Reinhard ("René") Kolldehoff wurde am 29. April 1914 als Sohn eines Postbeamten in Berlin geboren und wuchs auch dort auf. Schon als Junge interessierte er sich für die Schauspielerei, gleich nach dem Abitur nahm er privaten Schauspielunterricht, das Geld hierfür verdiente er sich unter anderem als Statist am "Großen Schauspielhaus"1) und der "Staatsoper Unter den Linden"1). 1936 gab der junge Kolldehoff sein Bühnendebüt am "Landestheater Altenburg"1), weitere Verpflichtungen führten ihn nach Remscheid, Danzig, Hamburg und Lübeck. 1941 musste der Schauspieler seine vielversprechende Karriere wegen des 2. Weltkrieges unterbrechen, da er zum Kriegsdienst einberufen wurde, erst nach 1945 konnte er am Berliner "Hebbel-Theater"1) seine Laufbahn fortsetzen und gehörte bis 1948 zum Ensemble. Weitere Stationen seiner Theatertätigkeit wurden in Berlin das "Deutsche Theater"1), das "Theater am Kurfürstendamm"1), das "Renaissance-Theater"1) und das "Schlosspark Theater"1); ab 1955 wirkte er zudem am "Deutschen Schauspielhaus"1) in Hamburg bei Gustaf Gründgens.
  
Doch vor allem konzentrierte er sich auf eine Filmkarriere, schon wenige Jahre nach Kriegsende avancierte der Schauspieler zu einem vielbeschäftigten Leinwanddarsteller. Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte er bereits 1941 mit einer kleinen Rolle in der Rühmann-Komödie "Der Gasmann"1) gesammelt. Ab 1948 drehte er insgesamt acht Filme für die DEFA1) und übernahm kleinere Parts, so als Lehrer Max Tischbein in Erich Engels Justizdrama "Affaire Blum"1) (1948). Wolfgang Staudte besetzte ihn als Arbeiter Rudi Wille in "Rotation"1) (1949), in dem antifaschistischen Streifen "Die letzte Heuer"1) (1951) mimte er einen unsympathischen Kommissar. Lediglich in dem Gegenwartsfilm "Bürgermeister Anna" (1950) konnte er mit der tragenden Rolle des Kriegsheimkehrers Jupp Ucker seine schauspielerische Stärke unter Beweis stellen → filmportal.de.
Im Verlaufe der Jahre folgten nun zahllose deutsche und internationale Produktionen, über 130 Kinostreifen gehören zu Kolldehoffs beachtlichen Liste der Filme, die rund um den Globus in etlichen verschiedenen Staaten entstanden; im Ausland arbeitete er hauptsächlich unter dem Namen René Kolldehoff. Der Schauspieler mit dem markanten Charakterkopf gehörte nie zu den Topstars der Branche, sorgte jedoch mit meist prägnanten Nebenrollen für einen nachhaltigen Eindruck auf der Leinwand. Er spielte vornehmlich zwielichtige Typen, Gauner und brutale Charaktere, mimte Kriminalisten, Generäle oder sonstige Militärs an der Seite so prominenter Kollegen wie Hans Albers, Gert Fröbe, Klaus Kinski, Alain Delon, Louis de Funès, Roger Moore, Lee Marvin, Bud Spencer und Terence Hill, auch die Liste der Regisseure, für die er vor der Kamera stand, liest sich wie das "Who is Who" der Filmschaffenden. Unter anderen arbeitete er bei internationalen Produktionen mit Claude Chabrol1), Jacques Tati, Claude Autant-Lara1), Victor Vicas1), Luchino Visconti und Édouard Molinaro zusammen, im deutschsprachigen Raum sind beispielsweise Helmut Käutner1), Géza von Cziffra1), Frank Wisbar1), Fritz Lang1) und Paul Verhoeven zu nennen.

Zu Kolldehoffs Arbeiten für den deutschen Film zählen leichte Unterhaltungsstreifen wie "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren"1) (1952), "Der fröhliche Weinberg"1) (1952) oder "Heintje – Mein bester Freund"
1) (1970), aber auch anspruchsvolle Literaturverfilmungen wie Helmut Käutners Zuckmayer-Adaption "Der Hauptmann von Köpenick"1) (1956) und Melodramen wie "Anastasia – Die letzte Zarentochter"1) (1956). In zahlreichen Krimis gehörte er fast zur "Stammpersonal", so sah man ihn in "Der Greifer"1) (1958, mit Hans Albers), "Gestehen Sie, Dr. Corda!"1) (1958, mit Hardy Krüger), "Bobby Dodd greift ein"1) (1959, mit Walter Giller), "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse"1) (1960, mit Peter van Eyck) sowie in den Wallace-Verfilmungen "Der Frosch mit der Maske"1) (1959) und "Die seltsame Gräfin"1) (1961). Im Genre "Kriegsfilm" sind Paul Mays "Der Fuchs von Paris"1) (1957, mit Hardy Krüger) und Frank Wisbars "Hunde, wollt ihr ewig leben"1) (1958) zu nennen, weitere, eher anspruchslose deutsche Kinofilme waren unter anderem "Hoppla, jetzt kommt Eddie"1) (1958, mit Eddie Constantine) und "Liane, das Mädchen aus dem Urwald"1) (1956, mit Marion Michael). Eine seiner wenigen Hauptrollen spielte er als heimatvertriebener Dorfpfarrer Leonard Vavra in Peter Fleischmanns gesellschaftskritischem Drama "Das Unheil"1) (1972), bei dem Martin Walser1) am Drehbuch beteiligt war.
Bedeutende internationale Filme mit Reinhard Kolldehoff sind vor allem französische Produktionen wie Claude Chabrols Kriegsdrama "La ligne de démarcation" (1966), Jacques Tatis "Play-Time"1) (1967, Tatis herrliche Zeiten), Gerard Ourys "La Grande vadrouille"1) (1966, "Die große Sause" mit Bourvil und Louis de Funès), Jacques Derays "Borsalino & Co."1) (1974, mit Alain Delon) und Serge Gainsbourghs "Je t'aime moi non plus"1) (1976). In Italien drehte er unter anderem mit Luchino Visconti vor der Kamera "La caduta degli dei"1) (1969, Die Verdammten), Michele Lupo besetzte ihn in "Lo chiamavano Bulldozer"1) (1978, "Sie nannten ihn Mücke" mit Bud Spencer). In dem Western "The Revengers" (1972, Die Rächer) spielte er an der Seite von William Holden und Ernest Borgnine, in der Komödie "The Romantic Englishwoman"1) (1975, Die Romantische Engländerin) mit Glenda Jackson und Michael Caine und in dem Kriegsstreifen "Shout at the devil"1) (1976, Zwei wie Hund und Katz) mit Roger Moore und Lee Marvin. Zu Kolledehoffs letzten Arbeiten für das Kino zählt die amüsante Geschichte "Moon Over Parador" (1988, Mond über Parador) mit Richard Dreyfuss1) → Übersicht Kinofilme.
"Kolldehoff wurde fast ausschließlich in Nebenrollen besetzt. Seine hünenhafte Statur und seine markante Stimme prägten sich beim Publikum über Jahrzehnte ein, ohne dass sein Name außerhalb von Fachkreisen zum Begriff wurde. Sein äußeres Erscheinungsbild prädestinierte ihn für Auftritte als "Filmbösewicht" und insbesondere im Ausland für den Typus des "hässlichen Deutschen". Obwohl er viele derartige Rollen übernahm, wurde Reinhard Kolldehoff von Regisseuren jedoch auch immer wieder entgegen seines gängigen Rollentyps und in ungewohnten Zusammenhängen besetzt."2) Und filmportal.de notiert: "In internationalen Produktionen verkörpert Kolldehoff häufig den "hässlichen Deutschen" und den prototypischen Nazi, äußerst gelungen etwa in Paul Verhoevens "Soldaat van Oranje"1) (1977, "Der Soldat von Oranien")".
Seit den 1950er Jahren war der Schauspieler überdies für das Medium Fernsehen tätig. Wiederholt sah man ihn unter anderem mit Gastauftritten in populären Krimiserien wie "Derrick", "Der Alte", "Kriminalmuseum", "Dem Täter auf der Spur" oder "Der Kommissar". In Erinnerung bleibt er als Captain Jan Hendrik DuPlessis, Detektiv bei der "Internationalen Diamanten-Sicherheitsorganistation (IDSO), in dem spannenden Dreiteiler "Diamanten sind gefährlich"3) (1965), nicht zuletzt weil Pidax-Film diese auf Tatsachen beruhende und an Originalschauplätzen in Südafrika gedrehte Produktion Mitte Januar 2017 auf DVD herausbrachte.

DVD-Cover bzw. Szenenfoto mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film

DVD-Cover "Diamanten sind gefährlich" mit freundlicher Genehmigung  von Pidax-Film Szenenfoto aus "Diamanten sind gefährlich" mit freundlicher Genehmigung  von Pidax-Film
Szenenfoto aus "Das kalte Herz", Kolldehoff als Holländermichel mit Thomas Ahrens als Köhlerjunge Peter Munk; Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film Kolldehoff zeigte sich verschiedentlich in Literaturverfilmungen, so beispielsweise 1960 in Peter Beauvais' zeitkritischen Studie "Familie" oder 1969 – neben Inge Meysel – in dem ebenfalls von Peter Beauvais in Szene gesetzten Hauptmann-Drama "Die Ratten"3). Zur TV-Filmografie der 1970er und 1980er Jahre zählen Fernsehspiele wie Thomas Engels "Mein Onkel Benjamin"1) (1973), die Tatort-Folge "Tod im U-Bahnschacht"1) (1975), Frank Beyers "Der König und sein Narr"1) (1981) sowie die Dokumentation "Die Paulskirche" (1980) mit der Rolle des Schriftstellers Ernst Moritz Arndt1). Eine andere Person der Zeitgeschichte mimte er in dem amerikanischen Mehrteiler "The Winds of War"1) (1983, Feuersturm), hier verkörperte er den Nazi-Reichsmarschall Hermann Göring1). Erwähnenswert ist auch seine Darstellung des Holländermichel in dem Sechsteiler "Das kalte Herz"4) (1978) nach dem Märchen von Wilhelm Hauff1) → Übersicht TV-Produktionen.

Szenenfoto aus "Das kalte Herz", Kolldehoff als Holländermichel mit
Thomas Ahrens als Köhlerjunge Peter Munk
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche Mehrteiler Oktober 2017
auf DVD herausbrachte. → www.pidax-film.de

Trotz seiner Arbeit als vielbeschäftigter Filmschauspieler wirkte der Schauspieler als Synchron- und Hörfunksprecher in zahllosen Produktionen mit; seine Arbeiten als Synchronsprecher findet man bei synchronkartei.de, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen ist hier gelistet. 
Eine letzte Fernsehrolle, die des Baron von Alsfeld, spielte er – bereits im Rollstuhl sitzend – in der Serie "Forstinspektor Buchholz"4) (1989). Ende der 1980er Jahre hatte man bei Reinhard Kolldehoff die Parkinsonsche Krankheit diagnostiziert, seither konnte er nicht mehr als Schauspieler arbeiten. Er war zwar anfangs noch für die Synchronisation tätig, als er später auch noch an einer schweren Diabetes erkrankte, musste er seinen Beruf völlig aufgeben.
Der Schauspieler starb am 18. November 1995 im Alter von 81 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin; die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf in einem Familiengrab → Foto der Grabstelle bei www.knerger.de sowie Wikimedia Commons
Der Schauspieler war in zweiter Ehe verheiratet und Vater von zwei Kindern, Tochter Colette (geb. 1970) und Sohn René (geb. 1973). Sein Sohn betrieb später in Berlin ein Café-Restaurant namens "Kólldi", benannt nach dem Spitznamen seines Vaters.2) 
Siehe auch Wikipedia, filmportal.de, defa-stiftung.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) Die Krimihomepage, 4) fernsehserien.de
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 16.10.2011) 
   
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia (deutsch/englisch), filmportal.de, Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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