Theodor Loos ca. 1920; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder) (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 378/2; Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Theodor Loos wurde am 18. Mai 1883 als Theodor August Konrad Loos und Sohn eines Uhrmachermeisters bzw. Fabrikanten für Musikinstrumente im hessischen Zwingenberg geboren. Er besuchte die Realschule in Heppenheim, anschließend das Gymnasium in Bensheim, als die Familie 1897 nach Leipzig zog, brach Loos das Gymnasium ab und begann auf Wunsch seines Vaters – eher lustlos – eine Lehre bei einer Exportfirma für Musikinstrumente. Anschließend arbeitete er drei Jahre als Kaufmann in der Firma, zog dann zu seinem Onkel nach Berlin, der mit kunstgewerblichen Gegenständen handelte. Schon zu dieser Zeit interessierte er sich mehr für das Theater und die Schauspielerei, 1902 entschied er sich endgültig für den Beruf des Schauspielers, sprach am Leipziger Theater vor, wurde für "talentiert" befunden und zum Schauspielunterricht zugelassen. Das Studium finanzierte sich Theodor Loos als Schulrezitator, nach Ende der Ausbildung erhielt er ein erstes Engagement am Leipziger Theater, wo er zunächst kleinere Rollen in Klassikern spielte. Über Danzig und Frankfurt am Main kam der junge Schauspieler 1912 nach Berlin, wo er sich rasch einen Namen als herausragender Charakterdarsteller machte. Vor allem das Lessing-Theater wurde seine künstlerische Heimat, dort stand er von 1912 bis 1945 auf der Bühne, darüber hinaus wirkte er an den Preußischen Staatstheatern sowie am "Deutschen Theater" bei Max Reinhardt1) (1873 – 1943) und Heinz Hilpert1) (1890 – 1967). Zu seinen wichtigen Rollen zählten der Philipp II. in Schillers "Don Karlos", der Prospero in Shakespeares "Der Sturm", der Mephisto in Goethes "Faust" oder der Riccaut in Lessings "Minna von Barnhelm". Allein über 400 Mal brillierte er in Ibsens dramatischem Gedicht "Peer Gynt".
 
Foto: Theodor Loos ca. 1920
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 378/2
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Zum Film kam Theodor Loos kurz nachdem er sich in Berlin niedergelassen hatte: Sein Leinwanddebüt gab er in dem stummen Streifen "Die Eisbraut" (1913), gefolgt von Walter Schmidthässlers Romanverfilmung "Das Goldene Bett" (1913), der erstmals anlässlich der Eröffnung des noblen Lichtspieltheaters "Marmorhaus" am Berliner Kurfürstendamm gezeigt wurde. Es folgten Auftritte in Geschichten wie "Im Schützengraben" (1914), "Das Hochstapler-Trio" (1914), "Das Haus ohne Tür" (1914) und "Maria Niemand und ihre zwölf Väter" (1915), seine erste große Hauptrolle spielte Theodor Loos dann in William Wauers Film-Mysterium "Der Geheimnisvolle Wanderer"2) (1915) und avancierte damit zum Star der Stummfilmszene. Viele bedeutende Regisseure wie Stellan Rye, Robert Wiene, Otto Rippert, Robert Reinert Richard Oswald und Fritz Lang bedienten sich fortan des charismatischen Darstellers, der durch sein markantes Gesicht und den ausdrucksstarken Augen für die stumme Leinwand prädestiniert war.
Loos drehte in rascher Folge zahlreiche Filme, trat sowohl mit Hauptrollen als auch prägnanten Nebenrollen in Erscheinung. Zur Filmografie der 1910er Jahre zählen unter anderem die sechs Teile von Otto Ripperts gruseliger "Homunculus"-Reihe1) (1916), Georg Alexanders "Der Geigende Tod" (1917) sowie Richard Oswalds Sittenfilm "
Es werde Licht!"1), (1918, Teil 2 und Teil 3), einem von Oswalds ersten umstrittenen sogenannten "Aufklärungsfilmen", der mit Unterstützung der "Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" entstanden war und ein gesellschaftliches Tabu in der Beschäftigung mit den als "Volkskrankheit" verbreiteten Geschlechtskrankheiten brechen sollte.
Richard Oswald besetzte ihn neben den Stummfilmgrößen Paul Wegener und Conrad Veidt auch in "Nachtgestalten"1) (1920), einer Filmfassung von Karl Hans Strobls Horror-Geschichte "Eleagable Kuperus", erneut unter der Regie Oswalds tauchte er an der Seite von Conrad Veidt und Asta Nielsen in "Der Reigen – Ein Werdegang" (1920) auf. Mit Otto Gebühr spielte er in Ripperts "Der Menschheit Anwalt" (1920), einmal mehr für Richard Oswald gab er den Schmierenkomödianten und "armen Schlucker" Raoul Hasenzwing in der Burleske "Kurfürstendamm" (1920), ein Film, der das Publikum nicht nur wegen Conrad Veidt und Asta Nielsen sondern auch aufgrund des Untertitels "Ein Höllenspuk in 6 Akten" scharenweise in die Lichtspielhäuser lockte. Eine weitere Zusammenarbeit mit Oswald war der Film "Das Haus in der Dragonerstrasse" (1921), der "Film-Kurier" (Nr. 146, 24.6.1921) vermerkt hierzu "Loos, bläßlich-angenehm, wie immer".  
In dem lange verschollen geglaubten Stummfilm von Curt Goetz "Friedrich Schiller – Eine Dichterjugend"1) (1923) mimte er eindrucksvoll das Dichtergenie, in Fritz Langs zweiteiligem Historienepos "Die Nibelungen"1) (1924: Die Nibelungen. 2. Teil: Kriemhilds Rache2)) einen unterschwellig masochistischen König Gunther und in Langs expressionistischem Meisterwerk " Metropolis"1) (1926/27) den treuen Gehilfen Josaphat.

Foto: Theodor Loos vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Foto: Theodor Loos vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Weitere Stummfilme waren unter anderem "Prinz Louis Ferdinand" (1927), "Königin Luise Teil 1"2)/"Königin Luise Teil 2"2) (1927/1928), "Anastasia, die falsche Zarentochter" (1928) und "Die Nacht des Schreckens" (1929). In Ewald André Duponts See-Drama "Atlantik"1) (1929) konnte man dann erstmals auch die Stimme von Theodor Loos hören, die von der Kritik hochgelobt wurde. Im "Film-Kurier" (Nr. 63, 14.3.1934) steht beispielsweise "Seiner Rede Melodie ist oft unirdisch schön, ohne daß er Pathos brauchen müßte, und die menschliche Schauspielkunst erreicht einen Gipfel, wenn Loos spricht."
Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen wusste sich Theodor Loos somit auch im Tonfilm behaupten und blieb – trotz seiner umfangreichen Arbeit für das Theater – ein vielbeschäftigter Leinwanddarsteller, seine Leistungen wurden mit Auszeichnungen und Titeln wie "Staatsschauspieler" (1933) bedacht. Beispielsweise mimte in Fritz Langs Klassiker "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"1) (1931) den Inspektor Gröber, gemeinsam mit Else Elster stand er für "Das Geheimnis des blauen Zimmers" (1932) vor der Kamera. In dem musikalischen Heimatfilm "Grün ist die Heide"1) (1932, auch: Der geheimnisvolle Wildschütz) war er der Partner von Camilla Spira und in Langs legendärem Krimi "Das Testament des Dr. Mabuse"1) (1933) gehörte er als Dr. Kramm ebenfalls zur Besetzung.
Seine Mitwirkung in zahlreichen Nazi-Propagandafilmen wurde Theodor Loos nach dem Krieg ebenso angelastet wie seine Mitgliedschaft im Präsidialrat der "Reichsfilmkammer". Zu den Filmen jener Ära, in denen der Schauspieler vor allem in historischen Sujets mit verschiedensten Masken auftrat, zählen unter anderem die Hauptrolle in "Anekdoten um den alten Fritz" (1935), Hans Steinhoff besetzte ihn in "Der alte und der junge König"1) (1935, mit Emil Jannings und Werner Hinz), in Arthur Robisons Grusel-Remake "
Der Student von Prag"1) (1935) zeigte er sich neben Adolf Wohlbrück als mysteriöser Dr. Carpis. Unter der Regie von Douglas Sirk drehte er neben Willy Birgel und Lil Dagover das Melodram "Schlussakkord"2) (1936) und trat als Professor Obereit in Erscheinung, den er "mit seiner reifen und kultivierten Darstellungskunst einprägsam und lebensnah wie alle seine Rollen auf der Bühne und im Film gestaltet, von denen stets ein nachhaltiger Eindruck ausgeht. (…) Darsteller wie ihn braucht das deutsche Filmschaffen." (Film-Kurier, Nr. 174, 28.7.1936).
  
Nach Karl Ritters Kriegsdrama "Verräter"1) (1936) wirkte er unter anderem in dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1)  zählendem Propagandastreifen "Kameraden auf See"2) (1938) sowie in Hans Steinhoffs Filmbiografie "Robert Koch, der Bekämpfer des Todes"2) (1939) mit, ließ sich in Veit Harlans unsägliches Hetz-Machwerk "Jud Süß"1) (1940, Vorbehaltsfilm) ebenso einbinden wie in Herbert Maischs verherrlichende Biografie über das Leben und Werk des preußischen Baumeisters "Andreas Schlüter"2) (1942, mit Heinrich George). Bis Ende des 2. Weltkrieges übernahm Theodor Loos Aufgaben in Produktionen wie "Heimaterde" (1941), "Die Entlassung"2) (1942), "Ewiger Rembrandt"2) (1942), "Reise in die Vergangenheit"2) (1943), "Gabriela Dambrone"2) (1943) oder, "Philharmoniker"2) (1944) – um nur einiges zu nennen. Der Hans Moser-Streifen "Der Millionär"2) (1944/45) gelangte erst am 17.01.1947 in die Lichtspielhäuser, "Der Fall Molander"2) (1945) blieb unvollendet.
 
Während der Kriegsjahre bekleidete Loos hochrangige Ämter, wurde 1942 beim "Großdeutschen Rundfunk" zum Leiter der "Künstlerischen Wortsendungen" berufen. Daneben gehörte er zum Kuratorium der "Goebbels-Stiftung für Kulturschaffende", war Präsidialbeirat der NS-Organisation "Kameradschaft der Deutschen Künstler"1) und der "Reichsfilmkammer"1). Im August 1944 nahm ihn Goebbels in die "Gottbegnadeten-Liste"1) der unentbehrlichen Schauspieler auf, die er für seine Propagandafilme benötigte.3)  
Mit Einmarsch der russischen Truppen in Berlin floh Theodor Loos über Prag nach Salzburg, in Deutschland erhielt er zunächst Berufsverbot. Nach seiner Rehabilitation durch die französische Militärregierung ließ er sich in Tübingen nieder und spielte dort Theater, ab August 1949 gehörte er zum Ensemble des "Württembergischen Staatstheaters" in Stuttgart; außerdem arbeitete er für den Rundfunk. Vor der Kamera stand er nur noch sporadisch, so erhielt er eher unbedeutende Rollen in dem Krimi "Mordprozeß Dr. Jordan"1) (1949), den Abenteuern "Sterne über Colombo"1) (1953) und "Die Gefangene des Maharadscha"4) (1953) sowie zuletzt in der musikalischen Komödie "Rosen aus dem Süden"2) (1954).
 
Der 1937 zum "Staatsschauspieler" ernannte Theodor Loos starb am 27. Juni 1954 in Stuttgart im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines schweren Gallenleiden; kurz zuvor war er für seine Leistungen mit dem "Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" ausgezeichnet worden. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Waldfriedhof ((Neuer Teil) in Stuttgart-Degerloch → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der Schauspieler war vier Mal verheiratet, seine erste Ehe schloss er mit Maria Göldel, die zweite Verbindung ging er mit Kläre Fiedler ein. Nach einer weiteren Heirat ehelichte er Gisela Wortmann.5) Loos war Vater zweier Söhne aus erster Ehe, die im 2. Weltkrieg gefallen sind.
In Berlin-Gropiusstadt und Berlin-Rudow erinnert der "Theodor-Loos-Weg" an den einstigen Theater- und Filmstar, dessen Filmografie mehr als 220 Kinoproduktionen umfasst.
Kurzportrait in Anlehnung an "CineGraph", Lg. 32;
siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, www.deutsche-biographie.de, filmportal.de
sowie den Artikel des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge e.V.
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de
Quelle:
3) Wikipedia (abgerufen 27.03.2015) mit entsprechenden Quellenangaben
5) www.deutsche-biographie.de
Lizenz Foto Theodor Loos (Urheber Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
Kinofilme (Auszug)
Die umfangreiche Filmografie findet man bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
Stummfilme (Auszug) Tonfilme (Auszug)
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