am Kurfürstendamm" erlebte man Kerzel beispielsweise in verschiedenen Ayckbourn-Inszenierungen von Wolfgang Spier, so etwa als Malcolm in der witzigen Satire über die britische Ehemoral "Drei Schlafzimmer" (1980), als Banker und ewiger Junggeselle Colin in der bitterbösen Geschichte "Freunde in der Not" oder als Mark in dem Lustspiel "Treppauf – Treppab" (1984), Stücke, die auch im Fernsehen übertragen wurden. In nachhaltiger Erinnerung bleibt Kerzel wohl auch mit seiner Rolle des "Theobald Maske" in Sternheims "Die Hose", mit dem er 1996 an der "Tribüne" das Publikum begeisterte.
Seit Anfang der 1970er Jahre übernimmt Joachim, Kerzel auch Aufgaben für das Fernsehen, stand für in Wolf Dietrichs Mehrteiler "Das Jahrhundert der Chirurgen" (1972), Fritz Umgelters "Der Zweck heiligt die Mittel" (1973) oder Thomas Fantls "Keine Spürhunde für den Fiskus" (1974) vor der Kamera. Seine Auftritte blieben jedoch stets sporadisch, hierzu zählen Einzelproduktionen wie Karl Fruchtmanns Dostojewskij-Adaption "Das Hochzeitsfest" (1977), Hartmut Griesmayrs Literaturverfilmung "Meister Timpe" (1980) oder Rolf von Sydows "Laus im Pelz" (1987, von und mit Dieter Hallervorden) ebenso wie die Serien "Cafe Wernicke" (1978), "Berliner Weiße mit Schuß" (1985), "Weiberwirtschaft" (1987) oder "Lukas und Sohn" (1989). In den letzten Jahren wirkte Joachim Kerzel in den Krimi-Reihen "Im Namen des Gesetzes" (1996) und "Hinter Gittern – Der Frauenknast" (2002) mit.
 
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von Joachim Kerzel zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei der Fotografin Gerlind Klemens.
©
Gerlind Klemens (www.gerlindklemens.de)

Joachim Kerzel; Copyright Gerlind Klemens
Joachim Kerzel Vor allem aber als herausragender Sprecher hat sich Kerzel einen Namen gemacht, der sowohl in der Synchronisation als auch mit vielen Audio-Produktionen zu einer der Besten seiner Zunft zählt. Als Synchronsprecher lieh und leiht er vielen Stars seine Stimme, Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper, Robert Wagner, Alan Bates, Richard Harris, Oliver Reed, Jean Paul Belmondo, Bill Cosby und Anthony Perkins sind nur einige der Filmgrößen, die erwähnt werden sollen; in den letzten Jahren hat Kerzel sich auch immer mehr als Synchronsprecher für Anthony Hopkins ("Hannibal", "Red Dragon") durchgesetzt. In der Zeichentrick-Serie "Captain Future" (1978) sprach er den "Vul Kuolun", war als Erzähler in der japanischen Zeichentrick-Serie "Yűgiô" (1998) zu hören oder jüngst die deutsche Stimme von Dr. Blackter in dem Videogame "Broken Sword 2.5: The Return of the Templars" (2008).
 
  
Foto: © Werner Bethsold2)
Das Foto entstand 1981 während einer Hörspielproduktion.
2003 erhielt der Schauspieler in der Kategorie "herausragende männliche Synchronarbeit" den "Deutschen Preis für Synchron"2) für "About Schmidt"2), in dem er den Titelhelden Warren Schmidt (= Jack Nicholson) sprach.
Zahlreiche Hörspiele und Hörbücher bedienen sich des unverwechselbaren Timbres Kerzels, die Neuauflage (bis Folge 46) von John Sinclairs "Geisterjäger" ist hier ebenso zu nennen wie Jakob Wassermanns Roman "Der Fall Maurizius", Texte von Stephen King, Ken Folletts Weltbestseller "Die Säulen der Erde" oder schaurige Balladen, u.a. von Friedrich von Schiller, Theodor Fontane, Eduard Mörike und Johann Wolfgang von Goethe, die unter dem Titel "Feuerreiter" erschienen sind; außerdem ist er Sprecher der Hörbücher von Jean-Christophe Grangé. Für das Hörbuch "Die Säulen der Erde"2) erhielt Kerzel 2006 eine "Goldene Schallplatte" sowie 2008 den Publikumspreis "Hörkules"2).
Darüber hinaus ist Joachim Kerzel als Regisseur im Synchronstudio tätig wie zuletzt bei "Spy Game – Der finale Countdown"
2) (2001) und "Der Manchurian Kandidat"2) (2004). Zudem hält er Bestseller-Lesungen ab und inzwischen wird auch jeder zweite Kino-Trailer von Kerzel gesprochen.

Joachim Kerzel, dessen Stimme zu den bekanntesten Deutschlands gehört, ist mit Schauspielerkollegin Maria Körber1) verheiratet und lebt in Berlin.
 
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 2) Wikipedia Stand November 2015
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