Mila Kopp
Mila Kopp wurde am 20. Oktober 1904 als Emilie Kopp und Tochter eines Beamten in Wien geboren. Nach dem Schulabschluss ließ sie sich in ihrer Geburtsstadt an der dortigen Lehrerbildungsanstalt zur Volksschullehrerin ausbilden. Doch dann entschied sie sich für das Theater und wurde Schauspielerin; ihr Bühnendebüt gab sie 1923 in Pilsen mit der Titelrolle in Lessings "Emilia Galotti", Verpflichtungen führten sie unter anderem nach Prag (1924/25) und Stuttgart, wo sie bis 1936 am "Staatstheater" eine künstlerische Heimat fand. 1938 kam Mila Kopp nach München wirkte bis 1941 unter Otto Falckenberg1) (1873 – 1947) an den Kammerspielen, dann folgte sie einem Ruf Heinrich Georges2) (1893 – 1946) an das Berliner "Schiller-Theater", wo sie bis 1944 auf der Bühne stand.
Nach Ende des 2. Weltkrieges gehörte Mila Kopp wieder zum Ensemble des Stuttgarter Staatstheaters, parallel dazu spielte sie ab 1950 bei Heinz Hilpert
1) (1890 – 1967) am "Deutschen Theater" in Göttingen. Bis 1955 stand sie abwechselnd in Stuttgart und Göttingen auf der Bühne, außerdem trat sie an den "Münchner Kammerspielen", dem "Bayerischen Staatsschauspiel", der Berliner "Volksbühne" sowie dem "Schiller-Theater" auf. Auch bei den Salzburger Festspielen hinterließ sie nachhaltigen Eindruck, wie zwischen 1965 und 1968 als Jedermanns Mutter an der Seite von Walter Reyer2) (1922 – 1999) als "Jedermann" in den Inszenierungen von Helene Thimig2) (1889 – 1974) oder 1963, 1964 und 1965 als Baucis in der vom Leopold Lindtberg1) (1902 – 1999) in Szene gesetzten Aufführung von Goethes "Faust II".
 
Vereinzelt machte Mila Kopp auch Ausflüge auf die Leinwand: 1942 spielte sie die Ehefrau der Titelfigur (Heinrich George) in Herbert Maischs Historienfilm "Andreas Schlüter"1), 1949 sah man sie in Erich Engels "Mordprozeß Dr. Jordan"3) oder 1953 in Kurt Hoffmanns Goetz-Adaption "Hokuspokus"1). In Rolf Thieles humorvollen Literaturverfilmung "Mamitschka" (1955), dem Schicksal einer kinderreichen Flüchtlingsfamilie aus Böhmen, die ihre Existenz auch mit fragwürdigen Mitteln zu sichern sucht, beeindruckte sie mit der Titelrolle an der Seite von Rudolf Platte, der den Vater Tatinek spielte → www.goethe.de, www.zeit.de. In Wolfgang Liebeneiners "Eine Frau fürs ganze Leben"4) (1960) stand sie mit Ruth Leuwerik vor der Kamera. Die Fernsehzuschauer erlebten sie unter anderem in Stücken wie "Jeanne oder Die Lerche" (1956), "Besuch aus der Zone"5) (1958), "Sonderurlaub"3) (1963), "Kraft des Gesetzes" (1968) sowie zuletzt in der "Tatort"-Folge "Frankfurter Gold"1) und der Serie "Novellen aus dem wilden Westen" (1972).
  
In ihren letzten Lebensjahren stand die Schauspielerin wegen eines schweres Hüftleidens nur noch selten auf der Bühne; zuletzt war sie an den Rollstuhl gefesselt. Mila Kopp starb am 14. Januar 1973 mit 68 Jahren in Stuttgart an Kreislaufversagen. Sie war mit dem Schauspieler Christian Kayssler1) (1898 – 1944) verheiratet, dem Sohn des Schauspielers Friedrich Kaysslers2) (1874 – 1945); aus der Verbindung stammen Tochter Maria (geb. 1934) sowie Martin Kayssler (geb. 1939), der ebenfalls Schauspieler wurde.

Die F.A.Z. schrieb in einem Nachruf unter anderem über Mila Kopp: "Sie war eine Schauspielerin von einer stillen, aber ungeheuer intensiven Präsenz. Sie hatte in ihrer kleinen, eher ein wenig untersetzten Gestalt die Kraft zu größten "Ausbrüchen", aber sie liebte mehr die leisen, in die Wellen ihres Gefühlsstroms eingebetteten Töne. Ihre Stimme war von einer melodischen Wärme ohnegleichen, aber sie verschmähte es, auf die Popularität ihrer heimischen Wiener Sprachmelodie zu bauen. Sie imitierte auch nicht andere Dialekte, um "Kolorit" vorzutäuschen – ihre " Mutter John" in Hauptmanns "Die Ratten" war berlinisch aus der Kraft ihrer figuralen Intution; dazu brauchte sie nicht zu "berlinern"; Mütter, das war überhaupt ihre große Domäne. Kleine, gedrückte Mütter wie in O'Neills "Fast ein Poet" oder die " Frau Ekdal" in Ibsens "Wildente", gutmütig-dumme wie die " Millerin" in "Kabale und Liebe" oder pfiffiggerissene wie die Waschfrau Wolfen in Hauptmanns "Biberpelz", harte, unsentimental lebenstüchtige wie Brechts " Mutter Courage", gluckenhafte, aber dabei resolut-mutige wie die "Mrs. Antrobus" in Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen". Aber auch als leicht verschrobene Gesellschaftsdame war sie herrlich, ihre "Lady Britomart Undershaft" in Shaws "Major Barbara" war ein Urbild familiärer Herrschsucht. Bösen Weibern, wenn sie aus mütterlichen Instinkten entarteten, gab sie nahezu dämonische Züge wie der dumpf-fanatischen Mörderin in Julius Hays "Haben", und wenn sie in Lorcas "Bernarda Albas Haus" als Magd daherschlurfte, schien eine spanische Bauern-Gäa die Szene zu beherrschen, selbst wenn sie nur stumm mit dunklen, unheimlich funkelnden Augen dabeistand. Aber auch eine Kuppelmutter wie die "Marthe Schwertlein" im "Faust" schalkhaft, geschwätzig und lüstern zu spielen, machte ihr einen diebischen Spaß". 
 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3)  prisma.de, 4) Murnau Stiftung, 5) filmportal.de
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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