Franz Kutschera wurde am 25. März 1909 als Franz Kucera in Wien geboren. Nach einer Ausbildung zum Schauspieler in seiner Geburtsstadt bei Theodor Danegger1) (1891 – 1959) erhielt Kutschera 1928 ein erstes Bühnenengagement bei Paul Barnay (1884 – 1960), zwischen 1921 und 1933 Intendant der Vereinigten Theater in Breslau. Zwei Jahre später wechselte der junge Schauspieler an das Darmstädter Landestheater (heute Staatstheater Darmstadt), welches damals bis 1931 von Carl Anton Ebert1) (1887 – 1980) geleitet wurde. Nachfolger von Ebert wurde Gustav Hartung1) (1887 – 1946), der 1933 als Jude vor den Nazis floh; da Kutschera an der Fluchthilfe beteiligt war, wurde er in Deutschland mit einem Auftrittsverbot belegt. Engagements am Wiener "Raimundtheater" sowie am "Tiroler Landestheater" in Innsbruck schlossen sich an. 1938 folgte Kutschera einem Ruf Paul Smolnys nach Leipzig.
 

 
Das Foto entstand 1983 bei den Salzburger Festspielen
während der Aufführung zu Moličres Stück "Dom Juan"1).
Freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Franz Kutschera; Copyright Virginia Shue
Nach Ende des 2. Weltkrieges ging der Schauspieler 1947 zunächst nach Ost-Berlin an das von Wolfgang Langhoff1) (1901 – 1966) geleitete "Deutsche Theater". Nur wenig später (1948) berief ihn Fritz Wisten1) (1890 – 1962) in sein Ensemble, welches bis 1953 im "Theater am Schiffbauerdamm" auftrat und dann – als Bertolt Brecht mit seinem "Berliner Ensemble" dort einzog – in die wieder aufgebaute "Volksbühne" am Rosa-Luxemburg-Platz übersiedelte.2)  
Mit dem Mauerbau im Jahre 1961 ging Kutschera in die Bundesrepublik und fand für zehn Jahre an den Städtischen Bühnen in Frankfurt a.M. seine künstlerische Heimat. Er spielte im Ensemble des Generalintendanten Harry Buckwitz1) (1904 – 1987), der vor allem durch seine Brecht-Inszenierungen weltweit bekannt wurde; zwischen 1972 und 1982 war Kutschera dann Mitglied des "Bayerischen Staatsschauspiels" in München.
 
Der Charakterschauspieler brillierte in Klassikern und Komödien ebenso wie in Stücken der Moderne, prägte vor allem als "schwerer Held", aber auch als Regisseur, maßgeblich den Spielplan der Städtischen Bühnen in Frankfurt. 1962 machte er als Alfred Ill in Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" neben Grete Mosheim3) (1905 – 1986) in der Titelrolle der Claire Zachanassian Furore und auch in Heiner Müllers "Philoktet" (1969) zeigte er als Odysseus seine schauspielerische Dominanz. Als herausragender Brecht-Interpret glänzte Kutschera als Peachum in "Die Dreigroschenoper" und als Barbier in "Der gute Mensch von Sezuan". In "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" verlieh er dem Chicagoer Fleischkönig Pierpont Mauler ureigene Züge, eine Rolle, für die er 1970 in einer Inszenierung der Hersfelder Festspiele mit dem "Großen Hersfeldpreis" ausgezeichnet wurde. Während seiner Zeit am "Bayerischen Staatsschauspiel" begeisterte der Vollblutmime das Publikum unter anderem als "Michael Kramer" in dem gleichnamigen Drama von Gerhard Hauptmann, gab unter der Regie von Ingmar Bergman die "Madame Pernell" am Münchener "Residenztheater" in dessen "Tartuffe"-Inszenierung (1975), neben Nikolaus Paryla in der Titelrolle und Walter Schmidinger als Orgon. Erneut unter Bergmann spielte er in dessen legendären Aufführung von Moličres Stück "Dom Juan", das 1983 bei den Salzburger Festspielen Premiere hatte und auch für das Fernsehen aufgezeichnet wurde; Michael Degen spielte die Titelrolle, Birgit Doll die Elvire und Hilmar Thate den Sganarelle, Franz Kutschera war als Dom Louis bzw. "Das Standbild des Komtur" zu sehen.
 
Seit den 1950er Jahre übernahm Kutschera sporadisch Aufgaben vor der Kamera und wurde damit auch einem breiteren Publikum bekannt. Er war in verschiedenen DEFA-Filmen wie Richard Groschopps Komödie "Contra" (1951), Gustav von Wangenheims heiteren Geschichte "Heimliche Ehen"4) (1956) oder Konrad Wolfs Drama "Leute mit Flügeln"1) (1960, mit Erwin Geschonneck) sowie in einigen satirisch-humoristischen "Stacheltier"-Produktionen1) zu sehen, spielte im DDR-Fernsehen in Stücken wie "Der Tod hat ein Gesicht" (1962). Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik tauchte Kutschera in Fernsehspielen wie der Fontane-Adaption "Unterm Birnbaum" (1963) oder der "Brooklyn-Ballade" (1965, nach Irwin Shaw) auf, in Fritz Umgelters TV-Fassung von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" (1966) gab er den "zweiten Gott". Weitere prägnante Auftritte hatte er beispielsweise in Helmut Käutners "Bel Ami" (1968, nach Guy de Maupassant) sowie in den von Robert A. Stemmle inszenierten Stücken "Der Fall Ivar Kreuger" (1967, mit Peter van Eyck) und "Anna Böckler" (1968). In den 1970er Jahren übernahm Kutschera Rollen in Produktionen wie "Die gefälschte Göttin" (1971: Regie: Helmut Käutner) oder "Jedermanns Weihnachtsbaum" (1975, u.a. mit Uschi Glas und Lina Carstens). Zuletzt sah man ihn 1985 in einer Episode der Krimi-Serie "Ein Fall für zwei" (Folge: "Chemie eines Mordes").
Nur wenige Male agierte Kutschera noch in Kinofilmen, so als Bischof Moser in Rolf Thieles Dürrenmatt-Verfilmung "Grieche sucht Griechin"1) (1966, mit Heinz Rühmann) oder in Rolf Olsens "In Frankfurt sind die Nächte heiß" (1966, u.a. mit Vera Tschechowa).
 
Franz Kutschera konzentrierte sich überwiegend auf seine Arbeit am Theater, darüber hinaus war er für ambitionierte Audio-Produktionen tätig, produzierte literarische Schallplatten und ging auf Lesereisen mit Jaroslav Haseks "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk"; seine mehrteiligen Lesungen aus dem Jahre 1958 sind inzwischen als Hörbuch auf CD erhältlich. Erwähnt werden soll auch, dass Kutschera in der ehemaligen DDR mit dem Kabarett "Schmunzelbrigade" Erfolge feierte.
Der Schauspieler und Regisseur, der auch als Dozent an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" lehrte, erhielt während seiner Karriere diverse Auszeichnungen. Neben dem erwähnten "Großen Hersfeldpreis" (1970) wurde ihm 1953 der "Goethepreis" der Stadt Berlin verliehen, ein Jahr später (1954) folgte der "Deutsche Nationalpreis"; 1974 wurde er zum "Bayerischen Staatsschauspieler" ernannt.

Franz Kutschera starb am 27. Oktober 1991 im Alter von 82 Jahren in München; seine Grabstätte befindet sich auf dem dortigen Waldfriedhof.
Anlässlich des 100. Geburtstages von Franz Kutschera wurde Ende März 2009 sein Nachlass in der Berliner "Akademie der Künste" archiviert. Die Sammlung, zur Verfügung gestellt von Kutscheras Tochter Franziska, umfasst Fotos, Schallplatten, Tonbänder und Briefe (unter anderem von Ingmar Bergman) und dokumentiert nahezu vollständig die Laufbahn eines Ausnahmekünstlers, "der die Theaterszenen im Berlin der Nachkriegszeit und ab den 1960er Jahren in Frankfurt am Main und München wesentlich geprägt habe" hieß es zur Eröffnung des "Franz-Kutschera-Archivs" am 25. März 2009 (siehe auch die Pressemitteilung der "Akademie der Künste" bei www.adk.de)

 

Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 4) www.progress-film.de
2) Quelle: Wikipedia
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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